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Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Calida78
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Beitrag von Calida78 » 29.08.2017, 13:22

Hallo kamarasow,
Geht mir ähnlich wie Dir. Im realen Leben habe ich keinen trockenen Alkoholiker. Aber ich habe gemerkt, nicht nur mit trockenen Alkoholikern kann ich meine Runden drehen. Ich hab eine Freundin gefunden, die ganz ähnliche Dinge umtreibt wie mich, nur dass es mir durchaus schon und bei ihr nicht durch eine Suchtkrankheit motiviert ist. Das aber ist dann für mich gar nicht entscheidend. Frieden finden ist auch eines der Themen, mit denen wir uns immer wieder beschäftigen.
Ich bin überzeugt, es gibt überall Menschen, die zu einem passen. Und sie werden kommen, wenn man offen und bereit ist.
Liebe Grüße
Calida

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 14.10.2017, 23:56

Hallo Forum,
für mich ist heute ein besonderer Tag. Die Abstinenz jährt sich. In der Vergangenheit dachte ich schon öfters an diesen Moment. Ich stellte mir vor, dass man nun irgendetwas Magisches oder Weises schreiben müsste. Aber jetzt, wo es soweit ist, fallen mir keine Worte ein. Vielleicht finde ich später ausführlichere Worte.
Während ich hier schreibe, liegt die Familie friedlich schlummernd in den Betten. Das fühlt sich gut und warm im Herz an. Besoffen wäre das Gefühl nicht möglich.

Karamasow

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 15.10.2017, 12:38

Hallo Kamarasow,

herzlichen Glückwunsch zum ersten Trockengeburtstag. Ich freue mich mit dir. Bleib so achtsam mit dir wie bisher, und mach weiter das, was du im vergangenen Jahr offenbar richtig gemacht hast. :)

Einen schönen trockenen Sonntag mit deiner Familie wünsche ich dir!

Viele Grüße
Thalia

atze-5
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Beitrag von atze-5 » 15.10.2017, 17:04

Hi,
herzlichen Glückwunsch auch von mir. :) Mögen noch viele trockene Geburtstage dazukommen.
atze

Correns
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Beitrag von Correns » 15.10.2017, 18:10

Hallo Kamarasow,

herzlichen Glückwunsch.
Ich wünsche Dir einen weiterhin guten Weg.
Vor allem wünsche ich Dir Zuversicht,
wenn es einmal nicht so gut läuft.

Viele Grüße
Correns

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 16.10.2017, 13:38

Danke euch,
Correns (den ich auch gern lese) schrieb in seinem Thread, dass augenscheinlich viele user nur lesen und wenig schreiben. Zu dieser Sorte user würde ich mich auch zählen. Oft habe ich selbst nichts groß beizutragen, da vieles schon geschrieben wurde oder man nicht in der Stimmung ist etwas zu schreiben. Den Gedankengang folgend will ich meinen Weg - ohne viel Geschwafel - zu einem Jahr Abstinenz aufzeigen. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen stillen nassen Leser.

Wieviel trank ich?
- 1 Flasche Wein am Abend, jeden Tag ca. 3-4 Jahre lang

Warum trank ich?
- Anfangs zur Entspannung/Berauschtheit nach der Arbeit oder nach dem Sport. Zum Teil aus Überforderung.
- mir fällt es schwer, nach der Arbeit runterzufahren
- aus wenigen Gläsern pro Woche wurde eine Flasche Wein pro Tag

Warum nichts trinken?
- Alkohol ist ein Gift
- Alkohol schädigt dauerhaft Körper und Hirn
- Alkohol löst keine Probleme, sondern ist nur ein weiteres Problem, das die Lösung der anderen Probleme erschwert oder unmöglich macht
- Alkohol verdrängt nur
- der Suff schädigt u.U. deine liebsten Mitmenschen

Warum wollte ich nichts mehr trinken?
- ich war nicht mehr Leistungsfähig auf Arbeit
- ich hatte Angst um meine Kinder
- ich hatte/habe Depressionsschübe
- ich wollte aus der Alk-Sklaverei raus (miese Gefühle beim Einkauf, Mittags Gedanken an den abendlichen Suff)

Was waren die ersten Schritte?
- Hier sehr viel nass gelesen. Insbesondere: "Lebensgeschichten - Erfahrungsberichte - Das Leben nach dem Alkohol"
- Eingeständnis, dass man Alkoholiker ist
- Hier angemeldet und Hinweis auf Arztbesuch bekommen
- Kalter Entzug (das war falsch) und Arztbesuch (Gesundheitscheck und viel wichtiger: Jemandem Fremden sagen, dass man zuviel trinkt und Alkoholiker ist)
- bei dem Anfangs starken Suchtdruck viel getrunken (Wasser, Saft, Cola) oder durch Sport abgelenkt
- sämtlicher Alkohol aus Wohnung entfernt (Teil der Grundbausteine)
- den engsten Kreis über die Absichten informiert und um entsprechende Berücksichtigung gebeten (z.B. 1.Weihnachten und Geburtstag war komplett alkfrei für die Gäste. Das ist u.U. sehr schwierig.)

Was wird besonders schwer:
- den Suchtdruck überstehen. Die böse Seite der Macht zieht euch ständig auf die falsche Seite. Seid euch dessen bewusst.
- den sozialen Druck überstehen. Das wird gleichwertig schwer, wenn nicht sogar schwerer. Freundschaften gehen zu bruch. Feierlichkeiten werden gemieden. Die Prämisse ist, dem Alkohol aus dem Weg zu gehen. Für die Gesellschaft ist Alkohol Spaß und Vergnügen, für mich jedoch Gift. Das stößt nicht bei jedem auf Verständnis. Stabil bleiben.
- das Verältnis zur Nicht-Alkohol-Frau: Sie kennt dich als benebelten Typen am Abend. Auf einmal redet der häufiger tiefsinnig mit wachen Geist. Daran müssen sich beide gewöhnen. Es wird Situationen geben, in denen sie sich den benebelten Typ zurückwünscht.
- für mich: alternative Entspannungsmethoden zu entwickeln, sich selbst verstehen und akzeptieren, insbesondere die eigenen Schwächen annehmen und ok zu finden.

Was hat sich nach dem einem Jahr verändert:
- Das Hirn verändert sich langsam und stetig. Alles wird wieder klarer und sortierter. Der Suchtdruck nimmt mit der Zeit ab.
- Die Blickweisen auf die Welt und die eigene Persönlichkeit. Früher war ich mit Alkohol gesellig, heute eher maulfaul und ungesellig.
- Wo man früher unlösbare Probleme sah, werden jetzt auch Lösungen sichtbar. Alles wirkt aufgeräumter.
- ich bin wieder leistungsfähig
- ich kann mich wieder an den vielen kleinen Dingen, die einem die Welt so bietet erfreuen (bspw. Sonnenuntergang, Blaumeisen, Kinderlachen, Quatsch mit den Kindern machen, schöne Musik, Bücher, Sport)
- die Depressionsschübe werden weniger und kürzer
- das Thema Alkohol rückt nach und nach in den Hintergrund. Man denkt einfach nicht mehr daran und schafft Platzt für andere Gedanken.

Falls das einer der stillen und unschlüssigen Leser liest: Ihr kommt da raus. Seid kein Sklave des Gifts und der Industrie.

Karamasow

Correns
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Beitrag von Correns » 17.10.2017, 06:10

Danke Karamasow...

...für diese sehr persönliche Bestandsaufnahme!

Und sie ist auch sehr hilfreich.
Nicht jeder wird alles von sich in Deiner Liste finden,
aber doch ziemlich viel.
Trockenwerden ist kein einfacher Prozess.
Aber er ist nicht so schwierig,
als dass man ihn nicht schaffen könnte.

Ich z.B. bin sehr oft gestrauchelt.
Ich war zu oft halbherzig dabei.
Seit ich mich jedoch fokussiere
und aus dem Trockenwerden etwas Wichtiges mache,
klappt es. Meine Fokussier-Hilfe ist das Forum.

Viele Grüße
Correns

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 24.10.2017, 22:07

Glückwunsch Karamasow!

Gut gemacht!

Weiter so!

Gruß
Carl Friedrich

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