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Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Pellebär
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Beitrag von Pellebär » 17.01.2018, 16:14

Moin Kamarasow,

ich bin alkoholkrank, für eine Krankheit muss ich mich nicht schämen, wohl aber für so einigen Mist, den ich trinkend verzapft habe.

Auf trinkende Menschen wirkt ein nichttrinkender erst einmal unheimlich, es wird ein Spiegel vorgehalten, das ist unbequem.

Entscheidend ist, dass ich mich als die, die ich bin akzeptiere. Meine Art zu leben gefällt​ sicher nicht allen, mir gefällt​ ja auch nicht jede Art zu leben, aber meine, die gefällt​ mir, denn sie hat mir eine unglaubliche Freiheit beschert, die ich nie mehr missen möchte​.

LG PB

Florian73
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Beitrag von Florian73 » 17.01.2018, 17:30

Pellebär hat geschrieben:Moin Kamarasow,

für eine Krankheit muss ich mich nicht schämen, wohl aber für so einigen Mist, den ich trinkend verzapft habe.

LG PB
...wem sagst Du das... *g*... schon bemerkenswert, welchen Müll ICH von mir gegeben habe... gut, das kann mir auch völlig nüchtern passieren *chch*.. aber ned in dem Ausmass...

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 17.01.2018, 22:20

kamarasow hat geschrieben: nein, keine SHG. Bisher habe ich mich ausschließlich hier, mit der Familie und mit ein paar engeren Bekannten ausgetauscht.
Der Gedanke, sich mit Fremden über den eigenen Alkoholismus und über eigene private Angelegenheiten auszutauschen stößt mich derzeit ab. Sicherlich wird die Fremdelei in der Gruppe mit der Zeit abnehmen, aber irgendwie fehlt noch ein initialer Schubs. Auch gedanklich.

Ein aktuelles Gedankenkarussel, das mich beschäftigt, ist folgendes: Manchmal fühle ich Scham. Scham darüber ein Alkoholiker zu sein.
Hallo Karamasow!

Ich finde, Du bist hinsichtlich des Themas Trockenarbeit etwas dünn aufgestellt:

Keine Therapie (oder?), keine SHG, kein regelmäßiger Austausch hier im Forum, das sieht mir von der Papierform her nicht nach solider Absicherung der mühsam erarbeiteten Trockenheit aus.

Ja Alkoholismus ist für den Betroffenen "schambehaftet". In dieser Gesellschaft wird fast jede Krankheit akzeptiert, eine Suchterkrankung ist dagegen nicht so gut beleumundet.

Die Bewältigung dieses subjektiven Gefühls hat bei mir gedauert. Wir haben dieses Thema in meiner ambulanten Therapie erörtert. Das hat mir geholfen, dieses Gefühl zu verstehen und letztlich in den Griff zu bekommen. Auch hierbei hilft der Faktor Zeit. Wie heißt es so schön im Volksmund: "Zeit heilt alle Wunden."

Denk noch mal über deine Trockenarbeit nach. Da ist noch Luft nach oben.

Gruß Carl Friedrich

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 18.01.2018, 08:42

Guten Morgen,
gleich schwerer Tobak am frühen Morgen. Nun denn.
Was hast du denn in der Zeit über Alkoholiker gedacht, als du noch nicht süchtig warst?
Wenn ich ehrlich bin, komme ich dabei nicht gut weg. Ich war erst spät ein Trinker mit ca. 30 vielleicht. Demnach hatte ich als Erwachsener viel Zeit nüchtern über Alkoholiker ein Urteil zu fällen. Und das Urteil war null vorurteilsfrei. Früher war für mich ein nasser Alkoholiker ein Mensch, der es nicht geschafft sich im Griff zu halten. Ein Mensch, der Probleme hatte oder überfordert war und die Probleme oder Überforderung wegsoff. Ein Mensch, der die Realität nicht sehen wollte wie sie ist, weil es zu weh tat oder nicht dem entsprach was er sich früher vorgestellt hatte. Ja und in Summe deshalb irgendwie auch ein schwacher Mensch.
Ich glaube genau diesen Grundtenor in der Gesellschaft auszumachen. Und dementsprechend wird dann auch der trockene Alkoholiker mit Skepsis beäugt. Er ist jetzt zwar trocken, aber wer weiß, wann er wieder rückfällig wird.
Jetzt, da ich selbst Alkoholiker bin, sehe ich das aus einem anderen Blickwinkel. Aber so hart es klingt, ein Teil der Vorurteile treffen für mich zu. Das was mir die Krankheit u.a. gelehrt hat ist, die Arroganz in der Beurteilung über andere Menschen zu verlieren. Wenn ich jetzt einen nassen Alkoholiker sehe, empfinde ich Mitleid, weil ich weiß wie es ist ein Sklave der Droge zu sein.

@Carl Friedrich: Ja, auch keine Therapie. Ich werde darüber nachdenken müssen, was für mich konkret Trockenarbeit sein soll.

Zeit erscheint erstmal ein guter Ratgeber zur Bewältigung des subjektiven Gefühls.

Viele Grüße
Karamasow

Karsten
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Beitrag von Karsten » 18.01.2018, 09:11

Hallo Karamasow,

TRockenheitsarbeit bedeutet für mich, ständig und vor allem regelmäßig etwas zu machen.
Ob es nun Therapie und/oder der Erfahrungsaustausch ist, muss jeder für sich entscheiden, aber wichtig ist eben, etwas richtig und kontinuierlich zu machen.
Mal da etwas, mal da etwas, ist dann eben zu oberflächlich.


Gruß
Karsten

Florian73
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Beitrag von Florian73 » 18.01.2018, 09:12

Nun, ich wollte das auch erst ohne Therapie und ohne IRL-SHG durchziehen. Da ich dies jedoch während meinen selbstauferlegten Trinkpausen gemacht habe, und es stets zu einem verfrühten Abbruch der Pause geführt hat, sehe ich darin wenig Wert oder Sicherheit. Klar, besser als zu trinken und so weiter zu machen wie vorher ist es auf jeden Fall.
Aber gerade als labiler Mensch - und das bin ich - sollte ich mir möglichst viele "Anker" zulegen.
Für mich ist es völlig ausser Frage dass ich...

.... in eine SHG vor Ort gehen muss. Habe eine gefunden, sie scheint nett zu sein. Und ehrlich.

.... bei einer Fachstelle für Suchtproblematik regelmässig ein Einzelgespräch führe. Habe ich vorgestern gemacht, und es war gut/aufschlussreich.

.... eine Psychotherapie aufnehme. Es gibt nämlich gute Gründe, warum man ein "Suchtmensch" ist. Und diese sind nicht nur durch "Veranlagung" zu erklären. Ich denke dass es wichtig ist, seine eigenen Abgründe nebst demjenigen der Suchtproblematik zu kennen, und zu verarbeiten.

..... das Leben zu verändern. Da bin ich noch nicht so gut unterwegs/aufgestellt, aber das wird schon noch. Bin ja erst bei Tag 5. "Es reicht nicht, nicht zu trinken" eben... (der beste Satz den ich seit langem gelesen habe)

Insofern.. ich kann Therapien / Gesprächsrunden nur wärmstens empfehlen. Sie geben ein bisschen mehr Stütze, Sicherheit... (wobei man ja eigentlich NIE wirklich in Sicherheit zu sein scheint)

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 23.01.2018, 09:00

Okay, Trockenarbeit.

Vor ein paar Tagen war ich mit einem nahestehenden Menschen im Fußballstadion. Durst hat man da auch. Wir standen in der Schlange und ich schaute auf die Angebote. Da fragte er mich tatsächlich, ob ich einen Glühwein haben wöllte. Dafür hatte ich nur einen bösen Blick und ein genervt-fragendes "neeein?!" übrig. Mehr Worte wurden darüber nicht gesprochen. Ich trank eine Cola und er auch.
Im Nachhinein habe ich mich darüber sehr geärgert. Eigentlich schon währenddessen. War es Naivität? Dachte er, er tut mir etwas gutes? Wollte er selbst Alkohol trinken? Findet er es doof, dass ich nichts mehr trinke? Ist er eigentlich selbst Alkoholiker? Beim Schreiben bemerke ich, dass es sich sortiert und ich mit ihm über die Situation nochmal sprechen muss. Das hätte ich vermutlich gleich machen sollen, aber da konnte ich noch nicht.

Karamasow

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 23.01.2018, 09:09

Hallo Karamasow,

wusste er das du Alkoholiker bist oder dachte er das du nur zur Zeit nichts trinkst?

Gruß Hartmut

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