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Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Waschbaer
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Beitrag von Waschbaer » 07.05.2018, 11:46

Hallo kamarasow,
Das Problem ist das Finden einer Lösung, um alle zufrieden zu stellen. Die Variante: "Mein Haus, meine Regeln, die anderen sind mir egal." ist aus meiner Sicht als etwas grob einzuschätzen.
Meine Lösung war schon immer Offenheit.
Ich habe im laufe meiner Anfangstrockenheit sehr oft mit anderen über meine Gefühle und Emotionen im Bezug zum Alkohol geredet.
Habe erzählt was der Anblick von Trinkenden oder Alkohol bei mir auslöst. Habe erzählt wie ich manchmal innerlich kämpfe.
Meine Wohnung war von Anfang an Alkoholfrei. Gläser und alles was an Alk. erinnern könnte landete im Müll.
Meine Wohnung bleibt in jeglicher Hinsicht „vermutlich“ für immer alkoholfrei.
Trotzdem kommen mich viele Bekannte und Freude besuchen. Keiner vermisst irgendetwas.
Und wenn doch, bezieht es sich nicht auf den Alkohol, da meine Wohnung ,heute, für alle selbstverständlich alkoholfrei ist und bleibt.
Kein normal trinkender wird verstehen was in einem Alkoholiker alles vorgeht, bis Ich erzähle wie es mir damit geht oder was es bei mir auslösen könnte/kann.
Bis heute bleibe ich jeglichen Feiern fern, wo Alkohol die erste oder zweite Geige spielt. Einsam bin ich dadurch nicht geworden.
Nur die Prioritäten haben sich verschoben, nicht der gesamte Bekannten und Freundeskreis.
Die, die es nicht verstehen wollen, denen bin ich eh egal !

Gruß Nobby :wink:

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 08.05.2018, 08:25

Hartmut hat geschrieben:
Grauzonen
Gibt es nicht risikofrei.
Das ist wohl der springende Punkt. Es liegt an mir, ob es das Risiko wert ist.
Zur Offenheit: Im engsten Kreis habe ich keine Probleme damit. Unwohl fühle ich mich bei entfernteren Leuten. Da erzähle ich nur das nötigste, wenn überhaupt. Im engsten Kreis stoße ich jedoch z.T. an Grenzen. Selbst wenn man es logisch auseinander legt, ist manchmal keine Einsicht da. Das ernüchtert mitunter.
Wichtig ist, dass ich auf mich schaue. Ob es die anderen nachvollziehen können oder nicht ist sekundär. Es würde mich zwar freuen, aber es ist keine Voraussetzung oder Randbedingung für mein alkoholfreies Leben.

Grüße
Karamasow

Linde66
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Beitrag von Linde66 » 08.05.2018, 22:10

Hallo karamasow,

du bist ja erst 38, d. h. du hast noch kleine Kinder, oder? Da hat doch Alkohol eh nichts auf der Feier verloren.

Nimm dich wichtig. Kämpf für deine Sache. Kein Kind will einen Papa, der wieder sauft.

Ich bin EK und meine Geburtstage waren die Erwachsenen alle angesoffen, das war furchtbar. War und ist mir egal, ob das "dazugehört" hat. Ist doch Mist. Kann mich noch gut erinnern, wie es mich immer angeekelt hat, den Alk zu riechen. Ach, will gar nicht tiefer drüber nachdenken, denn da kommen ungute Erinnerungen hoch. Die Erwachsenen haben die Kindergeburtstage als Anlaß genommen, um mal wieder saufen zu "dürfen" und wir Kinder hatten uns gefälligst mit uns selber zu beschäftigen.

Lieber Gruß, Linde

Correns
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Beitrag von Correns » 09.05.2018, 07:04

kamarasow hat geschrieben:...Selbst wenn man es logisch auseinander legt, ist manchmal keine Einsicht da...
Guten Morgen kamarasow,

mit Diskussionen habe ich auch kein Glück gehabt.
In der Anfangszeit wurde ich regelmäßig für meine "Spinnerei" aufgezogen.
Vor allem mein Bruder hat sich dabei ziemlich hervorgetan.
Seit ich auf das vermeintliche Diskutierenwollen nicht mehr eingehe,
haben die Leute das Interesse an dem Thema verloren.
Und ich selbst konnte damit das Thema für mich retten.
Es ist so wie Du schreibst: wichtig ist Dein eigener Umgang mir Deiner Krankheit.
Weiterhin einen guten Weg und einen wunderschönen Tag

Viele Grüße
Correns

Gotti
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Beitrag von Gotti » 09.05.2018, 07:14

Hallo Karamasow !

Obwohl es bei uns schon etwas länger her ist, dass wir solche Situationen hatten, kann ich deine Gefühle unbewusst nachempfinden, denn ich war sowas von Co - abhängig.... Eine große Feier meiner Eltern "musste" mit Alkohol gefeiert werden, weil meine Stimme zu leise war. Ich spüre noch genau die Wut, die Enttäuschung, und auch die Angst um die damalige Trockenheit meines Mannes, der sehr viel geholfen hatte. Gläser spülen, Kisten und Flaschen schleppen, bedienen....
Vielleicht ist es gut, vehement darauf hinzuweisen, dass das Gift des Alkohols den Betroffenen umbringen kann. Und sogenannten "Tuschlern" usw. den Wind aus den Segeln nehmen, mit der Frage, ob es ihnen egal ist.
Hätte ich damals besser wissen sollen.
Naja, hätte , wäre, ... nützt mir/ meinem Mann jetzt nichts mehr, aber du kannst noch alles schaffen!!!!
Ich wünsche dir ganz viel Energie und Fantasie und Mut für gute Gespräche mit deiner Familie, und deinem Bekanntenkreis, damit ihr auf eine zufriedenstellende Ebene für ein entspanntes Miteinander kommt!
Alles Gute für dich! Gotti.

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 09.05.2018, 10:22

Hallo Ihr, Danke für die Rückmeldungen. Es hilft, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Linde66 hat geschrieben:Die Erwachsenen haben die Kindergeburtstage als Anlaß genommen, um mal wieder saufen zu "dürfen" und wir Kinder hatten uns gefälligst mit uns selber zu beschäftigen.
Das ist es, leider. Kindergeburtstage oder wie neulich die Jugendweihe des "Kindes" sind nur ein willkommener Anlass der Erwachsenen um zu saufen. Die Kinder dürfen sich selbst beschäftigen. So ist es in meiner Familie seit ich mich erinnern kann. Grinsende Sprüche wie: "Mach dich doch mal locker." keine Seltenheit (ich begann ja erst spät mit Saufen).
Gotti hat geschrieben:Gläser spülen, Kisten und Flaschen schleppen, bedienen....
Mhm. Kommt mir bekannt vor. Das Fazit der letzten Feier ist, dass ich das nicht mehr machen werde. Das war nicht einfach für mich. 1,5 Jahre Abstinenz sind eben noch nichts.

Grüße
Karamasow

kamarasow
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von kamarasow » 22.06.2018, 09:06

Hallo Forum,
vor ein paar Tagen sah ich einen alten Mann (ca. 70 Jahre), der mit einem Bier in der Hand ein Fußballspiel am Beamer verfolgte. Er sah zufrieden aus. Drogenweichgespühlt. Ich fragte mich, ob ich das sein könnte. Wenn ich nach einem langem Leben keine Verantwortung mehr für jemandem habe und in gewisser Weise nur auf den Tod warte. Ich konnte in dem Moment die Frage nicht klar beantworten. Das Suchtgedächtnis meldete sich jedenfalls deutlich. Ich schreibe das hier nieder, um dem Gedanken die Kraft zu nehmen, denn das hilft erfahrungsgemäß ziemlich gut. Negative Gedanken relativ zeitnah rauszulassen ist für mich ein guter Schlüssel. Somit verstricke ich mich nicht im eigenen (z.T. suchtgetriebenen unlogischen) Gedankensalat. Nach ein paar Tagen sieht man den gleichen Sachverhalt meist gelassener oder gleichgültiger.

Grüße
Karamasow

Karsten
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Karsten » 22.06.2018, 09:22

Hallo Karamasow,

es ( hier ) aufzuschreiben, kann auch eine Art loslassen der Gedanken sein.

Gruß
Karsten

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