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Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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kamarasow
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von kamarasow » 29.01.2019, 08:54

Hallo Ihr,
hallo Hartmut,
Für mich ist es ein Unterschied ob die Gedanken von allein kommen oder ich sie bewusst herbeiführe und zu Ende denke.
Grundsätzlich bezog ich mich auf die spontanen Gedanken, hervorgerufen durch Schlüsselreize xyz.

Wie ihr ja auch schon schrubt, schrobt, schriebtetet: Wichtig ist, sich in dem Gedanken zu Trinken nicht zu lange zu suhlen oder zu verweilen. Reale und gedankliche Ablenkung hilft. Was im Übrigen auch die Schwachstelle des Suchtgedächtnisses ist: Ablenkung sowie Zeit. Wenn es darüber hinaus noch ein bisschen vergesslicher wäre.. Aber nuja, es ist wie es ist.

Apropos nicht vergesslich: Als ich die paar Zeilen formulierte und mir Gedanken über die Thematik machte, lief mir soeben etwas Spucke im Mund zusammen. Da erschrickt man erstmal, über das ansonsten in der Ecke dickschende Suchtgedächtnis. Ich werde mal weiterarbeiten. :D

Grüße
Karamasow

Cadda
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Cadda » 29.01.2019, 15:08

Hallo nochmal Hartmut,

ich habe hier schon öfter mal gelesen, jemand hätte noch ein nasses Denken und dass derjenige deshalb gar nicht richtig trocken sei. Ich selbst z.B. fühle mich inzwischen trocken, auch wenn ich erst seit nicht ganz 1,5 Jahren nichts trinke. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich ein nasses Denken habe. Aber diese Gedanken, wie von Karamasow beschrieben, die kommen zwangsläufig manchmal automatisch.

Ich hab das, was Du geschrieben hast,aber vielleicht falsch eingeordnet.

Liebe Grüße

Mario B.
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Mario B. » 30.01.2019, 13:00

Cadda hat geschrieben:
29.01.2019, 15:08
ich habe hier schon öfter mal gelesen, jemand hätte noch ein nasses Denken und dass derjenige deshalb gar nicht richtig trocken sei.
Bei mir persönlich kommt in der Tat auch oft der Eindruck auf dass dieses "nasse Denken" nur von Langzeittrocknen erfunden wurde um sich dann doch irgendwie noch von den Kurzzeittrockenen abheben zu können. Die Verwendung des Begriffs "trocken sein" hat ja eine ähnliche Exklusivität, Frischlinge dürfen nicht trocken sein, allerhöchstens abstinent. :wink:

Frei nach Orwell: Alle trockenen Alkoholiker sind gleich, aber manche sind gleicher. :lol:

Gruss,

Mario B.

Karsten
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Karsten » 30.01.2019, 13:08

Hallo Mario,

irgendwie ist da auch was dran :)

Wenn man noch auf der Suche für sich selbst ist, wie man ohne Alkohol dauerhaft UND zufrieden leben kann, kann man gedanklich noch nicht soweit sein, wie jemand, der bereits über mehrere Jahre ein zufriedenes trockenes Leben führt.

Ich finde das aber nicht als abwertend.

Wichtig ist, dass jeder die Trockenheit an erster Stelle setzt und den Alkohol so wenig wie möglich Raum in den Gedanken und auch im Leben selbst einräumt.

Gruß
Karsten

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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Karsten » 30.01.2019, 13:28

Hallo,

in dem Zusammenhang fällt mir noch etwas ein.

Ich finde es immer sehr bemerkenswert, wie schnell sich jemand als stabil betrachtet und völlig überzeugt ist, nie wieder Alkohol zu trinken.
Ich bin nun jetzt 20 Jahre trocken, aber dass ich nüchtern sterbe, dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen.

Im Grunde genommen geht es doch darum, von den Langzeittrockenen zu lernen, denn die wissen, wie sie es selbst geschafft haben. Das nicht in der Theorie, sondern am eigenen Leib.

Am Anfang wollen alle Neuen noch lernen. Da geht es ihnen so dreckig, dass sie alles tun würden, aber meist nur mit dem Mund.
Sind sie aber erst mal drei Wochen nüchtern, sehen sie sich schon als stabil an und stellen Erfahrungen der Langzeittrockenen in Frage.

Ist wie bei einem Lehrling, der seinem Facharbeiter erklären will, wie die Arbeit richtig gemacht wird. :)

Gruß
Karsten

Pellebär
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Pellebär » 30.01.2019, 14:39

Moin

"Nasses Denken" ist für mich das Totschlagargument der Leute, die nur ihren Weg als gangbar durchsetzen wollen. Ob ich trocken oder nüchtern bin, ist mir auch im 11. Jahr ohne Alkohol egal.

Ich lebe ein zufriedenes und freies Leben ohne Alkohol. Nur das ist mir wichtig. Ob ich jemals wieder trinke? Keine Ahnung! Darüber mache ich mir keine Gedanken. Irgendwann muss ich irgendeinen Tod sterben.

PB

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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Karsten » 30.01.2019, 16:54

Hallo PB,

es sind ja nur Worte.
Wichtig sind Handlungen, die eine dauerhafte Nüchternheit bringen können.

Gruß
Karsten

Hartmut
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Hartmut » 30.01.2019, 21:39

Hallo zusammen,

ich verbinde nasses Denken mit sucht orientiertes Denken. Wenn mich Suchtdruck überkommt und ich mir Gedanken mache das nun ein Glas Alkohol die Lösung wäre ist für mich genauso ein nasses Denken sowie auch, wenn ich mir im Vorfeld ausmale, dass mir ein nasses Umfeld nichts ausmacht. Ein Nichtalkoholiker kennt das ja nicht. Ob der eine das als negativ oder positiv einordnet ist seine Sache.

Es ist wohl der heutigen Zeit geschuldet, jedes Wort auseinanderzunehmen, es zu dramatisieren oder etwas Schlechtes dran zu finden, ohne sich ansatzweise zu überlegen, dass es auch was Gutes bedeuten kann.

Gruß Hartmut

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