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Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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Waschbaer
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Waschbaer » 21.03.2019, 15:17

Hallo Kamarasow,

dann hatte ich das, nach dem Mannschaftssport, anders verstanden.
Wenn dich bei dem „ Ausschwitzen“ nix triggert ist es doch in Ordnung.
Wenn du halt andere Gefühle bekommst, solltest du den Ort halt verlassen.
Aber das brauche ich dir nach 2,5 Jahren wohl nicht mehr zu schreiben. :)
Schönes Wochenende
Nobby :wink:

kamarasow
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von kamarasow » 20.05.2019, 10:45

Hallo Forum,
bei mir gibt es nichts neues. Der Alkohol rückt fast vollständig in den Hintergrund. Die Themen des Alltags bestimmen meinen Tag. Und die sind äußerst umfänglich.

Am Anfang der Abstinenz konnte ich nichts mit dem Begriff der Kapitulation anfangen. Ich verstand es nicht, weil aus meiner Sicht das Nichttrinken doch ein Auflehnen gegen die Sucht war. Also eher ein Kampf. Weshalb daher kapitulieren? Später irgendwann, vestand ich, dass mit Kapitulation eine Einsicht gemeint ist, dass der Alkohol immer gegen dich siegen wird. In etwa: "Jaja, du - Alkohol - bist stärker und ich schwach. Ich werde keine Kontrolle über dich haben.". Jetzt nach vielen Monaten, glaube ich, den Begriff der Kapitulation erst richtig zu fühlen. Bildlich gesprochen ist es ein vorbeigehen an einer Statue. Man nickt sich zu, hat aber kein Interesse die Statue zu verrücken oder gar auf ihr zu reiten. Denn egal wie man es anstellt, man würde verlieren. Die Statue hingegen ist da und wird da immer stehen. Soll sie doch. Ich werde an ihr vorbeilaufen.

Worauf ich mit dem vorherigen Absatz hinaus wollte ist, dass das Verständnis über eine Sache am Anfang unlogisch erscheint, später aber logisch verstanden werden kann und am Ende sogar verstanden und als "richtig" gefühlt werden kann. Im Nachhinein betracht erstreckt sich diese Feststellung nicht nur auf den Begriff der Kapitulation. Ich finde, dass es gut unsere psychische Erkrankung widerspiegelt.

Viele Grüße
Karamasow

kamarasow
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von kamarasow » 18.06.2019, 11:00

Hallo Forum,
bevor ich begann, diesen Beitrag zu schreiben,überlegte ich, wie lange ich nun abstinent sei. Ich stellte fest, dass ich nichteinmal die Monate mehr zähle. 977 Tage sagt ein Online-Rechner. Hm. Bedeutet das etwas? Für mich ja, denn ich trinke 977 Tage kein gehirnzerstörendes Nervengift. Neulich beim Griechen rückte sich beim Anblick und Geruch eines Ouzos das Suchtgedächtnis derart in den Vordergrund, als ob ich nie abstinent gewesen wäre. Und es war nur ein ganz kleiner mechanischer Unterschied, den Ouzo wegzuschieben oder an den Mund zu führen. Leute, passt auf euch auf. Geht dem euch triggernden Zeug aus dem Weg.

Insgesamt habe ich mit vielen Dingen meinen Frieden machen können. Früher regte es mich innerlich auf, wenn die Gesellschaft den Alkohol glorifizierte. Fragen wie: "Zählst du Alkohol zu Drogen?" ernsthaft gestellt werden. Oder Aussagen wie "Ich nehme keine Drogen, trinke aber regelmäßig Alkohol" medial verbreitet werden und allgemein akzeptiert sind. Mittlerweile habe ich dafür ein inneres Schulterzucken übrig. Meine einzige Aufgabe zum Thema Alkohol ist, meinen Kindern den Alkohol zu entglorifizieren und darauf zu hoffen, dass sie nicht den gleichen Fehler wie ich machen. Die Anderen können saufen und tun was sie wollen, solange sie mich in Frieden lassen. Ich werde nicht den Moral- und Gesundheitsapostel spielen.

Traurig anzusehen ist, wie sich die Rentner-Eltern beim Thema Alkohol gehen lassen. Es wird nicht übermäßig gesoffen, man hat alles im Griff, jedoch ist der Konsum zu viel. Man muss nicht mehr auf Arbeit, die Kinder stehen mit beiden Beinen im Leben und die Rente ist so, dass man 2x in den Urlaub fahren kann. Manche würden sagen, sie genießen eben ihr Restleben, das sie noch haben. Ich stellte mir die Frage hier schonmal im Thread: Werde ich im Alter trinken? Das kann ich nachwievor nicht beantworten. Bin ich neidisch? Fragt sich das mein Suchtzentrum? Hm.

Vielleicht helfen dem einen oder anderen meine Beiträge, seine Gedanken einzuordnen.

Kamarasow

Carl Friedrich
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Carl Friedrich » 18.06.2019, 17:25

Hallo Karamasow!

Es ist sehr schön, dass bei dir alles gut läuft.

Was machst Du dir groß Gedanken über saufende Rentner? Stehst Du vor dem Eintritt in die Rente und hast die Befürchtung, dich könnte es wieder erwischen?

Warum solltest Du im Alter wieder saufen? Wichtig ist mir, dass man sich Beschäftigungen sucht, die einen ausfüllen. Ich werde mich wahrscheinlich an der Uni als Gasthörer immatrikulieren. Nur mal so als Anregung.

Gruß
Carl Friedrich

kamarasow
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von kamarasow » 19.06.2019, 08:07

Guten Morgen Carl Friedrich,
du hast Recht. Was schert es mich, was in 25 Jahren sein wird. Man muss auch nicht zu verkopft an die Sache rangehen und tausende "was wäre wenn"-Szenarios durchspielen. Heute und Morgen werde ich nichts trinken. Das reicht, wenn man es jeden Tag aufs Neue umsetzt.

Gasthörer an der Uni wäre eine Idee. Bleibt nur zu hoffen, ich werde nicht einer dieser peinlichen erste-Reihe-Rentner, die allen Studenten etwas von ihrer allumfassenden Lebensweisheit schwadronieren werden. :D. Die fand ich damals schon nervig.

Nuja, kommt Zeit kommt Rat.

Grüße
Karamasow

Carl Friedrich
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Carl Friedrich » 19.06.2019, 16:58

kamarasow hat geschrieben:
19.06.2019, 08:07
Bleibt nur zu hoffen, ich werde nicht einer dieser peinlichen erste-Reihe-Rentner, die allen Studenten etwas von ihrer allumfassenden Lebensweisheit schwadronieren werden. :D. Die fand ich damals schon nervig.
Hallo Karamasow!

Genau den Satz schreib dir auf, häng ihn an den Kühlschrank und lies ihn jedes mal, bevor Du die Uni aufsuchst.

Übrigens: Mir geht's genau so. :wink:

Gruß
Carl Friedrich

kamarasow
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von kamarasow » 02.09.2019, 09:36

Guten Morgen,
mich gibts noch und ich trinke keinen Alkohol. Das finde ich cool. Zwar setzen hier und da andere körperliche Gebrechen ein - aber es wäre ja schlimm, wenn es nichts mehr zu tun gäbe. Die Kinder sind fast alle in der Schule. Die Arbeit nervt nachwievor, aber vielleicht klappts mit einer projektbezogenen Dissertation. Das motiviert wieder etwas.
Ein paar Sachen klappen auch nicht, aber das wirft mich nicht um (- naja für ein paar Tage vielleicht). Aber das gehört zum Leben dazu. Scheitern und Erfolge.
Grüße
Karamasow

kamarasow
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von kamarasow » 14.10.2019, 10:07

Guten Morgen,
es gibt tausende verschiedene Redensarten und Gepflogenheiten für das Prosit vor dem Verzehr alkoholischer Getränke. Ich kenne kein einziges Prosit auf Abstinenz und Trockenheit.
Seit heute bin ich insgesamt 3 Jahre abstinent. Prost Leute (sprach er, trank einen Schluck Kaffee und aß ein Gummibärchen).

MfG
Karamasow

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