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Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Ohrenbär
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Ohrenbär » 16.06.2020, 22:54

Hallo Cadda,
So nun habe ich Deinen Thread gelesen.
Ich finde es toll, wie Du es geschafft hast. Auch in meinen Anfangszeiten der ambulanten Therapie wurde mir vermittelt. Du schaffst das. Und das war so gut für meine Seele und Wohlbefinden. Ja. Ich wollte aus dem Kreislauf raus. Viele Tiefschläge musste ich anfangs hinnehmen. Trennung vom ex, weil er kein Problem mit dem alk hatte. Berufliche Probleme. Kind seelisch krank usw. Doch mit toller Hilfe den steinigen Weg angefangen.
Und mir und meinem Sohn geht's heute so gut.
Beruflich wieder top. Schule super. Kann so weiter gehen. Es lohnt sich.

Ex behauptet auch, er trinkt nix. Na ja. Glauben kann ich das nicht. Nach dem Konsum. Einfach ohne Hilfe und dann Bierchen? Ist nicht meine Baustelle.

Wichtig ist, das Leben zu meistern mit Freude. Aber immer auf sich selbst achten.

Lieben Gruß Brigitte

Cadda
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Cadda » 02.07.2020, 07:28

Guten Morgen,

ich bin nun bald 3 Jahre trocken und habe noch nicht ein einziges Buch zum Thema gelesen. Gefühlt habe ich allerdings alle Zusammenfassungen hier gelesen :-)
Nun habe ich schon oft Buchtips hier gelesen und da ich es gern humorvoll mag, hab ich mir nun das Buch ALK von Simon Borowiak gegönnt. Allerdings als Hörbuch, was ich nur empfehlen kann.

Ich hab nämlich jetzt Urlaub und hab den Tip bekommen, es doch mal mit Hörbüchern während des Laufens zu probieren. Das hab ich ausprobiert und finde es übrigens klasse. Dass ich mit dem Buch ALK anfange, war für mich klar, weil ich schon immer gedacht habe, dass ich das mal unbedingt lesen müsste.

Nun hab ich es wie gesagt als Hörbuch und bin noch nicht mal ganz durch und kann nur sagen: Ich finde es genial!!! Und ich finde es auch genial für Leute, die nicht abhängig sind. Einfach, weil ihnen auf so gute Art und Weise erklärt wird, was in dem Hirn eines Alkoholikers vor sich geht. Von daher kann ich es auch gern allen Co-Abhängigen ans Herz legen. Vielleicht verstehen sie dann, dass sie mit ihren Hilfestellungen, ihrem Verständnis, ihren Gesprächen und ihrer Geduld nur Folgendes erreichen: Nichts!

Meine beste Freundin hat im übrigen auch angefangen, das Buch zu hören. Sie ist nicht abhängig und findet es trotzdem super und vor allem interessant. Ich finde es toll, wenn ernste Themen nicht so ernst rübergebracht werden, sondern einem so richtig naturgetreu und humorvoll ins Gesucht geklatscht werden, ohne groß drum herum zu reden :-) Also kurzum: Ich bin begeistert!

Ja, wie gesagt, ansonsten habe ich Urlaub und genieße meine Zeit. Ich bewege mich viel, egal ob in Form von joggen, walken, Fahrrad fahren oder einfach nur spazieren gehen. Ich erledige Dinge, zu denen ich sonst keine Zeit bzw. Lust habe und freue mich, dass nicht mehr viel auf meiner To-Do-Liste steht. Da stehen noch Sachen, aber die haben Zeit :-)

Ich bin wirklich zufrieden zur Zeit. Mit meinen Jungs läuft es gut, ich finde sie toll :-)
Sie werden langsam aber sicher immer erwachsener in ihrem Denken. Manchmal vergessen sie das von jetzt auf gleich und machen mich wahnsinnig, aber das gehört dazu. Grundsätzlich bin ich aber wahnsinnig stolz, weil sie einfach so gut geraten sind. Ich merke immer wieder, dass sie einfach mit einem guten Grunddenken ausgestattet sind und das beruhigt mich extrem. Sie können sich wahnsinnig gut in andere Menschen reinversetzen, sind emphatisch. Außerdem wissen sie es zu schätzen, wenn ich ihnen etwas kaufe und sind dankbar und höflich. Alles Eigenschaften, die man gut gebrauchen kann...
Also versteht mich nicht falsch: Ich hab hier keine zwei Jungs sitzen, die ihre oben genannten Eigenschaften den ganzen Tag lang ausleben. Nein, ganz sicher nicht. Die bekommen sich genau so das raufen, wie andere Jungs in ihrem Alter, überspannen den Bogen oftmals, indem sie frech sind oder schnell mal laut werden (kein Wunder, ich bin auch so) und die Augen rollen, bis man nur noch Weißes sieht :-)
Meine Jungs gehörten noch nie zu denen, die top in der Schule sind und sich nie daneben benehmen. Aber wenn es drauf ankommt, dann klappt es und wenn mal ein Streit war, dann machen sie sich ihre Gedanken dazu, können gut argumentieren und ihre Meinung vertreten, aber gleichzeitig auch einsehen, wenn sie etwas falsch gemacht haben. Eine gute Mischung würde ich sagen...

So, ich wechsele jetzt nochmal eine Runde in den anderen Bereich und dann mache ich mich auf den Weg nach draussen. Ich wünsche allen einen schönen Tag mit viel Sonne, vor allem im Herzen :-)

Cadda

Cadda
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Cadda » 26.08.2020, 09:41

Guten Morgen,

ich weiß gar nicht so genau, was ich schreiben soll. Ich fühle mich gut, bin sehr zufrieden. Nächste Woche bin ich nun seit 3 Jahren trocken und wenn ich an die Zeit davor zurückdenke, dann stelle ich fest, dass man die beiden geführten Leben vorher/nachher schwer vergleichen kann. Es ist einfach komplett anders. Nicht die Dinge, die um mich herum passieren, aber mein Inneres, mein Empfinden, mein Gefühl zum Leben.

Ich bin immer noch unendlich dankbar, den Schritt gemacht zu haben. Wenn ich darüber nachdenke, dass ich schon so lange wusste, dass ich abhängig bin und irgendwann aufhören werde und „nur“ ein einziger Grund mich davon abgehalten hat, nämlich, weil ich mich nicht damit anfreunden konnte, dass ich „nie wieder Alkohol trinken darf/kann“, dann finde ich das inzwischen verrückt, denn das ist inzwischen zu dem Gedanken geworden, den ich so klasse und beruhigend finde. „Ich muss nie wieder Alkohol trinken“.

Damals habe ich es als Last empfunden. Als Druck, als Last, als Verzicht. Wenn ich hier gelesen habe, dass sich die Gedanken und Gefühle dazu verändern, dann konnte ich mir das einfach nicht vorstellen. Es ging einfach nicht. Und nun ist es tatsächlich so. Es ist so eine Bereicherung nie wieder trinken zu müssen. Die Gefühle und die Sichtweise verändert sich einfach automatisch, wenn man sich wirklich von ganzem Herzen auf dieses neue, veränderte Leben einlässt. Ja, man muss sich komplett darauf einlassen. Dann funktioniert es. Dann funktioniert es nicht auf Krampf, sondern zufrieden.

Ich kann nur Jedem raten, den Schritt in ein nüchternes Leben zu gehen. Es lohnt sich so sehr!

Ganz liebe und zufriedene Grüße :-)

Cadda

Correns

Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Correns » 27.08.2020, 14:20

Hallo Cadda,

das ist eine sehr runde, Mut machende Schilderung. Da ist natürlich die Gefahr groß, dass Du Nachahmer finden wirst. Aber ich denke, mit dieser Gefahr gehen wir sehr gerne um.

Wenn ich mich selbst zurück besinne, sehe ich bei mir nicht zwei Phasen (vor und nach dem Alkohol) sondern drei. Als ich mich nämlich damals entschlossen habe, nicht mehr zu trinken, begann eine spannende und manchmal auch zermürbende Phase des "Umprogrammierens". Es hat bei mir einige Jahre gedauert, bis ich wirklich richtig mit dem Alkohol abschließen konnte. Es war gewissermaßen ein Waffenstillstand. Heute habe ich meinen Frieden mit diesem Stoff geschlossen. Er interessiert mich nicht mehr. Das mag zwar langweilig klingen. Für mich ist es jedoch etwas Schönes.

Viele Grüße
Correns

Peter1956
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Peter1956 » 13.09.2020, 22:27

Hallo Cadda, mir geht es genauso - ich habe mich im Laufe der Jahre, bei mir ist es ein halbes Jahrhundert an den Alkohol gewöhnt. Ich habe in der Suchtberatung der Meinung widersprochen, dass ich mir Probleme wegtrinke - die haben immer wieder nach Problemen gefragt. Ich bin Rentner, wohne in einem bezahlten Haus, habe keine finanziellen Probleme und eine intakte Familie ( Frau, Tochter und Schwiegersohn und Enkelin gesunde Geschwister und Eltern alles i.O.). Ich habe bis vor 3 Wochen manchmal mehr als einen Liter Wein oder 6 - 8 Bier getrunken und gut vertragen. Jetzt warte ich auf eine REHA um das "Wasser im Mund zusammenlaufen, wenn ich an Alkohol denke" zu verlieren. Jetzt habe ich Dich genug zugetextet - ich wünsche uns das wir es schaffen. Gruß Peter

Cadda
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Cadda » 07.11.2020, 18:45

Hallo Peter,
ich hoffe, dass Du Hilfe in der Reha findest. Vielleicht magst Du ja mal berichten, wie es Dir geht?

Hallo alle zusammen,

mir geht es gut. Ich ziehe mir seit Tagen die Wahl im TV rein und habe gerade leicht Fremdschämen :-D
Aber ich lass das Thema lieber :-)

Letzte Nacht hatte ich einen schrecklichen Traum. Ich war unterwegs mit Leuten und habe getrunken, weil ich in dem Moment vergessen habe, dass ich Alkoholikerin bin. Der Traum ging interessanterweise so weiter, dass ich überlegt habe, wie es nun weitergeht. Meine Entscheidung im Traum war, dass ich direkt am nächsten Morgen hier im Forum von meinem Rückfall berichtet habe und direkt wieder abstinent sein wollte.
Auch wenn ich mich in Wirklichkeit ganz weit weg von einem Rückfall sehe und auch in echt wohl kaum „vergessen“ würde, dass ich Alkoholikerin bin, so würde ich tatsächlich exakt so handeln, wie im Traum, nämlich sofort beichten und gegensteuern. Ich war soooo froh, als ich wach wurde und merkte, dass es nur ein Traum war.
Ich habe am Anfang öfter Träume gehabt, dann immer seltener. Muss ich auch nicht so schnell wieder haben.

Am letzten Wochenende war ich mit meinem Freund und drei weiteren Leuten für 4 Tage mit dem Wohnmobil unterwegs. Mein Freund und ich haben allein eines gehabt. Das war mir wichtig, damit ich mich jederzeit zurückziehen kann. Das war das erste Mal, dass ich Campen war, seit der Trennung vor drei Jahren von meinem trinkenden Partner. Es war so klasse. Alkohol spielt bei meinem jetzigen Freund einfach überhaupt keine Rolle. Er hat keinen einzigen Schluck getrunken und ich bin mir nicht mal sicher, ob das mir zum Gefallen war. Ich glaub, ihm wäre eh nicht danach gewesen. Und dadurch ist es für mich so schön einfach.

Ich finde es immer wieder verblüffend. Für mich hab es noch niemals so eine Zeit. Ich habe im Grunde genommen von Anfang an unnormal getrunken. Es hätte jedenfalls definitiv kein Wochenende mit Freunden gegeben, an dem ich nichts getrunken hätte.

Cadda

Kloane
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Kloane » 07.11.2020, 22:09

Hi Cadda, ja das Buch ist so toll geschrieben. Ich musste trotz dem ernsten Thema sehr oft schmunzeln.

Cadda
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Cadda » 29.11.2020, 23:40

Guten Abend zusammen,

entschuldigt, ich war so lange nicht hier. Dabei hatte ich mir doch vorgenommen, nicht nur im geschlossenen Bereich zu schreiben...

Es geht mir im Grunde genommen ganz gut. Was die Sucht angeht auf jeden Fall. Ansonsten geht es so. Im privaten Bereich ist es gerade nicht ganz so einfach, aber nüchtern kann man alles viel klarer sehen und durchdachter entscheiden.

Ich bin im Moment wieder viel draußen unterwegs. Mal joggen, mal walken und manchmal einfach nur spazieren gehen. Ich hab keine Ahnung, warum es mir phasenweise schwer fällt mich aufzuraffen, wo ich es doch im Grunde genommen so toll finde und den Wald direkt vor der Tür habe. Glücklicherweise sind die Phase immer nur von kurzer Dauer. Die Bewegung ist einfach gut für meine Seele und gerade in Zeiten, wo man nicht so gut drauf ist, so wichtig!

Die Corona-Sache ist für mich nicht so ein Problem. Der Hofladen, in dem ich arbeite, hat geöffnet und es ist gut zu tun. Immer mehr Leuten ist es anscheinend gerade jetzt wichtig, sich gesund und gut zu ernähren. Man hat wirklich das Gefühl, die Leute kaufen noch bewusster ein, als vorher und wollen sich Gutes tun.

Meinen beiden Jungs fehlt das Training. Fußball ist ja doch recht zeitintensiv gewesen, die Zeit muss nun privat gefüllt werden. Aber sie haben das ganz gut im Griff. Gezockt (PS4) wird bei uns nur am Wochenende, von daher sind sie ebenfalls viel draußen, treffen sich meistens im Dorf dann mit ein paar Jungs zum Bolzen.

Ich beschäftige mich aktuell echt viel mit mir selbst. Durch einige Geschichten hier im Forum aktuell, übertrage ich Einiges oft auf mich selbst. Das sind oft gute Gedankenanstöße. Vor kurzem schrieb ich einer lieben Co.Abhängigen, dass ich immer meine Meinung sage (es ging dabei darum, dass sie sich das nicht so traut). Ich selbst rate also dazu, offen zu sein und zu reden. Mach ich doch tatsächlich auch immer!! Dann ergab sich vor ein paar Tagen eine Situation, wo ich selbst mich bei jemanden nie traue, Klartext zu sprechen. Mach ich wie gesagt immer, außer bei einer einzigen Person aus meiner Familie. Da dachte ich mir „Du kannst nicht schlaue Ratschläge raushauen und selbst nun den Mund halten, mach Dich gerade!“. Das hab ich dann auch getan. Und es führte tatsächlich zu einem sehr ungewohnten und schweren Konflikt. Aber ich bin froh, dass ich es getan habe, denn das musste raus. Da hat das Forum mir indirekt wieder mal geholfen. Selbstreflektion lernt man hier in jedem Fall immer wieder!

Ich tippe über mein Handy. Daher nicht länger. Erstmal... ich hoffe auf einen neuen Laptop bald :-)

LG Cadda

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