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Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Cadda
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Cadda » 15.06.2020, 10:04

Einfach aus dem Grunde, weil doch jedem bewusst sein müsste, dass es eben nicht normal ist, jeden Tag mehrere Biere zu trinken? Vor allem Tags über. Ich weiß es nicht. Das Wissen, wie PB beschrieb, trinken zu MÜSSEN vielleicht. Ich weiß aber nicht, ob ich dann aufgehört hätte. Ist vielleicht ähnlich, wie beim Rauchen. Man bekommt keine Probleme, weiß aber doch, dass es eine Sucht ist, die ja auch den Körper angreift, auch wenn man das noch nicht merkt.

Pellebär
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Pellebär » 15.06.2020, 11:03

Moin Cadda,

das ist doch der Juckepunkt, es ist eben nicht jedem bewusst. Volksdroge Alkohol ist gesellschaftlich anerkannt, jeder nimmt sie, jeder darf sie nehmen. Wer sie nicht nimmt schwimmt gegen den Strom.

Alkohol ist gesellschaftsfähig, der Alkoholiker nicht. Solange ich mich nicht als Alkoholiker sehe, habe ich keinen Grund aufzuhören.

LG PB

Carmen
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Carmen » 15.06.2020, 15:08

Hallo Cadda,

als ich vor gut 10 Jahren merkte, dass ich etwas gegen meinen exzessiven Alkoholkonsum unternehmen muss, war ich rückblickend gesehen schon längst abhängig, konnte es mir selbst aber nicht eingestehen, wollte es nicht wahrhaben. Seinerzeit besuchte ich auch das erste Mal eine Selbsthilfegruppe der AAs, aber den Satz ,,Ich bin Alkoholikerin" brachte ich einfach nicht über die Lippen.

Es war zu dem Zeitpunkt aber wirklich so, dass ich mich nicht als Alkoholikerin sah, sondern nur als jemand, der aufgrund psychischer Probleme zuviel trinkt und es mit viel Disziplin wieder selbst in den Griff bekommt. Was tat ich also? Ich setzte mir feste Trinkzeiten, hielt mich mit größter Anstrengung an eine bestimmte Trinkmenge ( klappte meistens nicht und wenn, dann nur über einen kurzen Zeitraum), legte Trinkpausen ein usw. ; doch was passierte? Die Sucht wurde immer schlimmer, die Trinkmengen immer höher und der Trinkstart immer früher, bis ich dann irgendwann schon morgens trank.

Soviel zu Disziplin und Willenskraft bei der Alkoholkrankheit. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man diese Eigenschaften besitzt, aber kontrolliertes Trinken ist für einen Alkoholiker auch mit der größten Willenskraft und Disziplin nicht mehr möglich - nur die Stilllegung durch strikte Abstinenz und dabei sind die oben genannten Eigenschaften mit Sicherheit nützlich.

Warum es dann Leute gibt, die täglich trinken und trotzdem nicht abhängig werden, begreife ich auch nicht. Ohne negativen Folgen und Leidensdruck hört wahrscheinlich kaum jemand auf zu trinken - aber gibt es überhaupt Süchtige, die weder einen gewissen Leidensdruck noch negative Auswirkungen aufgrund ihres Alkoholkonsums haben? Das wird wohl nur im frühen Stadium der Sucht so sein und da unternimmt man ja meist noch nichts.

LG
Carmen

Cadda
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Cadda » 15.06.2020, 15:59

Naja, ich denke, wer täglich trinkt, ist abhängig. Also mein Freund hat es. Ich kenne ihn wie gesagt schon 20 Jahre und er hat da bereits angefangen, Nachmittags schon Bier zu trinken. Er wird sich wohl auch zwangsläufig mal mit der Frage beschäftigt haben, ab wann man dann Alkoholiker ist. Geht ja gar nicht anders, denn ich bin seine sehr gute Freundin und er weiß, dass ich mich als Alkoholikerin sehe und deshalb nicht mehr trinke. Früher hat seine Freundin das tägliche Trinken bemängelt, irgendwann hat sie es so hingenommen. Vermutlich weil sie selbst sieht, dass es auf einem Level bleibt und der Zustand nicht schlimmer wird.
Nun ja, es ist ja auch nicht mein Leben...
Danke für Eure Gedanken dazu :-)

Ich liege gerade in der Sonne und genieße meinen freien Tag!

Carmen
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Carmen » 15.06.2020, 19:30

Hallo,

ich denke gerade über diesen Satz nach:
Cadda hat geschrieben:
15.06.2020, 06:51
. Er ist einer der wenigen Leute, die irgendwie an einem Punkt in der Abwärtsspirale stehen geblieben sind. Es geht nicht weiter runter.
Und erhalte mal wieder keine Antwort. Gibt es wirklich Alkoholiker bei denen es mit der Sucht nicht weiter bergab geht oder betreiben diese "nur" Missbrauch und haben einfach Glück gehabt? Das es bei dem einen Alkoholiker schneller bergab geht als bei dem anderen wissen wir ja, aber ist bei Alkoholismus ein Stillstand in der Abwärtsspirale möglich? Ich zweifle daran.

LG
Carmen

Cadda
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Cadda » 15.06.2020, 20:00

Ich weiß es wirklich nicht, Carmen. Ich habe zumindest den Eindruck. Aber ich finde, dass es auch schon weit genug unten ist, wenn man jeden Tag bereits am Nachmittag mehrere Biere trinkt und abends zwangsläufig mit einer Fahne nach Hause kommt. Auch ohne dass man sich irgendwie anders benimmt...

Ich schreibe dazu noch etwas im geschützten Bereich, weil es mir zu detailliert werden würde, denn ich habe außer meinem guten Freund noch ein weiteres Beispiel.

Aber so allgemein denke ich, dass manche Menschen eben tiefer sinken, als Andere. Oder man es ihnen eben eher ansieht oder anmerkt. Man kann in die Menschen ja nicht reinschauen. Aber ich denke schon, dass es eben Leute gibt, die Alkoholiker sind, aber sich immer auf einem gewissen Level halten. Dieses Level reicht allerdings schon aus, um in der Sucht drin zu stecken. Finde ich jedenfalls.

Carmen
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Carmen » 15.06.2020, 20:25

Das stimmt, Cadda.

LiesaB.
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von LiesaB. » 16.06.2020, 09:06

Liebe Cadda, vielen Dank, dass du mich in meinem Tagebuch unterstützt.

Leider habe ich dein Tagebuch nur quer lesen können.

"...,dass es eben Leute gibt, die Alkoholiker sind, aber sich immer auf einem gewissen Level halten. Dieses Level reicht allerdings schon aus, um in der Sucht drin zu stecken." Ich glaube, dass es sich bei mir so verhält.

Gut, dass es dieses Forum gibt.

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