Und noch einmal von vorne.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Hull
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Beitrag von Hull » 30.11.2017, 16:41

Joro hat geschrieben:
Wenn ich also akzeptiere, dass ich lebenslänglich alkolkrank bin und mich deswegen immer wieder einschränken muss, dann bedeutet das gleichzeitig irgendwie auch, dass der Alkohol weiterhin mein Leben diktieren wird und das ist doch genau das was ich nicht will.[/quote]

Dies gelingt oder scheitert daran, ob ein Leben ohne Alkohol als "Einschränkung" angesehen wird oder nicht.

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 30.11.2017, 19:05

Hull hat geschrieben:
Joro hat geschrieben:
Wenn ich also akzeptiere, dass ich lebenslänglich alkolkrank bin und mich deswegen immer wieder einschränken muss, dann bedeutet das gleichzeitig irgendwie auch, dass der Alkohol weiterhin mein Leben diktieren wird und das ist doch genau das was ich nicht will.
Dies gelingt oder scheitert daran, ob ein Leben ohne Alkohol als "Einschränkung" angesehen wird oder nicht.[/quote]

Um zu der letztgenannten Erkenntnis zu gelangen, vergeht einige Zeit. Joro ist noch ganz am Anfang seines Weges.

Bei mir dauerte es eine Weile, bis ich soweit war und den Gedanken in die Verbannung schicken konnte, doch noch mal eines Tages "moderat" trinken zu können. Das kommt nicht von jetzt auf gleich. Ich schätze mal, das nahm schon ein knappes halbes Jahr in Anspruch. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Wichtige Einsichten müssen sich entwickeln. Und das nimmt nun mal Zeit in Anspruch.

Es heißt so schön: Am Anfang "darf" man nichts trinken; später will man nicht trinken und im Endstadium "braucht" man nichts trinken. Da wir alle unterschiedlich gestrickt sind, benötigen wir auch unterschiedlich viel Zeit.

Was ich aber mit Gewissheit sagen kann: "Solange noch irgendwo ein Gedanke im hintersten Stübchen des Hirns vorhanden ist, irgendwann könne man wieder ab und an ein Gläschen trinken, solange wird das nichts mit der Abstinenz. Dieser Gedanke allein ist doch ein gefundenes Fressen für unser geniales Suchtgedächtnis, dass uns verführen möchte.

Gruß
Carl Friedrich

Joro
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Beitrag von Joro » 30.11.2017, 23:42

Hallo alle
schön, dass langsam etwas Betrieb aufkommt hier bei mir. Darum danke, dass Ihr hier mit lest und Eure Erfahrungen mit mir teilt.
Dies gelingt oder scheitert daran, ob ein Leben ohne Alkohol als „Einschränkung“ angesehen wird oder nicht
Da bin ich wohl etwas missverstanden worden, ein Leben ohne Alkohol sehe ich überhaupt nicht als Einschränkung, im Gegenteil. Ich weiss, dass ein Leben ohne Alkohol viel entspannter und reicher ist als eines mit. Was ich meinte ist eher, dass wenn ich da nicht hingehen kann, dies nicht tun sollte, sprich alle Orte oder Menschen meiden muss wenn irgendwie Alkohol vorhanden ist, dann laufe ich Gefahr komplett zu vereinsamen. Das würde ja bedeuten, dass ich zwar trocken wäre aber nicht zufrieden sein könnte mit dieser Art Leben. Also hätte mich der Alkohol, auch wenn ich ihn nicht konsumiere, wieder in der Zange und ins Abseits gedrängt.
Ich weiss aus meinen vorherigen trockenen Zeiten, dass man dem Alkohol nicht völlig ausweichen kann, denn der ist praktisch überall vorhanden.
Also muss ich doch eine Möglichkeit finden, mich auch in Kreisen in denen Alkohol konsumiert wird bewegen zu können, ohne, dass ich selbst welchen trinke.
Der Alk den die anderen trinken, der tut mir ja nichts. Wichtig ist aber, dass ich frühzeitig genug erkenne, wenn es für mich gefährlich wird und dann entsprechend reagieren kann und zwar konsequent.
Das scheint bei mir irgendwie der Knackpunkt zu sein, dass ich das nicht konsequent genug schaffe und möglicherweise darum immer wieder zurück falle. Dies obwohl ich mich in meiner Trockenheit wohl fühle und eigentlich genau weiss, wo das hinführt. Aber im entscheidenden Augenblick kommt diese Erkenntnis irgendwie nicht durch.......??
Hmmmm, da ist guter Rat wohl teuer.

Viele Grüsse
Roland

Calida78
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Beitrag von Calida78 » 01.12.2017, 09:15

Hallo Roland!
Was ich meinte ist eher, dass wenn ich da nicht hingehen kann, dies nicht tun sollte, sprich alle Orte oder Menschen meiden muss wenn irgendwie Alkohol vorhanden ist, dann laufe ich Gefahr komplett zu vereinsamen. Das würde ja bedeuten, dass ich zwar trocken wäre aber nicht zufrieden sein könnte mit dieser Art Leben. Also hätte mich der Alkohol, auch wenn ich ihn nicht konsumiere, wieder in der Zange und ins Abseits gedrängt.
Das ist eine Frage der Perspektive. Ich bin nicht vereinsamt😊
Aber das hat sich entwickelt und braucht Zeit. Am Anfang hab ich auf einiges verzichtet, um mich nicht zu gefährden. So, nun hatte ich aber Zeit für mich. Ich hab neue Sachen entdeckt, die mir Spaß machen. Und ich habe neue Leute kennen gelernt. Und plötzlich saß ich mit ner neuen Freundin in der Sauna, was ich nass nie gemacht hätte, weil ich ja lieber trinken wollte. Nach einigen Monaten Abstinenz hab ich gemerkt, dass mein Leben jetzt reicher ist, dass ich eher vorher vereinsamt bin, weil Alkohol Priorität hatte und ich auf das wirklich Schöne verzichtet habe.
Und heute, würde ich sagen, ich könnte vielleicht schon in eine Kneipe gehen. Aber weißt Du was? Ich will gar nicht. Ich hab so viel wirklich erfüllendes gefunden, dass ich mir doch nicht den Hintern platt sitze, um trinkenden Menschen Gesellschaft zu leisten.
Ich kann Dir Mut machen. Lass Dich drauf ein und schau, was passiert. Das Leben ist bunt.😊

Viele Grüße
Calida

Hull
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Beitrag von Hull » 01.12.2017, 10:41

Joro hat geschrieben:Hallo alle
schön, dass langsam etwas Betrieb aufkommt hier bei mir. Darum danke, dass Ihr hier mit lest und Eure Erfahrungen mit mir teilt.
Dies gelingt oder scheitert daran, ob ein Leben ohne Alkohol als „Einschränkung“ angesehen wird oder nicht
Da bin ich wohl etwas missverstanden worden, ein Leben ohne Alkohol sehe ich überhaupt nicht als Einschränkung, im Gegenteil. Ich weiss, dass ein Leben ohne Alkohol viel entspannter und reicher ist als eines mit. Was ich meinte ist eher, dass wenn ich da nicht hingehen kann, dies nicht tun sollte, sprich alle Orte oder Menschen meiden muss wenn irgendwie Alkohol vorhanden ist, dann laufe ich Gefahr komplett zu vereinsamen. Das würde ja bedeuten, dass ich zwar trocken wäre aber nicht zufrieden sein könnte mit dieser Art Leben. Also hätte mich der Alkohol, auch wenn ich ihn nicht konsumiere, wieder in der Zange und ins Abseits gedrängt.
Ich weiss aus meinen vorherigen trockenen Zeiten, dass man dem Alkohol nicht völlig ausweichen kann, denn der ist praktisch überall vorhanden.
Also muss ich doch eine Möglichkeit finden, mich auch in Kreisen in denen Alkohol konsumiert wird bewegen zu können, ohne, dass ich selbst welchen trinke.
Der Alk den die anderen trinken, der tut mir ja nichts. Wichtig ist aber, dass ich frühzeitig genug erkenne, wenn es für mich gefährlich wird und dann entsprechend reagieren kann und zwar konsequent.
Das scheint bei mir irgendwie der Knackpunkt zu sein, dass ich das nicht konsequent genug schaffe und möglicherweise darum immer wieder zurück falle. Dies obwohl ich mich in meiner Trockenheit wohl fühle und eigentlich genau weiss, wo das hinführt. Aber im entscheidenden Augenblick kommt diese Erkenntnis irgendwie nicht durch.......??
Hmmmm, da ist guter Rat wohl teuer.

Viele Grüsse
Roland
Für mich war es auch wichtig, dass ich mich wieder an allen Orten wohl fühle; völlig egal, ob Alkohol getrunken wurde oder nicht.

Einfach herantasten und im Zweifel zu vorsichtig, als zu nachsichtig handeln.

Es sollte zu Beginn auch keine Spelunke sein. Ein feineres Restaurant, in dem niemand Sprüche über nüchterne Gäste loslässt, wäre die erste Wahl. Dennoch wird es auch dort Bewährungsproben geben. (Schnaps "aufs Haus", Gläser verwechseln, falsche Getränke usw.)

Dante
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Beitrag von Dante » 01.12.2017, 22:27

Die Einschätzung von Hull teile ich nicht.

Welchen Abstand man zum Alkohol halten kann oder muss, ist sehr von der einzelnen Person abhängig.
So mancher kann sich an öffentlichen Plätzen, an denen allgemein viel Alkohol konsumiert wird, überhaupt nicht mehr aufhalten. Es gibt aber auch welche, die trotzdem in die gewohnte Stammpinte zum darten gehen, ohne dass ihnen die Sauferei um sie herum etwas ausmacht.

Was machbar ist & was nicht, muss jeder für sich selbst ertasten & vor allem dabei ehrlich in seiner Einschätzung sein. Ehrlich sein heißt in diesem Fall ehrlich zu sich selbst! Wenn man das nämlich nicht ist, geht das garantiert nach hinten los.

Aber ganz am Anfang der Trockenheit gilt, sich vor allgemeinen Sauforten fernzuhalten & auch solche Orte & Personenkreise zu meiden, die vorher bei einem immer trinkbetont waren.

Calida78
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Beitrag von Calida78 » 01.12.2017, 23:26

Uh, in feinen Restaurants, da hab ich schon Sachen erlebt....
Da hab ich wirklich noble Damen und Herren jenseits von gut und böse erlebt.....
Ich glaub, so allgemein kann man das, wie Dante auch schreibt, nicht sagen.
Ich hab mir, als das erste Mal ein Restaurantbesuch anstand, versucht, das vorzustellen und habe auf mein Gefühl geachtet.
Heute noch stelle ich mir vor, was ich mache, wenn mir jemand einen Ouzo hinstellt oder Sekt in die Hand drückt.
Einfach nein danke sagen, das geht mir schon selbstverständlich über die Lippen. Wie locker ich dann bin, hängt von den Begleitern ab. Locker bin ich mit Familie und Freunden, die Bescheid wissen und deshalb auch nicht trinken. Eine andere Gesellschaft dagegen meide ich heute lieber immer noch. Entfernte Bekannte oder Kollegen im Restaurant und beim Trinken, da fühl ich mich nicht wohl. Und nicht wohlfühlen und trotzdem machen, kann schlecht für die Trockenheit sein. Deshalb lass ich es in der Regel.
Jedenfalls mir vorzustellen, wie ich mich wo und mit wem fühle, hat mir bisher geholfen.😊
LG Calida

Joro
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Beitrag von Joro » 02.12.2017, 03:18

Hallo alle
nein, nein ich leide nicht an Schlafstörungen, bin erst jetzt von der Arbeit heim gekommen (ohne Zwischenstopp) und kann nicht sofort ins Bett und schlafen. Darum schreibe ich um diese Zeit noch.
Entfernte Bekannte oder Kollegen im Restaurant und beim Trinken, da fühl ich mich nicht wohl. Und nicht wohlfühlen und trotzdem machen, kann schlecht für die Trockenheit sein. Deshalb lass ich es in der Regel.

Da würde ich mich glaube ich auch nicht wohl fühlen. Habe heute bei der Arbeit ein paar gut angetrunkene Gäste gehabt, nicht sturzbetrunken, trotzdem habe ich mich schnell einmal gefragt, ob ich mich auch so unmöglich benommen habe unter Alkoholeinfluss. (Die Antwort bin ich mir vorerst schuldig geblieben.) Auf jedenfall würde ich es in solcher Gesellschaft keine paar Minuten aushalten, das wäre mir einfach zu blöd. Und wenn es mir schon nicht passt oder ich mich nicht wohl fühle, gibt es auch keinen Grund zu bleiben resp. überhaupt erst hinzugehen.
Jedenfalls mir vorzustellen, wie ich mich wo und mit wem fühle, hat mir bisher geholfen.
Das scheint mir ein guter Ansatz, danke!!!! Wenn ich mir vorzustellen versuche, was und wie das geplante ablaufen könnte, setze ich mich ja mit der/den möglichen Situation/en auseinander und BEREITE MICH VOR.
Und somit stolpere ich nicht einfach in Situationen, von denen ich dann völlig überrumpelt werde und Dummheiten mache.

Danke und Grüsse
Joro

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