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Und noch einmal von vorne.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 02.12.2017, 12:24

Hallo Joro,
Was ich meinte ist eher, dass wenn ich da nicht hingehen kann, dies nicht tun sollte,
sprich alle Orte oder Menschen meiden muss wenn irgendwie Alkohol vorhanden ist, dann laufe ich Gefahr komplett zu vereinsamen.
Das würde ja bedeuten, dass ich zwar trocken wäre aber nicht zufrieden sein könnte mit dieser Art Leben.
Also hätte mich der Alkohol, auch wenn ich ihn nicht konsumiere, wieder in der Zange und ins Abseits gedrängt.
Was Deiner Vorstellung entspricht, muss aber nix mit den Tatsachen zu tun haben :wink:
Sprich, Du denkst, es wäre so und so (Vereinsamung), wenn Du nun alle Orte meidest, wo Alk konsumiert wird.
Das ist aber gar nicht zwingend so, sondern das ist Deine momentane Vorstellung davon.

Also ich bin überhaupt nicht dadurch vereinsamt, sondern ganz im Gegenteil.
WIRKLICH EINSAM war ich nämlich, als ich noch gesoffen habe.
Auch, weil ich mich selbst isolierte. Damit keiner merkt, was wirklich mit mir los ist.
In meiner ersten abstinenten Zeit mistete ich dann erstmal meine "Freunde" aus.
Wer kein Alk-Problem hate, durfte auch weiterhin mein Freund bleiben.
Die anderen "Freundschaften" pflegte ich nicht weiter.
Dann aktivierte ich wieder mein Hobby, die Fotografie.
Und schloss mich mehreren Wildlife-Fotografen an, das ergab sich aus Zufall, und aus einigen Bekanntschaften ergaben sich mittlerweile jahrelange Freundschaften.
Das sind alles Menschen, die teilweise gar keinen Alkohol trinken, oder zumindest nicht bei unseren Zusammentreffen.
Denn in unserer Beobachtungshütte wird nix gesoffen.

Das nur mal so als kleines Beispiel, was sich auch positives durch Veränderungen ergeben kann.
Darum: Jede Veränderung ist auch eine CHANCE !! Zur positiven Lebensentwicklung.
Man muss im Grunde nur bereit dazu sein, dann können sich auch neue Wege eröffnen :)

Muss hier mal schnell schließen, Enkelkinder stehen vor der Tür.

LG Sunshine

Calida78
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Beitrag von Calida78 » 02.12.2017, 14:10

Hi Joro!
Sich etwas vorstellen ist zur Vorbereitung gut, es kann aber trotzdem unvorhergesehenes passieren.
Wenn das so ist, dann hab ich mir vorgenommen, die Situation zu verlassen und mal inne zu halten. Wo auch immer, ich fahre immer selbst, damit ich unabhängig bin und schnell nach Hause kann. Diesen Tipp hab ich auch hier aus dem Forum.😊
LG Calida

Joro
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Beitrag von Joro » 04.12.2017, 22:55

Hallo alle
so langsam begreife ich schon, dass ich nicht einfach im bisherigen Fahrwasser bleiben kann einfach ohne zu trinken. Auch wenn ich mir momentan überhaupt nicht vorstellen kann wie, so muss ich wohl mein Leben komplett neu gestalten. Vielleicht ist es am besten, wenn ich das einfach mal loslasse, auf mich zukommen lasse und einmal schaue was sich von selbst ergibt.
Und wie jemand hier geschrieben hat, in der Zwischenzeit werde ich einmal Zeit für mich selbst haben und vielleicht auch erkennen was mir wichtig ist, mir Freude macht und mir gut tut. Ich denke ich sollte einfach einmal damit aufhören, alles mit der Brechstange durchsetzen zu wollen und das JETZT so annehmen wie es halt ist und die Zukunft auf mich zukommen lassen. Das braucht halt wahrscheinlich einiges an Geduld, dummerweise ist und war gerade Geduld noch nie meine Stärke. Aber es ist glaube ich halt schon so, dass mir im Augenblick gar nichts anderes übrig bleibt.
Also werde ich von jetzt an versuchen mich in Geduld zu üben. :roll:
Viele Grüsse, Joro.

Joro
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Beitrag von Joro » 05.12.2017, 21:53

Hallo alle
Heute habe ich eine Psychologin besucht, um mir bei der Bewältigung der Trauer und des Verlustes helfen zu lassen.
Da haben wir dann während einer Stunde die ganze Geschichte von Krankheit, Behandlung, Operation und schliesslich Tod ausgebreitet und darüber geredet. Ob es was hilft, weiss ich noch nicht. Danach war ich auf jeden Fall total aufgewühlt und trotzdem gleichzeitig völlig erledigt. Kaum draussen, überkam mich ein recht starker Drang nach einer Zigarette, obschon ich nicht mehr rauche und auch das Verlangen nach Alkohol. Wenn ich etwas davon zur Hand gehabt hätte, ich weiss nicht ob ich hätte widerstehen können. So habe ich mich schnellstmöglich ins Auto gerettet und bin nach Hause gefahren. Alle die Shops an denen ich vorbei komme, habe ich mit etwas Mühe nicht angeschaut.

Da hatten wir doch gerade das Thema vom wohin ich gehen und mit wem ich noch Umgang pflegen kann ohne meine Trockenheit zu gefährden. Und dann kommt so eine Situation, die nie auf meiner Liste gestanden hat und erwischt mich kalt.

Da frage ich mich schon langsam ob es überhaupt möglich ist sich auf alle möglichen Situationen einzustellen und bereit zu sein. Im Nachhinein erscheint mir klar, dass ich mit sowas hätte rechnen müssen, aber im Nachhinein ist vielleicht irgendwann einmal zu spät.

Heute habe ich beschlossen mein altes Hobby, Skifahren, zu reaktivieren. Mit etwas schlechtem Gefühl habe ich die schlecht eingelagerten Skier zum Service gebracht und habe schon so halb damit gerechnet, dass die nicht mehr zu retten sind. Aber ich hatte Glück, es lässt sich alles wieder in Ordnung bringen.
Und da bin ich doch schon wieder vor so einer vertrackten Situation. In den Skigebieten wird doch auch wieder überall Alkohol angeboten. Was nun? Auch nicht skifahren oder reicht es um die Schneebars etc. einen grossen Bogen zu machen?
Irgend etwas muss ich ja noch machen.
L. G. Joro

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 05.12.2017, 22:12

Hallo!

Auf alle überhaupt möglichen Situationen kannst Du dich gar nicht vorbereiten.

Jede erfolgreiche Abwehr eines Trinkverlangens macht dich für die Zukunft stärker und erfahren, indem Du dir selbst vor Augen halten kannst, dem Druck widerstehen zu können.

Thema Ski: Gute Idee. Nur, was hat das Skifahren mit dem Saufen zu tun? Nichts.

Was hat Fußball mit der Kneipe zu tun? Nichts. Dennoch schaue ich ab und an. Aber nicht in der Kneipe.

Um die Saufbuden machst Du am besten einen großen Bogen. Du wirst nicht der Einzige sein, der auf die alkoholgeschwängerte künstliche Ausgelassenheit verzichten kann. Hab nur auf dem Schirm, dass sich Suchtdruck einstellen kann, falls Du früher dort gebechert hast.

Gruß Carl Friedrich

stricken
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Beitrag von stricken » 05.12.2017, 22:17

Hallo Joro,
ist doch toll. dass Du es heute geschafft hast direkt nach Hause zu fahren! Stricke

Cadda
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Beitrag von Cadda » 05.12.2017, 22:17

Hallo, ich habe schon etwas bei Dir mitgelesen.

Klasse, wie Du die Situation, auf die Du nicht vorbereitet warst, gemeistert hast! Da kannst Du doch schon mal stolz sein.

Dass Du wieder Ski laufen möchtest, ist doch toll! Ich denke schon, dass sich das machen lässt. Während des Ski laufens wird es wohl eher nicht so sehr ums trinken gehen und die Hütten hinterher lässt Du dann eben weg.

Es kommt ja auch darauf an, mit welcher Begleitung Du Dich zum Ski fahren auf den Weg machen würdest oder ob Du allein gehst usw. Du wirst schon den richtigen Weg für Dich finden!

Cadda
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Beitrag von Cadda » 05.12.2017, 22:24

Ich bin ja auch noch am Anfang und hab mir bei meinem gemeinsamen Wochenendausflug ans Meermit meinem Partner genau überlegt, wo wir hingehen und wo nicht. Keine Kneipe usw.
Das Ende vom Lied war, dass wir Nachmittags draußen auf der Terrasse eines Cafés saßen, Torte gegessen und Kaffee getrunken haben und hinter uns hat sich ein Pärchen dann völlig ungewöhnlich für den Ort, eine ganze Flasche Wein an den Tisch bringen lassen und ich dachte kurz „das wärs jetzt“.
Das war auch unvorbereitet.

Ich hab hier mal gelesen, dass man dann das „was wäre wenn“ zu Ende denken sollte. Das hab ich getan. Ich hab weiter gedacht. Wenn ich jetzt auch Wein trinken würde, dann würde es abends weiter gehen und vermutlich auch nächsten Morgen gegen den Kater. Ich würde kein Ende finden. Hab an Situationen gedacht, die mir unter Alkoholeinfluss passiert sind.
Und schon war ich glücklich über meinen Kaffee zur Torte :-)

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