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Und noch einmal von vorne.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Ernest
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Beitrag von Ernest » 07.12.2017, 20:22

Hallo Joro

Deine gute Idee vom Skifahren erinnerte mich daran, dass ich im Keller noch ein paar Schneeschuhe habe. Vermutlich noch verstaubter als Deine Skier. Aber wieso nicht? Danke für Deinen Tipp.
Hals- und Beinbruch bei Deiner Abfahrt :)
Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
Ernest

Joro
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Beitrag von Joro » 07.12.2017, 23:30

Hallo alle
nun ist dieser Skitag also gelaufen und es war HAMMER...... Postkartenwetter, sensationelle Pisten und nur wenig andere Skifahrer unterwegs. Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich seit Jahren nicht mehr auf den Skiern gestanden habe und bin den ganzen Tag diese Hänge hinunter gebrettert, bis meine Beine einfach zu müde und schwach waren um weiter zu fahren.
Mittagessen, da muss man einfach zwischendurch was essen, und Kaffee mit Kuchen zum Abschluss gab es in der Skihütte.
Und auch das war absolut kein Problem, die Meisten anwesenden in meiner näheren Umgebung haben nämlich auch auch keinen Alkohol konsumiert, man ist jetzt noch unter Einheimischen und da sind die Meisten recht sportlich unterwegs. Da verträgt es nur wenig oder gar keinen Alkohol, sonst funktioniert das nämlich nicht mehr.
Und selbst wenn, der Alkohol den Andere trinken, der triggert mich nicht, solange das am Nebentisch passiert, von Leuten die nicht in meiner Begleitung sind ist mir das völlig egal. Ausser es wird dann zuviel, dann nervt mich das blöde Benehmen der angetrunkenen, was mich aber eher in meinem Entschluss bestärkt, keinen Alkohol mehr zu trinken, da will ich nämlich nicht mehr dazu gehören. Schlechte Beispiele können auch heilsam sein.
Allerdings, habe ich mich beide Male schon bei derAnfahrt zur Hütte vorbereitet und wusste genau was ich mir holen werde und war auch bereit, den Schauplatz sofort zu verlassen falls mir irgendwas nicht gut tun oder zu nahe kommen sollte.
Ich weiss, einige von Euch werden mein Verhalten leichtsinnig und riskant finden. Das kann dann auch daran liegen, dass wir völlig andere Vorstellungen von Skilaufen und Skihütte haben. Für mich ist Skilaufen Sport und nicht Ferienvergnügen, Zeitvertreib und RambaZamba. Entsprechend fühle ich mich jetzt auch, meine Beine sind wie Betonklötze (das kommt jetz von der fehlenden Übung) und ich bin total KO und morgen werde ich wahrscheinlich einen tüchtigen MUSKEL-kater haben. Aber im Gegensatz zum Alkohol-Kater macht das nichts, im Gegenteil, es ist eigentlich ganz schön und befriedigend seinen Körper so richtig zu spüren wenn man weiss weshalb es überall etwas zwackt und zieht. :wink:

Hallo Ernest
Hals und Beine sind zum Glück heil geblieben. :D
Gute Idee, raus mit diesen Schneeschuhen und ab an die frische Luft, so richtig auspowern tut nämlich echt gut und bringt einen auf andere Gedanken.
Viel Spass!!

Und jetzt ist schlafen angesagt, bevor mir noch die Augen zufallen.

Viele Grüsse
Joro

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 08.12.2017, 00:10

Hallo Joro!

Das war eine Hochrisikonummer für einen frisch Abstinenten. Mein ehemaliger Therapeut pflegte zu solchen Verhaltensweisen stets zu sagen: "Das geht ein paar Male gut, dann folgt der Absturz."

Und was Du scheinbar auch unterschätzt, ist die Wirkung des Hüttenlebens auf dein Suchtgedächtnis. Es muss nicht schon in der Hütte anfangen zu rumoren. Die Wirkung kann durchaus zeitlich versetzt eintreten. Und dann fragst Du dich plötzlich, wo kommt denn der Druck plötzlich her?

Für mich scheinst Du jedenfalls noch nicht gefestigt genug, um fröhlich irgendwelche Skihütten aufsuchen zu können.

Aber jeder muss selbst wissen, was er macht.

Gruß
Carl Friedrich

Cadda
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Beitrag von Cadda » 08.12.2017, 08:09

Das ist eine dieser schwierigen Situationen. Hatte ich ähnlich bei der Adventsausstellung im Dorf, bei Kaffee und Kuchen, später Grillwurst und Punsch. Den richtigen Zeitpunkt zum Gehen zu erwischen, ist nicht leicht. Man hat sich mit Leuten aus der Nachbarschaft total nett unterhalten und nur weil auf einmal ein Grüppchen ein paar Meter weiter anfängt, Punsch zu trinken, die netten Gespräche abbrechen... fand ich in dem Moment auch nicht gut.
Ein Thema, wo ich für mich noch keine Meinung fest gebildet habe. Deshalb möchte ich da zu Deiner Situation auch gar nicht groß was schreiben, außer eben, dass ich solch eine schwierige Situation auch kenne. Ich habe mir vorgenommen, das beim nächsten Mal meiner Suchtberatung zu erzählen, also mein Beispiel mit der Adventsausstellung.

Mal von dem Thema mit der Skihütte abgesehen, finde ich es toll mit dem Ski fahren, also dass Dir das solchen Spaß bereitet hat! Man liest richtig Deine Freude darüber raus!! Das solltest Du unbedingt bei behalten, wenn auch beim nächsten Mal mit direktem Nachhauseweg?! :-)

Ich wünsch Dir einen schönen Tag. Schön, dass Du so gut gelaunt bist!

Joro
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Beitrag von Joro » 10.12.2017, 23:40

Hallo
obwohl ich eigentlich gar nicht weiss was ich erzählen soll, melde ich mich wieder mal.
Mir geht es zumindest körperlich und was Alkohol angeht erstaunlich gut. Ich verspüre absolut keinen Saufdruck und auch die anfängliche Unruhe verschwindet von Tag zu Tag mehr. Viele berichten, dass sie am Anfang der Trockenheit Mühe haben mit schlafen. Bei mir ist das Gegenteil der Fall, ich lege mich abends ins Bett und kaum ist das Licht gelöscht, da schlafe ich wie ein Murmeltier. Nach ca. 5-6 Stunden erwache ich von selbst und dann ist aus mit schlafen. Inzwischen habe ich aber gemerkt, dass diese Zeit völlig ausreichend ist und ich trotzdem den ganzen Tag total fit und hellwach bin. Ist ja eigentlich auch nicht weiter verwunderlich, da die paar Stunden Schlaf jetzt vollständig für die Erholung zur Verfügung stehen und der Körper nicht erst noch Alkohol abbauen und was weiss ich reparieren muss.
Und dann kann ich aufstehen, Kaffee trinken, Katze füttern, duschen und dabei staunen und es geniessen, wie wohl man sich am Morgen fühlen kann.
Psychisch geht es mittlerweile auch ein wenig besser, aber dieser Heilungsprozess wird wahrscheinlich noch viel an Zeit brauchen. Aber auf jeden Fall geht auch das ohne Alkohol bedeutend besser.
Gestern habe ich auf dem Spaziergang mit dem Hund eine neue, interessante Bekanntschaft gemacht. Der Spaziergang hat sich um einiges verlängert während wir uns gut unterhalten haben. Ich war erstaunt, wie einfach und locker ich im Gespräch mitmachen konnte, kein Vergleich zur Zeit mit Alkohol. Da hätte ich mich wahrscheinlich sehr schnell mit einer faulen Ausrede verdrückt, einfach so eine längere Unterhaltung mit jemand den ich nicht kenne zu führen, wäre kaum denkbar gewesen. Statt dessen sind wir am Ende noch gemeinsam Kaffee trinken gegangen und haben uns für ein nächstes mal verabredet.
Wie sich vieles jetzt zum besseren verändert, ist erstaunlich vorallem überrascht bin ich, wie schnell das geht. Ich bin jetzt ja erst etwas mehr als 3 Wochen trocken.
Nun mir soll es recht sein und ich werde es geniessen solange es anhält. Zum Dauerzustand wird das ja wohl kaum werden. Aber über die nächste Talsohle kann ich mir auch noch Gedanken machen wenn sie erreicht ist.

L. G. Joro

Joro
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Beitrag von Joro » 13.12.2017, 22:51

Es ist doch interessant oder besser gesagt beängstigend, da habe ich tagelang Ruhe und es plagen mich keine oder kaum Gedanken Alkohol.
Heute jedoch im Laufe des Nachmittags hat das plötzlich angefangen. Erst waren es nur so Gedanken nebenbei, dann wurde das länger wie aufdringlicher, bis schliesslich die Gedanken sich anfingen um die konkrete Umsetzung zu drehen.

Da endlich wurde mir bewusst was hier gerade abläuft. Glücklicherweise konnte ich mich kurz zurück ziehen und ernsthaft mich selbst ins Gebet nehmen. Danach waren die Gedanken zwar nicht einfach weg, aber ich konnte das ganze kontrollieren und Gedanken von wegen in die Tat umsetzen abblocken.
Die folgenden Sätze habe ich mir vorher schon mal rauskopiert und die waren heute eine grosse Hilfe.

Dass der Einflüsterer zu den unmöglichsten Zeiten kommt ist leider normal.
Und er wird es immer wieder versuchen.
Selbst dann, wenn Du Dich schon sicherer fühlst.
Aber jedes Tschüss zu diesem Zeitgenossen macht Dich stabiler.

Genau mit solchen Einflüsterungen beginnt der Rückfall im Kopf: *Ach, war doch alles nicht so schlimm - Du hast das doch im Griff, also könntest Du doch mal wieder.... * Hier finde ich es wichtig, dem Teufel konsequent Redeverbot zu erteilen. Denn Du möchtest ja nicht mehr trinken - und davon sollte es auch keine Ausnahmen geben. Egal, welche Tageszeit es gerade ist.

Ich hab hier mal gelesen, dass man dann das „was wäre wenn“ zu Ende denken sollte. Das hab ich getan. Ich hab weiter gedacht. Wenn ich jetzt auch Wein trinken würde, dann würde es abends weiter gehen und vermutlich auch nächsten Morgen gegen den Kater. Ich würde kein Ende finden. Hab an Situationen gedacht, die mir unter Alkoholeinfluss passiert sind.
Und schon war ich glücklich über meinen Kaffee zur Torte.
Auslöser für das ganze kann ich nicht unbedingt ausmachen, ausser vielleicht, dass ich mich den ganzen Tag über sehr müde gefühlt habe und irgendwie KO war.

Zum guten Glück bin ich noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen und mittlerweile hat sich die ganze Angelegenheit wieder beruhigt.

Joro

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 14.12.2017, 00:09

Hallo Joro,
Auslöser für das ganze kann ich nicht unbedingt ausmachen, ausser vielleicht, dass ich mich den ganzen Tag über sehr müde gefühlt habe und irgendwie KO war.
Dazu möchte ich mal sinngemäß etwas hierlassen, was ich vor sehr langer Zeit hier mal von einer anderen Forenteilnehmerin las:
Bei aufkommenden Saufdruck erstmal nachschauen, ob man genug gegessen, getrunken und geschlafen hat.
Denn allein das können schon Auslöser sein.
Man muss nicht immer sonst wie tief graben, machmal ist es nur sowas ganz "banales". :wink:

Ja, Saufdruck kann schon mal erschreckend erscheinen, aber er vergeht üblicherweise auch wieder.
Wenn nicht, ist ein Arztbesuch angesagt, der kann dann auch noch helfen.
Wichtig ist, nicht allein mit solchen Sachen zu bleiben, denke ich.
Sondern sich mitzuteilen und gegebenfalls auch um Hilfe bitten.

LG Sunshine

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 14.12.2017, 18:03

Sunshine_33 hat geschrieben: Dazu möchte ich mal sinngemäß etwas hierlassen, was ich vor sehr langer Zeit hier mal von einer anderen Forenteilnehmerin las:
Bei aufkommenden Saufdruck erstmal nachschauen, ob man genug gegessen, getrunken und geschlafen hat.
Denn allein das können schon Auslöser sein.
Man muss nicht immer sonst wie tief graben, machmal ist es nur sowas ganz "banales". :wink:
Das ist ein ganz hervorragender Hinweis. Sucht- und somit Leidensdruck, weil man sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse irgendwie vernachlässigt hat.

Gruß Carl Friedrich

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