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Hätte es nicht gedacht

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Carl Friedrich
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Carl Friedrich » 25.11.2018, 12:49

Hallo Ernest!

Zunächst Glückwunsch zu deinem ersten alkoholfreien Jahr.

Könnte es sein, dass Du deine Baustelle Alkoholkrankheit etwas vernachlässigt hast? Mir wurde am Ende meiner ambulanten Therapie mit auf den Weg gegeben. "Den ersten Schritt in Richtung Rückfall macht man dann, wenn man sich nicht mehr regelmäßig mit ihr (der Krankheit) befasst."

Das muss nicht täglich sein, jedoch regelmäßig.

Gut finde ich, dass Du dich gemeldet und nicht weiter zugewartet hat, wie sich die Dinge evt. in eine sehr ungünstige Richtung entwickeln.

Gruß
Carl Friedrich

Ernest
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Ernest » 25.11.2018, 18:11

Salutti per tutti

Nach einem köstlichen Geburttagsmenü sind die Gedanken etwas träge. Trotzdem möchte ich auf die Bemerkungen von Correns und Carl-Friedrich eingehen.

Vor einem Jahr war der Alk omnipräsent. So wie ich dies hier auch vor einem Jahr beschrieb. Nach Monaten ohne alkoholische Getränke verlagerten sich - logischerweise - meine Interessen und Anderes wurde (ge-)wichtiger. Also wurde der Alk - auch logischerweise - zum Nebenschauplatz.

Ist da noch - mit den Worten von Correns - ein nicht erloschener Vulkan vorhanden? Schei...benkleister. Klar ist mir bewusst, dass die Krankheit nicht besiegt werden kann. Aber uns ist ja dies bekannt und lassen die Finger von der Flasche. Und ALLE wissen, was geschieht, wenn nur ein einziges Glas angefasst wird.

Correns denkt wohl eher an das "seelisch" Unverhoffte. Oder das unfassbare, unbekannte Wesen in uns. Ist dem nicht mit Willensstärke/Selbstbeherrschung beizukommen? So wie mit der Wut, dem Zorn oder anderen unangenehmen Eventualausbrüchen umgegangen wird? Ein Autofahrer weiß, dass er einem Mitmenschen, welcher ihm den Parkplatz vor der Nase wegschnappte, nicht Eins auf die Rübe hauen darf, obwohl er dies sehr wohl gerne tun möchte. Nur dass bei uns nicht der Staat, sondern die Gesundheit eingreift.

Wie dem auch sei: solche Beiträge wie von Correns und Carl-Friedrich regen mich zum Nachdenken an.

Mache mir mal ein Tee - habe mittlerweile eine ansehnliche Ansammlung von (Kräuter-)Tees - und hänge mal den Gedanken nach. Denke nehme den "Meditationstee" :)

Wünsche allen einen angenehmen Abend.
Ernest

Cadda
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Cadda » 25.11.2018, 19:27

Hallo Ernest,

schön, dass Du wieder geschrieben hast. Du siehst ja, es hat Dich zum Nachdenken angeregt. Das ist das Gute an diesem Forum. Man bringt mit Lesen oder mit dem Schreiben oft ein Stein ins Rollen.

Einen schönen Sonntag mit einem schönen Tee :-)

Ernest
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Ernest » 26.11.2018, 19:48

Schon wieder Guten Abend

Hatte ein wenig im Forum Beiträge seit März 18 durchstöbert. Die Früheren las ich bereits vor einem Jahr. Außerdem aktivierte ich meine restlichen grauen Zellen im Zusammenhang mit "schlummernden Vulkan". Gelangte da noch nicht zu einem Ergebnis.

Zum Forum allgemein:
Irgendwo las ich das Bedauern, dass die meisten Neuen irgendwann so nach ein paar Monaten sich ausklinken. So wie ich im März 18.

Bei mir war ausschlaggebend, dass mir - sagen wir mal - schlampiges Umgehen mit Essgewohnheiten vorgehalten wurde. Na ja - ich bewies mir selber, dass ich weiterhin keinen Alkohol trank/ trinke. Und ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Meinen Weg.

Anregungen, wie die gestrigen von Correns od. C.F. erlebe ich als bereichernd.

Es sind die lehrerhaften, Tina-Beiträge (Tina = there is no alternative, nach M. Thatcher), welche mit der Zeit nerven.
Stopp! Keine Aufregung. Zu Beginn sind diese Tina-Beiträge für Neue zwingend notwendig. Für mich waren sie Rettungsringe. Und führten zu meinem jetzigen Zustand.

Aber mit der Zeit wird einem klar gemacht, dass die Neuen gefälligst auf die Langzeittrockenen hören MÜSSEN. Denn die haben ja schließlich aus IHREN EIGENEN Erfahrungen den Beweis der Trockenheit erbracht. Aber dies ist IHR Weg. Auch wenn dieser Weg "normal" ist, heißt dies noch lange nicht, dass er der einzige Seeligmachende ist.

Und so erachte ich die Bausteine als wichtig, aber nicht als sakrosankt.

Tina-Beiträge sind in meinen Augen haupt verantwortlich für das Aussteigen aus dem Forum. Und irgendwo las ich noch was über lebenslanges Fahrverbot, wenn irgend jemand EINMAL mit Alk am Steuer erwischt wurde. Taliban (oder Fanatismus), sag ich dazu. Kunststück, dass mir das Lesen verleidet.

Vor "100 Jahren", bei einer Weiterbildung, lernte ich die Transaktionsanalysen. Gespräche laufen zw. "Eltern-Ich - Kind-ich - Erwachsenen-ich. Solange die Gespräche zw. zwei gleichen Ich's ablaufen, ist alles ok.
Hier hatte ich manchmal das Empfinden eines Ablaufes zw. Erwachsenen-Ich und Kind-ich. Und welcher Erwachsener ist gerne ein zu belehrendes Kind (sinngemäß)?

So - und jetzt bitte bitte bitte keine Empörung. Solche Foren sind wichtig und notwendig. Mir half das Forum und so auch ganz ganz vielen Anderen.

Muss jetzt wieder über "Vulkane" nachdenken und lass das Forum, Forum sein.

Lieber Gruss an Alle
Ernest

Feldmaus75
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Feldmaus75 » 26.11.2018, 22:36

Ernest hat geschrieben:
26.11.2018, 19:48

Aber mit der Zeit wird einem klar gemacht, dass die Neuen gefälligst auf die Langzeittrockenen hören MÜSSEN. Denn die haben ja schließlich aus IHREN EIGENEN Erfahrungen den Beweis der Trockenheit erbracht. Aber dies ist IHR Weg. Auch wenn dieser Weg "normal" ist, heißt dies noch lange nicht, dass er der einzige Seeligmachende ist.
Hallo Ernest,

mit diesen Zeilen sprichst du mir aus der Seele... Aus diesem Grund habe ich aufgehört, weiter über meinen Weg zu schreiben. Es gab viele ermutigende, mitfühlende, hilfreiche Antworten, aber eben auch jene mit erhobenem Zeigefinger, die bei mir doch sehr überheblich angekommen sind und mich abgeschreckt haben, mehr von mir zu schreiben :(. Ich denke, die Sucht ist genauso individuell wie die Wege hinaus... und jeder muss seinen eigenen Weg finden und seine eigenen Erfahrungen und ggf. auch Fehler machen. Wohlgemeinte Ratschläge, die aus Sorge erteilt werden, weil die eigenen Erfahrungen es einen so gelehrt haben, sind okay... aber so sind einige Beiträge bei mir nicht angekommen, sondern ich sah mich abgestempelt als uneinsichtiges, besserwisserisches Dummchen. Mag ein Sender-Empfänger-Problem gewesen sein, aber so war es halt...

Nichtsdestortotz hab ich die Beiträge im Forum jeden Tag verfolgt, mich an einigen wenigen beteiligt und mir sonst DAS rausgezogen, was für mich verwertbar war...

Hartmut
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Hartmut » 27.11.2018, 00:41

Hallo Ernest,

es hat nie einer behauptet das es nur den einen Weg gibt. Das spielt sich meist nur in den Köpfen ab, die einen anderen Weg gehen wollen als den wir hier seit Jahren propagieren. Jedoch ist mir einmal mehr ein angeblicher erhobener Zeigefinger lieber, als wenn ein Neuer wieder rückfällig wird, weil er doch den immer wiederkehrenden Weg der Individualität sucht.

Es gibt andere Wege, es gibt auch Einzelne die im Biergarten trocken geworden sind aber es sind nun mal Wenigsten. Ich halte es auch für fragwürdig, wenn jemand zu einem individuellen Weg animiert, ohne über seinen Weg zu berichten. Es geht ja um Erfahrungen, die weitergegeben werden sollten und nicht um einen Wettbewerb der Eitelkeiten „Was nun der bessere Weg sei“

Da hättest ja etwas zu bereichten wie es zu deinem ersten Jahr geschafft hast. :) Dazu meine Gratulation!

Gruß Hartmut

MieLa
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von MieLa » 27.11.2018, 09:58

Hallo Ernest,

letztens habe ich mich gefragt, wann wohl das Jahr um ist, nach dem du wiederkommen wolltest und ob wir auch tatsächlich noch einmal von dir hören. Schön, dass du wieder dabei bist und von deinen Erfahrungen und Gedanken berichtest! Und Herzlichen Glückwunsch zum 1. Trockengeburtstag! Das ist toll!

Tja, die Tina-Beiträge. Ich übernehme jetzt einfach mal deinen Begriff, obwohl ich deine Bewertung inhaltlich nicht teile.

Ich sehe diese Beiträge nicht so, als ob die Ersteller ihren Weg als alternativlos halten. In meinen Augen spricht daraus eher Erfahrung und Sorge.

Wir Alkoholiker sind ja alle in unserer Sucht und unserem Weg daraus sehr unterschiedlich. Wir haben unterschiedlichen Alkohol gesoffen, zu unterschiedlichen Zeiten (nur abends oder rund um die Uhr), nur in bestimmtem Umfeld (alleine zu Hause) etc.. Und so unterschiedlich sind auch unsere Wege aus der Sucht. Da gibt es einige, die ohne medizinisch begleiteten Entzug (Achtung: Gefährlich), ohne Therapie, ohne Arztbesuch und ohne reale Selbsthilfegruppe den Absprung geschafft haben bzw. dabei sind. Andere brauchen sich um ihre ersten trockenen Tage nicht zu kümmern, weil sie auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfen. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es unzählige Abstufungen.

Dann zum Suchtdruck. Bei einigen kommt es nur zu einem erträglichen Verlangen oder einer Sehnsucht. Andere haben kaum auszuhaltenden Suchtdruck und knirschen mit den Zähnen, heulen, zittern und wissen kaum, wie sie da raus kommen sollen.

Bei dem einen mag die Abkehr von einem oder mehreren Grundbausteinen gut gehen, bei anderen aber nicht. Die Grundbausteine sind nicht in Stein gemeißelt und nicht – bezogen auf jeden einzelnen – alternativlos. Aber sie geben die größte Sicherheit. Und zwar für alle von uns. Egal, wie wir in die Sucht geschlittert sind, wie sie im einzelnen aussah, welche Lebensumstände wir haben und wie es uns überhaupt geht.

Natürlich geht es bei einigen gut, wenn sie von den Grundbausteinen abweichen. Die Frage ist aber, ob sich jeder auf seinem anfänglichen Weg gut einschätzen kann. Wir kennen ja alle die Euphorie, die die erste Zeit begleitet. Die unumstößliche Überzeugung, nie wieder zu trinken und überhaupt alles im Griff zu haben. Genauso wie man seine Fähigkeiten unter Einfluss von Alkohol überschätzt (z. B. beim Autofahren), überschätzt man anfänglich leicht die eigene Standhaftigkeit beim Trockenwerden.

Zeitgleich mit dir war Anfang des Jahres noch ein Mitglied dabei, dass auch glaubte, beim Essen (Stichwort Käsefondue) keine Abstriche machen zu müssen. Aber es kam zu Rückfällen und jetzt ist er ganz verschwunden. Du konntest damit offensichtlich umgehen, er wohl nicht.

Auf diese Gefahr müssen diejenigen, die hier Hilfe suchen, ganz deutlich hingewiesen werden.

Ich kann dich aber verstehen, dass du diese Diskussion nicht führen wolltest. Ich habe auch einige Grundbausteine für mich abgewogen und bewusst nicht eingehalten. Ich habe darüber hier aber nichts geschrieben. Denn ich wusste, was ich anstoßen würde und die Energie, die mich diese Diskussion kosten würde, brauchte ich anderweitig.

Lieben Gruß,
MieLa

Carl Friedrich
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Carl Friedrich » 27.11.2018, 15:56

Ernest hat geschrieben:
26.11.2018, 19:48

Und so erachte ich die Bausteine als wichtig, aber nicht als sakrosankt.
Hallo!

Das sind sie nicht. Ich habe sie noch nie alle eingehalten.

Sie geben dem Neuankömmlinge einen generellen und unverbindlichen Fahrplan an die Hand, der sich in vielen Fällen bewährt hat.

Und mit der Ansprache im Forum ist das so eine Sache. Das Forum ist verschriftlicht. Persönliche Interaktion findet nicht statt. Durch diese kann jeder Ratschlag doch eine andere Wirkung erhalten.

Zudem sind wir alle unterschiedlich strukturiert. Die Einen benötigen eine etwas deftigere Ansprache, damit sie überhaupt erreicht werden, während andere alles, was nicht fein diplomatisch formuliert ist und mit Kritik verbunden ist, leicht ablehnen und sich schnell auf den Schlips getreten fühlen.

In einem persönlichen Gespräch ließe sich viel erläutern, gerade biegen und rasch klären. Das ist bei rein schriftlicher Kommunikation wesentlich schwieriger, zumal die jeweiligen Antworten auch nicht immer zeitnah erfolgen. Falls sich dann der empfindliche Teil dann zurückzieht, ist das sicherlich auch nicht die beste Entscheidung.

Gruß
Carl Friedrich

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