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77 Tage keinen Tropfen Alkohol...

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Linde66
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Re: 77 Tage keinen Tropfen Alkohol...

Beitrag von Linde66 » 02.06.2018, 00:13

4) Minimalismus

In diese neue Liste (ist erst ein paar Tage alt) wird täglich der Gegenstand aufgeschrieben von dem ich mich an besagtem Tag getrennt habe. Neben dem körperlichem Ballast habe ich mir vorgenommen auch diversen materiellen (und emotionalen) Ballast über Bord zu werfen. Wie viele Menschen hab ich extrem viele Sachen die ich nie benutze, viel Platz wegnehmen, Staubfänger sind und mich im Grunde nur Resourcen kosten. Sei es Zeit, unütze Gedanken oder einfach nur Platz. Diese Liste soll mir helfen mein Verhalten gegenüber dem materiellen Konsum zu überdenken und zu überarbeiten.
Hallo Mario,
das ist eine Idee, dich mich sofort angesprochen hat. Absolut genial für mich. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich mir leichter mit etwas Neuem tue, wenn ich das eine zeitlang aufschreibe. Dadurch wird es mir bewußter und die neuen Abläufe festigen sich leichter.
Danke für den Tipp!
LG, Linde

Mario B.
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Re: 77 Tage keinen Tropfen Alkohol...

Beitrag von Mario B. » 19.06.2018, 13:20

Linde66 hat geschrieben:
02.06.2018, 00:13
das ist eine Idee, dich mich sofort angesprochen hat.
Hallo Linde, hallo Forum.

dies freut mich sehr zu lesen. Ziel meines Schreibens hier im Forum ist bei mir zumindest auch immer ein wenig etwas "weiterzugeben" oder auch "zurückgeben" zu wollen. Schreiben erleichtert bei mir die Seele. Wenn ich diverses dann auch teile kann ich aber auch andere (vielleicht) zu neuen Pfaden oder Ideen führen in unserem Bestreben die Alkoholsucht zumindest zu stoppen. 'Wegmachen' lässt sich die Sucht ja nicht mehr.

Ich habe übrigens einen siebten und achten Punkt zu meiner Abstinezbuchführung hinzugefügt:

7) Finanzen.

Dies hat jetzt eher nichts direkt mit meiner Trockenarbeit zu tun, trotzdem möchte ich mal für mich meinen Geldausgebegewohnheiten auf den Grund gehen. Ich schreibe täglich auf was ich ausgebe und klassifiziere es dementsprechend (reeler Bedarf, simpler Wunsch, Trockenarbeit, Kauflaune etc). Ende diesen Monats werde ich diese Liste mal genauer analysieren um versuchen mir überflüssige Geldausgaben abzugewöhnen.

Punkt Nummer Acht hingegen ist noch irgendwie in Arbeit. Hier sollen neue Gewohnheiten reinkommen die ich in meinem Tun als auch in meine Gedanken einschleifen will damit diese mich in meiner Trockenarbeit als auch in meinem restlichen Leben unterstützen.

Life-Balance oder so könnte ein konkreter Name für diese Rubrik sein und darin möchte ich Dinge wie Schreiben, spazieren oder einfach nach draussen gehen, Meditation oder Entspannungsübungen, etc rückverfolgen um sie mir konsequenter anzugewöhnen (und beizubehalten).

Verschieden Angewohnheiten haben sich schon verfestigt (täglisches Schreiben und / oder Lesen), an anderen arbeite ich jetzt seit wenigen Tagen (in die Frische Luft gehen) und bei anderen bin ich noch auf der Suche und habe begonnen mir ersteinmal ein wenig Wissen anzueignen (Meditation und Co.).

Ich möchte (auch auf vielem Anraten, ob jetzt von hier, in Büchern, von meinen Aerzten, etc) in Zukunft einfach mehr "Gutes" für mich tun, besser auf mich achtgeben und zudem auch meinen Kopf / Verstand entrümpeln und ihm mehr Pausen und Luft zum Atmen, oder besser gesagt, zum (gutem) Leben geben.

Ausgangspunkt dieser Ueberlegungen war und ist meine Alkoholabhängigkeit, ironischerweise gibt es diese Ueberlegungen aber quasi für jede unserer sogenannten Zivilisationskrankheiten sei es Abhängigkeit, Ueberarbeitung, Internetsucht, ewige Unruhe, etc. Zum Schluss laufen die Fäden dann heutztage doch irgendwie alle zusammen: man betreibt einfach Raubau an seinem Körper, Geist und Seele, gefördert von unseren Errungenschaften Kapitalsmus, Konsum und Gier (und dies dann auf Kosten unseres Planeten und unserer Nachkommen).

Ok, jetzt bin ich ein wenig abgeschweift, aber ich denke die meisten wissen was ich meine.

A propos Lesen: seit meinem letzten Tropfen Alkohol habe ich über 25 Bücher gelesen, einige mehrmals, so dass ich mir jetzt einen Kindle zugelegt habe. Ist schonender für den Paketzusteller als auch platzsparender für meine Schränke. :D Virtuelle Bücher die mir in Zukunft besonders an Herz wachsen werden kann ich mir immer noch später in "Echt" zulegen.

Folgende 3 Bücher meiner letzten gelesenen Werke haben mir persönlich sehr gut gefallen und mir viele nützliche Ideen und Denkansätze gegeben:

Sich das Leben nehmen: Alkoholismus aus der Sicht eines Alkoholikers - Heckel, Jürgen

Der stille Weg: Endlich raus aus der Alkoholabhängigkeit - Nikolaus Petri

Schon wieder betrunken, Angsthase?: Alkoholabhängigkeit. Erkennen. Bremsen. Beenden. Und wie man zufriedenes Leben lernt. - Nikolaus Petri

Parallel hierzu bin ich dabei mich in

Jetzt! Die Kraft der Gegenwart - Eckhart Tolle

einzuarbeiten.

Dieses Buch hat jetzt nichts direkt mit dem Thema Alkohol zu tun, ich wurde aber auf das Thema Spiritualität / Meditation neugierig weil in beiden Büchern von Nikolaus Petri diese Themen ausdrücklicher und konkreter zur Sprache kommen als in den üblichen "bekannten" Bücher über Alkohol.

So, das war es jetzt ersteinmal von meiner Seite.

Schöne Grüsse und eine schöne, sonnige Woche,

Mario B.

Horizont
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Re: 77 Tage keinen Tropfen Alkohol...

Beitrag von Horizont » 10.07.2018, 08:50

Hallo Mario B.,

ich hab noch nicht intensiver in deinen Thread reingelesen, aber sehe, dass du das Tolle-Buch lesen willst. Hast du schon angefangen? Wie gefällt es dir? Ich habe es vor vielen Jahren einmal gelesen und es kam mir damals sehr oberflächlich vor. Aber vor einiger Zeit haben mich Freunde auf Youtube-Videos von Tolle hingewiesen und ich habe mich noch einmal damit beschäftigt. Mir kam vor, dass die Videos von ihm eine wesentlich stärkere Kraft entwickeln als das Buch. Das nur als Hinweis, falls du mit dem Buch nicht so viel anfangen kannst.

Nüchternen Gruß
Horizont

Mario B.
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Re: 77 Tage keinen Tropfen Alkohol...

Beitrag von Mario B. » 10.07.2018, 13:47

Hallo Horizont.

Danke der Nachfrage und für den Hinweis, mir war nicht bewusst dass es auch Videos vom Autor gibt.

Ja, ich habe mit dem Buch angefangen. Paralell dazu habe ich auch "Mögest Du glücklich sein: Entdecke dein Höheres Selbst und verbinde dich mit deiner inneren Kraft - Laura Malina Seiler" angefangen. Im Moment ist es eher ein langsames durcharbeiten als ein lesen. Bei beiden Bücher mache ich sehr viele Notizen und schreibe mir meine Gedanken und Schlussfolgerungen dazu auf, oft springe ich zwischen beiden Büchern hin und her (die Bücher haben viele "Gemeinsamkeiten") um zu vergleichen oder zu kombinieren. Auch ein Zurückblätteren, um schon Gelesenes zu wiederholen, wende ich bei diesen Büchern sehr oft an.

Ich muss aber hinzufügen dass ich bei diesen Themen ein absoluter Anfänger bin und es die allerersten Bücher sind die ich dazu lese. Viele der Ansätze sind interessant, vieles kommt einem bekannt und selbstverständlich vor, dennoch wenden es die wenigsten an. Dies ist auch ein Grund warum ich diese Bücher intensiver bearbeite, ich möchte dass von diversen vorgestellten Ideen und Ritualen, dich für mich einen Sinn ergeben könnten, etwas hängen bleibt. In meinen Augen ergänzt sich dies sehr gut zur "allgemeinen" Trockenarbeit wo Achtsamkeit und innere Ruhe ja auch eine grosse Rolle spielen.

Konkret habe ich es jetzt fast schon 20 Tage am Stück geschafft morgens 15 Minuten zu meditieren... oder habe es zumindest versucht. Ich merke aber dass hier Geduld als auch wirklich (innere) Ruhe erforderlich sind um Fortschritte zu erzielen. Frei nach dem Motto: mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. :)

Schöne Grüsse,

Mario B.

Horizont
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Re: 77 Tage keinen Tropfen Alkohol...

Beitrag von Horizont » 16.07.2018, 22:09

Hallo Mario,

das mit den morgendlichen Meditationssitzungen ist doch super! Wie lange man es macht ist eigentlich egal, aber die Häufigkeit bringts ziemlich. Wenn ich dir dazu noch was sagen darf: "innere Ruhe erforderlich" und "Fortschritte erzielen" sind zwei der schwierigsten Herausforderungen, mit denen man als westlich geprägter Mensch konfrontiert ist, wenn man mit Mediation beginnt. Denn weder ist innere Ruhe erforderlich, noch könnte man irgendwelche Fortschritte erzielen ;-) Einfach machen, der Rest ergibt sich dann von selbst. Aber ja nicht mit irgendwelchen Fortschritten rechnen oder gar darauf hinarbeiten versuchen, dann ergibt sich nämlich nullkommanix. Rätselhaft, was?

Falls du in einer Stadt lebst könntest ja auch mal eine Meditationsgruppe besuchen. Einen Lehrer zu haben kann hilfreich sein, und mit anderen gemeinsam meditieren hat eine ganz eigene Kraft. Das nur als Anregung.

Lieben Gruß
Horizont

Mario B.
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Re: 77 Tage keinen Tropfen Alkohol...

Beitrag von Mario B. » 18.07.2018, 11:15

Hallo Horizont,

danke für deinen Einwurf. :D

Aktuell mach ich in der Tat einfach nur... mehr kann oder soll wohl man auch nicht. Bis auf weiteres werde ich dieses morgentliche Ritual auf jeden Fall beibehalten.

Gruss,

Mario B.

Mario B.
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Re: 77 Tage keinen Tropfen Alkohol...

Beitrag von Mario B. » 22.08.2018, 10:10

Hallo an das Forum.

So, 300 Tage bin ich jetzt trocken (oder "abstinent" für jene Langzeittrockene die den Begriff "trocken" exklusiv für sich beanspruchen), Ende der Woche werde ich, wenn ich bis dahin nicht rückfällig werde, dann 10 Monate voll haben.

Bis auf meine Triggerpremiere (zumindest war das das erste Mal in meiner Abstinenz wo ich bewusst ein Triggern an Alkohol wahrgenommen habe) ist die letzten Wochen jetzt nicht allzuviel passiert. Dieses Triggern wurde übrigens durch eine Limonande / Brause hervorgerufen, während dem Trinken hat mich dieses Getränk extrem an den Geschmack von Sekt erinnert, einen Geschmack den ich monatelang ja nicht mehr im Mund hatte. Nach genauerem Hinsehen (es war eine Art Werbegeschenk auf der Tankstelle) stellte sich heraus dass es eine Mischung aus Grapefruit UND Traubenlimonade war. Habe das Zeug danach dann nicht mehr zu Ende getrunken und anstelle ein Schokoladeneis gegessen. Eine interessante Erfahrung die ich bis dato noch nicht hatte. Da ich aber eh äusserst selten Limonade trinke, letzen Endes dann doch auch schnell wieder vergessen.

Ich hoffe das Wetter bleibt noch so warm und herrlich wie die letzten Monate, die Zeit draussen auf meiner Terrasse, auf Spazierwegen, Parkbänken und Restaurantterrassen als auch in Biergärten hat mir extrem gut getan.

Falls ein Frischling hier mitliest: Wer eine Beschäftigung sucht und dem beim Tagebuchschreiben nie etwas einfällt oder dem Zeichnen zu schwer ist, sollte sich mal mit Zentangle probieren. Bin durch Zufall darauf gestossen, ich habe diese Art von Malen/Zeichnen jetzt auch nicht weiterhin verfolgt aber mir aber gedacht dass dies eine sehr nette Beschäftigung für frische Abstinenzler ist um sich abzulenken, zu entspannen, an der Ergonomie zu arbeiten oder einfach nur um die Zeit rum zu kriegen. Einfach mal ausprobieren.

Schöne Grüsse,

Mario B.

Carl Friedrich
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Re: 77 Tage keinen Tropfen Alkohol...

Beitrag von Carl Friedrich » 22.08.2018, 22:30

Hallo Mario!

Erst mal Glückwunsch zu den ersten 10 Monaten. Jetzt noch 2 und das erste Jährchen ist rum.

Was einen so alles triggern kann, ist schon erstaunlich. Mir macht so 'ne Limo nichts aus.

Apropos: Was trinkst Du denn im Biergarten? Triggern dich die anderen Biertrinker und deren Gläser nicht?

Gruß
Carl Friedrich

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