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Sein Weg, eigener Weg

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Rattenschwanz
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Beitrag von Rattenschwanz » 12.02.2018, 14:06

Vollwaise hat geschrieben:Hartmut, ist sicher nicht falsch, was Du schreibst. Es ist aber sicher auch so, dass einerseits jeder ein Individuum ist, aber andererseits auch Verhaltensrahmen existieren, in deren Von/Bis jeder reinpasst, die Kunst für den Therapeuten und vor allem den Kranken selbst (wenn er es denn will) ist, da die Einordnung zu finden.
Da bin ich ganz anderer Meinung weil ich schon einige - na gut zwei - Langzeittherapien und auch eine Einzeltherapie hatte , übrigens alle umsonst aber nicht ganz sinnlos.

Die Kunst ist eben nicht den Rahmen zu finden sondern den einzelnen Menschen mit seinen Besonderheiten. Es nützt mir nichts, wenn so ein Therapeut zu mir sagt: Hm, sie passen in diesen Rahmen ohne wenn und aber. Sie müssen da rein passen, weil es keinen anderen gibt.

Vollwaise

Beitrag von Vollwaise » 12.02.2018, 14:19

Stimmt, das habe ich hier ja auch oft geschrieben, dass die aktuellen Therapieansätze Einheitsbrei sind, so war das aber auch nicht gemeint.

Ich meinte, dass derjenige, der 1,66 Meter groß ist, eine andere Therapie braucht als derjenige, der 1,99 Meter groß ist. Hierzu muss aber erstmal die Körpergröße ermittelt werden, sprich konkret, wo denn bei Patient x der Hase im Pfeffer liegt.

Meiner Meinung nach kann der Patient, wenn er denn will, wertvollen Input leisten, wobei einem die Lust ab und an auch mal vergehen kann, wenn wieder der Einheitsbrei vermittelt wird,warum auch immer... Außerdem wird dies zumindest in meinem therapeutischen Umfeld weder verlangt noch gefördert... Macht halt beiden Arbeit, dem Therapeuten (Festgehalt) und dem Patienten (upsa, dann muss ich mich ja mit mir selber beschäftigen...)

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 12.02.2018, 14:29

Hallo Thomas,

nun kann ich Muster erkennen aber es nutzt dem Einzeln recht wenig wenn er mit Allen zusammen in eine Kiste gepresst wird. Es geht ja um Den und nicht um Die Alkoholiker.

Was ich auch immer wieder lese sind „Verhaltensmuster" Mein Verhaltensmuster vor der Abhängigkeit hat , wenn überhaupt, es begünstigt das ich zum Säufer wurde. Die Sucht hat dann mein Verhaltensmuster für sich angepasst. Beim Trocken werden hatte ich mein Verhaltensmuster der Risikominimierung angepasst.

Nun mag es sein das es in Therapien Ansätze gibt die jeden Stein den ich mal umgedreht hatte, Auswirkungen auf meine Sucht hatten. Diese Verhaltensmuster haben andere aber zu keinem Alkoholiker werden lassen. Für mich, eventuelle auch eine rühmliche Ausnahme, ist es nicht von Interesse zu ergründen was war sondern das was ist zu erhalten ist. Dazu muss ich natürlich auch ein Wissen über Wege haben und das von Menschen die es vormachten und nicht die es gerne so vormachen wollen.

Um mal bei deine Metaphern zu bleiben.Ich kann nicht von anderen die Schuhe anziehen auch wenn sie passen. Ich könnt mir da auch Fußpilz holen.

Gruß Hartmut

Vollwaise

Beitrag von Vollwaise » 12.02.2018, 15:18

Hallo Hartmut,

wieder mal große Zustimmung, aber eben nur große und keine komplette....

Ich habe hier ja schon mehrfach bemängelt, dass die "Schultherapie" alles unter einen Hut presst und ich diejenigen, die Trocken halte, für Zufall halte bzw. es denen selber zuschreibe, aber nicht den Therapeuten.

Auch morgen Abend sitze ich wieder (zum vorletzten Mal) im Ringelreinchenkreis als armer Mensch im Kreise anderer armer Menschen. Hilft mir null, also helfe ich mir selber...

Die Sache mit den Schuhen stimmt auch: Wenn Herr x den und den Weg gegangen ist, um trocken zu werden und zu bleiben, muss dieser Weg für mich nicht richtig sein. Hier wären wir dann bei der unterschiedlichen Schuhgröße.

Aber es ist doch auch so, dass es bei jedem Gründe gibt, wieso er denn mit der Sauferei angefangen hat und auch Gründe, warum er einen RF erlitten hat und ich gehe davon aus, dass sich diese Gründe Anfang/RF sehr ähneln. Kann ich weder belegen noch negieren, ich halte es einfach für wahrscheinlich...

In den ganzen Gesprächen mit meinen Mitpatienten in der Entgiftung zig sich ein roter Faden durch die Alkoholkarriere, der eben eigentlich immer den selben Rotton hatte, sprich der Grund, warum derjenige mit dem Saufen angefangen hat und warum dann später RF 1, 2 und 23 kamen, war der selbe oder zumindest sehr ähnlich.

Ein anderer Gedanke, der mir gerade kommt und den ich so noch nie hatte, ist folgende Frage:

a lebt seit 31 Jahren abstinent, ist aber deshalb totunglücklich und verbittert und ein böser Misanthrop, aber TROCKEN!
Er leidet aber wie ein Hund.

Ist es nur wichtig, trocken zu sein oder aber ist es wichtig, trocken UND glücklich zu sein?

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 12.02.2018, 15:27

Hallo Thomas
a lebt seit 31 Jahren abstinent, ist aber deshalb totunglücklich und verbittert und ein böser Misanthrop, aber TROCKEN!
Er leidet aber wie ein Hund.
Hat nichts mit mir zu tun. Soll er wieder saufen wenn er sich quält und unglücklich darüber ist.
Ist es nur wichtig, trocken zu sein oder aber ist es wichtig, trocken UND glücklich zu sein?
Rhetorische Frage ? Ich kann nur aus meiner Sicht sagen das ich zufrieden mit meinen Weg und der Abstinenz bin. Heißt nicht das ich immer mit allen Lebensumstände zufrieden bin.Ich werfe das nicht in einen Topf.

Gruß Hartmut

Rattenschwanz
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Beitrag von Rattenschwanz » 12.02.2018, 15:37

Ich glaube, dass es auf Dauer - hier:31 Jahre - nur eine zufriedene Abstinenz geben kann. Warum soll ich trocken bleiben wenn mich das alles ankotzt? Warum bin ich dann überhaupt getrocknet, wenn im Suff alles schöner und ich zufriedener bin?

Da zählen auch keine gesundheitlichen Gründe, es gibt genug Raucher mit Lungenkrebs.

Aber Hartmut recht, wichtig für mich ist, dass ich trocken bin. Was der Nörgler warum macht, ist seine Sache.

Vollwaise

Beitrag von Vollwaise » 12.02.2018, 16:00

2 perfekte Antworten, danke, Männer.

Ich weiß auch nicht, wieso sich jahrelange Trockenheit und unglücklich sein verbinden sollen....

Wenn ich mal jahrelang trocken bin, kann nix so schlimmes kommen wie seinerzeit gegen Ende meiner Sauferei... ich muss also zwangsläufig glücklich sein, denn ich saufe ja nicht mehr. Und ich kann nur hoffen, dass mir die Endzeit meiner Sauferei mit allen Begleitumständen im Gedächtnis bleibt.

Rattenschwanz
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Beitrag von Rattenschwanz » 12.02.2018, 16:18

Ich hatte zwischendurch mal ne Phase, in der ich die Zufriedenheit in Frage gestellt habe. Mir hat einfach mal das sich "Abschießen" gefehlt, einfach mal an nichts denken außer vielleicht an bunte Knete im Kopf. Ich kann dir nicht schreiben warum, das war einfach so.

Ich hab dann sofort mit meiner Frau geredet, ihr das erzählt und gleichzeitig versucht ihr die Angst davor zu nehmen, dass das passiert.
Mit mir selbst habe ich schon geraume Zeit - also nun keine Wochen aber doch schon - Vergleiche angestellt was bringt es Positives, was Negatives.

Ich hab nichts gefunden, was mich hätte vom Saufen überzeugen können. Da gab's nicht wirklich was, das positiv gewesen wäre.

Ich hoffe das bleibt so.

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