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Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 17.02.2018, 21:40

Vollwaise hat geschrieben:
Die Abstinenzwahrscheinlichkeit ist definitiv nicht höher oder niedriger, je länger einer abstinent ist, sondern vielmehr von ganz anderen Faktoren abhängig, für die bloße Zeit kriegt man genau garnix!
Hallo!

Diese These ist m.E. unzutreffend. Die Rückfallquote und somit die Rückfallwahrscheinlichkeit sind in den ersten beiden Jahren am höchsten.

Man darf den Faktor Zeit nicht unterschätzen. Der LZT ist sehr erfahren. Er/sie hat in der langen Zeit der Abstinenz so manche Klippe umschiffen dürfen und hat so manch einem Sturm namens Suchtdruck oder privaten/beruflichen Problemen getrotzt. Er/sie weiß genau, dass der Suchtdruck normalerweise nach einigen Minuten wieder verschwindet.

Er/sie ist allein aufgrund seiner Erfahrung routinierter im Umgang mit heraufziehenden Krisen.

Diesen Nachweis muss ein erst kurzzeitig Abstinenter erst noch erbringen und zeigen, dass er/sie trotz aller angelesenen Literatur- und Internetmeinungen im konkreten praktischen Krisenfall einen Ausweg findet, der nicht in der Flasche endet.

Ganz wichtig ist m.E. sich die Demut vor der Krankheit und ihren Tücken zu bewahren. Ob dies bei jedem hier der Fall ist, kann ich nicht so recht glauben.

Gruß
Carl Friedrich

Carl57
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Beitrag von Carl57 » 17.02.2018, 22:26

Die Rückfallquote ist geprägt durch den sprunghaften Anstieg während der ersten 6 Monate auf rd. 50%.
Danach verlangsamt sie sich und erreicht nach 6 Jahren rd. 80 %.
Mit dem Ausdruck "Demut" vor der Sauferei kann ich mit dem besten Willen nix anfangen. Achtsamkeit vor einem Rückfall ja. Aber das hat m.E. mit Demut nichts zu tun.
Carl

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 17.02.2018, 22:46

Hallo
Mit dem Ausdruck "Demut" vor der Sauferei kann ich mit dem besten Willen nix anfangen.


Ich habe mir da auch schwer mit getan. Demut heißt für mich, das ich die Krankheit mit allen Außenmaßen für mich akzeptiert habe und keinen Groll gegen sie hege. Das es keinen Sinn macht gegen den Alkohol in der Sucht anzukämpfen. Das lässt mir die Gelassenheit mit ihr trocken zu leben.

Wenn Demut jedoch in Verbindung mit höheren Mächten gebracht wird, halte ich nichts davon.

Gruß Hartmut

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 17.02.2018, 23:04

Hallo Hartmut!

So sehe ich es auch.

Gruß
Carl Friedrich

Rattenschwanz
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Beitrag von Rattenschwanz » 19.02.2018, 06:40

Vollwaise hat geschrieben:
Ich frage mich, woher DU Deine stellenweise unterschwellige, stellenweise offen zum hiesigen Markte getragene Überlegenheit ableitest....

JEDER, der gerade seit 2 Minuten seine ersten Entgiftung hinter sich gebracht hat und seither nix gesoffen hat, ist Dir überlegen. Denn der hatte noch keinen Rückfall, DU mehrere!
"Überlegenheit" scheint in deinem Leben eine große Rolle zu spielen.

Auch wenn ich damit nichts anfangen kann - also damit, mein Leben auf ständige Überlegenheit irgendjemandem oder irgendwas gegenüber auszurichten - mal 'ne Frage:

Wieso oder in was oder mit was ... ist ein Alkoholiker, der noch keinen Rückfall hatte, einem rückfälligen Alkoholiker überlegen?

ClaudiA
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Beitrag von ClaudiA » 21.02.2018, 06:26

Guten Morgen Hartmut,

es ist mal wieder soweit - ich versteh´s einfach nicht :lol:
solange ich denke das ich die Kontrolle über die Krankheit habe, solange passe ich nicht auf. Meine Erfahrung.
Hast Du bei Paul hinterlassen.

Wie nennst Du den Fakt denn dann, daß Menschen viele Jahre trocken leben, den Alkohol aus Ihrem Körper geschmissen haben?!

Ich dachte ja eigentlich schon, daß ich mein Leben in diesem Punkt - zumindest für heute (die guten alten 24h eben) unter Kontrolle habe.
Hätte ich es NICHT unter Kontrolle... wäre ich dann trocken?

Vielleicht habe ich nicht die Kontrolle über den Alkohol, aber ich habe doch die Kontrolle über meinen Körper, der OHNE Alkohol rumläuft.

Ich hinterfrage (kontrolliere) mich und meine Gedanken regelmäßig in Bezug auf den Alkohol und steuere dagegen an,
wenn ich merke, daß meine Gedanken nicht rund laufen diesbezüglich.

Oder meintest Du ggf., "solange ich DENKE, daß ich es unter Kontrolle habe....". Dann wäre meine Antwort ggf.
"gut, ich DENKE nicht, daß ich es unter Kontrolle habe, sondern ich HABE es unter Kontrolle, da ich es LEBE.

Erklär doch mal bitte, damit ich nicht dumm sterben muß...dankeschön :wink:

Liebe Grüße
ClaudiA

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 21.02.2018, 09:02

Moinsen Hartmut,
solange ich denke das ich die Kontrolle über die Krankheit habe, solange passe ich nicht auf. Meine Erfahrung.
Also ich muss sagen, so recht will mir das auch nicht einleuchten :wink:
Ich habe nicht die Kontrolle über meine Krankheit, wenn ich (wieder) saufe, das ist mir klar.
Der Kontrollverlust ist ja ein Symptom meiner/unserer Krankheit.

Aber trocken??
Ich habe ja meine Krankheit bisher stoppen können, und das ist ja etwas, was ich auch willentlich ausübe.
Wie außer "Kontrolle" sollte ich das denn sonst nennen? :wink: Mir fällt grad kein besseres Wort ein.
Ich sehe mich nicht als willenloses Opfer meiner Krankheit, sondern kann sie durch eigenes Verhalten beeinflussen, also kontrollieren.
Trocken habe ich diese Kontrolle, nass aber nicht mehr.
Hinzu kommt, das meine Birne nicht mehr nasss tickt, und auch auf die eigenen Gedanken kann man Einfluss nehmen.
Das Unterbewußtsein ignoriere ich hierbei mal kurz :wink:

Ich bin also der Meinung, das ich trocken weiß, was ich tue.
Und solange kann ich doch auch einigermaßen vernünftig denken, was die Krankheit betrifft, oder nicht?
Ich weiss ebenfalls, was passieren wird, sollte ich wieder saufen.
Wer, wenn nicht ich, sollte denn die Krankheit "kontrollieren" können?
Könnte ich das nicht, würde ich doch längst wieder saufen?

Vielleicht verstehe ich Dich aber auch nur miß ?

LG Sunshine

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 21.02.2018, 09:05

Hallo ClaudiA
es ist mal wieder soweit - ich versteh´s einfach nicht :lol:
Zitat:
solange ich denke das ich die Kontrolle über die Krankheit habe, solange passe ich nicht auf. Meine Erfahrung.
Ich versteh es manchmal selbst nicht. :lol: Bei mir laufen die Antworten irgendwie so schnell auf Papier, da denke ich gar nicht sofort nach, ob jemand mich auch versteht. Entschuldigung

Als Alkoholiker ist die Grundeigenschaft der Kontrollverlust. Im nassen Zustand sichtlich durch Saufen ausgeprägt . Da lauft ja im Vorfeld etwas unkontrollierbares ab. Selbst wenn ich aufpasse habe ich da keine Chance. Das würde mir ja auch im trockenen Zustand auch passieren wenn ich wieder Saufen würde.

Nun ging es bei Paul darum im Vorfeld sich schon Strategien zu überlegen wie er den Abend ohne Schaden überlebt. Ich kann mich im trockenen Zustand zwar schützen oder rational überlegen, jedoch nicht ausschließen wenn ich eine Armlänge am Glas sitze, das mir nichts passiert. Ich kann zwar aufpassen aber im Extremfall mich nicht drauf verlassen. Ich habe nie eine 100% Kontrolle über das Aufpassen. Meine Post war in Bezug auf die Krankheit im nassen Umfeld gemünzt

Gruß Hartmut

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