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Sein Weg, eigener Weg

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 21.02.2018, 09:35

Ich kann mich im trockenen Zustand zwar schützen oder rational überlegen, jedoch nicht ausschließen wenn ich eine Armlänge am Glas sitze, das mir nichts passiert.
Ich kann zwar aufpassen aber im Extremfall mich nicht drauf verlassen.
Ich habe nie eine 100% Kontrolle über das Aufpassen. Meine Post war in Bezug auf die Krankheit im nassen Umfeld gemünzt.
Das sehe ich auch so. Man sagt ja auch nicht umsonst, das wir immer nur eine Armeslänge vom Alk entfernt sind.
Ganz so krass sehe ich das nach vielen jahren Trockenheit zwar nicht mehr, aber grundsätzlich ist es wohl doch so. Vielleicht sind es nun bei mir 2 Armeslängen :wink:

Am Anfang der Abstinenz ist doch alles noch so "wackelig". Eine Stabilität baut sich erst nach einer gewissen Zeit auf.
Auch wenn das einige nicht gern hören wollen, lese ich es doch bei LZT immer wieder so. Und ich selbst habe es auch so erlebt.
Da darf man leicht schon mal mind. 2-3 Jahre Abstinenz veranschlagen, bis man von einer gewissen Stabilität reden kann.
Ich würde über mich selbst sagen, das ich mich erst nach 3-4 Jahren ohne Alk einigermaßen stabil fand, ich war da echt vorsichtig mit solchen Bezeichnungen.
Andere mögen diesen Zustand schneller erreichen, andere brauchen vielleicht auch noch länger.
Ist auch egal, es ist kein Wettlauf, eine stabile Trockenheit möglichst schnell zu erreichen.
Das ist eher ne Lebensaufgabe, diese zu erreichen und beibehalten zu können.

Und wenn ich noch wackelig bin, weil die Abstinenz eben noch so frisch ist, würde ich mir doch lieber zusätzliche Sicherungen einbauen
anstatt mich in nassen Umfeld rumzudrücken.
Da gehe ich also doch lieber erst gar nicht hin,ehe ich da in eine gefährliche Situation reinrutsche.
Mir ist aber auch bekannt, das sich manche Situationen unerwartet und unvorhersehbar ergeben können.
Das ist mir auch mehrmals so passiert, man kann eben nicht alles vorhersehen.
Aber dann kann man die Situation meiner Meinung nach auch IMMER verlassen.
Mich kann ja niemand irgendwo festnageln :wink: und wenn ich sonstwo bin... da geh ich lieber 10 Kilometer zu Fuss durch die Botanik nach Hause,
ehe ich mich in Gefahr begebe.
Und man darf auch JEDERZEIT sagen, das man sich in einer Situation nicht mehr wohl fühlt und gehen möchte,
ohne das jemand das Recht hat, deshalb böse zu sein.
Dafür muss man aber auch ehrlich sich selbst gegenüber sein, über eine gewissse Fähigkeit der Selbstreflektion verfügen.
Und nicht sich selbst was vormachen oder zu versuchen die warnenden Gefühle zu übertünchen.
Denn das gibt nix Gutes.

LG Sunshine

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 22.02.2018, 07:26

Hallo Sunshine
Und man darf auch JEDERZEIT sagen, das man sich in einer Situation nicht mehr wohl fühlt und gehen möchte, ohne das jemand das Recht hat, deshalb böse zu sein.
Ob da jemand böse wäre oder nicht ist mir ziemlich egal. Denn es würde ja nur in sein Weltbild passen. Wenn ich jedoch der Urheber eines solchen Treffen bin, bei dem Alkohol ausgeschenkt wird, mache ich es mir es erstmal selbst schwer dann zu reagieren. Ich frage mich dann auch was ich mir damit beweisen will. Dazu zu gehören ,es macht mir nichts aus . Schaut mal her, so schlimm ist es gar nicht. Bei einer Einladung weiß ich ja es im Vorfeld und kann mich darauf einstellen.

Am Anfang , da ging es beim Paul, ist das eben immer ein Tanz auf dem Drahtseil. Bei längerer Trockenzeit und Stabilität habe ich zumindest schon Sicherungen eingebaut. Ich kann nicht alles verhindern aber es hindert mich auch niemand daran etwas für mich zu tun.

Gruß Hartmut

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 20.03.2018, 08:19

Hallo zusammen,

„Ein paar Tage krank jetzt säuft er wieder Gott sei Dank“! Wer kennt diese Saufsprüche nicht, die dazu hergehalten hatten sich die Sucht immer wieder in Erinnerung zu rufen und eine Begründung für sein Trinkverhalten zu haben.

Nun ist auch im umgekehrten Fall, das Trocken bleiben die Priorität 1. In Erinnerung zu halten. Am Anfang des Weges noch verkrampft jedoch mit der Zeit spielt sich ein Routine ein die in eine Normalität über geht. Die Ängste es nicht zu schaffen wurden durch die Überzeugung abgelöst.

Es ist zwar ein fortlaufender Prozess ohne jedoch jeden Tag eine Hab Achsstellung einzunehmen und Alles um mich herum auf die Krankheit zu projizieren. Gebe ich der Krankheit den Spielraum alles in einem Zusammenhang zu sehen, dann würde ich mich nie vom Alkohol loslösen können. Ich wäre weiterhin gefangen in einer „trockenen Sucht“ Loslösung vom Alkohol bedeutet nicht das Wegstellen des Glases sondern das Loslassen im Kopf.

Angelehnt an Correns Gedanken sehe ich es auch so das es kein Sprint ist, sondern ein Marathon. Ein entspannter Marathon.

Gruß Hartmut

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Re: Sein Weg, eigener Weg

Beitrag von Hartmut » 13.12.2018, 07:39

Hallo

um den Thread mal wieder ins Leben zu rufen hat mich die Diskussion „Suchtgedanken fertig denken“ interessiert.

Ich hatte ja die Erfahrung, dass es besser ist, es nicht zu tun. Wenn ich die Alkoholkrankheit mit allem Ausmaß akzeptiert habe, ist es doch irgendwie paradox etwas fertig zu denken, bei dem ich weiß das es aus einem kranken Verhalten kommt.
Muss ich mir etwas vor Augen führen was akzeptiert ist?
Ich lebe ja mit der Krankheit und lass mich nicht von ihr leben.

Mal wieder quer gedacht.

Gruß Hartmut

Lunki
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Re: Sein Weg, eigener Weg

Beitrag von Lunki » 13.12.2018, 07:57

Hallo Hartmut,

für dich funktioniert das nicht, das hast du für dich erkannt. Wenn es jedoch für jemand anderen und dessen Weg aus der Sucht hilfreich ist, kann ich da zunächst nicht sehen, warum dies paradox ist. Wir sind ja alle unterschiedlich und warum sollte es dann eine Problembewältigungsstrategie nicht sein? Mir kommt beim Lesen oft das Gefühl, das es nur den einen Weg gibt, sich mit dieser Erkrankung auseinander zu setzen. Was in großen Teilen auch stimmt, (damit meine ich jetzt Fakten wie alkoholfreies Umfeld etc.) aber dies sogar auf Gedanken zu beziehen, die jemand haben oder benutzen sollte, wenn die Gefahr droht rückfällig zu werden, erscheint mir irgendwie seltsam. Und dann kommt mir in dem Zusammenhang noch eine Frage, wir reden ja hier auch von unterschiedlich ausgeprägten Phasen der Alkoholkrankheit. Worauf ich hinaus will und das ist echtes Interesse, weil ich nicht weiß ob es dazu fundierte Studien gibt. Macht es für das Suchtgedächtnis nicht auch einen Unterschied aus, wie lange man es gefüttert hat? Also ich meine damit, ist eine Umprogrammierung nach 30 Jahren nicht schwerer als nach 3 Jahren?

Und noch eine Frage habe ich an dich persönlich. Dir hat es nicht geholfen den Gedanken zu Ende zu denken. Was war denn deine Strategie wenn du das Gefühl hattest trinken zu wollen? Das interessiert mich generell bei den LZT, also welche Werkzeuge, Gedanken etc. sie in solchen Momenten angewendet haben, was Ihnen geholfen hat.

Hartmut
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Re: Sein Weg, eigener Weg

Beitrag von Hartmut » 13.12.2018, 08:37

Hallo Lunki,

schön das du hier bist und dir Gedanken machst. Es sind meine gelebten Erfahrungen und keine Thesen. Deswegen kann ich auch nicht von anderen sprechen.
Wir sind ja alle unterschiedlich und warum sollte es dann eine Problembewältigungsstrategie nicht sein?
Nun gibt es sicherlich auch individuelle Wege aus der Sucht. Die hatte ich auch und bin jedes Mal daran gescheitert. Nur die Sucht selbst ist nicht individuell.
wir reden ja hier auch von unterschiedlich ausgeprägten Phasen der Alkoholkrankheit.
Wenn die Krankheit ausgebrochen ist dann sind die Phasen ja egal. Die zeigen ja nur den Weg der Krankheit auf. Oder habe ich dich falsch verstanden?
Macht es für das Suchtgedächtnis nicht auch einen Unterschied aus, wie lange man es gefüttert hat? Also ich meine damit, ist eine Umprogrammierung nach 30 Jahren nicht schwerer als nach 3 Jahren?
Nun auch da. Wenn ich Alkoholiker bin hat ja das Suchtgedächntis unabhängig von der Dauer der Krankheit einen krankhaften Verlauf und signalisiert das Alkohol die „Allround-Lösung“ wäre.
Dir hat es nicht geholfen den Gedanken zu Ende zu denken. Was war denn deine Strategie wenn du das Gefühl hattest trinken zu wollen? Das interessiert mich generell bei den LZT, also welche Werkzeuge, Gedanken etc. sie in solchen Momenten angewendet haben, was Ihnen geholfen hat.
Nun, bei anfänglichen Suchtdruck war ich recht pragmatisch. Viel Wasser trinken ohne Kohlensäure . Entspannungsübungen/Bäder. Lange Spaziergänge ohne Geldbeutel. Sport oder andre Tätigkeiten, die ich positiv besetzen konnte ausüben. Was ganz wichtig ist sich bei der SHG oder mitwissende Ansprechpartner wenden. Viele haben ja bei Suchtdruck auch manchmal ein Gefühl etwas falsch zu machen und melden sich aus einem falschen Scham heraus nicht.

Da Suchtdruck nur zeitweise und nicht auf Dauer am Stück aufkommt, gilt es auch mal auszuhalten.

Gruß Hartmut

Cadda
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Re: Sein Weg, eigener Weg

Beitrag von Cadda » 13.12.2018, 12:39

Hallo Lunki, Hallo Hartmut,

genau MEIN Thema :-D

Für mich persönlich (nur für mich) ist es genau der richtige Weg, den Gedanken zu Ende zu denken.

Ich habe meine Krankheit vollkommen akzeptiert, als ich aufhörte zu trinken. Dennoch hilft es mir sehr, mich zeitweise selbst daran zu erinnern, WARUM ich aufgehört habe und WIE sehr krank ich war.

Mir gibt das Sicherheit. Ich will mir ganz bewusst immer mal wieder vor Augen führen, was ich definitiv nie wieder will.

Ich weiß es auch ohne diese Erinnerungen. Es gibt für mich kein Hintertürchen. Aber diese Erinnerungen sind das i Tüpfelchen meiner Stabilität.

Liebe Grüße

Rattenschwanz
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Re: Sein Weg, eigener Weg

Beitrag von Rattenschwanz » 13.12.2018, 13:20

Wenn ich mal Saufdruck habe, rede ich mit meiner Frau darüber und dann denke ich mir: Was würde denn passieren, wenn du jetzt vor Wut - oder was auch immer - einen Schnaps säufst? Genau, du würdest wie immer kein Ende finden und dich Morgen wie ausgekotzt fühlen und "wenn's gut kommt" weiter saufen. Bringt's das? Nee!
Und fertig bin ich damit.

Mir hilft es also, den Gedanken zu Ende zu führen.
(Wenn meine Frau nicht "greifbar" ist, hilft mir nur der Gedanke.)

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