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Am Ende der Straße: Rechts oder links abbiegen?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Carl57
aktiver Teilnehmer
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Beitrag von Carl57 » 09.02.2018, 21:49

Vollwaise,

Du hast zu Recht gewisse "Normen" im Forum kritisiert.

... aber Dein "Maschinchenvergleich" war nur frech, arrogant und überheblich.

Wenn Du Charakter hast, solltest Du den zurücknehmen.

Carl

Vollwaise

Beitrag von Vollwaise » 09.02.2018, 22:26

Lieber Hartmut,
lieber Karsten,

es ist richtig, wieder auf die sachliche Ebene zu kommen.

Ich bin nach wie vor Lichtjahre davon entfernt, wieder zu trinken und die Art meiner letzten Postings hier mögen den einen oder anderen befremden und es wird sicherlich Leute gegeben haben, die hier in der Vergangenheit ein ähnliches Muster zeigten wie ich und dann kurzfristig einen Rückfall erlitten haben.

Ich hatte aber keinen und bin mir sicher, dass dieser auch nicht bevorsteht, denn mein Denken hat sich keinen Millimeter in Richtung Alkohol verändert. Traurigkeit ist nicht vorhanden oder was auch immer sonst, anhand dessen ich mir einreden könnte, dass dies oder dies dann ein Grund wäre, wieder zur Flasche zu greifen.

Der Grund für die Heftigkeit meiner Postings liegt in meinem Charakter. Ich war immer ein grundehrlicher Mensch und bin von Kindesbeinen so erzogen worden. Wenn mich jemand fragen würde, was ich an meiner Säuferzeit am schlimmsten fand, dann wäre die Antwort MEINE LÜGEREI!

Ich erspare Euch jetzt Details, einige hatte ich ja schon in anderen Postings erwähnt. Der größte Klopper beim Thema Lügerei ist für mich der Selbstbetrug, den ich damals bis fast zum bitteren Ende gefahren bin.

Ich wusste ja, dass ich Alkoholiker bin und dass mich dies zugrunde richten wird und dass die Menge des Alks jeden Tag mehr und mehr wurde. Ich wusste, dass meine Ehe dran zugrunde gegangen ist, ich wusste, dass ich meine jetzige Beziehung nach dem selben Schema ruiniere.... Und ich könnte Euch bis morgen früh schreiben, was ich noch so alles wusste, alles Wissen war auf dem Level 2+2=4.

Ich habe absolut NULL Zweifel, dass 2+2=4 stimmt. Genauso wenig Zweifel hatte ich, dass ich mich und alles in meinem Umfeld zugrunde richte.

Öhh neee, ist ja gar nicht so, ist nicht so schlimm, wenn ich will, trinke ich morgen weniger... Habe 5 Pullen Wein am Tag getrunken und habe dann am nächsten Tag 6 gekauft mit der Absicht, heute 3 und morgen drei zu trinken. Wären ja jeweils 2 weniger pro Tag gewesen.... Das Ergebnis dieser Idee dürft Ihr gerne erraten, es gibt jedoch nix zu gewinnen, da die Quizfrage zu einfach ist....

Aber wenn ich gewollt hätte, hätte ich auch jeden Tag nur eine Pulle trinken können und wäre 6 Tage mit dem Einkauf ausgekommen. Sagte der Lügner in mir.....

Der andere, der gerade dabei war, sich zu vernichten, wusste, dass die Ration 6 Flaschen pro Tag nur temporär reichen würden und absehbar dann 7 oder 8 u.s.w. herangeschafft werden müssen....

Ist nicht gut für Dich, guck Dich mal an wie Du aussiehst, sagte die Restvernunft. Das andere Ich sagte (und das andere ich wurde mit jedem Schluck stärker), dass es wohl stimmt, dass ich aussah wie ausgekotzt, dass dies aber reversibel ist, wenn ich nur mal drei oder vier Tage nix trinke, was ja, wenn ich will, kein Problem ist... Also weiter und weiter...

Ich kürze das jetzt mal ab, wie die Sache geendet hat, wisst Ihr ja alle....

Ich bin jetzt seit 2 Monaten trocken und habe eine sehr große Distanz zum Alkohol. Diese hat verschiedene Bausteine, aber eben auch die wirklich abgrundtiefe Verachtung des besoffenen Idioten von damals, der wider besseres Wissen immer weiter und weiter gemacht hat....

Ich finde mich in der Saufzeit total lachhaft, absurd, ekelhaft und total zum ko..., aber vor allem unendlich dämlich! Ich habe eine stinkende Wut auf mich, dass ich mich erst so spät gegen mich selber durchgesetzt habe und ich könnte mir selber in die Fr..... hauen dafür, dies so lange, bis mir die Faust wehtut.

Am meisten ekelt mich meine Lügerei mir selbst gegenüber an, die das mit Abstand größte Hindernis war, endlich mit dem Trinken aufzuhören. Wahrscheinlich das einzige Hindernis, Selbstbetrug.... Wenn ich daran denke, überkommt mich eine geradezu rasende Wut mir selber gegenüber.

Ich hatte damals aber keinen Hartmut etc, die mir Tipps und Anstöße gegeben haben, mal hier und mal da nachzudenken, die mir zumindest eine grobe Richtung gegeben haben und deren Hinweise eben auf der Erfahrung beruhen, wie man mit dem Saufen aufhört (kann jeder) und eben auch trocken bleibt (können extrem wenige).

Ich habe unendlich viel Zeit mit dem Nachdenken über meine Krankheit verbracht, habe mir die Grundbausteine verinnerlicht, habe diese um eigene, auf Logik basierende "Weisheiten" ergänzt, habe unendlich viel zu dem Thema gelesen und tue das nach wie vor, die Sache mit der Dissertation war kein Fake.

Deswegen bilde ich mir ein zu merken, wenn jemand vom Weg abgekommen ist, vom Weg ab zukommen droht oder aber noch nie nie auf dem Weg war. Wen ich damit meine, muss ich nicht sagen und warum ich das meine, muss ich wohl auch nicht sagen.

Wenn derjenige dann vorher einen eher fragilen und hilfesuchenden Eindruck gemacht hat (und u. a. auch ich versucht habe, ihm zu helfen) und er sich dann gegen sämtliche Logik in Situationen begibt, wo selbst das stärkste Pferd rückfällig werden würde, wenn derjenige dann trotz aller Warnungen weiter ins Risiko geht und sich sogar neben den bestehenden neuen Nervenkitzel sucht und dann auf einmal aus dem fragilen Forenmitglied, welches vorher hier Rat und Hilfe suchend aufgelaufen ist, Tarzan persönlich wird, der die ganzen Fallstricke locker meistert, zweifele ich das an bzw. meine Logik, meine Erfahrung (Dienstagsrunde) und die einschlägige Lektüre, vor allem aber mein gesunder Menschenverstand und das Hineinversetzen in denjenigen sagen mir dann, dass er lügt!

Punkt! Er darf lügen und ist mir gegenüber nicht zur Wahrheit verpflichtet, wer bin ich denn? Aber dennoch ist es nun mal so, dass er lügt, und wie zur Bestätigung kommt dann alsbald ein Posting, in dem dann mehrere andere dafür verantwortlich gemacht werden, dass nunmehr der Rückfall unausweichlich ist, weil erstens, zweitens und drittens....

Und schwupps sehe ich mich von damals, meine verachtenswerten Lügen und meine Selbstzerstörung und mir platzt der Kragen.... Wenn andere Dienstags in der Runde vom Pferd erzählen, 4 Pfefferminz fressen und ne Fahne haben, aber ansonsten ist alles total OK, unterdrücke ich diese Wut und tausche sie gegen absolute Gleichgültigkeit.

Hier ist es jedoch anders, sei es durch die Anonymität oder aber weil ich die Sache habe kommen sehen und ich hätte sehr gerne Unrecht gehabt. hatte ich aber leider wieder mal nicht, genau wie so oft in den Dienstagsrunden, wo ich die Negativprognosen jedoch für mich behalte und mich freue, wenn ich dann eine Woche später Unrecht hatte, aber traurig bin, wenn ich Recht hatte, was leider meistens der Fall ist.

Und wenn dann noch einer kommt und mir dann noch den Mund verbieten will, werde ich nun mal subtil....

Ich verstehe eben nicht mehr, was einem der Selbstbetrug "Hey Leute, bei mir ist alles OK" bringen soll.... Er ist vielmehr ein sicheres Zeichen für eine riesigen Schritt (zurück) in die falsche Richtung....

Und das kotzt mich an!

Vollwaise

Beitrag von Vollwaise » 09.02.2018, 22:28

Carl,

hast ja Recht, war blöde, aber mir sind die Gäule durchgegangen.

Martin:
Sorry, war im Eifer des Gefechtes. Nix für Ungut...

Florian73
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Beitrag von Florian73 » 09.02.2018, 22:56

Ah... jetzt wirds mir klar. Jetzt begreife ich es. Gut. Auch ich habe gelogen was das Zeug hielt, als ich noch gesoffen habe. Aber nicht seitdem ich abstinent bin.

Ist Dir schon mal der Gedanke gekommen dass ich vielleicht doch nicht lüge, sondern mich schlicht und einfach überschätzen könnte?

Ist es nicht irgendwie nachvollziehbar das jemand, der unheimlich über seinen Schatten gesprungen ist, und trotzdem Sport getrieben hat bis ihm die Zunge zum Ar*** raushing, dermassen voll von Endorphinen ist, dass er das Gefühl hat, alles zu schaffen? Muss das zwangsweise "Lügen" bedeuten? Darf man sich in Deinen Augen nicht darüber freuen dass man neben Biertrinkern tatsächlich null Reissen verspürte? Mensch, echt... Dich freut's doch sicherlich auch, wenn Du an eine solche Situation gerätst, und merkst: Sie kann Dir nichts anhaben...
Dass dies funktioniert hat, heisst ja nicht, dass es immer funktioniert, und das hat auch niemand behauptet - am allerwenigsten ich...

Sorry, aber irgendwie find ich Dich schräg. Und Du projizierst Dein Verhalten auf andere. Da gibts anscheinend keine Abweichungen, keine anderen Möglichkeiten... die denken da anscheinend alle wie Du, nicht?

Also Deine Schreibe verrät mir mehr über dich als über mich... und du tust mir leid.

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 09.02.2018, 22:56

Hallo Tom

ich mache mal mein Küchenpsychologie Fenster auf.

Ich denk das es auch schwer zu akzeptieren ist, wenn ein wahrheitsliebender Mensch die Kontrolle darüber verloren hat und sich selbst anlügen muss. Das es ein Bestandteil der Krankheit ist, akzeptiert er nicht, da es ein Widerspruch zu seinen Naturell ist.

Nun schafft er dem Suff zu entkommen findet zur Wahrheit zurück und alle Lügen der Vergangenheit liegen vor ihm. Kommt hier ins Forum. Was passiert ? Er findet sich in den Geschichten die aus der nassen Zeit erzählt werden oder Geschichten die nach seinem Verständnis wieder dahin führen, wieder. Ist nichts anderes als in den Spiegel zu schauen . Da kann es schon zu heftigen Reaktionen kommen.

Nun verrate ich dir mal was. Mir ging es so :wink:

Gruß Hartmut

Penta
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Beitrag von Penta » 10.02.2018, 06:03

Hallo Vollwaise,
Ich verstehe eben nicht mehr, was einem der Selbstbetrug "Hey Leute, bei mir ist alles OK" bringen soll.... Er ist vielmehr ein sicheres Zeichen für eine riesigen Schritt (zurück) in die falsche Richtung....
Ich z.B. sehe auch vieles, lese vieles, denke mir dabei vieles.

Aber bei allem gilt: Zuständigkeit prüfen!
Ich bin zuständig für MEINEN Selbstbetrug.
Ich kann ihn unendlich fortführen, wenn ich das will. Da kannst du dich gern auf den Kopf stellen, wenn du magst. Ich tu das, was ich für richtig erachte. Machst du doch auch!
Wie leicht fällt es dir, Anregungen und Anstöße anzunehmen?
Bisher hast du z.B. meine Fragen ignoriert. Warum?
Im Normalfall würde ich darüber hinwegsehen, weil es absolut deine Sache ist, was du tust.
Aber ich versuche es nochmal, gerade weil ich mir denke: Hey, er ist noch nicht so lange ohne Alk.

Im Gegensatz zu dir hasse ich dich nicht nicht. Mich im Übrigen auch nicht.

Grüße, Penta

Penta
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Beitrag von Penta » 10.02.2018, 06:43

Entschuldige Vollwaise,

du schriebst gar nicht von Hass, sondern über Verachtung. Aber auch da gilt, was ich zum Schluss schrieb, ich verachte weder dich noch mich.
Ich bin jetzt seit 2 Monaten trocken und habe eine sehr große Distanz zum Alkohol. Diese hat verschiedene Bausteine, aber eben auch die wirklich abgrundtiefe Verachtung des besoffenen Idioten von damals, der wider besseres Wissen immer weiter und weiter gemacht hat....

Ich finde mich in der Saufzeit total lachhaft, absurd, ekelhaft und total zum ko..., aber vor allem unendlich dämlich! Ich habe eine stinkende Wut auf mich, dass ich mich erst so spät gegen mich selber durchgesetzt habe und ich könnte mir selber in die Fr..... hauen dafür, dies so lange, bis mir die Faust wehtut.

Am meisten ekelt mich meine Lügerei mir selbst gegenüber an, die das mit Abstand größte Hindernis war, endlich mit dem Trinken aufzuhören. Wahrscheinlich das einzige Hindernis, Selbstbetrug.... Wenn ich daran denke, überkommt mich eine geradezu rasende Wut mir selber gegenüber.
Das finde ich auch aus anderer Sicht sehr interessant, denn ich habe seinerzeit ähnliches gefühlt.
Heute weiß ich, dass ich Verachtung, Wut und Ekel brauchte, um meine Distanz zum Alkohol herzustellen und überhaupt halten zu können.

Erst nachdem ich auf andere Art und Weise Distanz zum Alkohol hatte, z.B. durch die Gewohnheit an mein alkfreies Leben und das Fortschreiten der Trockenheit (Zeit) legten sich bei mir diese unangenehmen Gefühle meine Saufzeit betreffend. Ich brauchte sie nicht mehr.

Penta

Cadda
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Beitrag von Cadda » 10.02.2018, 06:59

Hallo Vollwaise,

Du redest Dir Deine Art hier schön, indem Du behauptest, Du würdest ja so sehr das Lügen hassen und die Wahrheit wäre Dir so wichtig, bla bla...

Sorry, aber ich empfinde Deine Art einfach als provokant und mehr nicht. Wie im anderen Thread schon erwähnt, habe ich einfach das Gefühl, dass Du gern irgendwelche Schwachstellen heraus filtern möchtest, einfach aus dem eigennützigen Grund, DICH dadurch besser zu fühlen. DAS wiederum zeigt keinen schönen Charakterzug auf.

Der Spruch, wo die Gäule mit Dir durchgegangen bin, sagt auch alles und lässt sehr tief blicken.

Vielleicht solltest Du mal eine Deiner zahlreichen Maschinen da oben einen Gang zurück stellen, denn:
Nach ganz fest kommt oftmals ganz lose....

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