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Mir ist ein Licht aufgegangen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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MieLa
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Beitrag von MieLa » 21.04.2018, 11:50

Hallo Forum,

nun sind es bald 4 Monate. Ich habe in den letzten Tagen darüber nachgedacht, was bisher besonders hilfreich für mich war.

Zu allererst war da natürlich die Erkenntnis Alkoholikerin zu sein. Ohne diese Erkenntnis hätte ich nur mal wieder eine Trinkpause gemacht.

Absolut unverzichtbar ist für mich, dass in unserer Wohnung kein Alkohol konsumiert wird. Das würde ich nicht durchhalten. Es hat mich schon umgetrieben, als mein Lieblingsmensch mal eine Flasche alkoholfreien Sekt öffnete. Obwohl Sekt überhaupt nicht "mein" Getränk war und ich die - angeblich - alkoholfreie Variante nie auf dem Zettel hatte, hat mich das umgetrieben. Seitdem gibt es auch keinen alkoholfreien Sekt mehr bei uns.

Komischerweise interessiert es mich so gut wie nie, wenn ich außerhalb der Wohnung mit trinkenden Menschen, Weinregalen oder ähnlichem konfrontiert werde. Werde ich mal unruhig, trinke ich mein Ersatzgetränk - Bitter Lemon. Ich bin mir bewusst, dass das Verlangen auch zeitversetzt auftreten kann.

Das Umtrainieren des nassen Hirns auf das Ersatzgetränk war sehr hilfreich. Anfangs habe ich es ja immer getrunken, wenn früher im nassen Leben Rotwein anstand. Inzwischen konsumiere ich es deutlich seltener.

Eine weitere wichtige Säule war und ist der schonungslos offene Umgang mit der Krankheit. Meine Güte, war das teilweise ein erleichtertes Gefühl, wenn ich wieder eine Tür hinter mir zugeschlagen hatte! Dazu kann ich wirklich nur raten! Kein Rumgeeiere, sondern Klartext.

Sehr hilfreich war und ist das Einsaugen :lol: von Informationen, um zu sehen, wie die Sucht funktioniert und das nasse Hirn tickt. Neben Büchern ist das Forum hier sehr wichtig für mich.

Achtsamkeit und Selbstreflexion sind ebenfalls wichtig. Nicht nur die Überlegungen, was mich zum Trinken veranlasst hat, in welchen Situationen ich getrunken habe, was mich triggert etc., sondern auch das gedankliche Durchspielen von Situationen. Das vorherige Visualisieren hat mir viel erleichtert.

Nächste Woche fahre ich in Urlaub. Ich kenne diese Art von Urlaub sehr gut und habe das gedankliche Durchspielen vor meinem geistigen Auge intensiv praktiziert. Aufgrund eines Beitrages, den ich hier im Forum gelesen habe (ich weiß leider nicht mehr, von wem) habe ich das Durchspielen nicht nur auf An- und Abreise, sondern auch auf die Tage vorher und nachher erweitert.

Viele Grüße,
MieLa

Petter
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Beitrag von Petter » 01.05.2018, 06:17

Hallo MieLa,

habe gerade deine Beiträge gelesen. Vier Monate, toll :)
Ich wünsche dir von Herzen, daß es immer mehr mögen werden. Geniess deinen Urlaub!

LG Peter

Mala14
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Re: Mir ist ein Licht aufgegangen

Beitrag von Mala14 » 24.05.2018, 08:03

Liebe MieLa,

einen lieben Gruß von mir! Ich hoffe, Dir geht es gut?
Wie geht es Deinem Licht?

Pass gut auf Dich auf und hab einen wunderschönen Tag!

Mala

MieLa
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Re: Mir ist ein Licht aufgegangen

Beitrag von MieLa » 24.05.2018, 19:23

Hallo Mala,

vielen Dank für deinen Gruß. Ja, mir geht es gut und ich bin weiter abstinent. Das Licht leuchtet :lol: Ich lese jeden Tag im Forum, komme aber im Moment nicht so viel zum Schreiben.

Ich habe deine Beiträge hier und in der Villa gelesen. Du liest dich gut! Herzlichen Glückwunsch zum ersten Monat! Das ist toll!

Alles Gute für dich,
MieLa

MieLa
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Re: Mir ist ein Licht aufgegangen

Beitrag von MieLa » 30.07.2018, 14:31

Hallo Forum,

nun sind 7 Monate um und ich bin immer noch nüchtern.

So langsam bekomme ich ein Gefühl dafür, was es heißt, trocken zu sein. Warum? Weil das abstinente Leben immer mehr zum Alltag gehört und es teilweise so normal ist, dass ich in der betreffenden Situation nicht darüber nachdenke. Das fühlt sich gut an.

Urlaub:
Ich habe eine Kreuzfahrt gemacht. Das war nichts Neues. Neu war aber, dass es diesmal keinen Alkohol gab. Über meine Vorbereitungen dazu habe ich ja schon geschrieben. Und sie waren sehr hilfreich.

Ich habe keinen Suchtdruck verspürt (zum Glück), war mir aber ständig bewusst, dass etwas anders ist und nicht mehr dazugehört. Ich kann das am besten mit Amputation oder Leere beschreiben. Ich habe auch schön gesehen, wie das Gehirn funktioniert. Als Alkoholikerin war mein Gehirn daran gewöhnt, in bestimmten Situationen bestimmte Alkoholika zu bekommen. Auf der Fahrt hat mir mein Gehirn vor allem in den ersten drei Tagen ständig das passende alkoholische Begleitgetränkt vorgeschlagen (wie gesagt: ohne Suchtdruck!). Das ging aber dann von Tag zu Tag besser.

Insgesamt war ich sehr auf der Hut und mir der Gefahr ständig bewusst. Zum Essen haben wir immer einen 2er-Tisch gewählt, weil ich weintrinkende Menschen nicht unmittelbar neben mir haben wollte.

Vertrauen
Ich habe in den letzten Wochen bemerkt, dass dieses Wort momentan eine große Bedeutung für mich hat. Ich habe Vertrauen
in mich,
in meine Fähigkeit, alkoholfrei zu leben,
einzuschlafen und durchzuschlafen.

Suchtgedächtnis
Anfangs war es ungemein hilfreich, dass ich mir klarmachte, was Alkohol eigentlich bedeutet. Dass Rotwein nicht mein Freund ist, dass er mich krank macht u.s.w. Den Gedanken zu Ende denken, so wird das hier im Forum beschrieben. Das war unheimlich hilfreich, um in meinem nassen Kopf überhaupt in die richtige Richtung denken zu können.

So bin ich anfangs vorgegangen, wenn ich das Verlangen gespürt habe oder wenn mir plötzlich in einer bestimmten Situation der Gedanke an Wein kam, dieser Gedanke aber nicht von Druck begleitet war.

Dann habe ich eine Bemerkung von Hartmut in einem anderen Thread gelesen. Es ging um das „Zu-Ende-Denken“. Hartmut schrieb, dass er das nicht mehr macht, weil er seinem Suchtgedächtnis dann möglicherweise ein Einfallstor bietet. Eine kleine Lücke, in die der Einflüsterer sich einschleichen kann. Er schrieb: “Ich kann nicht trinken. Punkt!“ (oder ähnlich, es ist kein wörtliches Zitat).

Darüber habe ich viel nachgedacht und es ist sehr hilfreich für mich. Wenn plötzlich situtationsgebunden die Idee eines alkoholischen Getränkes in meinem Kopf auftaucht, bin ich ärgerlich. Ich habe auf diese Bilder keine Lust. Dann kommt sofort mein Mantra „Ich kann nicht trinken! Punkt!“ Ich nehme das Bild nicht mehr auf und denke die Entwicklung zu Ende. Denn dann müsste ich mich innerlich ganz viel mit Alkohol beschäftigen und gedanklich überhaupt erst einmal das Bild entstehen lassen, wieder ein Glas zu trinken. Denn ohne Anfang (konsumiertes Glas) kann ich es auch nicht zu Ende denken.

Ich hoffe, das ist für euch verständlich.

Lieben Gruß,
MieLa

Correns
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Re: Mir ist ein Licht aufgegangen

Beitrag von Correns » 01.08.2018, 17:28

Herzlichen Glückwunsch, MieLa,

sieben Monate, dass ist schon ein ganz gutes Stück Wegstrecke, das Du da zurückgelegt hast.
Deine Ausführungen zum Thema "Suchtgedächtnis" fand ich sehr treffend.
Für Deinen weiteren Weg wünsche ich Dir viel Freude und Erfolg.

Viele Grüße
Correns

MieLa
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Re: Mir ist ein Licht aufgegangen

Beitrag von MieLa » 01.08.2018, 17:36

Hallo Correns,

vielen Dank für die guten Wünsche.

Ich freue mich, dass Du wieder da bist!

Dir auch alles Gute,
MieLa

Cadda
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Re: Mir ist ein Licht aufgegangen

Beitrag von Cadda » 02.08.2018, 06:53

Hallo MiLa,

ich habe zwar länger nicht mehr im Forum geschrieben, aber gelesen. Ich wollte Dir einfach nur mal sagen, dass ich Deine Beiträge sehr gerne lese und auch etwas daraus mitnehmen kann. Du schreibst ja in den verschiedenen Themen und ich finde es klasse, wie Du Dich ins Forum einbringst. Ich möchte auch wieder mehr schreiben und werde mich mal aufraffen. Ich hab irgendwie den Anschluss verpasst.
Ganz liebe Grüße

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