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Der Anfang ist gemacht.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Carl Friedrich
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Re: Der Anfang ist gemacht.

Beitrag von Carl Friedrich » 20.11.2018, 16:06

Hallo Sany!

Vom Rückfall sprechen viel erst, wenn jemand für geraume Zeit wieder in die Spirale der Sucht gerät. Dein Erlebnis vom Samstag wird von manchen als Vorfall bezeichnet.

Positiv ist: Du hast den Vorfall von dir aus und ziemlich schnell gestoppt. Du warst nicht betrunken. Es war nur eine sehr kurze Episode.

Jetzt komm erst mal zur Ruhe und analysiere dann, weshalb es dazu kommen konnte.

Nur einen Fehler solltest Du nicht machen: Zu glauben, Du könntest gelegentlich mal 1-2 Gläser trinken, weil Du diesmal alles schnell stoppen konntest und daher alles im Griff hast.

Kopf hoch.

Gruß
Carl Friedrich

Thalia1913
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Re: Der Anfang ist gemacht.

Beitrag von Thalia1913 » 20.11.2018, 16:44

Hallo Sany,

willkommen (zurück) hier.

Ich könnte mir vorstellen, dass ich mich ähnlich selber „fertiggemacht“ hätte, wenn ich nach einem halben Jahr rückfällig geworden wäre. Was aber sowas von gar nichts bringt. Es birgt eher die Gefahr, schnell erneut rückfällig zu werden.

Carl Friedrich hat es schon geschrieben: Du konntest den Rückfall sofort stoppen. Das ist gut, und noch besser ist, wenn du jetzt herausfindest, wann er genau angefangen hat.
Schon da merkte ich dass ich nicht im Gleichgewicht war.
Da könntest du zum Beispiel ansetzen. Es ist doch sehr gut, wenn du spüren kannst, dass was im Argen liegt.

Mir persönlich hilft ja auch der regelmäßige Austausch mit anderen trockenen Alkoholikern sehr. Auch in einer „realen“ SHG. Auch ich muss eine Kinderbetreuung organisieren. Es ist letztlich eine Frage der (deiner) Prioritäten.

Bleib dran.

Gruß, Thalia

Sany1987
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Re: Der Anfang ist gemacht.

Beitrag von Sany1987 » 20.11.2018, 19:03

Hallo.

Danke dass ich so schnell Antworten bekomme.

Heute machen mein Sohn und ich einen Ruhigen. Ich hatte Essen bestellt und wir lümmeln nur.
Das bringt mich wieder etwas auf den Teppich und lässt mich zur Ruhe kommen. Ich habe heute und morgen frei, das passt gut um mal in sich zu kehren.

Es fühlt sich gerade wieder an als würden meine Synapsen eine Explosion erleben.

Trinke die meiste Zeit Ingwer Tee, die Schärfe lenkt mich ab von eventuellen Suchtdruck und morgen früh werde ich eine lange Strecke laufen um mich besser zu sortieren.

Mich lässt der Gedanke erschaudern dass ich nach einer Pulle Wein am nächsten Tag nicht mal vom Wohnzimmer bis in die Küche kam ohne Herz- Kreislauf Beschwerden zu bekommen am Ende, die im Kopf gebohrte Erinnerung daran wie Krank ich war bzw. werden kann.
So weit will ich es nicht wieder kommen lassen.

Ich habe viel erlebt die letzten Monate und meinen Freundeskreis rapide reduziert. Nicht weil die getrunken hätten, sie Taten mir einfach nicht gut.
Ich habe gelernt das ich zu mir selbst mein bester Freund sein sollte.
Am Samstag war ich mein stärkster Feind und das hat mir eine Emotionale Ohrfeige verpasst.

Taxi
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Re: Der Anfang ist gemacht.

Beitrag von Taxi » 20.11.2018, 19:10

Hallo Sany,
klassisch, wie du den Ablauf beschrieben hast.
Sich überfordern, Druck wahrnehmen, im Ungleichgewicht sein, nicht Nachdenken wollen..
Aber du hast den Stop gemacht, gut oder nicht gut?
Beim nächsten mal, fasse das Glas gar nicht erst an.

Wenn ich zuviel denke, dann steht meistens an, etwas zu tun ;)

Solange ein schönes, freies Gefühl noch nicht in Sichtweite ist,
solange kann das "widerliche" über sich selber ärgern vielleicht sogar hilfreich sein, weiter Abstand zu finden?
Gruß taxi

Sany1987
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Re: Der Anfang ist gemacht.

Beitrag von Sany1987 » 20.11.2018, 19:40

Ich bin froh dass es nur die 1,5 Gläser waren und verärgert dass es 1,5 Gläser waren.
Ich war sehr Naiv in dem Moment. Das Gedächtnis vergisst nie. Mit Alkohol konnte ich ja prima verdrängen. Aber auch prima gemein sein, unmotiviert mich durch den Tag schleppend bis ich am Abend wieder trinken konnte. Da lief der Motor immer gut. 2 bis 4 Stunden und die restlichen Stunden schleichend wie eine Kranke Schnecke.
Ich habe einen tollen Partner an meiner Seite, der mir auch oft sagt wie stolz er ist dass ich mich für ein abstinentes Leben entschieden habe. Einen tollen Sohn, der sehr Lebhaft ist und mich mit Liebe überschüttet.

Meinen Freund habe ich oft verletzt, in meiner schlimmsten Zeit habe ich aus allem ein Streit aufkochen lassen, nur um von dem wahren Problem ablenken zu können.
Das wurde mir aber erst in den letzten Monaten bewusst und nach Gesprächen mit der Therapeutin.

Ich konnte es denke ich, vor meinem Sohn noch gut verstecken. Ich war zwar gereizt und immer müde aber er sah mich nicht trinken und ich bin morgens trotz Übelkeit und dicken Schädel immer hoch.

Wie man liest, kommt so einiges wieder hoch. Es erinnert mich an schlimme Tage für mich und meine Familie.

Sany1987
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Re: Der Anfang ist gemacht.

Beitrag von Sany1987 » 21.11.2018, 14:12

Heute habe ich einen 8 km Lauf gemacht.
Das tat wirklich sehr gut und ich fühle mich besser. Eine ruhige Runde draußen macht den Kopf frei und nimmt mir die gefühlte Last von den Schultern.

Sport machte ich schon immer irgendwie. Seit Mai aber intensiv, sprich ich laufe sehr viel. Die längste Strecke waren 15 km. Auch in Spanien bin ich fast jeden Tag in den Bergen laufen gewesen oder auf dem Sportplatz.

Als ich noch fast täglich den Vino kippte wäre dies undenkbar gewesen. Da machte ich Sport eher um nicht aufzufallen und zu wirken als sei alles gut.

Wir sind allgemein eine eher sportliche Familie geworden. Mein Sohn geht zweimal die Woche zum Boxen, mein Partner und ich machen Sport mit eigenen Gewichten bzw. Ich gehe viel Laufen.
Wenn ich abends unruhig werde schwingen ich mich nochmal auf die Rudermaschine die wir uns für Zuhause geholt haben. Eigentlich hilft es meist sehr gut.

Ich hatte diese Nacht knapp 8 Stunden geschlafen und nun etwas Kindfrei. Das werde ich nutzen um zur Ruhe zu kommen, die ich wohl mal ganz dringend brauche.

Thalia1913
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Re: Der Anfang ist gemacht.

Beitrag von Thalia1913 » 21.11.2018, 16:41

Hallo Sany,
So weit will ich es nicht wieder kommen lassen.
Was tust du konkret dafür?
Machst du bewusst irgendwas anders als vor Samstag, oder sogar vor dem letzten Urlaub, denn
Schon da merkte ch dass ich nicht im Gleichgewicht war.
Grüße, Thalia

Sany1987
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Re: Der Anfang ist gemacht.

Beitrag von Sany1987 » 21.11.2018, 17:09

Ich hatte am Montag die kleinen Verantwortungen, die mich mitunter belastet haben abgegeben. Das war schon ein großer Schritt und der Erste.
Wie es jetzt weitergeht und was ich tun werde bzw. ändern muss, muss ich mir gut überlegen.
Ich könnte wieder zu der Suchtberatung aber inzwischen bin ich damit durch. Das ganze hin und her mit der Betreuung von meinem Sohn war stressiger als ein ganzer Arbeitstag. Hier bei mir gibt es genau 2 Selbsthilfegruppen und beide sind abends. Ich kann mir keine fremd Betreuung leisten und mein Partner arbeitet bis 22 Uhr.
Ich gehe jetzt den Weg erstmal alleine, im Austausch mit dem Forum hier.

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