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Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Mala14
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Mala14 » 17.05.2018, 22:21

Guten Abend, die Herrschaften! :-)

Danke für Eure interessierten und vor allem interessanten Beiträge.

Ja, Cadda, ich hab irgendwie das Bedürfnis, aufzuschreiben, wie es so ist, mein Saufen. Damit ich es für mich wieder lesen und mich hoffentlich in vollem Ausmaß erinnern kann, wenn ich mal einen Moment habe, in dem ich vielleicht zu übermütig werde.

Und Barthell - in der Tat habe ich das noch auf meiner To Do-Liste. Eine Live-Gruppe. Aktuell schaffe ich das zeitlich nicht, aber ich habe die dunkle Ahnung, dass das in einer anderen Phase als dieser - und die wird sicherlich bald / irgendwann mal kommen - gut sein könnte, jemandem in die Augen gucken zu können...oder zu müssen... ;-)

Eine Therapie mache ich schon. Verhaltenstherapie. Seit einigen Monaten. Allerdings nicht mit Sucht-Schwerpunkt; aber mit Schwerpunkt Ich-Stärkung, was ich als Basis zur Überwindung von Sucht sehe. Ohne die Therapie wäre ich heute nicht da, wo ich gerade bin.

Bei aller Euphorie-
Ich habe eine Riesenangst, dass ich das irgendwann alles zu locker nehme, dass ich in 2 Monaten doch denke: ach komm, hast doch alles im Griff- willst Du jetzt wirklich immer Alkoholikerin sein? Unsinn... Das bist Du nicht. Ist doch jetzt alles gut.

Oder ich wieder so verzweifelt bin, dass ich alles hinschmeiße und das tue, was ich gut kann. Wenn der Schmerz von Außen auf Dich einprasselt, tu Dir selbst weh. Das ist berechenbarer.
Und es mir dann richtig übel gebe.

Übrigens hatte ich diese letztere Situation bereits zweimal während meiner nüchternen Tage.
Ich nenne das ab jetzt Wut-Trinken. Ich war so wütend, verletzt und verzweifelt (jaja, Beziehung, so ein Mist, das schaffen nur ganz nahe Stehende bei mir...), dass ich einfach nur trinken wollte. Beim ersten Mal durfte ich Aurora all meine Gedanken aufschreiben. Das hat so geholfen und mich über die Situation gerettet. Beim zweiten Mal war ich Spazieren und musste alleine damit zurecht kommen.

Ich hab dann aber - und das ist neu - versucht, das, was gerade so über mich reinbricht, zu fühlen. Und zu benennen. Ja, ich war wütend und traurig und enttäuscht und so. So Gefühle, die ich sonst eher nur in einem großen Wust gemischt erlebe und nicht wirklich zulasse. Es sei denn ich bin betrunken und bekomme nen Wutanfall oder Heulkrampf.

Und dann kam der Gedanke-- wenn ich doch auf DEN sauer bin-- warum will ich mich dann noch mehr quälen? Nee, will ich nicht.
Damit war das Thema (für dieses Mal) durch. Schön. :-)

Aber -- kein Grund zum Entspannen-- ich muss ganz schön aufpassen auf mich.

Danke, Aurora -- es ist ein Mich-Kennenlernen! Weiter geht´s...

Liebe Grüße

Mala

Mala14
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Mala14 » 18.05.2018, 00:36

Liebe Viola-- entschuldige, ich habe mich verschrieben; der letzte Satz war doch an Dich gerichtet... :-(
Ich wünsche Dir einen schönen Abend; naja, eigentlich schon eine gute Nacht.
Ich wurde eben freigeschaltet und habe viel zu lange gelesen. :-)
Liebe Grüße
Mala

Mala14
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Mala14 » 19.05.2018, 09:05

Guten Morgen, liebes Forum,

das Wetter ist heute wieder schöner, ich hoffe, das hebt meine Laune etwas.

Im Moment machen mir meine Beziehungen etwas zu schaffen. Ich weiß, ich habe schon gelesen, es ist normal. Dass wenn man sich verändert, das natürlich auch Einfluss auf die Beziehungen hat, die man zu Menschen hat.
Schwierig ist es trotzdem. Partnerschaft, Freundschaft - vieles fühlt sich gerade nicht richtig an. Dass mir Dinge nicht gefallen oder gut tun, die ich vorher gar nicht mehr gesehen habe. Oder nicht gespürt habe.

Ob das jetzt ein Prozess ist und ich Wege finden kann, wie ich innerhalb der Beziehungen zufriedener werde oder ob diese Beziehungen vielleicht einfach nicht gut tun, weil sie nicht gut für mich sind als solche kann ich einfach gerade nicht unterscheiden. Es fühlt sich nur irgendwie falsch an. Und löst bei mir einen inneren Drang nach Veränderung aus. Da ich aber keine wirklichen Werkzeuge zur Hand habe, wie ich das innerhalb der Beziehungen ändern kann, würde ich am liebsten gerade alles beenden, was nicht gut tut.
Das ist heute nur eine Momentaufnahme, ich bin sicher, ich werde auch wieder konstruktiver. Wünscht mir Erfolg. :-)

Nachdenkliche Grüße

Mala

Mala14
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Mala14 » 20.05.2018, 14:53

Liebes Forum und alle, die noch nicht angemeldet sind,

am 23.05. kann ich anfangen, in Monaten zu rechnen... gar nicht mal so schlecht!! :-)

Mir geht es körperlich eigentlich ziemlich gut insgesamt. Ich schlafe immer noch richtig gut und wache manchmal sogar - ausgeschlafen- vor dem Wecker auf.
Auch komme ich grundsätzlich besser mit dem Verbringen meiner Freizeit zurecht. Ich langweile mich nicht mehr so bzw. bin nicht mehr so unruhig, was als nächstes zu tun ist.

Bislang bin ich ja von einem To-Do zum nächsten gejagt; ich muss noch, und dann, und das noch schnell, um dann danach irgendwann die Erlösung in der "totalen Entspannung" zu finden. Mittlerweile fange ich an, zu merken, was wirkliche Entspannung ist.
Und kann einfach auch mal nichts machen. Die ersten Tage bin ich ständig in der Wohnung hin und hergetigert, weil das abends "nur" auf der Couch sitzen langweilig, unbefriedigend, fast unnatürlich war. Trotz voll gepacktem Arbeitstag, einkaufe, aufräumen etc vorher.
Mittlerweile geht es besser. Und ich kann allmählich auch unterscheiden, ob ich eigentlich chillen möchte und mache es dann auch oder ob ich eigentlich Aktivität bräuchte, die ich dann suche. Vorher war beides nicht mehr spür- / unterscheidbar. Alkohol hat alles gedeckelt, was an eigentlichen Bedürfnissen da war.

Wobei mir auffällt, dass bei mir immer noch regelmäßig mal Unruhe aufkommt. Dieses akut nichts-mit-sich-anfangen-können.
Dann gehe ich eine rauchen. Relativ oft am Tag. Das stört mich schon langsam etwas. Ich rauche mehr als früher und weiß nicht so ganz, wie ich der ganzen Sache Herr werden soll. Vielleicht ist das jetzt auch etwas viel auf einmal. Merke jetzt, da der Alk aus dem Körper ist, dass einiges an Angespanntheit und Unwohlsein wohl tatsächlich von den Kippen kommt.
Aufhören ist aber aktuell noch nicht drin. Würde aber gerne öfter wirklich ganz entspannt sein können, ohne wieder ne Fluppe anzünden zu müssen/wollen.
Weil Müssen mag ich nicht mehr!

Innerlich ist es so durchwachsen. Aber immerhin bin ich zwischendrin sogar wieder richtig fröhlich; heute morgen sogar einen Moment richtig glücklich-- dafür lohnt es sich schon!!! Ich halte mir diese Momente innerlich hoch, wenn der negative Kram an mir zerrt. Und das macht er aktuell leider schon recht gerne. :-(

Schöne Pfingsten an alle!!

Mala

viola
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von viola » 20.05.2018, 15:49

Liebe Mala

das ist schön, dass du das müssen nicht mehr magst.
Sei geduldig mit dir, und denke daran, welch eine lange Zeit du mit dem Alkohol verbracht hast. Da braucht es auch seine Zeit, neue Gewohnheiten und neues Tun und lassen ein zu üben. Das kommt schon noch, mach einfach in deinem Tempo weiter.

Dir auch noch schöne Feiertage, LG Viola

Mala14
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Mala14 » 23.05.2018, 22:20

Liebe Viola,

danke für Deinen lieben Worte. Du hast recht. Soviele Jahre. Das braucht seine Zeit. Ich entdecke auch meine Ungeduld wieder. Das bin auch ich. :-))

Ich wünsche Dir einen schönen und ruhigen Abend,

Mala

Mala14
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Mala14 » 23.05.2018, 22:53

Liebes Forum,

ich kann ab heute in Monaten zählen! Der erste Monat ist geschafft!
Es war zwar eine große Überzeugung in mir, aufzuhören, aber so ganz hab ich mir - vor allem in den ersten Tagen - nicht über den Weg getraut. Und war nicht sicher, ob ich es überhaupt bis hierhin schaffe.

Dass ich nicht gleich wieder umgefallen bin und das ganze Elend ganz schnell von neuem losging, habe ich auch Euch zu verdanken.
Es tut so unglaublich gut, zu wissen, dass Ihr da seid! Dass Ihr wisst, worum es geht. Dass Ihr ermutigt, ermuntert und aufbaut! Dass man auch in kriselnden Situationen ein offenes Ohr findet und zu seiner eigenen Stärke zurückfinden kann.

Ich wünsche mir sooooo sehr, dass ich immer weiter "wollen" werde und es weiterhin schaffe. Ich weiß ja, wie schnell es geht, wieder aufzugeben.

Und ich will nicht mehr aufgeben.
Weder mich, noch mein Leben, noch meine sich langsam wieder entwickelnden Träume.

Ich will nicht mehr aufgeben, dass ich abends natürlich müde werde, dass ich nachts durchschlafe, dass ich merke, wenn ich sauer werde und nun sogar manchmal weiß warum und dann gleich was sagen kann, statt es in mich hineinzufressen.

Ich will nicht mehr aufgeben, dass ich mir langsam wieder etwas zutraue, dass ich mich nicht mehr dauer-schäme, dass ich keine Supermärkte mehr wechseln muss, kein Altglas mehr wegbringen muss, mit allen Nachbarn zu jeder Zeit sprechen kann, zu jeder Zeit mit dem Auto fahren kann. Ich will nicht mehr aufgeben, dass ich nicht mehr überlegen muss, ob ich genug zuhause habe; dass ich mich nicht mehr ärgere, doch an der teuren Tanke noch was nachkaufen zu müssen.

Ich will nicht mehr aufgeben, dass ich anfange, meinen Körper und meine Gefühle zu spüren.

Ich will auch nicht mehr aufgeben, dass ich mich mit jedem treffen kann, wenn ich das möchte und nicht wieder absagen muss, weil ich getrunken habe oder trinken werde.

Ich will nicht mehr aufgeben, dass ich nicht mehr total ausraste und mich meiner Emotionen schämen muss; denn diese übertriebenen Gefühle sind nüchtern ganz anders und nicht mehr so uferlos! Und: ich platze auch nüchtern, wenn mich was aufregt! Das war gar nicht der Alk! Das bin ich! Und ich finde das gut! Und ich rege mich lieber gleich auf, als alles zu dämpfen, bis es total eskaliert. Und ich beruhige mich auch viel schneller. Und kann auch schneller wieder lachen oder mal die Komik in einer Situation sehen.

Und ich will wissen, wie das weitergeht. Ich fange an, meine Gedanken schweifen zu lassen. Es bilden sich leise, zarte Ideen, was mir Spaß machen könnte, was ich am Leben eigentlich gut finde, was ich gerne noch machen würde.
Es kommt wieder, obwohl ich lange dachte, da wäre nichts mehr. Tot. Leer.
Das will ich nicht mehr aufgeben. Und zu wissen -- Joaaah... Da bin ich und ich bin gar nicht mal verkehrt!
Manchmal finde ich mich sogar richtig gut!

Bei allen Schwierigkeiten, die sind und die kommen werden: so habe ich mich lange nicht mehr gefühlt. Und wusste auch nicht mehr, wie das ist. Und es ist manchmal wirklich nicht leicht, mit mir und allem klar zu kommen. Aber es ist anders schwerer gewesen...

Passt alle gut auf Euch auf und habt einen schönen Abend!

Liebe Grüße und bis bald

Mala

Taxi
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Taxi » 24.05.2018, 19:30

Hallo Mala ,
gefällt mir sehr, wie du deine erste Zeit erlebst und beschreibst.
Mein Lieblingssatz davon ist:
"Ich will wissen, wie das weiter geht ".

Erinnere mich an viele ähnliche Gedanken.
Mein Erleben war anfangs auch sehr verdichtet, alles war positiv aufregend.
Gleichzeitig war ich sehr kritisch und konnte mich durch die Infos hier gut "abgleichen " wo ich denn stehe.
Ach wie schön, wenn der Nebel sich langsam lichtet.

Gruß taxi

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