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Ein neuer Horizont

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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panem
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Re: Ein neuer Horizont

Beitrag von panem » 28.06.2018, 12:22

Hallo Horizont,

erstmal herzlichen Glückwunsch zu Deiner Entscheidung! Ich glaube Du ahnst es schon. Wenn erstmal die erste Hürde (Entzug) genommen ist, fängt die richtige Arbeit (im Winter) an. Ich war am Anfang auch ziemlich euphorisch und erstaunt, dass scheinbar alles so leicht geht und ich so positiv eingestellt war. Zumindest bei mir kam mit der Zeit aber die Ernüchterung. Wenn der Leidensdruck groß genug ist, dann schafft man den Entzug. Aber auf Dauer trocken zu bleiben, ist oft der härtere Kampf. Vielleicht kannst Du dir ja in den kommenden Monaten so etwas wie ein Sicherungsnetz aufbauen. Also gute Freunde, Partner, Verwandte, die z.B. immer telefonisch für Dich erreichbar sind. Vielleicht eine Selbsthilfegruppe/Therapieplatz oder ein neues Hobby. Das klingt jetzt so einfach, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer das ist.
Auch die restlichen Weinflaschen würde ich so schnell wie möglich loswerden...Was nicht im Haus ist, kann auch nicht getrunken werden! Warum noch Flaschen aufheben? Du willst Sie doch sowieso nicht mehr trinken, oder?

Die Situation mit deinem Skype-Freund kenne ich so ähnlich. Ich war (und bin es auch manchmal noch heute!) wehmütig, dass die Zeit des Feierns, Saufens, des Rausches etc. für immer vorbei sein soll. Es hat sich angefühlt, wie wenn mir etwas liebgewonnenes abhanden gekommen ist. Mir hat dagegen nur das rationale Wissen geholfen, dass ich mich irgendwann zu Tode saufe, wenn ich mein Leben wie bisher weiter lebe. Dein Freund kann nur für sich alleine entscheiden. Vielleicht hat er seinen persönlichen Tiefpunkt noch nicht erreicht. Du kannst im Moment nur bei Dir bleiben. Deinen Weg finden und vielleicht siehst Du die Freundschaft in ein paar Monaten auch anders, vielleicht auch nicht.

Ich hab übrigens noch nie ein Anti-Alk-Buch gelesen! Vielleicht sollte ich das doch nochmal in Angriff nehmen.

Viele Grüße

panem

Horizont
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Re: Ein neuer Horizont

Beitrag von Horizont » 29.06.2018, 08:18

Hallo garcia, hab deinen Thread auch eben entdeckt :-) Schön, dass man hier aus der Erfahrungen der alten Hasen so viel lernen kann! Danke für die Wünsche! Und danke auch für die Buchempfehlungen, die habe ich gleich mal bestellt. Vor allem von der Suchtfibel verspreche ich mir viel, da ich dringend mehr Hintergrundwissen brauchen kann. Gestern z.b. habe ich in einem Podcast gehört, dass der Körper Dynorphin ausschüttet, wenn man Alkohol trinkt. Dynorphin ist ein körpereigenes Schmerzmittel, was auch dazu führt, dass man sich schlapp und traurig fühlt. Und es bleibt wesentlich länger im Körper aktiv als der Alkohol selbst. Womit ich endlich verstanden habe, warum ich verkatert oft so trübsinnig war. Statt Kopfschmerzen o.ä. war ich meistens eher traurig. Solche Infos finde ich enorm hilfreich.

Hallo panem, danke, Glückwünsche werden erst am 13.5.2019 angenommen, wenn das erste Jahr vorbei ist ;-) Aber im Ernst: Ich befürchte genau das, was du beschreibst. Die "Ernüchterung", wie passend... Ich hab schon ein bissl drüber nachgedacht über das Sicherheitsnetz aus netten Menschen. Ich habe zum Glück so ein Sicherheitsnetz schon, wenn auch bislang nicht bezogen auf Alkohol. Und alle, denen ich bislang davon erzählt habe, haben sehr positiv reagiert und mich in meinem Entschluss bestärkt. Was ich mich nur frage: Wie kann jemand, der selbst keine Sucht überwunden hat, wirklich helfen? Außer gut zureden (und in den Arm nehmen etc.) kann man doch eigentlich als Außenstehender nicht viel tun, oder? Ich muss da noch genauer drüber nachdenken, wie Hilfe in dem Fall konkret aussehen könnte.

Heute treffe ich zwei weitere Freunde und werde ihnen alles erzählen. Auch die beiden bekommen Wein geschenkt. Also keine Sorge: Der Keller ist so gut wie leer. Ich seh nicht ein, das Zeug einfach wegzuschütten. Ich schmeiße ja auch keine Lebensmittel in den Müll. Außerdem gefällt mir die Vorstellung, dass liebe Menschen damit auf meine Nüchternheit anstoßen. Was besagten Freund betrifft: Es ist sicher gut, sich das in ein paar Monaten noch einmal anzuschauen. Und überhaupt hinzuschauen, wie sich das Bild unserer Freundschaft in den nächsten Wochen/Monaten entwickelt. Derzeit macht es mich traurig, wenn ich daran denke. Aber es war trotzdem die richtige Entscheidung. Und eine, die ich seit sicher zwei Jahren vor mir hergeschoben habe.

Ich habe noch eine interessante Erfahrung gemacht: Vorgestern hatte ich ab mittags beinahe durchgehend ein nagendes Gefühl im Hinterkopf. Eine Unruhe, die mich immer wieder hat an Alkohol denken lassen. Ich war dann nachmittags auch noch verabredet, zwar in keiner Bar, aber einem Restaurant. War zum Glück kein großes Problem, mein Gegenüber hat auch alkoholfrei getrunken. Und erst gestern Mittag, als das Gefühl immer noch nicht weg war, bin ich drauf gekommen, was es ist: Stress. Am Nachmittag stand ein wichtiger und für mich ungewöhnlicher Jobtermin an. Nachdem der gestern überstanden war, verschwand das nagende Gefühl langsam. Insgesamt waren das eher unangenehme anderthalb Tage, aber zumindest kann ich jetzt einen Trigger besser identifizieren. Für solche Situationen brauche ich definitiv noch passende Ersatzhandlungen. Ich bin mir sicher, dass es mir geholfen hätte, Laufen zu gehen. Kann man im Anzug und kurz vor einem Businesstermin aber schlecht machen... Was sind eure Ersatzhandlungen bei akuten Alk-Gedanken?

Was ich mich allerdings auch frage, ist, ob sich das nagende Gefühl nicht einfach offen ansehen lässt und danach von selbst verschwindet. Oft geben wir solchen nervenden Gedanken/Emotionen ja gerade Kraft, weil wir versuchen, ihnen auf Teufel komm raus aus dem Weg zu gehen.

Schönen Tag euch!
Horizont

kamarasow
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Re: Ein neuer Horizont

Beitrag von kamarasow » 29.06.2018, 09:57

Ich seh nicht ein, das Zeug einfach wegzuschütten. Ich schmeiße ja auch keine Lebensmittel in den Müll. Außerdem gefällt mir die Vorstellung, dass liebe Menschen damit auf meine Nüchternheit anstoßen.
Alkohol ist kein Lebensmittel, es ist ein Gift für dich. Gift kann man wegschmeißen. Dein Suchtgedächtnis lässt es dich nicht wegschmeißen. Dein Suchtgedächtnis säuselt dir auch den "Liebe Menschen stoßen auf meine Nüchternheit an" - Gedanken. Schenk ihnen kein Wein. Schaff den Wein aus deinen Augen. Triff die Freunde ohne Alkohol. Du fühlst jetzt auch ein "auf mich stinkig sein", "wie kann er nur meine lieben Freunde indirekt abwerten" oder "aber ich schmeiß doch keine Lebensmittel weg". Die jetzt gefühlte negative Emotion mir gegenüber verursacht auch dein Suchtgedächtnis.

Beste Grüße
Karamasow

Sunshine_33
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Re: Ein neuer Horizont

Beitrag von Sunshine_33 » 29.06.2018, 11:05

Hallo Horizont,

ich möchte mich in allem kamarasow`s Worten anschließen !
Mir ist das auch sofort ins Auge gesprungen mit dem "Wein an gute Freunde verschenken wollen".
Sieh zu, das Du das Zeug heute noch los wirst, und zwar ALLES !!
Und ganz im ernst, ich bin nie auf die Idee gekommen, Restalkohol, der sich noch in unserem Haushalt befand, weiter
zu verschenken.
Der wurde komplett entsorgt, egal was es kostete. Meine persönliche Sicherheit ist viel mehr wert.
Dieses Gift hat mich doch beinahe umgebracht, sowas schenke ich dann doch nicht Freunden. Da wüßte ich aber
echt viel schönere Geschenke.
Außerdem gefällt mir die Vorstellung, dass liebe Menschen damit auf meine Nüchternheit anstoßen
Tatsächlich ?? :shock:
Ich finde diesen Gedanken eher äußerst befremdlich.
Ich würde sowas nicht wollen, warum auch? Warum sollten denn Freunde auf meine Nüchternheit anstoßen wollen oder sollen?
Was gefällt Dir denn so gut an dem Gedanken, wenn ich mal fragen darf?
Ich war dann nachmittags auch noch verabredet, zwar in keiner Bar, aber einem Restaurant. War zum Glück kein großes Problem, mein Gegenüber hat auch alkoholfrei getrunken.
Das Suchtgedächtnis kann das aber völlig anders sehen und sehr wohl auch noch Stunden bis Tage später "problematisch" reagieren.
Nämlich mit ganz schlichten Saufdruck.
Hier ist dann auch mal der Hintern in der Hose gefragt, solche Sachen auch mal kurzerhand zum Selbstschutz abzusagen, und aus die Maus.
Das gehört auch zur Trockenheitsarbeit.
Lese doch auch mal bitte (nochmals?) in unsere Grundbausteine rein, wir empfehlen darin, das man sich die erste Zeit im trockenen Leben
von allem fernhalten sollte, wo Alk konsumiert wird.
Zu unserem eigenen Schutz.
Bei mir betrug diese Zeit übrigens ca. 1,5 Jahre, erst dann bin ich das erste Mal wieder auf eine Geburtstagsfeier gegangen,
zum Nachmittagskaffee.

Ich sehe hier bei Dir aufgrund des letzten Beitrages zwei Sachen, an denen ich zur intensiven Trockenheitsarbeit raten würde:

Einmal wäre da, sich von dem Gedanken des Genußes zu verabschieden.
Und Alk nicht mehr als Genußmittel zu sehen sondern als das pure Gift für einen selbst.
Das ist für viele alles andere als einfach, ich weiß das. Denn wir haben Alk für so vieles benutzt, nicht wahr?
Diese Gedanken zu überschreiben braucht es Zeit und eben auch die Auseinandersetzung damit.
Dabei ist der Grundgedanke ja ganz einfach und die Konsequenz völlig logisch :wink:
Wir sind Alkoholiker und können Alkohol nicht mehr "genießen", sondern es ist das pure Gift für uns, können wir unseren
abhängigen Konsum nicht stoppen, werden wir elend dran sterben... über kurz oder lang.
Also meiden wir doch bitte "einfach" das Zeug, wenn wir weiter leben wollen.
Ganz so einfach ist es aber doch nicht, besonders wenn das Suchtgedächtnis noch so aktiv ist und einem immer wieder was anderes
erzählen will.
Aber die Zeit arbeitet hier auch für uns, wenn wir trocken bleiben können... es wird immer tiefer einschlummern...und uns dann größtenteils in Ruhe lassen.
So ist es jedenfalls bei mir gewesen.
Es ist und bleibt aber immer da, das olle Suchtgedächtnis, ich sehe allerdings zu, das es möglichst in seinem tiefen Schlummer bleibt.
Von daher meide ich auch heute noch möglichst alles, was es aufwecken könnte. Zu meinem eigenen Schutz.

Einen zweiten Punkt für Deine Trockenheitsarbeit sehe ich darin, mehr Konsequenz zu zeigen für die Abstinenz.
Sachen beispielsweise absagen, wenn man sich schon vorher bei dem Gedanken nicht wohl fühlt.
Oder auch, triggernde Situationen sofort zu verlassen, und da nichts "aushalten wollen", das ist nämlich kein Zeichen
von Stärke, sondern von leichtsinniger Dummheit.
Menschen, die einen lieben oder gern haben, werden das verstehen. Denn dann sind sie ja auch an unserem Wohlergehen interessiert.
Aber auch darum geht es nicht so sehr, sondern es geht hauptsächlich um einen selbst.
Andere müssen gar nicht unbedingt verstehen, warum man dieses oder jenes so handhabt, man muß es nur selbst verstehen und entsprechend handeln.
Wenn es andere verstehen, dann ist es ja nett, aber es ist nicht erforderlich. :wink:
Was sind eure Ersatzhandlungen bei akuten Alk-Gedanken?
Ich hatte schon ewig keine akuten Alkgedanken mehr... auch kaum Saufdruck, auch am Anfang meiner Trockenheit nicht.
Ich denke, das hat auch etwas mit meinem persönlichen Weg zu tun, ich hatte eine Entgiftung, die ich beinahe nicht überlebt hatte.
Habe von daher kaum Verlustgedanken gehabt, ich war nur heilfroh, weiter leben zu dürfen. Und war einfach nur unendlich dankbar,
nicht mehr saufen zu müssen.
Darum kam vielleicht auch erst gar nicht wirklicher Saufdruck auf?
Ich kannte aber leichte Anflüge davon... ich hatte beispielsweise anfangs immer eine Flasche Wasser greifbar.
Habe dann sehr viel Wasser, mit Wasser verdünnten Saft oder Tee getrunken. Das hilft fast immer.
Andere haben sicher noch mehr Tipps diesbezüglich.

Und zum Schluss nochmal was bezüglich "Alkohol-Genuß".
Ich zweifele sehr daran, das sooo viele andere Menschen Alkohol aus "reinen Genußgründen"
trinken, es mag aber sicher welche geben.
Bei vielen wird aber auch Missbrauch bzw. Abhängigkeit nur dadurch getarnt, indem man Alkkonsum als "Genuß" betitelt, den man sich "gönnt".
Und wem wollte man denn schon verwehren, etwas zu genießen?
In Wirklichkeit wird der Alk aber schon längst als Anti-Stress-Mittel eingesetzt oder zu was auch immer... und zwar, weil er BALLERT und bestimmte Gefühle der Erleichterung verschafft und genaus DAS will man haben.
Von daher... ich bin da misstrauisch, wenn von "Genußmittel Alkohol" geredet wird...

Aber für uns ist das eh uninteressant, denn wir haben ja die Missbrauchsschwelle längst überschritten.
Und da gibt es auch nie wieder ein zurück.
Ich glaube auch nicht dran, das wir nochmal nach einer gewissen Abstinenz unbeschwert saufen könnten...
Denn wir kennen dann ja auch schon ein bisschen die Vorteile der Abstinenz.
Ich glaube, wir würden uns dann vielleicht noch mehr als Versager fühlen, wenn wir wieder saufen würden, als das zu Saufzeiten
eh schon der Fall war...?
Vielleicht nicht gleich am Tag des Rückfalls... aber später?

LG Sunshine

Horizont
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Re: Ein neuer Horizont

Beitrag von Horizont » 29.06.2018, 11:36

Hier ist ja plötzlich was los! Danke jedenfalls für eure direkten Worte. Ich werde das einmal sacken lassen. Aber trotzdem möchte ich auch jetzt schon ein paar Worte dazu sagen.

Mir ist klar, dass Alkohol ein Gift für mich ist. Deshalb auch meine Entscheidung, keinen mehr zu trinken. Und niemals würde ich meine Restbestände an Menschen verschenken, die selbst Alkoholiker sind. Aber es gibt eben auch eine große Zahl von Menschen, die keine Probleme damit haben, das Zeug zu konsumieren. Und warum soll ich diesen Menschen nicht etwas schenken, das für sie kein Problem und für mich gleichzeitig ein wichtiges Loslassen ist? Noch einmal: Ich habe nicht vor, je wieder einen Tropfen zu trinken. ICH WILL DAS NICHT! Für mich ist das eben kein Genuss mehr, schon lange nicht mehr. Sondern Sucht, Ende, Abdichten, Stumpfsinn, Koma, Traurigkeit, Schlaflosigkeit, Ärger. Und genau das will ich nicht mehr und deshalb bin ich hier.

So jetzt lasse ich wie gesagt mal sacken, aber das musste trotzdem raus.

Lieben Gruß
Horizont

Sunshine_33
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Re: Ein neuer Horizont

Beitrag von Sunshine_33 » 29.06.2018, 12:26

Hallo Horizont,

Du stehst ja noch ziemlich am Anfang der Abstinenz. Da KANN man auch noch nicht alles verstehen, was andere einem schreiben.
Weil bestimmte Gedankengänge erst bei einem selbst reifen müssen. Und das dauert auch seine Zeit.
Und manchmal will man auch nicht so gern verstehen. Weil einem das Geschriebene gerade nicht in den eigenen Kram passt. :wink:
Oder einem mitunter auch einfach nur unbequem erscheint.

Trocken werden ist ein Entwicklungsprozess... der im Grunde vielleicht sogar lebenslang einer bleibt (auf eine gewisse Art) ?
Denn ich bin ja nun für immer alkoholkrank.
Was aber keinesfalls ununterbrochene harte Arbeit an sich selbst bedeutet, es ist auch ein sehr schöner Prozess !
Und vieles ergibt sich auch einfach so im Laufe der Zeit, weil es völlig normal wird, keinen Alkohol mehr zu trinken.
Von daher, bitte keine Angst haben vor diesem Entwicklungsprozess, es ist zu schaffen und es gibt auch sehr schöne Strecken dabei.
Und es wird sich auch immer mehr innere Zufriedenheit einstellen. So kenne ich es jedenfalls von mir und auch vielen anderen.

Das mit dem Verschenken von Alk ist was grundsätzliches. Ich schenke niemanden etwas, was mich selbst beinahe umgebracht hat.
Egal ab der n nasser Alkie ist oder nicht, das ist dabei uninteressant.
Ich mache nicht mal jemand anderen ne Pulle Bier auf, ich will mit diesem Zeug einfach GAR NIX MEHR zu tun haben, in keinerlei Form !
Einmal wollten wir mit mehreren einen Präsentkorb verschenken, ich habe mich bereit erklärt, den Kram dafür zu besorgen, habe aber
auch gleich klar gemacht, das ich keine Flasche Wein oder anderweitigen Alk kaufen werde oder verschenken möchte.
Du wirst es nicht glauben, aber da hatte jeder Verständnis für !
Und so gab es einen schönen Korb ohne jeglichen Alk drin.
Mit mir läuft sowas einfach nicht mehr, und zwar grundsätzlich nicht.
Wenn jemand Alk trinken möchte, kann er das ja jederzeit tun. Nur bitte nicht in meiner unmittelbaren Nähe, der Rest ist mir egal.
Kaufen oder verschenken werde ich aber keinen.

Ich fände es sogar etwas missachtend, wenn ich alte Weinpullen von mir verschenken würde, so nach dem Motto:
"Mich hats zwar fast umgebracht, aber naja.. ihr könnt das ruhig saufen."
Neee... also das is doch nix.

Erstmal sacken lassen ist ne gute Idee :D
Und ich finde es auch gut, das es hier solche Diskussionen gibt, mit alten Hasen und Frischlingen.
Das dient letztendlich auch nicht nur Dir selbst, sondern es lesen hier ja auch viele mit, sie selbst noch ganz am Anfang stehen.
Und wenn jemand nur mal ernsthaft über die Worte von Langzeittrockenen nachdenkt, und nicht gleich verwirft, weil sie einem nicht passen,
dann ist schon viel erreicht.
Man muss nämlich nicht das Rad bei unserer Krankheit neu erfinden, es gibt ja schon die Erfahrungen, die andere gemacht haben und die darf man ruhig auch für sich selbst nutzen.

Es soll hier auch nicht so sein, das wir LZT sagen, so und so muss das gemacht werden und fertig !
Man muss auch erklären, WARUM dieses oder jenes besser so und so gemacht werden sollte, sonst kanns ja keiner richtig verstehen.
Und etwas zu tun, ohne es zu verstehen, ist auch nicht besodners erfolgversprechend.
Also, immer fragen, die eigenen Gedankengänge hier lassen...und sich auch mal auf Gegenwind einstellen dabei :wink:
Das ist ja nicht böse gemeint, denn wir sind ja alle hier, um uns gegenseitig zu helfen, und nicht, weil wir Spaß dran haben, dem anderen eine reinzuhauen.

LG Sunshine

Mario B.
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Re: Ein neuer Horizont

Beitrag von Mario B. » 29.06.2018, 12:45

Horizont hat geschrieben:
27.06.2018, 08:06
Was war euer bestes Anti-Alk-Buch?
Hallo Horizont,

mein persönlich bisher bestes Buch über Alkohol (von bisher ca. +- 25 gelesenen) ist folgendes

Sich das Leben nehmen: Alkoholismus aus der Sicht eines Alkoholikers - Heckel, Jürgen

Gruss,

Mario B.

Carl Friedrich
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Re: Ein neuer Horizont

Beitrag von Carl Friedrich » 29.06.2018, 22:19

Hallo Horizont!

Unsere sunshine schreibt stets eindrucksvoll und voller Leidenschaft. Sie hat ihren Weg raus aus dem Klammergriff des Alkohols gefunden. Ich lese sie gerne, mir hat sie auch schon ordentlich contra gegeben. Dennoch gibt es hier und da mal Unterschiede bei mir und ihr.

Ich sehe beispielsweise überhaupt kein Problem darin, die restlichen Weinflaschen zu verschenken. Und zwar an Leute, die im Gegensatz zu uns, damit umgehen können, ob es jetzt als Genuss bezeichnet wird oder nicht.

Letztlich muss ein jeder seinen eigenen Weg finden, der ihn/sie abstinent hält, wobei die grundsätzliche Richtung, trotz einiger Unterschiede im Detail, übereinstimmt.

Die Grundbausteine dieses Forums sind schon eine gute grundsätzliche Orientierungshilfe, um den eigenen Weg zu finden.

Ich bin jetzt seit 3 Jahren und 2 Monaten clean. Nach meinem persönlichem Empfinden ist das erste Jahr der Abstinenz das schwierigste. Wenn man dieses erfolgreich trocken durchgestanden hat, hat sich eine gewisse Konstanz herauskristallisiert. Man hat alle Ereignisse eines Jahres wie Geburtstage, Weihnachten, Ostern, Biergartensaison ... erfolgreich durchgestanden und Erfahrungen gesammelt, auf die man im Krisenfall zurückgreifen kann. In diesem ersten Jahr rate ich dringend zur Risikominimierung. Das heißt, dass man dem Alkohol nicht noch hinterher läuft, sondern ihm, so gut wie möglich, aus dem Weg geht.

Gruß
Carl Friedrich

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