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Was bringt es, im Forum zu schreiben?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Karsten
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Re: Was bringt es, im Forum zu schreiben?

Beitrag von Karsten » 27.08.2018, 08:54

Hallo Hull,

danke. Genau diese meinte ich.

Ich finde das etwas herzlos, denn ich empfinde da anders.

Ich freue mich auch, wenn sich mir völlig fremde Menschen freuen können und freue mich auch für jeden einzelnen, der wieder ein selbstbestimmtes Leben führen kann.
Auch empfinde ich andere Gefühle, wenn es jemanden schlecht geht.

Ich kann das nicht einfach links liegen lassen.

Wenn ich im Fernsehen eine rührende Geschichte sehe, empfinde ich die Freude oder Trauer auch mit.

Ein Beispiel mal:
Als damals dieser Michael Hirte mit seiner Mundharmonika spielte, hatte ich auch Tränen in den Augen und freute mich für ihn.
Diese Freude kommt auch heute immer wieder auf, wenn ich ezwas von ihm höre.

Wenn ich immer nur auf mich fixiert wäre, wäre ich sehr einsam, selbst unter vielen Menschen und solche Menschen führen meiner Meinung ein sehr trauriges Leben.

edit: Wir hatten ja jetzt das Forentreffen und es war sehr schön, die Gefühle, mir bis dahin ja eher fremden Menschen, erleben zu dürfen.


Gruß
Karsten

Sunshine_33
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Re: Was bringt es, im Forum zu schreiben?

Beitrag von Sunshine_33 » 27.08.2018, 08:59

Hull schrieb:
Dieses Thema soll nicht dazu dienen, das Forum zu entwerten, es hat seine Daseinsberechtigung, schließlich habe auch ich einige Stunden in das Lesen und Schreiben investiert, was - wenn es denjenigen weiterhelfen sollte - als Lob verstanden werden kann.


Ich denke durchaus, das Du mit Deinem Schreiben hier anderen auch weiter helfen kannst.
Und das vielleicht auch schon geschehen ist.
Ich erkenne mich übrigens in vielen Deiner Gedankengänge selbst wieder.
Ich sehe es als großen Vorteil, nichts mehr oder zumindest nur noch negativ für den Alkohol zu empfinden.
Auch das ist bei mir ebenso. Und ich empfinde das auch als Vorteil.
Das musste ich mir auch gar nicht groß erarbeiten, da half mir persönlich auch die Logik weiter.
Mich hat diese Droge beinahe umgebracht, also will ich damit absolu nix mehr zu tun haben.
Ich habe im Grunde gar keine Empfindungen mehr zum Alk, er ist mir gleichgültig.
Ich muss ihn auch nicht verteufeln, ICH habe ihn schließlich zu mir genommen, mich hat niemand dazu gezwungen.
Es war meine Entscheidung, bis ich so stark abhängig war, das ich das nicht mehr allein entscheiden konnte.
Tatsächlich kann ich nur "hart" diskutieren oder richtiger: nur nah an der Wahrheit oder nah an der Logik
Auch das ist bei mir wohl ähnlich :wink:
Trotzdem habe ich begriffen, das bei unserer Krankheit vieles nicht gerade logisch ist.
Dabei hat mir der Besuch der Realen Gruppe geholfen.
Über die realen Gruppen habe ich schon einmal nachgedacht, diese Möglichkeit allerdings mangels Leidensdruck wieder verworfen. Ich weiß, dass ich beim Schicksal anderer Geschichten keine echten Empfindungen habe, höchstens rührt es mich mit bewusst eingesetzter Phatansie kurzweilig.
Ich hatte auch keinen Leidensdruck, um in eine Reale Gruppe zu gehen, ich war da schon ca. 6 oder 7 Jahre trocken, es interessierte mich einfach.
Und ich bin da auch nicht hingegangen, um mir nun eine Geschichte nach der anderen vom Mitbetroffenen anzuhören, es ergab sich so in Gesprächen.
Man geht ja nicht dorthin und alle erzählen dann wie aufgezogen ihre Story :wink:
Ich habe in dieser Gruppe ganz außergewöhnliche und auch sehr intelligente Menschen kennengelernt.
Echte Persönlichkeiten, die mich beeindruckt haben, auch durch ihren Lebensweg und ihre persönlichen Leistungen, jetzt nicht in Bezug auf unsere Krankheit, sondern ganz allgemein.
Und trotzdem sind diese Menschen alkoholkrank geworden, obwohl sie es ja eigentlich besser hätten wissen müssen.
Übrigens sind Suchterkrankungen auch bei Ärzten sehr häufig zu finden, wie ich neulich las. Das spricht für mich Bände... es kann tatsächlich jeden treffen, auch Menschen, die es sogar von Berufs wegen besser wissen müßten.

Penta schrieb:
Mir fehlen die "neuen" Gedanken. Ich habe abgegrast, dass der Sucht nicht mit Logik beizukommen ist und ich habe für mich (!) erkannt, dass der Alkoholkonsum lediglich ein Symptom ist.
Tja, das ist aber überall so, oder?
Irgendwann hat man alles "abgegrast", ist übrigens in Realen Gruppen auch nicht anders, finde ich, zumindest nach meiner eigenen Erfahrung.
Ich glaube nicht, das es der einzige Sinn einer SHG ist, ein Lieferant für "neue" Gedanken zu sein.
Dann würden ja viele nicht mehr hingehen, denn irgendwann hat man echt jeden Gedanken schonmal gelesen oder gehört.
Ich habe hier wohl mittlerweile einige Tausend Geschichten gelesen, und manche Gedankengänge auch schon x-mal gehört.
VIel Neues kommt da für mich nun auch nicht mehr rüber.
Kann es nicht auch Sinn sein, hier zu schreiben, um anderen Menschen zu helfen oder ist so eine Motivation unlogisch?
Karsten, für mich war es sogar der Grund, mich hier damals anzumelden. Ich war da ja schon ca.4 Jahre trocken.
Ich wollte anderen gern helfen, aus der Suchtspirale wieder rauszukommen.
Denn ich habe auch viel Hilfe bekommen, erstmal damals im KH, wo die Ärzte um mein Leben kämpfen und mich danach die Pflegerinnen und Pfleger wieder aufpäppelten.
Danach fand ich zu meiner sehr guten Hausärztin, die sich mit unserer Krankheit sehr gut auskennt und wo ich mich immer gut aufgehoben fühlte.
Und last but not least hatte ich auch meine gesamte Familie hinter mir.
Auch bei meinem Arbeitgeber gab es ein Suchtberatung mit speziell dafür ausgebildeten Suchthelfern und Psychologen.
Ich habe also wirklich viel Hilfe bekommen und ich wollte einfach gern etwas davon "zurück geben".
Das ich hier selbst auch nochmal Hilfe finden würde und eine tolle Gruppe, das kam mit der Zeit dann dazu.

Wenn ich nur was "haben" will, sprich, hier was abgrasen will, dann finde ich das recht egoistisch und so funzen Gruppen auch nicht, denke ich.
Und wenn ich dann alles sozusagen "weiß", was relevant für mich ist, dann gehe ich wieder, weil ich bekommen habe, was ich wollte?
Tja, aber in diese Richtung entwickelt sich unsere Gesellschaft leider immer mehr... nur werde ICH dabei nicht mitmachen.
Wenn ich in eine Gruppe gehe, dann bin ich ebenso bereit, etwas zu geben. Und nicht nur, um was haben zu wollen.
Der Nazissmus und die Ich-bezogenheit greifen leider immer mehr um sich.
Viele denken nur noch an sich, sind sich hauptsächlich selbst der Nächste.
Ich kanns auch nicht ändern... aber ich persönlich mache da nicht mit. Und einge andere auch nicht.

LG Sunshine

Sunshine_33
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Re: Was bringt es, im Forum zu schreiben?

Beitrag von Sunshine_33 » 27.08.2018, 09:08

Der Narzissmus und die Ich-bezogenheit greifen leider immer mehr um sich.
So war es gemeint, nicht das hier irgendwelche Irrtümer entstehen.
Die anderen Tippfehler bitte ich zu übersehen :lol:

LG Sunshine

Karsten
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Re: Was bringt es, im Forum zu schreiben?

Beitrag von Karsten » 27.08.2018, 09:09

Hallo Sunshine,

danke für deinen Beitrag, insbesonderen den letzten Absatz.

Gruß
Karsten

Penta
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Re: Was bringt es, im Forum zu schreiben?

Beitrag von Penta » 27.08.2018, 09:26

Liebe Sunshine,
Penta schrieb:

Mir fehlen die "neuen" Gedanken. Ich habe abgegrast, dass der Sucht nicht mit Logik beizukommen ist und ich habe für mich (!) erkannt, dass der Alkoholkonsum lediglich ein Symptom ist.

Tja, das ist aber überall so, oder?
Irgendwann hat man alles "abgegrast", ist übrigens in Realen Gruppen auch nicht anders, finde ich, zumindest nach meiner eigenen Erfahrung.
Ich glaube nicht, das es der einzige Sinn einer SHG ist, ein Lieferant für "neue" Gedanken zu sein.
Dann würden ja viele nicht mehr hingehen, denn irgendwann hat man echt jeden Gedanken schonmal gelesen oder gehört.
Ich habe hier wohl mittlerweile einige Tausend Geschichten gelesen, und manche Gedankengänge auch schon x-mal gehört.
VIel Neues kommt da für mich nun auch nicht mehr rüber.
Ach da kann man auch mal das eine oder andere Buch in die Hand nehmen und stellt fest, dass schon vor vielen Jahren Leute ähnliches dachten, wie einige heute, es aber anders formulierten oder aus anderen Perspektiven betrachteten.
Und auch wenn es vielleicht schwer nachzuvollziehen ist, gerade diese Bücher sprechen mich an, wie auch einige Berichte hier.
Wenn ich von "neuen Erkenntnissen" schreibe, meine ich nicht, dass ich das Forum wie ein Lehrbuch lese und mich fortbilde, sondern ich lese hier regelmäßig und schreibe manchmal (wie ich auch schrieb), weil ich auf der Suche nach neuen Erkenntnissen in dem Sinne bin, dass sie mich ansprechen in dem, was ich bisher auch schon dachte, nur vielleicht nicht bis zum Ende oder anders herum.
Und natürlich liegen da einige Geschichten oder Berichte eher in meinem Blick als andere. Genau wie ich mich im realen Leben mit einigen Menschen lieber unterhalte, als mit anderen.
Wenn ich nur was "haben" will, sprich, hier was abgrasen will, dann finde ich das recht egoistisch und so funzen Gruppen auch nicht, denke ich.
Für mich trifft das nicht zu.
Ich schrieb hier:
Darin sehe ich den vordringlichen Sinn meines Schreibens hier: Für mich Erkenntnisse zu erlangen.
Soll heißen, in erster Linie bin ich für mich hier und schließt nicht aus, dass wenn ich anderen damit helfen kann, ich mich freue, ich mir aber auch dessen bewusst bin, dass nicht alles, was ich schreibe, etwas für jeden ist.

Schönen Gruß, Penta

Karsten
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Re: Was bringt es, im Forum zu schreiben?

Beitrag von Karsten » 27.08.2018, 09:32

Hallo,

da mir mir bei solchen Sätzen übel wird, ziehe ich mich aus diesem Thema zurück.
Penta hat geschrieben:
27.08.2018, 09:26

Soll heißen, in erster Linie bin ich für mich hier und schließt nicht aus, dass wenn ich anderen damit helfen kann, ich mich freue, ich mir aber auch dessen bewusst bin, dass nicht alles, was ich schreibe, etwas für jeden ist.

Schönen Gruß, Penta
Karsten

Sunshine_33
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Re: Was bringt es, im Forum zu schreiben?

Beitrag von Sunshine_33 » 27.08.2018, 09:35

Wenn ich nur was "haben" will, sprich, hier was abgrasen will, dann finde ich das recht egoistisch und so funzen Gruppen auch nicht, denke ich.
Für mich trifft das nicht zu.
Das weiß ich, liebe Penta.
Ich habe auch nur das Wort "abgrasen" benutzt, weil es es recht aussagekräftig ist und jeder weiß, was damit gemeint ist :wink:
und ich es passend fand für gewissen Verhalten.
Du bist ja schon lange hier und schreibst auch immer wieder mal. Das ist ja kein Abgrasen, sondern Du bringst Dich ja auch immer mal wieder hier ein.
Finde ich auch gut so.
Soll heißen, in erster Linie bin ich für mich hier und schließt nicht aus, dass wenn ich anderen damit helfen kann, ich mich freue, ich mir aber auch dessen bewusst bin, dass nicht alles, was ich schreibe, etwas für jeden ist.
Genau. :)

LG Sunshine

Sunshine_33
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Re: Was bringt es, im Forum zu schreiben?

Beitrag von Sunshine_33 » 27.08.2018, 09:49

Hallo Karsten, das verstehe ich jetzt nicht.
Warum wird Dir da übel ?
Soll heißen, in erster Linie bin ich für mich hier und schließt nicht aus, dass wenn ich anderen damit helfen kann, ich mich freue, ich mir aber auch dessen bewusst bin, dass nicht alles, was ich schreibe, etwas für jeden ist.
Bei unserer Krankheit sucht man doch zuerst einmal Hilfe für sich selbst?
Das ist doch völlig legitim und im Grunde sogar überlebenswichtig !
Später kann man dann mit seinen Erfahrungen anderen helfen. Immer unter der Voraussetzung, das sie überhaupt Hilfe wollen :wink:
Und nicht alles Geschriebene ist auch für jeden zutreffend und hilfreich.
Da muss man dann auch selbst aussortieren, was hilfreich für einen persönlich ist.
Und dabei natürlich beachten, das man sich nicht nur den am bequemsten erscheinenden Weg aussucht, denn das funzt ja langfristig eher selten.

Ich wünsche mir Zusammenhalt in einer Gruppe, und das es darin ein Geben und Nehmen gibt.
Wenn jemand schreiben würde, das er nur helfen möchte, aber selbst angeblich keine Hlfe mehr braucht, würde ich irgendwie auch misstrauisch werden. 8)

LG Sunshine

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