Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Mein neues Leben

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

Antworten
Cadda
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1027
Registriert: 04.09.2017, 20:53

Re: Mein neues Leben

Beitrag von Cadda » 19.10.2018, 22:01

Liebe Feldmaus,

dass Du zu der Familie fährst, wo moderat getrunken wird, kann ich nachvollziehen, wenn Du Dich wirklich gut fühlst und Dir vorher genügend Gedanken gemacht hast und auch bereit bist, notfalls wieder zu gehen. Ich habe es auch so gemacht.

Aber Dein Denken, was einen eventuellen Rückfall angeht, dass man dann halt wieder auf Null setzt, weil man ja jetzt weiß, wie aufhören geht... da bin ich ehrlich, dieses Denken finde ich auch gefährlich und zumindest gedanklich nicht wirklich trocken.

Durch solch eine Einstellung sind schon viele andere rückfällig geworden. Weil sie meinten, dass sie ja jetzt wissen, wie man aufhört und es immer wieder können. Dadurch wurden es bei vielen einfach immer nur wieder Trinkpausen, mehr nicht. Wir haben gerade das Thema in der SHG ausgiebig gehabt. Dieses Denken ist das Suchtgedächtnis, das einem vorgaukelt, dass es ja nicht so schlimm wäre, wenn man wieder was trinkt. Und wenn das klappt??? Dann ist es erst recht gefährlich. Denn dann sagt Dir Dein Hirn „Prima! Ich kann also nun ab und zu an besonderen Anlässen trinken und danach höre ich wieder ein paar Wochen auf. Ich weiß ja, wie es geht.“
Dann werden die Abstände wieder kürzer und schwups... ist man wieder drin im Teufelskreis.

Vielleicht machst Du Dir nochmal Gedanken dazu. Ich meine es nur gut, das sollte keine Predigt werden :)

Feldmaus75
neuer Teilnehmer
Beiträge: 85
Registriert: 02.09.2018, 19:53
Geschlecht: Weiblich

Re: Mein neues Leben

Beitrag von Feldmaus75 » 19.10.2018, 22:18

Hallo Cadda,

du hast die Problematik sehr anschaulich beschrieben, danke dafür... und ja, es gibt mir zu denken... :oops:

Ich werde sehr wachsam sein und versuchen, mich nicht vom Suchtgedächtnis überlisten zu lassen... und ich werde versuchen, meine eingeweihte Freundin als Telefonjoker zu engagieren... falls ich auf dumme Gedanken kommen sollte, kann sie vielleicht das Stop-Schild hochreißen...

Ich werde berichten, wie es gelaufen ist...

Taxi
neuer Teilnehmer
Beiträge: 111
Registriert: 15.05.2018, 21:47

Re: Mein neues Leben

Beitrag von Taxi » 20.10.2018, 14:01

Hallo Feldmaus,
ja dann versuch mal..
Überlege dir auch, was du machst, wenn du los willst und die anderen noch bleiben möchten.
Da können wenige Minuten ganz unangenehm werden.
Darf ich anderen den Abend verkürzen?

Ich habe meinen 'Fluchtwagen' immer dabei.
Es ist meine Freiheit, zu entscheiden wann ich wo wielange bin. Und wenn es nur 12 Minuten sind. Da muss es mir auch nicht schlecht gehen, vielleicht fällt mir nur gerade was besseres ein.
Wunderbar, es ist nur meine Angelegenheit.
Gruß taxi

Carl Friedrich
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1494
Registriert: 06.07.2015, 22:47

Re: Mein neues Leben

Beitrag von Carl Friedrich » 20.10.2018, 22:30

Feldmaus75 hat geschrieben:
19.10.2018, 22:18

Ich werde sehr wachsam sein und versuchen, mich nicht vom Suchtgedächtnis überlisten zu lassen... und ich werde versuchen, meine eingeweihte Freundin als Telefonjoker zu engagieren... falls ich auf dumme Gedanken kommen sollte, kann sie vielleicht das Stop-Schild hochreißen...

Hallo!

Deine Freundin ist nicht dein Aufpasser und für dich nicht verantwortlich. So kannst Du dich nicht der Verantwortung für dich selbst entziehen. Woher bist Du bei Suchtdruck so sicher, sie anzurufen, wo doch der Griff zum Glas naheliegender ist. Was ist, wenn sie nicht ereichbar ist?

Du bist seht leichtfertig.

Was hälst Du davon, einfach früh hinzufahren, kurz zu gratulieren und nach einer halben Stunde wieder zu gehen? Kannst ja für den Anfang irgendwas von schlechtem Zustand, es sei dir nicht gut, erzählen und wegen des Autos kannst Du eh nicht bechern.

An einer kleinen Feier habe ich erstmals nach ca. 5 Monaten teilgenommen. Zu dieser Zeit befand ich mich in ambulanter Therapie und hatte einiges an Literatur gelesen. Die Teilnehmer waren eingeweiht (Familie). Nur so mal als Vergleichsmaßstab.

Gruß Carl Friedrich

Ernest
neuer Teilnehmer
Beiträge: 137
Registriert: 21.11.2017, 19:03

Re: Mein neues Leben

Beitrag von Ernest » 29.11.2018, 13:23

Hallo Feldmaus75

Du hast kürzlich folgendes geschrieben:
"Aus diesem Grund habe ich aufgehört, weiter über meinen Weg zu schreiben. Es gab viele ermutigende, mitfühlende, hilfreiche Antworten, aber eben auch jene mit erhobenem Zeigefinger, die bei mir doch sehr überheblich angekommen sind und mich abgeschreckt haben, mehr von mir zu schreiben :("
In den letzten Tagen wurde nun genügend darüber geschrieben. War ok und jetzt lassens wirs gut sein (hoffe ich :))

Jetzt schreibe doch wieder! Am 2. 12. (1.Advent) darfst Du doch Deinen 60igsten feiern! 60 Tage trocken!
Teil uns doch bitte mit, wie es Dir jetzt so geht.

Lieber Gruss
Ernest

Ernest
neuer Teilnehmer
Beiträge: 137
Registriert: 21.11.2017, 19:03

Re: Mein neues Leben

Beitrag von Ernest » 02.12.2018, 10:12

Haaaloooo Feldmaus75

Darf ich heute gratulieren????

Ernest

Ernest
neuer Teilnehmer
Beiträge: 137
Registriert: 21.11.2017, 19:03

Re: Mein neues Leben

Beitrag von Ernest » 02.12.2018, 10:14

Sorry, wären ja 90 stat 60 Tage...
Rechnen ist Glücksache :)

Ernest

Feldmaus75
neuer Teilnehmer
Beiträge: 85
Registriert: 02.09.2018, 19:53
Geschlecht: Weiblich

Re: Mein neues Leben

Beitrag von Feldmaus75 » 02.12.2018, 11:51

Guten Morgen zusammen,

allen Weihnachtsfans wünsche ich einen schönen 1. Advent… (Ich bin nicht religiös und überhaupt kein Freund dieser alljährlichen Konsumschlacht... aber jedem Tierchen sein Pläsierchen :wink:).

Zu allererst: DANKE an Karsten für die neuerliche Änderung… ich hoffe, dass damit der MEHRHEIT der Betroffenen geholfen ist (allen kann man es nicht Recht machen)... Hatte mich innerlich bereits auf Abschied eingestellt… nun werde ich bleiben und mich bemühen, das Forum durch mehr eigene Beiträge am Leben zu halten (auch wenn ich mir denke: WEN interessiert mein Geschreibsel schon? Andererseits: wen es nicht interessiert, der braucht es ja auch nicht zu lesen…).

Ernest, du hast richtig (nach)gerechnet: es sind 90 Tage ohne Alkohol :D.

Seit dem Tag, als ich hier aufgeschlagen bin und mich angemeldet habe, hab ich ein bissel in älteren Threads gelesen und jeden Tag die neuen Beiträge verfolgt... viele empfand ich als hilfreich, manche als unangemessen belehrend (bin diesbezüglich wohl auch etwas „empfindlich“). Einige Diskussionen haben mich abgeturnt (hat mich an Dailysoap erinnert)… aber das Forum scheint nun wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten zu sein und kann sich wieder auf das wesentliche Thema konzentrieren… :)

Rückblickend kann ich sagen, dass meine „Säuferkarriere“ vergleichsweise milde verlaufen ist... ja, sie hat sich lange hingezogen und die täglichen Mengen waren unterirdisch… ABER: ich habe weder Haus noch Hof versoffen, keine Freunde oder Familie vergrault oder sonstigen Menschen in meinem Umfeld geschadet, weder Job noch Führerschein verloren, mich nicht in finanzielle Schwierigkeiten gebracht, keine körperlichen Schäden davongetragen und bin nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten… Gelitten hat mein Selbstwert, meine innere Freiheit… meine (ohnehin depressiv veranlagte) Seele insgesamt :(. Aber das hat gereicht, um aus der Abwärtsspirale auszusteigen…

Die ersten beiden Wochen waren phantastisch, Euphorie ohne Ende… diese ist leider schnell verflogen… Und nun sitze ich hier auf meiner „Nulllinie“… Zu Trinkzeiten hatte ich viel Amplitude, meistens nach unten, aber auch nach oben (…Vorfreude auf Alk, die ersten 2-3 Gläser…). Jetzt geht es mir nicht schlecht… aber auch nicht gut… irgendwie neutral… fühlt sich ein bisschen leblos an… :-|

Das liegt sicherlich mit daran, dass ich kaum AKTIV an meiner Trockenheit arbeite… ich trinke keinen Alkohol mehr, ja, aber viel mehr mach ich nicht… ich habe im Moment keine Energien, um alte Verhaltensweisen zu ändern (z.B. zu viel vor der Glotze hängen) und neue, positivere zu implementieren… mir fehlt gerade schlicht der Antrieb (hatte die Hoffnung, dass dieses Antriebsproblem mit ohne Alkohol verschwindet, aber so ist es leider nicht). Eine Freundin hat mir ein pflanzliches Präparat zur Stimmungsaufhellung empfohlen, das werde ich mal ausprobieren… ansonsten bleibt noch die Option, mir wieder eine Psychotherapie zu suchen…

Positive Veränderungen: ich bin viel gelassener geworden… Kleinigkeiten, die mich sonst aufgeregt haben (z.B. Verkehr), lassen mich jetzt kalt… und negative Vorkommnisse, über die ich mich sonst Stunden oder Tage geärgert oder gegrübelt hätte, hake ich nach kürzester Zeit ab. Außerdem fällt die Heimlichtuerei weg (Beschaffung, Entsorgung, ertappt werden) und ich bin rund um die Uhr flexibel, kann abends zur Not noch ins Auto springen usw. Das empfinde ich schon als sehr entspannend und entlastend.

Soviel erst mal für den Moment, in Zukunft hoffentlich mehr :)

Antworten