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Könnt ihr mir helfen es zu verstehen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Ziele
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Könnt ihr mir helfen es zu verstehen

Beitrag von Ziele » 20.09.2018, 19:23

Ich habe bei euch einen Beitrag von Feldmaus gelesen, der mir ins Auge gestochen ist.
Wenn man so viel trinkt, ist es wirklich so, dass man lebensmüde wird? Bemerkt man den eigenen körperlichen Verfall? Dass es, wenn man so weitermacht, sehr schnell ein Ende nehmen wird? Oder blendet man die Tatsache aus, auch wenn man das gesagt bekommt? Ich umschreibe hier vieles, da es ein offener Bereich ist. Ich hoffe ihr versteht meine Frage trotzdem.

Elly
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Re: Könnt ihr mir helfen es zu verstehen

Beitrag von Elly » 20.09.2018, 19:49

Hallo Ziele, Hallo Alle!

Ja, ich kann nur bestätigen, dass ich immer mutloser, trauriger und kraftloser wurde. Je länger und je
mehr ich trank!

Mir fehlte der Lebensmut und ich hatte keine Pläne mehr, ich lebte nur noch Tag für Tag. Auch der
körperliche Verfall war eindeutig, mir ging es sehr, sehr schlecht.

Umso glücklicher bin ich, auch nach über 5,5 Jahren Trockenheit, dass ich den Absprung geschafft
und mein Leben wieder habe!

Elly

Hull

Re: Könnt ihr mir helfen es zu verstehen

Beitrag von Hull » 20.09.2018, 20:56

Definiere "lebensmüde".

Passiv, depressiv oder resginiert war ich im Alkoholrausch nie, aber auch das Gegenteil kann lebensmüde sein. Ich habe zwei Autounfälle (mit)verursacht, einer mit davon Totalschaden, ich musste mich vor Gericht verantworten, habe wirklich hohe Geldstrafen bezahlt, Freundschaften zerstört, mehrfach bei überdrehten Aktionen mit meinem Leben gespielt und kann heute eigentlich nur noch sagen, dass ein Weitersaufen jetzt nicht mehr lebensmüde wäre, sondern damit der bewusste Untergang gewählt würde. Wie tief der Tiefpunkt sein muss, ist variabel.

Grüße

Cadda
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Re: Könnt ihr mir helfen es zu verstehen

Beitrag von Cadda » 20.09.2018, 22:06

Lebensmüde nicht insofern, dass ich keine Lust mehr hatte zu leben und es mir egal war, dass ich mir und meinem Körper schade.
Aber im Grunde genommen war mir ja klar, dass es mir körperlich schlechter ging. Ich kann jetzt nicht von körperlichen Verfall sprechen bei mir, aber der Alkohol hat schon seine Spuren hinterlassen. Ich wusste, es ist Gift, ich hatte auch Angst, dass ich mir zu sehr schade, aber die Lust auf den Rausch hat das ausgeblendet bzw nach hinten geschoben.
Ja und dann passt der Begriff lebensmüde noch auf die Form, die Hull auch beschrieben hat. Alkoholisiert im Straßenverkehr. Ich schäme mich heute noch, auch wenn zum Glück nie jemand Anderes zu Schaden gekommen ist. Oder durch den Kontrollverlust gestürzt, einmal direkt neben einer steilen Treppe. Ich glaube, dass ich einige Male bewusstlos war. Jedenfalls das eine Mal denke ich ziemlich sicher. Im Nachhinein betrachtet war das alles komplett lebensmüde. Nicht, weil ich keine Lust mehr hatte, zu leben und vom Leben müde war. Aber die Aktionen waren lebensmüde.
Ich bin so dankbar, dass ich aus diesen Sachen heil herausgekommen bin.

Ziele
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Re: Könnt ihr mir helfen es zu verstehen

Beitrag von Ziele » 20.09.2018, 22:27

Elly hat geschrieben:
20.09.2018, 19:49
Hallo Ziele, Hallo Alle!

Ja, ich kann nur bestätigen, dass ich immer mutloser, trauriger und kraftloser wurde. Je länger und je
mehr ich trank!

Mir fehlte der Lebensmut und ich hatte keine Pläne mehr, ich lebte nur noch Tag für Tag. Auch der
körperliche Verfall war eindeutig, mir ging es sehr, sehr schlecht.

Umso glücklicher bin ich, auch nach über 5,5 Jahren Trockenheit, dass ich den Absprung geschafft
und mein Leben wieder habe!

Elly

Ok, das wusste ich nicht. Ich dachte bis jetzt immer dass es an xy’s persönlichen Lebensgeschichte liegt und er darum keine Perspektive sieht. (die übrigens nicht viel anders ist als bei den anderen Menschen)
Der körperliche und geistige Verfall wird immer heftiger und ist so offensichtlich, dass ich mich frage, was sieht dieser Mensch, wenn er sich denn mal im Spiegel anguckt.

Hull hat geschrieben:
20.09.2018, 20:56
Definiere "lebensmüde".

Passiv, depressiv oder resginiert war ich im Alkoholrausch nie, aber auch das Gegenteil kann lebensmüde sein. Ich habe zwei Autounfälle (mit)verursacht, einer mit davon Totalschaden, ich musste mich vor Gericht verantworten, habe wirklich hohe Geldstrafen bezahlt, Freundschaften zerstört, mehrfach bei überdrehten Aktionen mit meinem Leben gespielt und kann heute eigentlich nur noch sagen, dass ein Weitersaufen jetzt nicht mehr lebensmüde wäre, sondern damit der bewusste Untergang gewählt würde. Wie tief der Tiefpunkt sein muss, ist variabel.

Grüße

Bei dir war es „lebensmüde“ in die andere Richtung. Du warst das andere Extrem. Ich meinte mit „lebensmüde“ eine tiefe Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Aber auch viel Wertlosigkeit lässt sich bei besagter Person, wegen der ich gefragt habe, erkennen.

Bei dir Hull, denke ich, dass auch du danach suchst was dich im tiefsten inneren erfüllt. Du bist übers Ziel hinausgeschossen um dich zu „spüren“. Es gab nichts was die Monotonie befriedigte. Keine Ahnung, vielleicht liege ich falsch, es ist nur so ein Gefühl durch das Lesen.

LG

Elly
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Re: Könnt ihr mir helfen es zu verstehen

Beitrag von Elly » 21.09.2018, 00:55

Hallo Ziele,

von mir kann ich nur sagen, dass ich kaum noch in den Spiegel schauen konnte...

Ich fühlte mich im Selbstzerstörungsmodus und konnte das lange nicht stoppen.
Auch ich hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, dass ich aus der Sucht heraus
finde.

Erst als ich die mir selbst gesetzten Grenzen überschritt, konnte ich die Bremse
ziehen!

Es kann immer nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen, das muss von innen
und selbständig kommen. Kein anderer kann da etwas ausrichten. Man kann sich
erst helfen lassen, wenn man es selbst will.

Elly

Ziele
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Re: Könnt ihr mir helfen es zu verstehen

Beitrag von Ziele » 21.09.2018, 13:12

Das heißt, es gibt keine Worte die einen Menschen in diesem Zustand zum ernsthaften Nachdenken bewegen?!
Da muss wirklich erst etwas schlimmes geschehen, damit man handelt, wenn man denn überhaupt handelt.

Hull

Re: Könnt ihr mir helfen es zu verstehen

Beitrag von Hull » 21.09.2018, 15:07

Ziele hat geschrieben:
21.09.2018, 13:12
Das heißt, es gibt keine Worte die einen Menschen in diesem Zustand zum ernsthaften Nachdenken bewegen?!
Da muss wirklich erst etwas schlimmes geschehen, damit man handelt, wenn man denn überhaupt handelt.
Eigentlich ist es egal, ob etwas "schlimmes" passiert, es kann genauso zur Legitimation benutzt werden. Ich weiß nicht, wie oft ich mir Geschichten anderer Betrunkener angehört habe, die alle schlimmen Dinge dieser Welt für sich gepachtet hatten und heute noch saufen. Wenn ich von mir ausgehe, war das letzte Jahr mit Alkohol sicherlich das schlimmste, aber gerade in den letzten Wochen vor der nun seit 1,5 Jahren gelebten Nüchternheit ist eigentlich gar nichts mehr passiert. Es gibt hier reihenweise Erfahrungsberichte, in denen die Personen im Prinzip alle schlimmen Dinge erlebt haben und doch erst viel später, an einem vermeintlich unscheinbaren Punkt den Ausstieg geschafft haben.

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