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stille Mitleser

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Karsten
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stille Mitleser

Beitrag von Karsten » 25.09.2018, 17:04

Hallo,

es ist nun drei Wochen her, wo Hull diesen Beitrag geschrieben hat:
Hull hat geschrieben:
05.09.2018, 18:31
Hallo Correns,

mir ist das Schicksal der stillen Leser vollständig egal. Ich habe auch nicht durch ein plötzlich einsetzendes Verantwortungsbewusstsein für Andere aufgehört zu trinken, sondern nur für mich selbst. Das klingt gnadenlos und so mancher mag angeekelt das Thema verlassen, aber es ist die Wahrheit und im Prinzip sind es nur diese vollkommen nackten Beiträge, die etwas bewirken, den Leser oder vielleicht sogar den Schreiber wie einen plötzlichen Blitzschlag treffen.

Es gab irgendwo in den letzten Wochen bereits einen Hinweis eines anderen Benutzers, dass es keinen echten "Altruismus" gibt. Dies unterschreibe ich natürlich jederzeit. Sicherlich ein Thema, über das gerne gestritten werden kann, aber in jedem noch so hilfsbereiten Menschen steckt ein großer Anteil an Zwang und Demütigung aus der Kindheit (wahlloses Beispiel).

Grüße
Seit dem lässt mich diese Aussage: "mir ist das Schicksal der stillen Leser vollständig egal" keine Ruhe.

Ich möchte das nicht mal wirklich kritisieren, sondern nach eurer Sichtweise fragen.

Stille Mitleser wären ja Besucher in realen SHG, die nie etwas sagen, sondern sich nur die Geschichten der anderen Besucher anhören.

Was denkt ihr darüber?

Gruß
Karsten

edit:
Das oben zitierte von Hull ist eine Antwort auf den Beitrag von Correns, der folgendes geschrieben hat:
Correns hat geschrieben:
05.09.2018, 15:21
Hallo Hull,

einen Aspekt habe ich in meiner ersten Antwort nicht erwähnt.
Wenn ich hier schreibe, lesen dies auch immer wieder mal die Leute. Zum Teil sogar erstaunlich viele.
Und bei den Lesern sind sicherlich auch solche dabei, die mit dem Entschluss trocken zu werden noch hadern.
Hier lesen sie in vielen Beispielen, wie es Leute geschafft haben.
Und der eine oder die andere kommt auf den Geschmack und springt auf den Zug auf und schafft es auch.
In der Anfangszeit meiner Trockenkarriere war ich sehr auf die Hilfe der anderen angewiesen.
Alleine hätte ich es vermutlich nicht geschafft.
Ich bin recht dankbar, dass ich den Wechsel hinter mir habe.
Jetzt gebe ich gewissermaßen ein bisschen zurück.

Aber der Hauptaspekt beim Schreiben bleibt für mich weiterhin der, selbst trocken zu bleiben.
Soviel Egoismus gönne ich mir.

Viele Grüße
Correns

kossi
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Re: stille Mitleser

Beitrag von kossi » 25.09.2018, 18:55

Es gibt Besucher, die Angst haben vor anderen Betroffenen, sich zu öffnen.
Meine erste SHG. hatte ich in der Psychiatrie bei meiner Entgiftung, habe auch nicht geredet.
Ich musste es erst lernen, in einer Gruppe zu reden, das war ein Prozess. Ich akzeptiere, wenn
ein neuer Besucher, nicht über sich erzählen mag. Das ist in Ordnung, wichtig ist das er/sie trotzdem
in die Gruppe kommt. Irgendwann öffnen sich die stillen Besucher, es braucht ja Zeit.
Mir ist niemand egal, der in die Gruppe kommt, ob er viel erzählt oder nicht,
auch beim zuhören kann man lernen. jeder sollte seine eigenen Geschichte ansehen
und sich überlegen, hatte ich vielleicht am Anfang auch Hemmungen, zu reden oder hier zu schreiben.
Wenn ich mit dem was ich hier schreibe, einen stillen Leser helfen kann, dann ist das gut so.
Also mir sind die stillen Leser nicht egal, den wer diese Seiten liest, braucht meistens Hilfe.

Gruß
kossi

Karsten
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Re: stille Mitleser

Beitrag von Karsten » 25.09.2018, 19:10

Hallo Kossi,

mir sind die stillen Leser auch nicht egal.
Wer regelmäßig liest, wird sich vielleicht irgendwann anmelden und schreiben.

Ich habe wenig Erfahrungen mit realen SHG.
In einer, wo ich aber mal vor vielen Jahren war, hatte ich ein entsprechendes Erlebnis.

Ich sagte drei Montae nichts, ging aber regelmäßig 2x die Woche dort hin.

Nach ca. drei Monaten wurde ich aber angesprochen, dass ich mich doch wenigstens mal vorstellen möchte. Das war nicht so nebenbei, sondern von dem Gruppenleiter und das vor allen anderen Besuchern.

Heute weiss ich, dass er mir helfen wollte und mich integrieren wollte.
Damals war ich geschockt und ging nicht mehr hin.

Um zum Forum zu kommen.

Ich sage ja immer fördern und fordern.

Dazu aber woanders mehr.

Gruß
Karsten

Sunshine_33
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Re: stille Mitleser

Beitrag von Sunshine_33 » 25.09.2018, 19:53

aber in jedem noch so hilfsbereiten Menschen steckt ein großer Anteil an Zwang und Demütigung aus der Kindheit (wahlloses Beispiel).
Das ist mir zu pauschal.
Ich bin auch ein hilfsbereiter Mensch, kann mich aber kaum an Zwänge aus meiner Kindheit erinnern.
Außer in die Schule gehen zu müssen :wink:
Gedemütigt wurden wir auch nie, zumindest nicht in unserem Zuhause.
Was Kinder sich untereinander manchmal so antun, is ne andere Sache, aber ich denke, da muss jeder irgendwie durch,
daraus entwickelt man ja nicht zwangsläufig ein Helfersyndrom oder so.
Seit dem lässt mich diese Aussage: "mir ist das Schicksal der stillen Leser vollständig egal" keine Ruhe.
Hm...ich kenne ja überhaupt nicht deren Schicksal, wie also kann mir etwas egal oder auch nicht egal sein, wovon ich gar nix weiß?
Ich kann ja nur teilhaben (oder eben auch nicht), wenn sich mir auch jemand mitteilt, ich kann ja nicht hellsehen.

Stille Mitleser wären ja Besucher in realen SHG, die nie etwas sagen, sondern sich nur die Geschichten der anderen Besucher anhören.
In einer realen SHG hätte ich damit kein Problem.
Ich würde ja denjenigen vor mir sehen, und er wäre ein Teil der Gruppe, auch wenn er kein Wort sagen würde.
Das schließt ihn ja nicht automatisch aus der Gruppe aus, finde ich.
Nicht jeder kann oder mag vor einer größeren Gruppe sprechen, das ist also so zu akzeptieren.
Hier im internet sehe ich das etwas anders, es geht gerade hier in diesem Forum oft um sehr private Dinge und ich möchte im Grunde schon gerne wissen, wer da so mitliest.
Da das aber kaum möglich ist, werde ich im offenen www möglichst nicht zu viel persönliches preisgeben.
Das hat aber nichts mit diesem Forum hier zu tun, sondern das meine ich ganz allgemein so.
Es hängen im net einfach zu viele Leute rum, die am Datensammeln mehr als nur interessiert sind.

LG Sunshine

Hull

Re: stille Mitleser

Beitrag von Hull » 25.09.2018, 20:24

Hallo Karsten,

ich unterstelle dir natürlich keine Absicht, es ist mir schon klar, dass es dir um den Inhalt des Zitats und um die Vorstellung, dass es solchen Ansichten tatsächlich gibt, geht, dennoch wäre es hilfreich, Correns' Zitat zu berücksichtigen, denn eine Aussage, die sich auf eine andere Aussage bezieht, ist für sich alleine stehend nur bedingt aussagekräftig.
Hallo Hull,

einen Aspekt habe ich in meiner ersten Antwort nicht erwähnt.
Wenn ich hier schreibe, lesen dies auch immer wieder mal die Leute. Zum Teil sogar erstaunlich viele.
Und bei den Lesern sind sicherlich auch solche dabei, die mit dem Entschluss trocken zu werden noch hadern.
Hier lesen sie in vielen Beispielen, wie es Leute geschafft haben.
Und der eine oder die andere kommt auf den Geschmack und springt auf den Zug auf und schafft es auch.
In der Anfangszeit meiner Trockenkarriere war ich sehr auf die Hilfe der anderen angewiesen.
Alleine hätte ich es vermutlich nicht geschafft.
Ich bin recht dankbar, dass ich den Wechsel hinter mir habe.
Jetzt gebe ich gewissermaßen ein bisschen zurück.

Aber der Hauptaspekt beim Schreiben bleibt für mich weiterhin der, selbst trocken zu bleiben.
Soviel Egoismus gönne ich mir.

Viele Grüße
Correns
Grüße

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Re: stille Mitleser

Beitrag von Karsten » 25.09.2018, 20:37

Hallo Sunshine,

in einer realen Gruppe hatte ich nur Probleme mit Besuchern, die zwangsweise aus den Krankenhäusern in die Gruppe kamen.
Ich musste ja auch immer, wenn ich in einer dreiwöchigen Entgiftung war, solche Außengruppen besuchen.
Ich wollte nicht, musste aber.
Da hatte ich dann auch Probleme, über private Dinge zu reden.

Das geht mir hier auch oft so. Ich möchte einfach nicht, dass zu viel über mich im freien Internet kreist, denn keiner weiss, wo das gesammelt, verarbeitet und zum gläsernen Menschen gespeichert wird.
Das was hier öffentlich geschrieben wird, kann ja jeder lesen, kopieren und speichern.
Irgendwann wird es auch mal eine Internetbenutzernummer, ähnlich wie heute die Steuernummer, geben, wo es dann keine Anonymität gibt.
Dann lieber geschütztere Bereiche, wo nicht jeder mitlesen kann.

Krankheiten, vor allem psychische Krankheiten sind kein Aushängeschild, dass später auf dem Arbeitsmarkt, dem Versicherungsmarkt, dem Kreditmarkt, dem Wohnungsmarkt und und und als positiv angesehen werden.

Aber zurück zum Thema :)

Was das Schicksal der stillen Leser betrifft, sehe ich es schon so, dass man es "kennt", denn es wird ja etwas mit dem Forenthema zu tun haben.
Jeder Mensch ist zwar individuell, aber das gleiche Thema betrifft uns ja alle.

Ich denke zum Beispiel auch an die stillen Leser, wenn hier zum Beispiel keine Alkoholverherrlichung betrieben wird oder irgednwelche Säufergeschichten beschrieben werden sollen.
Auch die Gefahr des kalten Entzuges nehemn wie ja sehr ernst.

Oft schreibe wir Beiträge, wo jemand das Risiko bewusst eingeht, dass es eben gefährlich ist, um eben diese stillen Leser nicht damit alleine zu lassen, die es vielleicht nachmachen, wenn auf die Risiken nicht hingewiesen wird.
Da schreibe ich sogar weniger für den, der bewusst solche Risiken eingeht, weil er es eh macht, sondern eben für die Besucher, die das lesen.

Gruß
Karsten

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Re: stille Mitleser

Beitrag von Karsten » 25.09.2018, 20:42

Hallo Hull,

mir geht es wirklich um den Inhalt.

Du hast aber recht, sorry.
Ich habe deshalb oben in meinem ersten Beitrag das Zitat von Correns auch noch eingefügt.
OK so?

Gruß
Karsten

Hull

Re: stille Mitleser

Beitrag von Hull » 25.09.2018, 21:41

Karsten hat geschrieben:
25.09.2018, 20:37
Ich denke zum Beispiel auch an die stillen Leser, wenn hier zum Beispiel keine Alkoholverherrlichung betrieben wird oder irgednwelche Säufergeschichten beschrieben werden sollen.
Auch die Gefahr des kalten Entzuges nehemn wie ja sehr ernst.

Oft schreibe wir Beiträge, wo jemand das Risiko bewusst eingeht, dass es eben gefährlich ist, um eben diese stillen Leser nicht damit alleine zu lassen, die es vielleicht nachmachen, wenn auf die Risiken nicht hingewiesen wird.
Da schreibe ich sogar weniger für den, der bewusst solche Risiken eingeht, weil er es eh macht, sondern eben für die Besucher, die das lesen.
Das ist aber ein wenig gekünstelt und genau das lehne ich ab oder anders gesagt, da es mir "vollständig egal" ist, ob ein Leser zum Glas greift oder nicht, schreibe ich nur so, wie ich es sehe. Ich würde nie behaupten, dass man anhand meiner Beiträge eher nicht zum Glas greifen würde, aber es dürfte auch nichts dagegen sprechen. Als Seitenbetreiber hat man natürlich einen gewissen Bildungsauftrag, aber streng genommen düfte sich dieser auch ganz von alleine vollziehen, wenn man der Logik folgt. Denn selbst wenn in diesem Forum eine Person dem typischen Selbstbetrug unterliegt und es sich anbahnt, dass diese Person rückfällig wird, so ist meines Erachtens nichts daran zu ändern. Wenn die Person kurzweilig auf Beiträge im Internet hört, wird sie im nächsten Moment ebenso anderen Impulsen nachgeben.

Wenn ich von mir ausgehe, haben mich auch nicht die guten Beispiele dazu gebracht, nichts mehr zu trinken, sondern nur die schlimmsten Fälle. Die Berichte, in denen die Personen 3 Flaschen Schnaps tranken, nichts mehr aßen, nur noch erbrachen, alles zerstörten usw. Auch dieses Forum habe ich übrigens damals über eine Googlesuche nach "Delirium Tremens" gefunden:

viewtopic.php?t=2713

Zudem ist es natürlich eine Charakterfrage, mich interessieren einfach nur extreme Dinge und ich kann mich nicht ernsthaft an einer Diskussion beteiligen, in der es darum geht, was man heute gemacht hat, in der die Forenteilnehmer ihre gegenseitige Fürsorge bekunden usw., auch das ist mir "vollständig egal", da es mich nicht berührt.

Dennoch möchte ich die Diskussion nun nicht weiter lenken, sie ist in Ordnung und auch die Norm.

Grüße

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