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Das Selbsthilfeforum

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

sorra
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Das Selbsthilfeforum

Beitrag von sorra » 15.10.2018, 17:22

Hallo,

Ich möchte hier Platz machen für eine Diskussion, die in einem Thread im Gange ist, die eigentlich für andere Belangen gedacht ist.
Es geht um die allgemeine Entwicklung des Forums, einhergehende Probleme und mögliche, zukünfigte Aussichten.

Ich kopiere das letzte Posting rein:
Karsten hat geschrieben:
15.10.2018, 17:12
Jeder kann sich angesprochen fühlen oder auch nicht. :)

Meine Beweggründe 2004 das Forum aufzumachen, war in der Hoffnung ( so wie ich damals selbst nüchtern geworden bin ), dass es viele Betroffene gibt, die mit Hilfe des Forums nüchtern werden und dann anderen Menschen helfen, dass sie nüchtern werden können.

Das ist im Ganzen, nicht bei jedem, aber im in der Masse gesehen, eine falsche Hoffnung gewesen.

Viele sehen es hier als selbstverständlich und als Art Beratungsstelle.

Das war früher anders und da hat es auch Spaß gemacht. Heute ist es eben leider nicht mehr so.

Warum es diese Entwicklung gab, weiss ich nicht, aber es ist halt so.

Ich werde die Menschen auch nicht ändern und will es auch nicht.

Ich möchte aber auf die sich ausschleichende Forenentwicklung hinweisen.

Das sich dadurch dauerhaft auch nichts ändern wird, weiss ich auch.

Die Zeiten sind eben andere, wie damals 2004
Für mehr Kontext, hier der Link zum anderen Thread: viewtopic.php?f=28&t=19832&start=3232

kamarasow
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Re: Das Selbsthilfeforum

Beitrag von kamarasow » 15.10.2018, 17:36

Karsten, ich denke, die Hilfe die einem hier zu Teil wird, ist umfänglich genug. Die geringe Erfolgsquote und damit deine Hoffnungen liegen, mEn, an der geringen Erfolgsquote der Hilfesuchenden. Wie schnell sind hier ein paar absichtsbekundende Zeilen reingeschrieben. Hart ist es aber dann draußen, wenn der Suchtdruck einen sehr, sehr nett grüßt. Schaut man sich nur die 2 Jahre seit meiner Anmeldung an, ist es ernüchternd, wie wenige von den damaligen Frischabstinenzlern überhaupt noch schreiben. Die Vermutung, dass wieder gesoffen wird, liegt da sehr nah.

Wie du schreibst, 2004 ist eben nicht 2018. Zu jedem Scheiß gibt es mittlerweile ein Online-Angebot. Daher vermutlich die Selbstverständlichkeit. Die Forenentwicklung wirst du deshalb vermutlich auch nicht aufhalten können. Auch nicht mit Trillionen-Umfragen und Themenvorschlägen, die nur Kraft und Energie kosten. Was bleibt ist, Haltung zu bewahren und in sich zu gehen, ob man sich das alles noch antun möchte. Erwarte aber keine überschwängliche Dankbarkeit für die jahrelange Arbeit. Habe auch Nachsicht mit Frischabstinenzlern. Der Fundus an Wissen und langjähriger Trockenheit schüchtert mitunter ein.

Nunja, vielleicht half es dir etwas.

Karamasow

Karsten
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Re: Das Selbsthilfeforum

Beitrag von Karsten » 15.10.2018, 17:48

Hallo Karamasow,

ich gehe auch davon aus, dass viele einfach weiter saufen und sich dann nicht mehr motivieren können oder auch nicht den Muthaben, das hier einzugestehen.
Das ist halt so, denn es schaffen halt nur sehr, sehr wenige. Das war aber 2004 auch nicht anders. :)

Die Selbstverständlichkeit, dass sich immer irgendwelche anderen Menschen finden werden, die einen helfen, ist größer geworden.

Das hat aber nicht mal was mit dem Forenthema zu tun. Das erlebe ich auch in anderen Lebensbereichen.

Gruß
Karsten

sorra
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Re: Das Selbsthilfeforum

Beitrag von sorra » 15.10.2018, 18:00

Ich würde noch gerne einiges dazusagen.

Prinzipiell bin glücklich, dass es das Forum gibt, und Menschen wie dich Karsten, die sich hingebungsvoll darum gekümmert haben und noch immer kümmern. Es ist meiner Ansicht nach sehr bewundernswert und ganz im Sinne von AA. Woanders habe ich es auch schon beschrieben, aber dieses Forum und auch die Selbsthilfegruppen sind für mich wundervoll, ich realisiere, wieviele die gleichen Probleme haben und ich fühle dadurch eine Verbundenheit zur Menschheit über Generationen hinweg, also quasi zur Menschheitsgeschichte.

Des weiteren ist es wie eine geheime Gesellschaft, in der diese Probleme anerkannt werden und bis zu einem gewissen Grade normal, da sie alle Beteiligten teilen. Das ist sehr wichtig für mich, da ich mit der Außenwelt nicht über dieses Thema einfach so sprechen kann, außer mit meinen Liebsten, die es zum Teil aber nicht verstehen können, weil sie es nicht kennen. Und ich trage mein Problem schon sehr lange mit mir herum, es ist als würde sich mein Herz öffnen, wenn ich mir hier austausche.
Ohne das Forum und andere Selbsthilfegruppen wäre das alles nicht da.
Am Forum speziell schätze ich, dass es nicht an Ort und Zeit gebunden ist, und vorallem, dass das Miteinander nicht katholisch verfärbt ist. Ich weiß, dass AA an keine Religion gebunden sein will, jedoch erlebe ich in den Selbsthilfegruppen etwas anderes, da das ganze Konzept mit seinen Gründern sehr stark am Christentum angelehnt wurde. Deshalb freue ich mich, dass das Forum diese Neutralität bewahren konnte.

Ich habe an Karsten weiterhin einige Verständnisfragen:
Dich stört es, dass die Leute hier nicht in das Forum genug investieren und sich in Beiträgen beteiligen, die nicht ihre selbsterstellten sind?
Ich wusste zum Beispiel gar nicht, das das ein wichtiger Aspekt des Forums ist. Vielleicht könnte das besser kommuniziert werden? Ich war auch einmal in einem Literatur-Forum und dort gab es als Voraussetzung, um Beiträge erstellen zu können, dass man vorher zwei Beiträge (in diesem Fall waren es Kritiken) zu jemanden anderen verfassen musste. Wahrscheinlich hatten sie ein ähnliches Problem und haben sich so einen einigermaßen regen Austausch sichern wollen.

Ich denke, dass Forum hilft vielen Leuten und meiner Ansicht nach, gibt es auch viel Austausch, aber ich hatte nur einen kurzen Einblick bis jetzt.
Generell finde ich es aber immer schwierig, Dankbarkeit von den Leuten zu erwarten. Es liegt außerhalb der Kontrolle, ob Leute dankbar sind und deshalb sollte man nicht aus diesem Grund etwas tun. Ich denke nicht, dass du das Forum damals eröffnet hast, damit Leute dir sagen wie dankbar sie sind, sondern um eine Verbindung zu Fremden mit dem gleichen Problem herzustellen.
Vielleicht ist der Frust ein Zeichen dafür, dass dieses Bedürfnis etwas verloren gegangen ist, mit der Zeit.
Ich kann gut verstehen, dass dir die Lust vergeht, wenn du das Gefühl hast du gibst mehr, als du bekommst. So sollte es auch nicht sein. Ich kann nicht sagen, was die Gründe für die Forumsentwicklung hat, aber generell würde ich sagen, wenn du das Forum gegründet hast, kannst du machen was du willst, und wenn du keinen Sinn mehr darin siehst, ist es nicht förderlich aus Verpflichtung weiterzumachen. Auch wenn es schade wäre, da ich doch glaube, dass das Forum sehr wirkungsvoll ist, auch wenn man die Teilnehmer teilweise nicht lange bleiben.
Ich denke, es ist auf jeden Fall eine Entscheidung für die man sich Zeit lassen sollte und die man machen sollte, nachdem man Alternativen in Erwägung gezogen hat. Wurden schon alle möglichen Änderungen, die einen besseren Austausch ermöglichen würden, ausgeschöpft?

Alles Liebe,
sorra

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Re: Das Selbsthilfeforum

Beitrag von sorra » 15.10.2018, 18:03

Ach und nochwas:

Ist es nicht so, dass man hier nur schreiben darf, wenn man trocken ist?
Also dass man bei einem Rückfall sozusagen automatisch raus ist?
Ich denke, ich habe mal im Vorstellungsbereich gelesen, dass man erst freigeschalten wird, wenn man trocken ist, da es von den trockenen als problematisch angesehen wird mit nassen zu schreiben (frei zitiert).

Karsten
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Re: Das Selbsthilfeforum

Beitrag von Karsten » 15.10.2018, 18:08

Hallo Sorra,

danke für dein Arrangement.

Gruß
Karsten

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Re: Das Selbsthilfeforum

Beitrag von Karsten » 15.10.2018, 18:11

Hallo Sorra,

da haben wir wohl gleichzeitig geschrieben :)

Ja das ist so. Wer rückfällig ist, muss in den Vorstellungsbereich und wird dann wieder freigeschaltet, wenn er oder sie wieder nüchtern ist.

Im angetrunkenen Zustand ist ja schwer, jemanden zu erreichen und bei alkoholkranken Menschen ist dann auch wieder ein Arztbesuch ratsam.

Gruß
Karsten

Hull

Re: Das Selbsthilfeforum

Beitrag von Hull » 15.10.2018, 18:48

Hallo zusammen,

ich finde eher das nachfolgende Zitat Karstens interessant:
Es ist mir mittlerweile auch egal, ob durch meine Beiträge das Forum noch mehr leidet.
Ich glaube, so eine Aussage ist im Kern unwahr, es ist eher der unterbewusste Untergangswunsch, wie er bei jedem Menschen immer mal wieder vorkommt. Frei nach dem Motto: wenn wir nicht siegen, gehen wir wenigstens haushoch unter. Hierzu gibt es unzählige bedeutende historische Beispiele. Aber wir müssen gar nicht so weit abschweifen, oft ist dieser Gedanke beim Alkoholmissbrauch ein Antrieb, immer noch mehr zu trinken, denn es ist scheinbar sowieso alles verloren.

Wenn man es genau nimmt, ist aber immer noch eine gewisse Hoffnung auf einen guten Ausgang vorhanden, sonst könnte das Forum ja sofort geschlossen werden. Allerdings wird diese Hoffnung mit fortschreitender Zeit immer unbedeutender und weicht schließlich dem Wunsch zum Untergang.

Mir persönlich ist das Forum - und auch jedes andere Forum - egal, ich habe keine Pflichtgefühle, verspüre keine Verantwortung und "genieße" meinen Forenaufenthalt sogar deshalb, weil ich merke, dass es mir eigentlich nichts bringt, und genau dies ist nun eine Art Freiheit.

Grüße

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