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Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

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Kloane
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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Kloane » 11.12.2018, 18:50

Hallo Twizzler,
ich finde es so toll wie gut du auf dich aufpasst. Das werde ich mir auch zu Herzen nehmen.
Mich würde mal interessieren ob du irgendwelche Hobbys hast.
Ich z.B. male gerne (was ich allerdings schon lange nicht mehr gemacht habe), aber das ist voll mit Saufen verknüpft.
Auch Handarbeiten mache ich gerne aber leider auch dabei kann man sehr gut süffeln. Das Malen werde ich weiterhin erst mal
auf Eis legen aber Handarbeiten nehme ich jetzt mal "ohne" in Angriff.

Twizzler
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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Twizzler » 11.12.2018, 19:20

Hallo Carl Friedrich. Danke dir.
Ich fürchte, dass es keine Option ist nur anfangs hinzugehen. Es wird direkt Sekt zur Begrüßung getrunken. Ich habe meiner Mutter letzte Woche schon angekündigt, dass ich an solchen Feiern nicht mehr teilnehmen werde. Sie wirkte erst auch sehr eingeschnappt. Dann habe ich ihr aber erklärt warum ich das nicht mehr möchte und ich glaube so langsam versteht sie.

Für Silvester habe ich mich selber schon schöne Pläne gemacht. Dass ich alleine bin, daran gibt es nichts zu rütteln. Ich werde mir erst hier ein schönes Raclette machen und es gibt zwei Serien auf einem Streaming Portal auf die ich mich sehr freue. Die hebe ich mir auf und werde sie an diesem Abend durchschauen. Vielleicht klingt das für viele langweilig. Aber ich mag ruhige gemütliche Abende sehr. Einzig um Mitternacht werde ich vielleicht etwas traurig. Trotzdem sehe ich keinen Grund deswegen zu trinken. Diese Stimmung wird nicht lange anhalten und am nächsten Morgen wird es mir toll gehen.

Die letzten zwei Silvester war ich auch schon alleine. Obwohl ich zu der Zeit noch getrunken habe, habe ich ausgerechnet an Diesem Abend nie getrunken. Silvester lief die letzten zwei Jahre alkoholfrei ab.

Hallo Kloane,

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht sehr viele Hobbies habe. Wenn ich getrunken habe, habe ich immer ein bestimmtes Zeitmanagement Spiel gespielt. Das ist auch der Grund, warum mein Pc zu Hause nur läuft wenn ich dort wirklich etwas zu erledigen habe. Es verbindet mich mit dem Alk.
Ich habe hier den Thread "Nur nicht trinken reicht nicht. Was bedeutet das für euch" eröffnet, weil ich das Gefühl habe, dass ich persönlich viel zu wenig für mich verändere.

Ich bin ein Serien-junkie. War ich immer, bleibe ich auch. TV verbinde ich auch nicht mit dem Trinken. Es findet halt nur zu Hause statt, genau wie das trinken.

Manchmal versuche ich mich zu etwas Sport aufzuraffen, funktioniert aber auch nicht richtig.
Aber ich liebe die freie Zeit um alte oder neue Serien zu gucken und mich dabei zu entspannen.
Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich mehr machen/ändern müsste.

Jegliche Hobbies die dich mit dem Alk verbinden, würde ich sein lassen an deiner Stelle.
Ich vermisse mehr meine alten Spiele als den Alk, obwohl das unweigerlich für mich in Verbindung steht. Und ich finde es etwas traurig, weil ich genau weiss, dass ich dieses Spiel nie wieder anrühren möchte. Es könnte mich einfach zu sehr triggern.

Kloane
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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Kloane » 12.12.2018, 13:56

Wenn ich alles sein lasse was mich mit Alk verbindet darf ich morgens gar nicht mehr aufstehen.
Ich habe leider bei allem was ich gemacht habe getrunken. Nur nicht am Arbeitsplatz oder außerhalb
unserer Wohnung. Sollte ja schließlich niemand mitbekommen wie gerne ich an der Flasche hänge.....
war aber Wunschdenken, die Leute sind ja nicht doof.

Twizzler
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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Twizzler » 12.12.2018, 14:33

Mich hat es gerade so was von erwischt.
Suchtdruck!
Ich weiss, das klingt jetzt widersprüchlich. Es war ein Suchtdruck, bei dem ich aber nicht trinken wollte. Es war so ein Gefühl was mich überrollt hat weil ich mich aufgeregt habe. Ich habe aber keine Sekunde darüber nachgedacht, dass ich jetzt gerne was trinken würde.
Mein Kopf hat übernommen und gesagt, dass das Gefühl gleich vorbei geht und ich diese Situation auf jeden Fall ohne Alkohol überstehen will.
Vielleicht war das auch kein Suchtdruck im ersten Moment? Es war Wut, eine Panikattacke.
Aber mein Kopf wusste ganz genau, gleich beruhigst du dich wieder und du wirst diese Situation ohne Alk meistern.

Aber mein Körper spielte komplett verrückt. Ich dachte mein Herz springt aus der Brust und ich war am zittern.
Das fand vor 45 Min. statt und ich bin immer noch leicht am zittern vor Wut und Enttäuschung. Aber schon wieder ein wenig gefasster.

Ich freue mich so sehr darauf, gleich von der Arbeit zu verschwinden, meine Katzis in den Arm zu packen und mich auf dem Sofa zu entspannen.
Auf jeden Fall bin ich so dankbar (ich bin nicht besonders gläubig, danke Gott aber trotzdem für die Kraft die er mir gerade schickt), dass gerade nicht dieser Kampf im Kopf stattfand. Trinken oder nicht trinken.
Mein Kopf war klar bei: NICHT TRINKEN!

In zwei Tagen habe ich zwei Monate. Ich bin glücklich doch schon etwas weiter zu sein als ich es mir selber zugetraut hätte.

Das musste jetzt gerade mal raus. Noch ein paar Minuten, dann kann ich endlich in meinen geschützten Bereich verschwinden.

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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Twizzler » 12.12.2018, 14:35

Sorry Kloane,

ich wollte auch noch auf deinen Post eingehen.

So war das ja jetzt auch nicht gemeint. Aufstehen sollst du schon irgendwann ;)
Ich meinte mehr die Hobbies bei denen du viel getrunken hast.
Ich gehe diesen Situationen halt aus dem Weg.

Bestimmt werde ich auch meinen Lappi zu Hause wieder benutzen, aber noch kommen da halt blöde Gedanken an früher.
Dass ich meine Spiele nicht mehr spiele bei denen ich früher getrunken habe, steht für mich außer Frage. Da würde sofort die Keule zuschlagen.

Wenn du Malen mit trinken verbindest aber trotzdem kreativ sein möchtest, fang doch an zu schreiben oder Gitarre zu lernen. Oder sonst was. :)

Kloane
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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Kloane » 12.12.2018, 15:21

Da bin ich aber froh, dass du die Kurve gekriegt hast und gleich darüber schreiben konntest.
Oft ist es ja so, dass man dann gar nicht schnell genug aus seiner Haut kann.
Ja halte es dir immer vor Augen wie lange du jetzt schon geschafft hast.

Zu den Hobbys: ne ne Schreiben ist gar nicht mein Ding was man ja hier unschwer
erkennen kann. Aber mir wird schon was einfallen wie ich mir die Zeit vertreibe
wenn Saufdruck kommt. Im Notfall ziehe ich die Jacke an und gehe ein paar Runden um den Block.

Cadda
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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Cadda » 12.12.2018, 19:46

Hallo ihr :-)

DAS ist genau das, was ich mache: Jacke an und raus. Wenn ich traurig bin, wenn ich wütend bin oder -was bei mir am ehesten ans Saufen erinnert- wenn ich zu euphorisch bin.

Einfach überschüssige Energie loswerden und brauchbare tanken, indem ich raus gehe. Dabei spielt keine Rolle, ob ich jogge, walke oder einfach nur spazieren gehe.

Liebe Grüße und einen schönen Abend :-)

Carl Friedrich
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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Carl Friedrich » 12.12.2018, 19:55

Hallo Twizzler!

Wie geht's jetzt? Den Druck überstanden? Normalerweise dauert er nicht lange.

Du hast dich hervorragend verhalten und direkt Druck aus dem Kessel genommen, bevor dir das Suchtgedächtnis womöglich einflüstern kann, schnell mal ein Glas zu heben.

Irgendwann ist jeder mal dran. Und er wird wieder kommen, jedoch in unterschiedlicher Heftigkeit. Die Abstände werden aber immer größer.

Als ich den ersten heftigen Druck gerade überstanden hatte, schrieb mir hier im Forum Dante, dass jeder Triggerabwehr einen für die Zukunft stärker macht. Wir wissen, dass er nicht ewig dauert und wir wissen, ihm zu trotzen oder gleich in die Leere laufen zu lassen.

Gruß
Carl Friedrich

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