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Trocken

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Hartmut
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Trocken

Beitrag von Hartmut » 28.11.2018, 19:59

Hallo zusammen,

mich würde mal interessieren worin bei einem alkoholkranken Menschen der Unterschied zwischen „Trocken sein“ und „Trocken leben“ bedeutet. Sei es in den Gedanken oder Handeln. Gibt es da einen Unterschied?

Wie versteht das der Einzelne.

Gruß Hartmut

Cadda
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Re: Trocken

Beitrag von Cadda » 28.11.2018, 20:53

Ich empfinde mich als trocken, weil ich keinen Alkohol mehr trinke und das GERNE.

Cadda
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Re: Trocken

Beitrag von Cadda » 28.11.2018, 21:02

Ich hoffe, es wird verstanden, wie ich das meine.

Ich bin glücklich darüber, keinen Alkohol mehr zu trinken. Ich ärgere mich nicht, dass ich keinen Alkohol mehr trinken kann. Ich wünsche mir auch nicht, dass ich „normal“ trinken kann. Alkohol habe ich nämlich nie aus Genuss getrunken, sondern wegen des Rausches und den möchte ich nicht mehr haben, weil ich es genieße, die Kontrolle zu behalten.

Es gibt trotzdem Momente, wo das Suchtgedächtnis sich meldet. Das empfinde ich aber nicht als nasses Denken, weil ich in der Lage bin, meine Gedanken zu sortieren.

Ich bin manchmal auf Veranstaltungen, wo Alkohol getrunken wird. Ich beneide die Menschen dann nicht. Es stört mich nicht, dass sie trinken und ich aufgrund meiner Krankheit nicht trinke.

Wie gesagt, trocken ist für mich: Keinen Alkohol trinken.
Trockene Gedanken, wenn ich das auch noch gern mache.

Hartmut
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Re: Trocken

Beitrag von Hartmut » 28.11.2018, 21:30

Hallo Cadda

wir hatten mal ein ähnliches Thema. Loslösung vom Alkohol. Das soll in diese Richtung gehen. Wenn ich nur das Glas wegstelle und nichts anderes verändere, bin ich zwar ohne Alkohol jedoch nicht trocken, geschweige denn ich lebe trocken.

Der Druck Saufen zu wollen wäre durch das alte Umfeld immer präsent und die Sinne spielen verrückt. Ähnlich wie beim Sven.(Das jedoch nicht das Thema hier ist) Da wird gefaktes Bier getrunken (alkoholfrei) um seine eigene Krankheit zu verharmlosen. Wenn das am Anfang des Weges wäre, wäre es noch irgendwie „normal“.

Trocken sein heißt ja auch trocken Denken lernen (Hirn langsam umschreiben, nasse Gedanken in normale (Trockene) Gedanken switchen, dazu gehört auch ein geführtes trockenes Leben als Grundstein dazu. Zumindest sollte das im ersten Jahr seiner Abstinenz angestrebt werden.

Je früher ich damit anfange desto stabiler wird dann auch mein Denken. Voraussetzung ist dafür „Man“ will überhaupt trocken leben und hat seine Krankheit akzeptiert

Gruß Hartmut

Carl Friedrich
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Re: Trocken

Beitrag von Carl Friedrich » 28.11.2018, 22:40

Hartmut hat geschrieben:
28.11.2018, 21:30
Voraussetzung ist dafür „Man“ will überhaupt trocken leben und hat seine Krankheit akzeptiert
Hallo Hartmut!

Genau so ist es. Erst, wenn man seine Krankheit akzeptiert und seinen Frieden mit ihr gemacht hat, kann man "trocken" leben.

Fehlt dieser notwendige Schritt, kann man zwar "trocken sein", jedoch stellt sich dann nicht die nötige innere Einstellung der Abstinenz als Voraussetzung der persönlichen Zufriedenheit ein. Ich würde diesen Zustand als "vertrocknet" bezeichnen.

Gruß
Carl Friedrich

Hope24
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Re: Trocken

Beitrag von Hope24 » 28.11.2018, 22:44

Hallo,

Ich wage es jetzt einfach zu antworten.

Als erstes kam mir der Vergleich "Kinder kriegen ist nicht schwer, Kinder zu haben dagegen sehr" in den Sinn und ich finde das trifft es sehr gut.

Als erstes muss man sich dafür entscheiden trocken zu sein, danach trocken zu leben. We bei der Familienplanung ist es nicht damit getan ein Kind zu Zeugen sondern man muss sich viele Jahre damit auseinandersetzen um auch trocken zu bleibe zu leben. Es krempelt das Leben in allen Bereichen um.

Viele Grüße
Hope

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Re: Trocken

Beitrag von Feldmaus75 » 28.11.2018, 23:09

Carl Friedrich hat geschrieben:
28.11.2018, 22:40

Erst, wenn man seine Krankheit akzeptiert und seinen Frieden mit ihr gemacht hat, kann man "trocken" leben.

Fehlt dieser notwendige Schritt, kann man zwar "trocken sein", jedoch stellt sich dann nicht die nötige innere Einstellung der Abstinenz als Voraussetzung der persönlichen Zufriedenheit ein. Ich würde diesen Zustand als "vertrocknet" bezeichnen.
Ich kann zwar noch nicht aus langer Erfahrung schöpfen, das oben Geschriebene hat für mich aber eine gewisse Logik... den Begriff "vertrocknet" finde ich herrlich :lol:

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Re: Trocken

Beitrag von Twizzler » 29.11.2018, 07:00

Hope, ich finde dein Beispiel toll.
Das ist ein sehr guter Gedankengang.

Es gibt so viel erst wieder neu zu lernen.
Sich mit Gefühlen auseinander setzen die man nicht toll findet, neue Gewohnheiten zu entdecken, quasi ein neues Leben aufbauen.

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