Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Neustart in ein Leben ohne Alkohol

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

Lunki
neuer Teilnehmer
Beiträge: 37
Registriert: 29.11.2018, 07:39
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Neustart in ein Leben ohne Alkohol

Beitrag von Lunki » 04.12.2018, 09:12

Hallo,

ich bin 45 Jahre alt und habe beschlossen mein Leben fortan ohne Alkohol zu bestreiten. Wen es interessiert, hier der link zu meiner Vorstellung im Forum:

viewtopic.php?f=44&t=36477

Heute ist Tag 12 ohne. Irgendwie doof die Tage zu zählen, das macht ja irgendwie nur Sinn, wenn man vorhat das bis zu einem bestimmten Tag x durch zuziehen und dann wieder anzufangen. Aber tatsächlich wünschte ich es wären nicht nur 12 Tage sondern schon 3 Monate oder noch länger, das gäbe mir irgendwie das Gefühl von Sicherheit. Warum brauche ich diese Sicherheit? Im Moment habe ich ja wirklich keinerlei Verlangen, ich habe nur Angst irgendwie, das mich jeder Tag länger, in einer trügerischen Sicherheit wiegt, andererseits wünsche ich mir schon einen längeren Zeitraum geschafft zu haben. Das widerspricht sich gerade nicht war? Verstehe es selbst nicht so recht, ich äußere gerade nur was mir durch den Kopf geht.

Als erstes möchte ich auf die Beiträge im Vorstellungsthema noch antworten:

@Cadda: oh......ja, ich werde auch immer noch nachträglich rot wenn ich daran denke. Ich bin auch guten Mutes, aber hin und wieder habe ich trotzdem Angst, es nicht zu schaffen. Nicht weil es mir gerade schwer fällt, sondern eher darum weil ich weiß das eine Sucht sehr stark ist.

@Carl Friedrich: Also Veranstaltungen habe ich bisher nicht besucht, das wird aber in Zukunft auch eher nicht der Fall sein, weil ich einfach kein Mensch bin der regelmäßig auf Partys geht. Nur wie soll ich denn den Alkohol zu Hause umgehen. Ich habe beschlossen nichts mehr zu trinken, soll jetzt mein Partner ebenfalls damit aufhören, weil ich sonst gefährdet wäre? Nun das fände ich zwar besser, andererseits, das ist mein Entschluss für mich, ich kann ihn ja nicht dazu zwingen. Das muss ja jeder für sich selbst entscheiden. Und bisher hatte ich null Ambitionen mitzutrinken. Ob sich das ändert weiß ich natürlich nicht, sollte es so sein, würde ich es ihm auf jeden Fall sagen, wie er dann entscheidet muss man sehen.

@Hope: doch, die Kontrolle habe ich zum Schluss immer öfter verloren, aber halt nur auf den Abend bezogen wo ich angefangen habe. Aufgrund des extremen Katers danach, hatte ich gar nicht das Bedürfnis am nächsten Tag weiter zu trinken. Meistens lagen bei mir zwei bis 3 Tage dazwischen und dann führte auch nicht jeder Trinkabend zu einem Absturz, aber eben tendenziell häufiger. Und eigentlich ist jedes Mal einmal zu viel, das will ich nie wieder so erleben.

Ja, ich habe "nur" Bier getrunken. Andere Formen in denen Alkohol verpackt war nur ganz selten und dann unter "Gruppenzwang". Das aber wirklich nur ein oder zweimal im Jahr auf Events. Ich weiß das Bier in Verbindung mit Kurzen keine gute Idee ist, das habe ich schon als Teenager gelernt und dann die Finger davon gelassen. Mischgetränke in jeglicher Form oder Sekt und Wein, mochte ich noch nie. Leider das Bier dann irgendwann schon, wobei es nie der Geschmack war, ich habe tatsächlich getrunken um eine Wirkung zu erzielen. Ich habe Problem schön getrunken und manchmal auch zur Belohnung nach großen Anstrengungen, den Erfolg damit "noch schöner" gemacht.

Was den alkoholfreien Rückzugsort anbelangt. Ich habe es oben schon bei meiner Antwort an Carl Friedrich geschrieben. Wie soll ich das denn jetzt anstellen bzw. steht es mir denn zu, dass von meinem Partner einzufordern auf sein Feierabendbier zu verzichten? Der Vorschlag mit der Kneipe funktioniert insofern nicht, weil wir am A... der Welt wohnen und man hier nicht fußläufig in eine Kneipe gehen kann. Ich habe diese Entscheidung für mich getroffen, aber ob und wie er damit umgeht ist doch seine Entscheidung. Wir wissen alle das es zudem auch nichts bringt, jemanden zu verbieten zu trinken. Da muss man schon selbst drauf kommen. Ich sehe das Dilemma in dem ich da stecke durchaus, ich weiß nur nicht wie ich das lösen soll.

Morgenrot
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 14170
Registriert: 29.02.2008, 11:36

Re: Neustart in ein Leben ohne Alkohol

Beitrag von Morgenrot » 04.12.2018, 09:58

hallo Lunki,

wir haben uns ja bereits bei deiner Vorstellung gelesen.
steht es mir denn zu, dass von meinem Partner einzufordern auf sein Feierabendbier zu verzichten?
Als mein xy trocken wurde, war das für mich gar keine Frage, und es bedeutet für mich auch keinen Verzicht.
Unser Haus ist alkoholfrei und von Anfang an, habe ich das auch Freunden von mir mittgeteilt, es ist kein einziger weg geblieben.
Such das Gespräch mit deinem Partner.


lg Morgenrot

sue05
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2535
Registriert: 15.07.2012, 18:04
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Neustart in ein Leben ohne Alkohol

Beitrag von sue05 » 04.12.2018, 10:57

Hallo Lunki,

herzlich willkommen hier im Forum! Schön, dass Du den ersten Schritt geschafft hast und Dir hier und in der Beratungsstelle Hilfe suchst!
Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass einem am Anfang viele Schritte, die hier empfohlen werden, erst mal irgendwie erschreckend wirken, viel zu "hart". Aber ich kann Dir nur raten, befolge die Schritte wirklich konsequent, denn damit hast Du eine reelle Chance trocken zu werden!
Und ein alkoholfreies Umfeld / Zuhause ist - meiner Meinung nach - der allerwichtigste Schritt. Und ja, dazu gehört dann auch, mit den in Deinem Haushalt mitlebenden Personen darüber zu sprechen und zu verdeutlichen, dass es Dir ernst ist mit dem Aufhören und dass dazu eben vor allem auch ein komplett alkoholfreies Umfeld gehört. Wer kein Problem mit Alkohol hat und etwas an Dir liegt, wird das verstehen und Dich unterstützen. Ich halte mich seit 6 1/2 Jahren strikt an das alkoholfreie Zuhause und es gab - gerade in der Anfangszeit - einige Situationen, in denen mich das vor einem Rückfall bewahrt hat (bzw. mit Alkohol im Haus die Gefahr, dass ich doch wieder getrunken hätte, um ein so Vielfaches höher gewesen wäre).
Es geht hier um Dein Leben - daran solltest Du denken! Und da ist Selbstfürsorge (manche sprechen von Egoismus, das ist etwas, was ich damals angefangen habe umzuformulieren...) unentbehrlich!

lg Sue

Twizzler
neuer Teilnehmer
Beiträge: 259
Registriert: 05.11.2018, 15:00
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Neustart in ein Leben ohne Alkohol

Beitrag von Twizzler » 04.12.2018, 15:06

Lunki hat geschrieben:
04.12.2018, 09:12
Heute ist Tag 12 ohne. Irgendwie doof die Tage zu zählen, das macht ja irgendwie nur Sinn, wenn man vorhat das bis zu einem bestimmten Tag x durch zuziehen und dann wieder anzufangen.
Mir hat es die ersten Tage geholfen zu zählen, weil sich da der Erfolg gezeigt hat im Gegensatz zu den vorherigen Malen. Ich war auch sehr ungeduldig und wünschte mir direkt es wäre mehr gewesen.
Aber das muss man halt einfach akzeptieren.

Je mehr Tage es wurden, desto schwerer ist mir das zählen gefallen.
Ich glaube nach dem ersten Monat musste ich nachgucken wie viele Tage es sind.
Die Tage an sich haben für mich also etwas an Bedeutung verloren.
Im Vordergrund steht die Vorsicht vor jedem einzelnen Tag.

Lunki hat geschrieben:
04.12.2018, 09:12
Aber tatsächlich wünschte ich es wären nicht nur 12 Tage sondern schon 3 Monate oder noch länger, das gäbe mir irgendwie das Gefühl von Sicherheit.
Ich weiss nicht, ob man diese Sicherheit jemals hat bzw. sogar haben sollte. Zuviel Sicherheit artet auch gerne mal in Leichtsinn aus.
Ich möchte diese Sicherheit nicht. Sie würde mich denken lassen, dass mein Problem vielleicht doch nicht so groß ist wie ich es mir zu Trinkzeiten ausgemalt habe.
Ich möchte immer auf der Hut sein. Egal ob es 2, 50 oder 800 Tage sind bzw. werden.


Dein Partner trinkt? Wie oft denn? Das ist aber ganz schön hart für dich.
Ich persönlich hätte damit ein riesiges Problem. Da ist die Versuchung doch schon sehr groß.
Aber mich würde da auch mal sehr die Erfahrung der LZT interessieren.

Lunki
neuer Teilnehmer
Beiträge: 37
Registriert: 29.11.2018, 07:39
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Neustart in ein Leben ohne Alkohol

Beitrag von Lunki » 04.12.2018, 15:14

Ich verstehe das, was ihr mir sagen wollt, aber mein Partner ist auch Alkoholiker. Es ist nicht so wie bei euren Partnern, das er nur hin und wieder ein Bier getrunken hat. Er trinkt jeden Abend Bier, am Wochenende auch schon tagsüber. Der Unterschied zwischen ihm und mir ist, er fängt nicht an unkontrolliert zu trinken. Die Menge erhöht sich nicht, er hört einfach auf und geht schlafen. Auch auf Parties, bevor er wirklich betrunken wird, geht er. Auch wenn hier noch alles voller Gäste ist. Da er aber täglich trinkt, sieht er ein, das er ein Alkoholiker ist. Offensichtlich hat er aber für sich damit kein Problem. So kommt er mir auch ehrlich gesagt auch vor. Er sagt von sich selbst: Ich trinke für mein Leben gern Bier. Er trinkt keine Probleme weg wie ich, er wird weder aggressiv noch laut, noch zeigt er irgendwelche Ausfallserscheinungen. Er müsste aber sein Leben radikal ändern und ihr wisst ganz genau, das es dazu eine eigene innere Überzeugung bedarf. Und das ist genau das Dilemma. Ist es Anstoß genug, dass die Partnerin keinen Alkohol mehr trinken will? Braucht es um Aufzuhören nicht einen Leidensdruck? Wo soll der her kommen, wenn er bei ihm offensichtlich nicht da ist? Ich bin wirklich ratlos und wünschte ich hätte schon einen Therapeuten, mit dem ich über so was reden könnte. Aber ich warte ja noch auf den Platz in der Orientierungsgruppe. Vielleicht fahre ich morgen einfach nochmal in die freie Sprechstunde unserer Suchtberatungsstelle und spreche das an.

Lunki
neuer Teilnehmer
Beiträge: 37
Registriert: 29.11.2018, 07:39
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Neustart in ein Leben ohne Alkohol

Beitrag von Lunki » 04.12.2018, 15:18

@Twizzler: wir haben gerade zeitgleich geschrieben. ;-)

ja ich weiß was du meinst, eine Sicherheit gibt es wohl nie wirklich. Man muss jeden Tag als neue Herausforderung betrachten. Ich habe momentan noch nie das Gefühl gehabt jetzt trinken zu wollen. Ich mache statt dessen andere Dinge, die ich lange vernachlässigt hab, auch kulinarisch. Zum Beispiel hab ich ewig keine heiße Schokolade mehr getrunken.

Ich denke einiges zum Trinkverhalten meines Partners habe ich bereits in meinem Beitrag geschrieben. Nicht unbedingt die einfachste und idealste Ausgangssituation...

Feldmaus75
neuer Teilnehmer
Beiträge: 85
Registriert: 02.09.2018, 19:53
Geschlecht: Weiblich

Re: Neustart in ein Leben ohne Alkohol

Beitrag von Feldmaus75 » 04.12.2018, 16:21

Hallo Lunki,

ich stelle mir das langfristig auch schwierig vor, wenn du deinem Freund täglich beim Bier trinken zusehen musst... Ich kenne das vom Fasten: an machen Tagen hat es mich nicht gestört, wenn um mich herum gefuttert wurde, an anderen bin ich fast durchgedreht vor Appetit und musste mich in Sicherheit bringen... :shock: (wobei Fasten ja nun noch eine ganz andere Dramatik (=geringere) hat...)
Lunki hat geschrieben:
04.12.2018, 15:14
1) Der Unterschied zwischen ihm und mir ist, er fängt nicht an unkontrolliert zu trinken. Die Menge erhöht sich nicht, er hört einfach auf und geht schlafen.

2) Braucht es um Aufzuhören nicht einen Leidensdruck?

3) Vielleicht fahre ich morgen einfach nochmal in die freie Sprechstunde unserer Suchtberatungsstelle und spreche das an.
1) Ich weiß nicht, ob das was mit Kontrolle zu tun hat, ins Bett zu gehen, bevor man anfängt sich daneben zu benehmen... Ich hatte null Kontrolle über meinen Konsum und war trotzdem (so gut wie) nie sichtlich betrunken! Ich bin vorher auch ins Bett gegangen, das hat mir vielleicht ein paar Peinlichkeiten erspart... ändert aber nichts daran, dass es ein Kontrollverlust ist, soviel zu trinken, dass man ins Bett muss, statt mit den Anderen weiterzufeiern... :(

2) Wenn er es nicht aus Liebe zu dir oder purer Vernunft tun möchte, dann braucht er wahrscheinlich einen Leidensdruck, ja... Aber auch, wenn er ein anderes Trinkschema als du an den Tag legt, liegt er mit seiner täglichen Alkholmenge weit über den Empfehlungen der WHO... und schadet dadurch permanent seiner Gesundheit, seinem Körper, seinem Hirn... Alkohol ist ein Zellgift.

3) Vielleicht kannst du ihn in die Suchtberatung mit einbeziehen, dass er mal mitkommt und von fachkundiger Seite erklärt bekommt, was sein Verhalten für dich bedeutet / bedeuten kann...?

Missnoalk
neuer Teilnehmer
Beiträge: 65
Registriert: 08.11.2018, 16:05
Geschlecht: Weiblich

Re: Neustart in ein Leben ohne Alkohol

Beitrag von Missnoalk » 04.12.2018, 20:39

In deiner Situation ist das trocken werden meiner Meinung nach so gut wie zum scheitern verurteilt.
Mag hart klingen aber ich bin ein Freund klarer Worte. Mich wundert, dass hier nicht wie bei anderen Themen ein LZT mal Tacheles redet.

Wie oft wird gesagt ein alkoholfreies Umfeld sei das non plus ultra und wie oft wird gewarnt vor Feiern, Gaststätten usw grade zu Beginn.
Hier leben zwei Alkoholiker zusammen und nur einer von beiden moechte trocken werden. Wie soll das gehen?
Ja es gibt diese 0,0001 Prozent. Die gibt es auch beim kontrollierten Trinken und ich bin die erste der es wichtig ist das auch zu berücksichtigen ABER es ist nunmal seh unwahrscheinlich unter den Umständen ein trockenes Leben aufzubauen. Nasses Umfeld, nasse Gedanken (kein Kontrollverlust ergo kein Problem.. Ja ich überspitze natürlich).
Ich denke die beste Chance das zu schaffen besteht wenn man eben ganz klar sagt "so wird das nichts". Nicht demoralisierend sondern aufrichtig besorgt.

Deine Beziehung geht mich nichts an und darum werde ich mich dahingehend zurückhalten.
Sorg für Dich

Antworten