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Positive Dinge der Nüchternheit

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

Sunshine_33
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Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von Sunshine_33 » 07.02.2019, 01:51

Joschi018 schrieb:
in meiner nassen Zeit habe ich gerne Zeug wie MonCheri gegessen oder Eierlikör auf dem Dessert. Das esse ich nun nicht mehr, weil ich es so entschieden habe.
Dadurch geht mir aber kein Stück Lebensqualität verloren, denn durch die Entscheidung für ein alkoholfreies Leben habe ich weit mehr gewonnen.
Ging mir ebenso, ich mochte sowas echt gern.
Bei mir war es dann so wie von Dir beschrieben, es war für mich eine Entscheidung, keinen Alkohol mehr zu mir nehmen zu wollen.
Und diese Entscheidung habe ich freiwillig und allein getroffen.
(nach meiner Entgiftung, bei der ich professionelle Hilfe benötigte, ohne die hätte ich es nicht geschafft)
Damit erledigte sich dann das Thema MonCheri und Eierlikör automatisch.
Lebensqualität ist mir dadurch sicher nicht genommen worden bzw. habe ich sie mir auch selbst damit nicht genommen.
Es gibt Tausende leckere andere Sachen, die keinen Alkohol enthalten.

Ich habe übrigens am positivsten an meiner Nüchternheit empfunden, nicht mehr für den Alk lügen zu müssen.
Das hat mich während meiner nassen Zeit am meisten belastet.
Ich war so froh, als das vorbei war. Es war eine Riesen-Erleichterung für mich, nicht mehr lügen zu müssen.
Allein das war die ganze Sache schon wert, aber es gibt außerdem noch viele andere positive Dinge...beispielsweise, jeden Morgen ohne Kater aufzuwachen, jederzeit überall hinzukönnen, wohin ich möchte und vieles mehr.
Meine Freiheit wieder zu haben... das war auch eines der positivsten Dinge meiner Nüchternheit :)

LG Sunshine

Sunshine_33
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3946
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Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von Sunshine_33 » 07.02.2019, 02:16

Elli 21 fragte:
Für mich ist "nicht trinken allein" zur Zeit schon gleichermaßen herausfordernd wie erstrebenswert. War das bei euch am Anfang auch so oder habt ihr gleich euer Leben komplett umgekrempelt?
In gewissen Belangen habe ich tatsächlich mein Leben sofort nach der Entgiftung umgekrempelt.
Und zwar in der Form, das ich an nichts mehr teilnahm, bei dem Alkohol konsumiert wird.
Da bedeutete, das ich ca. 1,5 -2 Jahre an keiner Feier mehr teilgenommen habe, wo evtl. Alkohol konsumiert wird.
Allein das "evtl." hat mir schon ausgereicht, dort keinesfalls hinzugehen.
Mir hat allein mein Bauchgefühl und mein Menschenverstand gesagt, das ich da erstmal gar nix mehr zu suchen habe.
Später mochte ich dann an sowas auch gar nicht mehr teilnehmen, weil kein Interesse mehr dazu bestand.
Meine Interessen haben sich in ganz andere Richtungen entwickelt und ich bin auch nicht daran interessiert, meine Zeit mit Halb-Angesoffenen zu verbrennen.
Desweiteren habe ich auch sofort "saufende Freunde" aussortiert, indem ich mich von ihnen fortan fernhielt.

Das "nur nicht mehr trinken" nicht reicht, dämmerte mir also schon recht früh :wink:
Aber das sollte einen nicht abschrecken, viele Entwicklungen im trockenen Leben sind ja auch sehr schön und geschehen teilweise auch fast automatisch.
"Trockenheitsarbeit" ist nicht nur Arbeit, es ist auch oft eine Freude, so habe ich es zumindest immer empfunden.
Und mitunter auch eine Herausforderung :wink:

Elli, wir alle haben mal mit Tag 1 angefangen ! Und da hatten wir mit Sicherheit auch noch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen :lol:
Bei mir war es anfangs sogar so, das ich die Stunden zählte, die ich abstinent bin.
Ich glaube, ich war eine Langsam-Trocken-Werderin, habe mir vieles selbst erarbeitet und bin ganz sicher nicht mit Siebenmeilenstiefeln
in die Trockenheit marschiert.
Alles dauert seine Zeit. Auch die Entwickungen im trockenen Leben.

Und vieles ist in meinem Leben auch so geblieben, wie es ist.
Ich bin heute noch in der gleichen Beziehung.
Ich bin in meinem Job geblieben.
Ich habe weiterhin Schwächen, aber auch Stärken.
Ich bin NICHT perfekt durch die Trockenheit geworden, und auch kein neuer Mensch.
Auch in der trockenen Sunshine sind noch viele Anteile der alten Sunshine, weil sie ein Teil meiner Persönlichkeit sind.
Und die dürfen auch bleiben, weil sie mein Ich ausmachen.

Geh Du mal in Deiner Geschwindigkeit in Dein trockenes Leben, anders geht es sowieso nicht.
Und allerlei Wissen kannst Du Dir hier im Forum gut aneignen.
Es ist geradezu eine Schatzkiste in Sachen "trockenes Leben" !
Und Unterstützung wirst Du ebenfalls bekommen.
Auch ich habe sicher in diesem Forum am meisten über meine Krankheit gelernt und auch über das trockene Leben.

LG Sunshine

Penta
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Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von Penta » 07.02.2019, 06:33

Hallo Ernest,
Ich möchte vieles, aber ich darf vieles nicht. Unter anderem eben auch keinen Alkohol mehr trinken.
Seit Januar 2010 will ich keinen Alkohol mehr trinken.
Mich haben seinerzeit die Geschichten der Alten gewundert, in denen sie berichteten, wie zufrieden sie seien. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es glücklich und zufrieden macht, keinen Alkohol zu trinken.
Ursprünglich wollte ich für mich herausfinden, ob mir ein Leben ohne Alkohol auch gefallen könnte. Ich stellte deshalb vieles um.
Teilweise stellte ich auch deshalb meine Aktivitäten um, um nicht in alte Muster zu fallen. Grundlage dafür, dass ich Abläufe änderte, war der Wunsch gar nicht erst wieder in Versuchung kommen zu wollen, denn ich wollte keinen Alkohol mehr trinken (wollen).
Mir war sehr bewusst, dass ich jederzeit Alkohol trinken darf. Allerdings war mir ebenso klar, was aus mir wird, würde ich es tun.
Mir hilft es nicht, mir selbst einzureden, was ich nicht darf. Mir half und hilft noch, mir bewusst zu machen, was ich alles darf und was ich dadurch gewinne.
Es ist bis heute meine Strategie, mir möglichst nichts selbst zu verbieten. Ich halte das nicht für besonders weise. Aber ich halte es für mich für sehr zweckmäßig, weil es nun schon ein Weile funktioniert.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein alkoholfreies Leben sehr wohl soziale Kontakte und das berufliche Fortkommen ermöglicht, Familienleben fördert...
Der Alkohol in der Form, wie er früher bei mir präsent war, fehlt mir nicht.
Gruß, Penta

Elli21
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Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von Elli21 » 07.02.2019, 07:16

Liebe Sunshine!
Ich danke dir sehr für deine Mut machende Antwort, das ist für mich eine große Unterstützung!

Ich habe keine saufenden Freunde oder Bekannten, das ist für mich kein Problem. Ich habe immer nur zuhause getrunken- am Abend und am Wochenende beim Kochen, Putzen, Bügeln, Aufräumen etc. Danach war ich betrunken und bin ins Bett gefallen. Jetzt zähle ich die Stunden, bis ich endlich ins Bett gehen kann. Die Arbeiten hab ich viel schneller erledigt und danach hab ich zu nix mehr Lust.
Trotzdem: am Morgen ohne Kater aufzuwachen und voll Energie den neuen Tag anzugehen, ist ein tolles Gefühl!
LG Elli

MieLa
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Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von MieLa » 12.02.2019, 13:22

Im Moment habe ich extrem viel Arbeit im Job. Abends bin ich total erledigt. Nachts schlafe ich tief und fest, regeneriere und wache erholt auf.

Das war früher nicht so. Da war mein Körper nachts mit Entgiften und "Überleben" beschäftigt. Nichts mit Erholung oder gar Regeneration.

Dieser Unterschied wird mir aufgrund meines im Moment sehr arbeitsreichen Alltages wieder einmal ganz bewusst.

Viele Grüße,
MieLa

knagga
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Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von knagga » 13.02.2019, 20:42

Ich trinke zwar erst seit 6 Monaten keinen Alkohol mehr aber ich habe schon ein paar positive Dinge bemerkt.

-Ich schlafe allgemein besser
-Ich bin selbstbewusster und offener
-Ich kann endlich wieder das Wochenende genießen
-Ich sehe mindestens 5 Jahre jünger aus
-Ich habe 5 kg abgenommen ohne Diät
-mein Blutdruck ist drastisch besser geworden

Ich hoffe es kommen noch viele positive Effekte dazu. Erschreckend wie dieses verdammte Gift auf den Körper wirkt, und ich habe mir nie etwas dabei gedacht als ich soff.

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