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Packen wir es an...

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Cadda
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Re: Packen wir es an...

Beitrag von Cadda » 22.04.2019, 15:42

Hallo Rennsemmel,

die Voraussetzungen sind schwer, aber der Anfang ist gemacht. Als ich aufgehört habe zu trinken, hatte ich zwar schon meine eigene Wohnung, aber ich war noch mit meinem damaligen Partner zusammen, der auch trank. Ich wusste, dass es so nicht geht und hatte die Hoffnung, dass er ebenfalls aufhört. Nach einigen Wochen hab ich meine Hoffnungen aufgegeben und wir haben uns endgültig getrennt.
Ich bin inzwischen etwas über 1,5 Jahre trocken und er säuft heute noch, obwohl er zwischendurch immer wieder meinte, dass er auch bald aufhört.

Wenn Du wirklich trocken bleibst, wird sich diese Beziehung vermutlich irgendwann von selbst auseinander laufen. Für Dich momentan im Moment noch nicht vorstellbar, aber Du wirst vermutlich mit der Zeit das Interesse verlieren, an etwas festzuhalten, was absolut nicht mehr zu Deinem Leben passt.

Ich bin wirklich keine, die alles meidet, was mit Alkohol zu tun hat. Ich schreibe wenig darüber hier im Forum, weil die Akzeptanz nicht sehr groß ist, wenn man dem Alkohol nicht komplett aus dem Weg gehe. Vielleicht ist das auch gut so, weil manche leichtsinnig wären. Wie gesagt gehöre ich nicht dazu, die im Leben alles aus dem Leben streichen, was mit Alkohol zu tun hat, ABER:
Ein über das Maß hinaus trinkender Partner... das kann nicht funktionieren. Deshalb habe ich mich damals nach und nach von dem Gedanken verabschiedet, dass ich mit ihm zusammen bleiben kann. Aber das wirst Du sicherlich für Dich von selbst herausfinden.

Es freut mich jedenfalls, dass es Dir gut geht und Du so froh über Deinen Schritt bist.

Carl Friedrich
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Re: Packen wir es an...

Beitrag von Carl Friedrich » 22.04.2019, 19:09

Cadda hat geschrieben:
22.04.2019, 15:42


Ich bin wirklich keine, die alles meidet, was mit Alkohol zu tun hat. Ich schreibe wenig darüber hier im Forum, weil die Akzeptanz nicht sehr groß ist, wenn man dem Alkohol nicht komplett aus dem Weg gehe. Vielleicht ist das auch gut so, weil manche leichtsinnig wären.
Hallo!

Es gibt unterschiedliche Wege, um abstinent zu bleiben. Grundvoraussetzung einer jeden Spielart ist, dass die eigene Abstinenzentscheidung zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt und im Zentrum der Lebensführung steht. Es gibt gefestigte Zeitgenossen, die etwas mehr Nähe zum Alkohol zulassen können, als andere. Wir sind nun mal alle unterschiedlich gestrickt. Was bei dem einen funktioniert, geht bei anderen schief.

Auch ich durfte mir hier schon heftige Kritik gefallen lassen, dass ich nicht alles aus den Grundbausteinen 1 zu 1 umgesetzt habe und wohl auch niemals komplett umsetzen werde. Dennoch sind die Grundbausteine eine wirklich gute Handlungsempfehlung.

Neueinsteigern rate ich, zunächst strikte Distanz zum Alkohol und trinkenden Zeitgenossen zu wahren, um sich selbst erst mal aus der Gefahrenzone zu nehmen und zur Ruhe zu kommen.

Ein regelmäßig zechender Partner macht es einem Aussteiger aus dem aktiven Teil der Sucht unnötig schwer, da dessen Suchtgedächtnis zu stark provoziert wird.

Gruß
Carl Friedrich

Cadda
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Re: Packen wir es an...

Beitrag von Cadda » 22.04.2019, 20:59

Hallo Carl-Friedrich,

ich kann alles so unterschreiben, wie Du Deine Sicht in Deinem letzten Beitrag erklärt hast :-)

Rennsemmel
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Re: Packen wir es an...

Beitrag von Rennsemmel » 25.04.2019, 20:48

Ein regelmäßig zechender Partner macht es einem Aussteiger aus dem aktiven Teil der Sucht unnötig schwer, da dessen Suchtgedächtnis zu stark provoziert wird.
Hallo Cadda und Carl Friedrich,
vielen Dank auch für eure Worte, ich bin sehr nachdenklich in den letzten Tagen. Ich kann auch nichtmal sagen, warum ich an meiner Partnerschaft so hänge, aber es sind über 30 Jahre, 2 gemeinsame Kinder, ein schönes Zuhause.
Es ist nicht schön hier in der letzten Zeit(eigentlich schon recht lange), ich bin einsam, er trinkt, dann schläft er, am Wochenende schon vormittags....Freundschaften und Besuche wurden schon vor längerer Zeit abgeschafft.
Ich habe einiges zu tun.
Dachte ziemlich lange, ich trinke nur mit und dann, damit er nicht soviel trinkt, bis ich bemerkte, ich habe Vorräte und Verstecke und schaffe heimlich Leergut weg. Da hab ich mich schon erschrocken.
Ein alkoholfreies Umfeld hab ich in meiner Familie, bei meinen Bekannten, auf Arbeit, nur hier nicht. Weiß noch nicht, wie.
Wißt ihr, hier hat jemand geschrieben, wenn man Saufdruck hat, soll man zu Ende denken, das hilft mir sehr, dieser Gedanke.
Ich lese hier jeden Abend, viel, lerne und sauge Hilfen in mich auf, versuche mir eine Vorstellung zu bauen, wie ich leben will und das will ich!
Ich danke euch allen :)

Cadda
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Re: Packen wir es an...

Beitrag von Cadda » 25.04.2019, 22:22

Hallo Rennsemmel,

ich mache es so. Mit dem Gedanken zu Ende denken und mir hat es bisher immer geholfen. Ich habe es selbst einmal hier im Forum gelesen. Ich weiß nicht mehr bei wem, leider. Denn das hat mir so unglaublich geholfen. Seit dem berichte ich hier auch gern im Forum darüber, in der Hoffnung, dass es Anderen auch hilft. Freut mich, wenn das bei Dir der Fall ist :-)

Und vielleicht finde ich ja irgendwann mal durch Zufall raus, bei wem ICH es gelesen habe, als ich aufhörte zu trinken :-)

Klar fällt es Dir schwer, 30 Jahre sind eine sehr lange Zeit.

Carl Friedrich
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Re: Packen wir es an...

Beitrag von Carl Friedrich » 26.04.2019, 16:02

Cadda hat geschrieben:
25.04.2019, 22:22
Mit dem Gedanken zu Ende denken und mir hat es bisher immer geholfen. Ich habe es selbst einmal hier im Forum gelesen. Ich weiß nicht mehr bei wem, leider. Denn das hat mir so unglaublich geholfen.
Hallo!

Ein Teilnehmer einer ehemaligen SHG formulierte es wie folgt: "Wenn ich jetzt wieder trinke (kiffe/kokse), dann fängt die ganze Schei... wieder von vorne an."

Den habe ich mir gut gemerkt. Recht hat er.

Gruß
Carl Friedrich

Hartmut
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Re: Packen wir es an...

Beitrag von Hartmut » 28.04.2019, 11:32

Hallo Rennsemmel,

nun gibt es verschieden Ansätze trocken zu bleiben und der dich trocken hält, ist der Richtige. Am Anfang ist es schwer das raus zu finden. Ich hatte meine Gedanken nicht zu Ende gedacht, da es für mich immer die Gefahr barg, eine Lücke im Denken zu finden, die das Saufen gutheißen würden.

Am Anfang war ich ja auch noch voll mit nassen Gedanken, die ja nicht nur „gesunden normales Denken“ beinhalteten, sondern von den Suchtgedanken gesteuert wurden.

nun gehöre ich auch nicht zu den Menschen die immer wieder in etwas rumwühlen oder etwas aufarbeiten müssen, was in der Vergangenheit war. Aber das ist ein anderes Thema. :lol:

Gruß Hartmut

Mylala
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Re: Packen wir es an...

Beitrag von Mylala » 28.04.2019, 18:21

Die Ursache, warum man sich selbst mit Alkohol medikamentiert, liegt in uns selber. Kein anderer kann uns die Verantwortung für uns selber abnehmen, auch wenn wir so sehr danach suchen. Die Lösung ist in uns selber, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich selber war, bevor ich in die Sucht geschlittert bin, mit einem Alkoholiker zusammen, somit kenne ich beide Seiten. Ich habe mit ihm auch zusammen getrunken, weil ich es anders einfach nicht aushalten konnte. Das waren wohl die Anfänge, mich selbst zu medikamentieren.

Ich habe ihn vor die Tür gesetzt, habe zugeschaut, wie er auf der Straße saß, in einem Obdachlosenheim untergebracht wurde... Und trotzdem habe ich diesen Menschen geliebt! Es war eine sehr schlimme Zeit für mich, aber ich hatte zu dem Zeitpunkt eine kleine Tochter, die all das nicht miterleben durfte.

Um mich und mein Kind zu schützen, bin ich abgehauen. Weit weg in eine andere Stadt. Ich war ihn los... Aber nicht meine Probleme, nicht die Gründe, warum ich immer wieder in toxische Beziehungen gerate. Ich all das mit mir machen lasse.

Der Grund und die Lösung liegen in uns selber! Keiner steht morgens auf und denkt sich, heute werde ich mal süchtig! Die Sucht ist eine Ausflucht aus der Realität! Wir flüchten aus der Realität, weil wir sie nicht mehr ertragen können. Die Frage lautet also... Was kann ich nicht mehr ertragen?

Meine Tochter fragte mich: "Wenn du dir ins Bein geschossen hast, würdest du dir freiwillig noch einmal hinein schießen?"

Ich denke, jeder der diese Frage liest, sagt sich... Niemals , bin ich bescheuert?

Aber genau das ist es, was wir machen! Wir schießen uns immer wieder in die gleiche Wunde! Warum?

Die Antwort liegt nicht im Außen, sie ist in uns drinnen! Verborgen und nicht sichtbar.

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