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Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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marianee
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von marianee » 20.04.2020, 17:20

Was mir wichtig erscheint, nachdem ich nochmals alles durchgelesen habe. Kein Selbstmitleid. Nicht dahin schauen, was im Film abgeht. Lass die da saufen. Du kannst es nicht.
Keine Werbung schauen, z.B. vor Fußballspielen oder Formel 1.
Ich würde das auch verbieten lassen, wenns gänge.
Das Alkoholmonopol hat die "paar" Toten eingepreist. Ich weiß auch nicht, ob die für Folgekosten (Behandlungskosten, Krankenhaus- und Klinikaufenthalte etc.) aufkommen.
Die schönen Menschen da animieren so richtig. Von wegen: "...wir haben die Flasche - edit, bitte keine Markennamen, danke, Linde - gleich auf dem Bahnsteig genossen....
Wir paar Hanseln können nichts mehr davon genießen.
Mit paar Hanseln meine ich die, die sich bekennen. Die Hilfe suchen in ihrer Ohnmacht der Sucht gegenüber.
Und die, wenn sie es schaffen, normalerweise in die Werbung mit hochdotieren Verträgen gehören.
Die vielleicht auch vom Alkohol gezeichnet sind und nicht so schön. Damit denen, die diesen Weg in den Alkoholismus gehen werden, die Augen geöffnet werden.
Aber, es ist schon noch das Tabuthema.
Ich bin dennoch glücklich, dass sich einige zusammen tun und ihren Sieg nach außen tragen und jedem, der es will, die Hand reichen.
Auch wenn sich das in der Anonymität abspielt.
Jeder hat seinen Lebenslauf und keiner von uns hat, als es in der Schule um den Berufswunsch ging geschrieben oder gesagt, ich will Alkoholiker werden.
Nein, es ist etwas passiert, dass wir, wie auch immer, da gelandet sind.
Und man kann jeden nur beglückwünschen, der trocken ist und diese Trockenheit bis zum Lebensende beibehält.
Nur das kann unser gemeinsames Ziel sein.

19eleveneleven
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von 19eleveneleven » 20.04.2020, 19:57

Danke Marianee für deine ganzen Tips und Ratschläge, mir kommt es irgendwie so vor, als würden die Trink Phasen auch immer länger und exzessiver, wenn die Trinkpausen zuvor länger waren...

Bei dir die 20 Tage sind heftig, bei mir waren es meist 1 bis zwei Wochen nach mehreren Monaten. Wenn ich nach 2 Wochen nichts mehr trinken, direkt wieder weich geworden bin, waren es auch mal 'nur' wenige Tage...

Dann müßte man je länger man trocken ist, immer mehr Angst vor einem Rückfall haben... Das wäre auch schlimm und fatal, dennoch dann kein Grund des Nichtversuchens den Teufelskreis endlich durch lebenslange Abstinenz zu entfliehen...

Mir kommt es vor als ob ich immer alles in kurzer Zeit nachhole, von der Menge her, wie wenn ich während meiner Trinkpause ein Glas Rotwein etc. täglich getrunken hätte.

Alles Gute Dir und bleib dran. Ich habe jetzt wieder einige Höllentage vor mir, hoffentlich wird es einigermaßen erträglich. Glaube die Kippen lass ich gerade mit, dann muss ich nur einmal richtig schwitzen.

Jessica
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von Jessica » 20.04.2020, 20:07

Ich wünsche dir viel Glück!!!

Morgenrot
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von Morgenrot » 20.04.2020, 23:21

Hallo,
Ich habe jetzt wieder einige Höllentage vor mir,
wie soll ich das verstehen? Planst du einen kalten Entzug? Der kann lebensgefährlich werden, das weißt du, oder?

lg Morgenrot

marianee
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von marianee » 21.04.2020, 05:35

Dann müßte man je länger man trocken ist, immer mehr Angst vor einem Rückfall haben... Das wäre auch schlimm und fatal
Ne, musst du nicht. Es ist so, dass sich, je länger du trocken bist, der Suchtdruck eher verkleinert.
Ich gehe inzwischen davon aus, dass Rückfälle doch immer selbst gesteuert werden. Auch wenn sie spontan passieren.
Ich hab nochmal genau meinen Rückfall Oktober 2019 analysiert. Klar sage ich, er kam mechanisch.
Ich denke, diese Ausdrucksweise ist falsch. Selbst, als ich das Bier im Auto hatte, und nun kommts, hätte ich es noch entsorgen können.
Ich hatte keinen Suchtdruck, nix.
Warum hab ich es trotzdem getrunken? Weil ich es wollte.
Ich darf nicht behaupten, dass nun blöderweise da ein Schild stand, mit dem Sonderpreis.
Ich allein hab die Entscheidung getroffen, das Bier zu kaufen und ich allein hab die Entscheidung getroffen, es zu trinken.

Erst wenn man in der Lage ist, in solchen Momenten rational an seine Krankheit zu denken, dann wird ein solcher Rückfall nicht mehr passieren.
Voraussetzung ist natürlich, man hat sich für eine lebenslange Abstinenz entschieden.
Nur so kann es funktionieren. Alles andere ist halbherzig.
In meinem Fall kann ich dem Schild nicht die Schuld geben - wie ich es anfangs getan habe -

Carmen
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von Carmen » 21.04.2020, 08:21

marianee hat geschrieben:
21.04.2020, 05:35
In meinem Fall kann ich dem Schild nicht die Schuld geben - wie ich es anfangs getan habe -
Daran sieht man mal wieder, wie heimtückisch die Alkoholkrankheit ist, wenn man nicht mehr achtsam ist. Einem Schild die Schuld für einen Rückfall zu geben - wie gut können wir uns doch belügen. Da erinnere ich mich gerade auch an etliche Situationen, in denen auch immer irgendwer oder irgendwas Schuld war, dass ich wieder trinken musste. Was für ein Selbstbetrug.

Dhyana
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von Dhyana » 21.04.2020, 10:27

marianee hat geschrieben:
21.04.2020, 05:35

Ich allein hab die Entscheidung getroffen, das Bier zu kaufen und ich allein hab die Entscheidung getroffen, es zu trinken.

Erst wenn man in der Lage ist, in solchen Momenten rational an seine Krankheit zu denken, dann wird ein solcher Rückfall nicht mehr passieren.
Voraussetzung ist natürlich, man hat sich für eine lebenslange Abstinenz entschieden.
Nur so kann es funktionieren. Alles andere ist halbherzig.
Hallo marianee, willkommen zurück auf dem Trockenen. Ich habe deine Geschichte gelesen, danke für deine Offenheit.
Ich bin selbst erst 1,8 Jahre trocken und habe da eine Frage zu deinem Rückfall und dem oben geschriebenen.
Hast du dich damals vor 8 Jahren nicht zu einer lebenslangen Abstinenz entschieden? Acht Jahre ist eine lange Zeit, in der man Achtsamkeit lernt und zig tausendmal bewusst nein zum Alkohol gesagt hat. So geht es mir zumindest in meiner kurzen abstinenten Zeit. Ich habe jetzt das Gefühl, ich könnte nicht unbedacht, also irrational Alkohol kaufen und trinken. Weil mir die Folgen bewusst sind, weil für mich, in meinem inneren, in meinem Kopf die Gedanken auftauchen „Ich kann nicht normal trinken. Meine Bremse ist kaputt, irreparabel, für immer. Und ich möchte nicht wieder zurückfallen und abstürzen.“
Und ich frage mich, wie kann ich das jemals vergessen, solange ich nüchtern und trocken bin ? Ist das auch ein Teil der Krankheit, des hinterlistigen Suchtgedächtnisses? Diese mögliche mechanische Entgleisung, die zum Rückfall führen kann, obwohl ich nicht trinken möchte?

Liebe Grüsse von Dhyana

Dhyana
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von Dhyana » 21.04.2020, 11:01

19eleveneleven hat geschrieben:
20.04.2020, 19:57

Ich habe jetzt wieder einige Höllentage vor mir, hoffentlich wird es einigermaßen erträglich. Glaube die Kippen lass ich gerade mit, dann muss ich nur einmal richtig schwitzen.
Hallo 19 eleven, auch dir ein herzlichen welcome back Gruss...
Ich hoffe, dass die befürchteten Höllentage, nicht so schlimm werden. Aufs positive schauen, könnte helfen, du bist auf den trockenen Kurs, hast dich entschlossen, das Trinken zu beenden. Schau gut nach dich, gönne dir alles was dir gut tut, ausser Alkohol natürlich. Sonst alles, wonach dir ist, auch mal ohne Rücksicht auf deine Familie. Deine Gesundheit und Trockenheit steht stets an erster Stelle. So habe ich es gehandhabt in den ersten Wochen. Ich meine somit sind auch die Trigger klein geblieben, die mich sonst zum trinken brachten... Überforderung, es allen recht machen zu wollen, für allle dasein ... unmöglich, ohne selbst dabei unterzugehen.
Wenn es klappt gleichzeitig mit dem Rauchen aufzuhören ist das gut ... nur stresse dich nicht zusätzlich. Ich persönlich würde es nicht machen, mit dem Alkohol aufzuhören ist schon schwer genug. Aber vielleicht klappt ja beides ... heisst es doch, wo ein Wille da ist, findet sich auch ein Weg. Viel Erfolg!

Lieben Gruss
Dhyana

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