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Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Dante
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von Dante » 21.04.2020, 12:10

Moin 19e,

wie geht es dir heute?

19eleveneleven
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von 19eleveneleven » 21.04.2020, 13:42

Danke für eure Antworten, ich wünschte ich hätte mich vor meinem Rückfall um mich hier im Forum gekümmert. Aber der Drop is gelutscht. Resilenz aufbauen,
sich um sich selbst kümmern, Ausgleich finden. Ja würde ich gern manchmal mehr. Aber man hat ja seine Verantwortungen jenseits sich selbst. Irgendwann übernehme ich mich, nachdem ich mich zuvor bewußt um mich gekümmert habe, lasse es schleifen. Bin vielleicht auch in Verantwortungsrollen geschlüpft, bzw. wie das Leben so spielt, reingeschlittert, für die nicht die beste Person bin. Aber davon wegrennen, den Koffer packen, einfach ausbrechen, will ich dann auch nicht. An solchen Punkten bemitleide ich mich dann im Unterbewusstsein doch selbst, wie beim Lesen wohl unschwer zu erkennen ist.

Zuletzt war es so, erst Krankheit und kein Sport für mich, dann hab ich 7/24 über zwei Wochen betreuen müssen, ohne jegliche Privatsphäre, dann wurde das Gift wieder die Belohnung, welche ich vorsichtig genießen könnte... :twisted:

Ich handele anscheinend immer wieder irrational, es gibt ja Techniken um sein Unterbewusstsein zu manipulieren um seine Ziele zu erreichen, bei mir ist es eher anders herum. Mein Unterbewusstsein spielt mir immer wieder vor, dass so ein, zwei Drinks ja funktionieren könnte, was natürlich nicht der Fall ist.

Im Nachgang frage ich mich nun, ob statt der ganzen Auszeiten, Belohnungen und Ausgleiche, es nicht besser ist, einfach mehr Resilenz aufzubauen, insgesamt ein härterer Hund zu werden, mit Stress besser umzugehen. Denn nicht jeder kann sein Leben stressfrei gestalten bzw. will es. Im Mindesten nicht immer. Und genau da ist man dann am angreifbarsten, wenn man sich zuvor noch an regelmäßigen Ausgleich gewöhnt hat.
Und schlechte Zeiten kommen leider immer wieder. Bei manchen wurd ich schwach, bei wenigen nicht.

Irgendwie schweif ich gerade ab, natürlich ist Ausgleich auch notwendig... Es gibt aber nun mal Sachen, die einen Kraft kosten und man sie dennoch nicht einfach wegweisen will.

19eleveneleven
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von 19eleveneleven » 21.04.2020, 13:47

Geht ganz ok, danke! Nie mehr zu sicher werden und dann regelmäßige Trockenarbeit, wenigstens alle paar Tage, schleifen lassen, ist wohl das Rezept! Dies lebenslang auch zu machen, die Crux, die wohl den wenigsten gelingt...

19eleveneleven
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von 19eleveneleven » 21.04.2020, 13:50

Nicht schleifen lassen natürlich!

marianee
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von marianee » 21.04.2020, 16:39

Mein Unterbewusstsein spielt mir immer wieder vor, dass so ein, zwei Drinks ja funktionieren könnte, was natürlich nicht der Fall ist.


Im Nachgang frage ich mich nun, ob statt der ganzen Auszeiten, Belohnungen und Ausgleiche, es nicht besser ist, einfach mehr Resilenz aufzubauen, insgesamt ein härterer Hund zu werden, mit Stress besser umzugehen
Dein Unterbewusstsein gaukelt dir das vor?
Klingt jetzt hart, betrifft mich dennoch genau so, du gaukelst dir was vor.
Es klappt nicht mit 1, 2 Drinks. Es wird nie wieder klappen.
Klar, wir leben jetzt gerade in einer verrückten Zeit. Kann man nicht daraus etwas positives ziehen?
Sich auf sich selbst konzentrieren, trotz aller persönlichen Verpflichtungen?
Es ist gerade jetzt angebracht, auch mal Nein zu sagen.
Wer sich über Wochen, Monate, Jahre zuviel zumutet und aufbürdet, landet ziemlich oft im Sumpf der Droge Alkohol.
Belohnung und trügerisches Glücksgefühl. Für ne Weile.
Fakt ist allerdings, dass die Belohnung durch Alkohol die schlechteste Art der Belohnung darstellt.
Probleme werden verschoben, Dinge bleiben unerledigt, Interessen werden vernachlässigt und, und, und....
Macht es das mit Alkohol besser? Stelle dir die Frage und du wirst die Antwort finden.
Nein, nichts ist besser.
Wenn man mit klarem Kopf agiert, kann man umschichten, Prioritäten setzen und auch mal alle Viere grade sein lassen.
Mit Alk im Gehirn funktioniert das nur sekundär. Letztlich wird aus der Belohnung ein Affentanz ins Chaos.
Das ist keine Kritik, sondern soll dich wirklich anregen und als Hilfestellung dienen, dass du ganz allein auf die Beine kommen musst
und nicht die Schuld (hab ich genau so gemacht) in externen Gegebenheit suchen solltest.

LG, marianee

Carl Friedrich
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von Carl Friedrich » 21.04.2020, 17:48

Hallo!

Das hier als Unterbewusstsein bezeichnet wird, ist das sog. Suchtgedächtbnis, das immer noch glänzend funktioniert.

Ich konnte mich erst befreien, als ich bereit war, meiner Abstinenz absoluten Vorrang im Leben einzuräumen und ihr nahezu alles unterzuordnen.

Dazu gehörte insbesondere, in den ersten Monaten riskanten Situationen bewusst aus dem Weg zu gehen.

Parallel dazu habe ich viel gelesen und zwar in Werken aus Patienten-, als auch aus Therapeutensicht.

Die besten Anstrengungen nützen jedoch nicht allzu viel, solange irgendwo im Oberstübchen im Verborgenen noch der Gedanke herumgeistert, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Alkohol. Diesen Gedanken konnte ich erst während meiner ambulanten Therapie vertreiben, nachdem ich Kontakt mit mehreren Rückfälligen hatte, die ebenfalls dem Trugschluss erlegen waren und es nur eine Frage der Zeit war, bis sie wieder bei alten Schlagzahlen oder darüber angelangt waren.

Auch das Thema Trockenarbeit ist m.E. sehr wichtig. Nach meiner Therapie gab mir ein erfahrener Suchtmediziner mit auf den Weg: "Den ersten Schritt in Richtung Rückfall macht man dann, wenn man sich nicht mehr regelmäßig mit der Krankheit befasst." Das muss nicht täglich sein, auch die Art und Weise ist jedem selbst überlassen, z.B. übers Internet, durch den Besuch einer analogen SHG, durch dieses Forum .....

Gruß
Carl Friedrich

19eleveneleven
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von 19eleveneleven » 21.04.2020, 18:35

Danke euch, ja genau, dass wollte ich mit Unterbewusstsein ausdrücken. Das Suchtgedächnis ist treffender formuliert. Es arbeitet aber auch im Unterbewusstsein ebenso in meinen bewussten Gedanken und schließlich ggf. auch im Traum, welche man wiederum auch bewusst oder nur unterbewusst mitbekommt.

Und genau diesen Schritt in Richtung Rückfall mach(t)e, hoffentlich ist die Klammer überflüssig, ich immer wieder... Hochmut kommt vor dem Fall! Ich besitze dann nach den ersten Hürden, die Arroganz zu meinen, dass ich nun stabil(er) bin, keine oder weniger Trockenarbeit bräuchte, bzw. ihr nicht mehr die anfängliche Priorität einräume. Dies läuft ggf. auch unterbewusst ab. Wenn ich nach längerer Zeit, zb. meine heute lieber, was für dich tun, Sport machen, weil Wetter gerade so toll, morgen aber Kids, und dann danach mal mehr arbeiten, nun sich aber mit einem Essen belohnen... Und dann Tag ein Tag aus SHG vor mir her schiebe, dann geht es mir in dem Moment vielleicht noch gut, mache auch was für mich, aber ich bin eigentlich schon dabei bald wieder rückfällig zu werden... Es ist einfach zu komplex den persönlichen und perfekten Masterplan zu finden... Zumindest ist jetzt mein Vorhaben beim nächsten Mal regelmäßige Beschäftigung mit der Sache. Schönen Abend

Carl Friedrich
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Re: Bitte lass mich nicht wieder vergessen...

Beitrag von Carl Friedrich » 21.04.2020, 21:52

Hallo!

Besonders gerne meldete sich mein Suchtgedächtnis in den ersten Monaten, als ich in Situationen kam, an die sich früher der Konsum anschloss, z.B. erst Sport, dann ein paar Weißbiere. Fußball im TV und schon erfolgte der Griff zur Bierflasche. Nachmittags auf einem gemütlichen Platz in der Sonne sitzend, schon wurde Weißbier geordert. Stressiger Tag im Büro, Kühlschranktür auf und her mit der Pulle.

Diese Autumatismen galt es zu durchbrechen. Das dauerte zwar eine Weile, aber heute verbinde ich mit den genannten Ereignissen gerade keinen Alk-Konsum mehr.

Gruß
Carl Friedrich

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