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Noch lange nicht trocken.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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dorothea
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von dorothea » 09.05.2020, 13:05

hallo carmen

es ist schon ein gutes stück geschafft diese krusen gedanken als das zu erkennen was sie sind. wer eine lüge als solche erkennt fällt nicht auf sie rein. ich hoffe für dich das du mit deinem therapeuten ein gutes vertrauensverhältniss aufbauen kannst, das fand ich extrem wichig weil man sich nur dann auch öffnen kann und über die ganz tief sitzenden mit schuld und scham behafteten dinge ansprechen und aufräumen kann. ich war damals bei einer frau die mir von anfang an sehr symphatisch war und mit der ich sehr schnell frei reden konnte, selbst über die miesesten tiefsten gedanken gefühle und auch taten. mit ruhm hat sich im suff schließlich noch keiner bekleckert, daher ist den therapeuten auch nichts fremd.

doro

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 09.05.2020, 21:11

Hallo Carl Friedrich,

danke für Deinen Zuspruch!

Ich gehöre ja zu denen, die in den ersten Wochen unter heftigsten Suchtdruckanfällen gelitten haben. War der eine " Anfall" gerade vorbei, folgte recht bald der Nächste. Das war so heftig, dass noch nicht einmal mehr Ablenkung half. Das Forum war meine Rettung!

Die charmanten Versuche des Suchtgedächnissess kann ich auch viel leichter verwerfen - ihr Auftritt ist auch wesentlich dezenter.

Ich bin zuversichtlich, dass es mit der Zeit auch bei mir immer besser wird.
Carl Friedrich hat geschrieben:
09.05.2020, 11:35
"Jede Trigger-Abwehr macht dich für die Zukunft stärker."
Das denke ich auch. So gewinnt man Stück für Stück Selbstvertrauen und Sicherheit zurück, die ich mir leider fast weggesoffen habe.

Hallo Doro,

ich hoffe auch, dass ich mit dem Therapeuten zurechtkomme. Es ist Gold wert, wenn es wie bei Dir, auf Anhieb passt. Ich habe in der Vergangenheit meistens keine guten Erfahrungen gemacht, gehe aber ohne Vorbehalt und zuversichtlich zu dem Termin. Denn es kann ja auch an mir gelegen haben, dass es nicht funktioniert hat, wenngleich meines Erachtens einige Therapeuten den Beruf verfehlt haben.
dorothea hat geschrieben:
09.05.2020, 13:05
mit ruhm hat sich im suff schließlich noch keiner bekleckert,
So ist es!

Allen ein schönes Wochenende! :)

LG
Carmen

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 24.05.2020, 10:36

Guten Morgen,

gestern gegen 17 Uhr bekam ich plötzlich heftigen Suchtdruck ohne einen erkennbaren Auslöser. Er war einfach von null auf hundert da und hielt ganze 4 ! Stunden an. Ich versuchte mich mit allem möglichen abzulenken, aber ich konnte mich auf nichts mehr konzentrieren, die Gedanken kreisten permanent um Alkohol. Ich sah mich schon bildlich zur Tankstelle laufen. Dann loggte ich mich hier ins Forum ein, schrieb mir alles von der Seele, ich war so verzweifelt, dass die Tränen flossen. Das Schreiben schaffte mir schon ein wenig Erleichterung, aber der Druck hielt weiter an.

Also ging ich gegen 20 Uhr mit meinem Hund anderthalb Stunden spazieren, ohne Geld und so, dass ich an keiner Tankstelle oder Kiosk vorbeikomme ( denn da hätte ich zur Not auch noch aufschreiben lassen können). Der Suchtdruck hielt noch über eine Stunde auf dem Spaziergang an und ich fragte mich, wie ich es nur schaffen soll, wenn nicht bald Besserung eintritt. Ich wusste, dass er irgendwann nachlassen wird, aber in dem Moment ist man einfach verzweifelt.Ich hielt mir immer wieder vor Augen, wie erbärmlich und elend das Ganze enden würde, wenn ich jetzt trinke und das ich da nie wieder hin will. Auf den letzten 20 Minuten ließ der Druck nach und als ich gegen 21 Uhr 30 zu Hause ankam war der "Anfall" vorbei.

Ich las dann noch den restlichen Abend hier im Forum in den Tagebüchern der anderen Mitglieder und ging gegen 00 Uhr erschöpft ins Bett. Ich bin am Dienstag seit drei Monaten abstinent und der gestrige Suchtdrucksanfall hat mir wieder gezeigt, dass ich noch ganz am Anfang stehe. Bei mir hält der Suchtdruck oft sehr lange an; gestern waren es 4 Stunden! Da beneide ich manchmal die Leute, bei denen der Druck nur eine halbe Stunde anhält oder noch weniger. Aber auch diese vier Höllenstunden habe ich überstanden. Es ist zu schaffen und es geht vorbei.

LG
Carmen

Waschbaer
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Waschbaer » 24.05.2020, 11:07

Hallo Carmen,

Suchtdruck über eine längere Zeit kenne ich zur Genüge. Auch nach längerer Trockenheit tauchte er immer mal wieder auf.
Geholfen hat mir in solchen gefährlichen Situationen sehr viel Wasser oder kalten Tee trinken.
Ich habe das Zeug dann so lange in mich hineingeschüttet bis nichts mehr ging. Geholfen hat es mir immer. Auch erkundete ich danach, welche Umstände zu diesem Suchtdruck führten.

Einige Situationsbedingte Umstände konnte ich dabei klären ( zB. Alkoholwerbung im TV oder auch nur ein Film in dem genüsslich getrunken wurde) Viele Situationen waren für mich nicht ausfindig zu machen. Aber diese Situationen ordnete ich dann permanent zum Krankheitsverlauf ein. Trocken leben bedeutet ja nicht, keine krankheitsbedingten Symptome mehr zu haben.

Ja Suchdruck wird im Laufe der Zeit immer seltener. Bei mir ist der starke Suchdruck nach 9 Jahren zum erliegen gekommen. Der Wunsch nach Alkohol taucht trotzdem immer mal wieder auf.
Heute bin ich davon überzeugt das bei mir dieser Zustand nie vorüber gehen wird.
Heute führe ich so ein zufrieden ( im Bezug zum Saufen) trockenes Leben, das ich mit den falschen Wunschvorstellungen gut zu recht komme.

Was half mir bei Suchdruck:
1 sehr viel Flüssigkeit bis zu abwinken trinken. !!!
2 die Umgebung in der ich mich befand möglichst verlassen.
3 der starke Gedanke die Situation überstehen zu wollen.
4 sehr intensiv drüber nachdenken wohin mich das erste Glas bringen wird !!!!
5 Das Bewusstsein aus der überstandenen Situation gestärkt fürs nächste Mal herausgekommen zu sein.

„Aber auch diese vier Höllenstunden habe ich überstanden. Es ist zu schaffen und es geht vorbei. „
GUT GEMACHT.

Lieben Gruß
Nobby :wink:

Carl Friedrich
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carl Friedrich » 24.05.2020, 11:38

Hallo Nobby.

Kleine Ergänzung zu deinen absolut zutreffenden Punkten:

Ab- und an stecken hinter Saufdruck auch ganz profane Dinge wie Hunger oder Durst. Wasser ist der Klassiker, ich nehme dann immer eins mit viel Kohlensäure, dass der Magen schön aufgepumpt ist.

Aber den Hunger sollte man auch mal im Blick haben und ggf. was essen. Sich genüsslich 1-2 Äpfel schälen, portionieren und langsam essen, nur so als Beispiel, muss ja nicht gleich 'ne Tafel Süßes sein. Ich nehme auch schon mal Möhren oder Kohlrabi.

Mir hilft es, mich ausreichend zu ernähren. 3 Mahlzeiten und nach Möglichkeiten keine weiteren Snacks, von dem Apfel oder sonstigem Obst/Gemüse mal abgesehen. Und gegen überflüssige Pfunde hilft so eine Strategie neben körperlicher Betätigung und Bewegung auch.

Gruß
Carl Friedrich

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 24.05.2020, 18:42

Hallo Nobby,

danke für Deine Erfahrungen und die Tipps. Wenn ich wie gestern in so einem heftigen Anfall von Suchtdruck stecke, vergesse ich schon mal schnell, dass es auch noch andere Menschen gibt, denen es genauso geht oder ging wie mir. Dieser Tunneblick lässt einen dann ganz schön verzweifeln und man fühlt sich so hoffnungslos und allein.
Waschbaer hat geschrieben:
24.05.2020, 11:07
Aber diese Situationen ordnete ich dann permanent zum Krankheitsverlauf ein. Trocken leben bedeutet ja nicht, keine krankheitsbedingten Symptome mehr zu haben.
Diese Aussage hier finde ich ganz wichtig und hilfreich. Zu oft vergesse ich noch, dass ich krank bin und die Symptome nichts mit Willensschwäche oder einer falschen Einstellung zu tun haben. Ich weiß, dass ich krank bin, ja, aber in Ausnahmesituationen wie gestern zweifle ich dann immer noch zu sehr an meiner Stärke, frage mich, ob und was ich falsch mache, dass ich schon wieder so zu kämpfen habe, fange an mich mit anderen Alkoholikern zu vergleichen, die nicht so schlimmen Suchtdruck haben usw..
Diese Herangehensweise ist aber total kontraproduktiv. Vielleicht wären Deine zwei Sätze etwas, dass ich mir an den Kühlschrank hängen sollte. :)

Danke für Deine Offenheit und den Zuspruch!

Hallo Carl Friedrich,

leider leidet meine Ernährung seit meiner Abstinenz und ich esse ziemlich ungesund. Zu Saufzeiten hab ich mich viel gesünder und disziplinierter ernährt, weil ich mir dann einreden konnte, dass ich ja neben der ganzen Trinkerei wenigstens in diesem Punkt auf mich achte.
Ich bin aber zuversichtlich, dass es mir bald wieder gelingt, mich gesünder zu ernähren. Bei Suchtdruck trinke ich übrigens auch lieber Wasser mit Kohlensäure.

LG
Carmen

Carl Friedrich
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carl Friedrich » 24.05.2020, 19:48

Carmen hat geschrieben:
24.05.2020, 18:42
Ich weiß, dass ich krank bin, ja, aber in Ausnahmesituationen wie gestern zweifle ich dann immer noch zu sehr an meiner Stärke, frage mich, ob und was ich falsch mache, dass ich schon wieder so zu kämpfen habe, fange an mich mit anderen Alkoholikern zu vergleichen, die nicht so schlimmen Suchtdruck haben usw..
Hallo Carmen!

Bitte keine Vergleiche mit anderen. Die bringen dich kein Stück weiter. Woher willst Du wissen, dass andere keinen oder nur selten Saufdruck haben? Kennst Du alle anderen Aussteiger? Nein.

Bist Du dir sicher, dass diejenigen, die behaupten, sie hätten alles problemlos im Griff, wirklich die Wahrheit berichten?

Ich kann dir aufgrund meiner bisherigen Zeit der Abstinenz und den Leuten, denen ich begegenet bin, nur vergewissern, dass nahezu alle, insbesondere in der Anfansgzeit, von Suchtdruck heimgesucht wurden. Die einen häufiger, die anderen etwas weniger. Das Fehlen von Craving ist da eher die Ausnahme.

Wo soll denn sonst die hohe Rückfälligkeit herkommen?

Übrigens, mit der Zeit wird das mit dem Druck besser. Die Schübe werden seltener und die Abstände immer größer.

Also Kopf hoch, was Du durchmachst, haben auch schon andere hier ausgehalten. Warum sollte es dir nicht auch gelingen?

Gruß
Carl Friedrich

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 24.05.2020, 20:52

Hallo Carl Friedrich,

danke für Deine stärkenden und wahren Worte!
Ich muss diese noch weiter verinnerlichen.

Lg
Carmen

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