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Noch lange nicht trocken.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Sunshine_33
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Sunshine_33 » 27.03.2020, 19:05

Hallo Carmen,
ich wollte Dich auch noch Herzlich hier im Forum begrüßen !
Schön, das Du hergefunden hast.
Ein bisschen mitgelesen habe ich hier auch schon.

In einem anderen Thread schriebst Du:
Da ich mich in den letzten Jahren sehr isoliert und kaum soziale Kontakte mehr habe, ändert sich für mich nicht allzu viel.
Ich bin ja erst seit 24 Tagen suchtmittelfrei und versuche mich so gut wie es geht zu beschäftigen.
...........
Sunshine hat mich auf etwas gebracht. Ich könnte auch mal wieder meine Kamera rausholen und fotografieren; das hat mir früher riesigen Spaß gemacht.
Das war bei mir auch so. Ich habe mich in den letzten Jahren meiner Sauferei auch sehr isoliert, es sollte ja keiner wissen, was
wirklich mit mir los ist. Selbst mein Partner kannte nicht das gesamte Ausmaß meiner Sauferei.
Darum kann ich oft nicht verstehen, das sich manche eingeschränkt durch die Abstinenz fühlen, bei mir war die Sauferei einschränkend, aber sicher nicht das jetzige, trockene Leben.
Aber nun gut, ich bin nun auch schon sehr lange trocken... da ändern sich auch Sichtweisen. Es ist halt vieles auch einfach ein Weg...
Ich erinnere allerdings auch noch gut die ersten Zeit meiner Abstinenz: Nachdem ich nach meiner schwierigen Entgiftung wieder einigermaßen auf den Beinen war, fühlte ich eine großes Freiheitsgefühl.

Ich habe auch schon früher fotografiert, im Grunde fotografiere ich schon seit bald 50 Jahren :lol: , habe schon sehr früh damit begonnen.
Aber auch dieses Hobby lag in meiner Saufzeit immer mehr brach... wie viele andere Interessen auch.
Vor ca. 10 Jahren habe ich dann nochmal die volle Grätsche in die Fotografie gemacht, indem ich in die digitale Fotografie einstieg.
Da musste ich erstmal viel neues lernen, was mir allerdings immer großen Spaß machte, weil ich eigentlich grundsätzlich gern dazu lerne,
wenn mich was wirklich interessiert.
Heute habe ich eine sehr gutes Equipment, womit ich mich hauptsächlich der Naturfotografie widme. Sprich, Wildlife-und Makro-Fotografie.
Habe aber auch schon Hochzeitsfotografie gemacht, und Kinder vor der Kamera sind auch mein Ding, da hab ich scheinbar ein Händchen für.
Und Landschaft finde ich auch immer wieder faszinierend. :)

Vielleicht magst Du ja auch Dein altes Hobby neu beleben? Und findest erneut Freude dran?
Das Frühjahr steht vor der Tür, und viele Motive deshalb auch ebenso.
Auch auf Fahradtouren findet man immer wieder tolle Motive, die einem dann einfach so zufallen.
Also auf gehts?

LG Sunshine

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 27.03.2020, 20:42

Hallo Sunshine,

vielen Dank für den herzlichen Willkommensgruß und deinen netten Beitrag.

Du schreibst:

"Ich habe mich in den letzten Jahren meiner Sauferei auch sehr isoliert
Darum kann ich oft nicht verstehen, das sich manche eingeschränkt durch die Abstinenz fühlen, bei mir war die Sauferei einschränkend, aber sicher nicht das jetzige, trockene Leben."

Auch mich hat die Sauferei in den letzten Jahren nur noch eingeschränkt. Das hatte nichts mehr mit Spaß oder schönen Rauschzuständen wie in den ersten Jahren zu tun ( obwohl selbst die ersten Jahre nicht wirklich schön waren, wenn ich so zurückdenke, denn ich habe immer bis zum Filmriss gesoffen).
Die letzten Jahre waren nur noch eine Qual, ein unerträglicher Zwang. Eine Betäubung bis zur Besinnungslosigkeit nur um einfach nicht mehr denken und fühlen zu müssen.
Ich hoffe, dass ich diese Einstellung und Erkenntnis beibehalten kann.

Gratulation zu deiner langen Trockenheit. Ich wünsche mir sehr, dass ich es dieses Mal nicht zulasse, von meinem Weg in die Trockenheit abzukommen. Davor habe ich große Angst.

Schön, dass du soviel Freude an der Fotografie hast.Es ist wunderbar, wenn xman etwas mit Leidenschaft betreibt.
Du hast ja schon wahnsinnig viel Erfahrung; da sind bestimmt schon einige tolle Fotografien zusammengekommen. :-D

Ich werde die Tage meine Kamera rausholen und meinen Hund in den strahlend gelben Rapsfeldern fotografieren.

Einen schönen Abend wünsche ich.

LG
Carmen

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 28.03.2020, 08:20

Guten Morgen,

ich bin wieder mit schönen, klaren Gedanken aufgewacht.Nüchtern ist alles so viel heller.

Seitdem ich hier vor zwei Tagen meinen Thread eröffnet habe, hat mein starker Suchtdruck deutlich nachgelassen.
Das ist sehr erleichternd und gibt mir wieder sehr viel Hoffnung auf ein trockenes Leben.
Ich traue diesem " Frieden" natürlich nicht, denn stabil bin ich noch lange nicht.

Das Schreiben und eure Antworten, geben mir viel Kraft und begleiten mich durch den Tag.

Ich hatte in den letzten zwei Tagen nur dreimal leichten Suchtdruck, der nach einigen Minuten ganz schnell wieder verschwand.
Nicht zu vergleichen mit dem Suchtdruck der letzten dreieinhalb Wochen. Das war unerträglich, da er teilweise mehrere Stunden anhielt und sich trotz Ablenkungsversuchen von Minute zu Minute steigerte. Ich war also quasi fast den ganzen Tag damit beschäftigt, nicht zu trinken.

Ich beobachte meine Gedanken und kann schon besser erkennen, wenn ich in " nasses" Denken rutsche und gegensteuern.
Das gibt mir ein wenig Sicherheit. Aber wie gesagt: Ich traue alldem noch lange nicht. Zu oft habe ich versagt.

Ich wünsche allen einen schönen Tag!

Carl Friedrich
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carl Friedrich » 28.03.2020, 11:13

Carmen hat geschrieben:
28.03.2020, 08:20
Zu oft habe ich versagt.
Hallo!

Mich stört das Wort "versagt". Es beinhaltet einen schweren persönlichen Schuldvorwurf. Und der ist fehl am Platze.

Du bist "schwach" geworden, weil Du alkoholkrank bist. Diese Schwäche ist doch gerade kennzeichnend für unsere Krankheit, deshalb hat sie so viele Opfer.

Das Geheimnis dieser Schwäche liegt im Suchtgedächtnis begründet. Und das sitzt nun mal in dem Teil unseres Hirns, in dem die automatischen Abläufe wie Gehen, Laufen, Schwimmen, Radfahren .... abgespeichert sind.

Man kann das Suchtgedächtnis mit einer Software auf einem Computer vergleichen, die nicht deinstalliert, sondern nur überschrieben werden kann. Dennoch zuckt das alte Program ab- und an und zeigt, das es noch da ist.

Du bist jetzt eine Weile standhaft geblieben, warum sollte es dir nicht in Zukunft auch gelingen?

Mir schrieb hier der gute Dante vor 4 3/4 Jahren, als ich von heftigem Suchtdruck durchgeschüttelt wurde, dass mich jede Triggerabwehr für die Zukunft stärker macht. Recht hatte und hat er.

Mein Tipp: Beschaffe dir Lektüre:

Empfehlen kann ich für den Neueinsteiger

a) Alk von Borowiak

b) Lindemeyer "Lieber schlau als blau".

Gruß
Carl Friedrich

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 28.03.2020, 12:28

Hall Carl Friedrich,

vielen Dank für dein hilfreiches Feedback!

Du schreibst:
Carl Friedrich hat geschrieben:
28.03.2020, 11:13
Mich stört das Wort "versagt". Es beinhaltet einen schweren persönlichen Schuldvorwurf. Und der ist fehl am Platze.
Das stimmt! Ich mache mir unglaublich viele Vorwürfe und mich plagen große Schuldgefühle, die mich sehr belasten. Ich habe geliebten Menschen durch meine Krankheit so viel angetan, sie zutiefst verletzt und verstört.

Ich muss diese schlimmen Gefühle momentan so gut wie es geht verdrängen, denn sie haben in der Vergangenheit oft zu einem Rückfall geführt. Ich darf das dieses Mal nicht zulassen. Ich weiß, dass man bei einer Krankheit nicht von Schuld reden sollte, aber soweit bin ich noch nicht. Es tut mir alles so unendlich leid.

Ich hoffe, dass dieser teilweise unerträgliche Schmerz mit der Zeit vergeht. Eins ist dabei sicher: Das wird mir nur trocken gelingen.
Sonst wird dieser unendliche Teufelskreis kein Ende nehmen:
Schuldgefühle = Trinken ..... Trinken = Schuldgefühle .......Eine Endlosschleife.
Carl Friedrich hat geschrieben:
28.03.2020, 11:13
Du bist jetzt eine Weile standhaft geblieben, warum sollte es dir nicht in Zukunft auch gelingen?

Du hast Recht! Ein sehr guter Gedanke, der mir etwas mehr Sicherheit gibt.

Mir schrieb hier der gute Dante vor 4 3/4 Jahren, als ich von heftigem Suchtdruck durchgeschüttelt wurde, dass mich jede Triggerabwehr für die Zukunft stärker macht. Recht hatte und hat er.

Das motiviert mich standhaft zu bleiben.

Danke für die Buchempfehlungen; werde mir die Bücher bestellen.

Lg
Carmen

Carl Friedrich
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carl Friedrich » 28.03.2020, 19:55

Hallo!

Ersetze dden Begriff der Schuld doch einfach durch den der "Verantwortung". Du bist für dich, dein Tun und deine Krankheit verantwortlich. Und dieser Verantwortung stellst Du dich, indem Du aktiv etwas gegen die Sucht unternimmst. Später kannst Du dich dann immer noch bei denen entschuldigen, denen Du weh getan hast. Das klappt m.E. besser, wenn Du schon eine Weile clean bist, damit diese Personen sehen, dass Du es wirklich ernst meinst.

Mein Rat zu den Büchern: Fang mit dem Borowiak an, der ist total locker geschrieben.

Gruß
Carl Friedrich

Dante
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Dante » 28.03.2020, 20:04

"Der gute Dante" liest sich nett, danke schön. :)

& ja, es stimmt. Jeder erfolgreich überwundene Suchtdruck oder Trigger stärkt die Abstinenz, wie jeder Rückfall,
der ja nicht zwangsläufig in komplett altes Trinkverhalten enden muss sondern in sog. Ausrutscher, das Abstinenzvorhaben schwächt.

& du tust gut daran, dem Frieden nicht zu trauen. Aus Erfahrung weiß ich, dass innerhalb kürzester Zeit die Stimmung von euphorisch auf extrem missmutig kippen kann, erst recht, wenn man mit seiner Trockenheit ganz am Anfang steht. Der Hormonhaushalt ist eben krumm gesoffen.
Im von Carl Friedrich angeführten Buck "Alk" von Simon Borowiak ist das sehr gut & recht humorvoll erklärt.

Eine Schlechte Gefühlslage ist der größte Gefahrenpunkt & der häufigste Rückfallgrund.

Carl Friedrich
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carl Friedrich » 28.03.2020, 21:53

Dante hat geschrieben:
28.03.2020, 20:04
Der Hormonhaushalt ist eben krumm gesoffen.
:lol: :lol: :lol: Herrlich formuliert.

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