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Noch lange nicht trocken.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Jessica
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Jessica » 27.05.2020, 17:41

Liebe Carmen

Du kannst stolz auf dich sein, dass du den Druck so lange ausgehalten hast und nicht nachgegeben hast!!!

Liebe Grüsse

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 27.05.2020, 20:14

Liebe Jessica,

danke für Deinen Zuspruch! Lieb von Dir.

LG
Carmen

37Jahre
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von 37Jahre » 31.05.2020, 12:49

Hallo liebe Carmen,
nun einmal an dieser Stelle ein kurzes Lebenszeichen von mir.
Deine Fähigkeit in Worte zu fassen was im Kopf eines Suchtkranken vor sich geht hilft mir so ungemein mich und meine Geschichte mit Mr. XY zu verstehen ! Ich zitiere dich:
Hier ein paar Beispiele meiner nassen Gedanken: ,, Du musst endlich mal wieder richtig abschalten, nur einmal trinken, danach kannst du dich wieder mit deiner Krankheit beschäftigen, das hast du dir nach all dem Stress verdient, das Leben ist ja nüchtern garnicht zu ertragen, da kann man ja nur trinken, nur dieses eine Mal, dieses Mal wird es schon nicht ausarten, du hast es in der Vergangenheit nicht geschafft trocken zu werden, also wirst du es auch dieses Mal nicht schaffen, dein " Kampf" bringt eh nichts, irgendwann trinkst du sowieso wieder, quäle dich doch nicht so, das ist ja nicht auszuhalten, schau mal, was du durch deine Sucht alles angerichtet hast und wo du heute stehst, das kannst du garnicht mehr gutmachen, bringt doch alles nichts, du bist ein hoffnungsloser Fall." Und so weiter und sofort. Allein beim Aufschreiben habe ich gemerkt, wie trügerisch und unwahr und perfide diese Gedanken sind.
Genau das,was du dort geschrieben hast spiegelt meine Vermutung was in der Birne meines Mr.XY vor sich geht und ging !
Und das bringt mich weiter in meinem Prozess des Loslassens und des Aktzeptierens das ich nun in meinem Herzschmerzjammertal sitze aus dem ich mich nur befreien kann wenn ich mich mutig meiner eigenen Biographie und allem damit einhergehenden Schmerz stelle.
Genau das mache ich grade,ich bin dabei mein Leben komplett aufzurollen , mir alles anzusehen und es vor allen Dingen zu erfühlen.Um in Zukunft endlich aus meiner erlernten Hilflosigkeit rauszukommen und Verantwortung für mich und mein Handeln übernehmen zu können !
Und du Carmen, in deiner Offenheit,du hilfst mir dabei. Das ist so verrückt sich auf diesen Prozess einzulassen und sich selber mehr und mehr zu verstehen.
Ich möchte dich bestärken, bleib auf deinem Weg. Es ist der Richtige! Du bist WERTVOLL und verdienst ein zufriedenes ,mit vielen Glücksmomenten gespicktes Leben ohne Alkohol und Drogen.
Liebe Grüße
S.

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 31.05.2020, 13:36

Liebe S.,

vielen Dank für Deine lieben Worte!

Ich freue mich so sehr für Dich, dass Dir meine Schilderungen und Gedankengänge helfen, alles etwas besser zu verstehen und zu verarbeiten. Es erfordert viel Mut sich mit sich und seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und es ist stark von Dir, dass Du Dich nun auf diese Reise begeben hast.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf Deinem Weg!

LG
Carmen

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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von 37Jahre » 31.05.2020, 15:08

Die Kraft wünsche ich dir genauso Carmen. Wie geht es dir heute? Wie gestaltest du deinen Tag?

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 31.05.2020, 18:18

Danke S.! :)

Heute war ein entspannter Tag und ich habe nicht viel gemacht.
Meine Stimmung ist weiterhin bescheidenen, aber das Wichtigste ist, dass ich weiterhin nüchtern bin.

LG
Carmen

Carmen
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Carmen » 08.06.2020, 10:34

Ich hatte vergangenen Freitag leider einen eintägigen Rückfall, Vorfall, wie auch immer man das nach drei Monaten Abstinenz nennen mag, den ich zum Glück stoppen konnte. Nun fange ich wieder von vorne an und bin seit Samstag, dem 6.6. ,wieder nüchtern.Wie kam es dazu, was lief falsch? Ich habe die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit gemacht und es noch nicht einmal bemerkt. Ich wollte wieder alle Baustellen ( keinen Job mehr, keinen Führerschein mehr, kaputte Beziehung( alles übrigens wegen der Sauferei)) und andere Probleme auf einmal gelöst haben und war damit so überfordert, dass ich nicht mehr wusste wo mir der Kopf steht und womit ich beginnen soll.
Resultat: Ich tat garnichts mehr, verfiel in Selbstmitleid, negatives Denken und hatte wieder Zukunft- und Versagensängste. Der Rückfall am Freitag war kein Kurzschluss, sondern hat sich über mehrere Wochen aufgebaut. Ich wusste ganz genau, was ich tat, als ich mir den Alkohol kaufte, versuchte aber garnicht mehr gegenzusteuern, weil ich keinen Sinn mehr in meinem Leben sah, nicht an mich glaubte und einfach aus der Realität fliehen wollte.

Schon beim Einkauf fühlte ich mich schlecht und kann im Nachhinein sagen, dass der Abend, wie erwartet, furchtbar verlief.Da war nichts mit Euphorie oder angenehmen Rausch, es war ein elendes Besäufnis bis zur Besinnungslosigkeit.Ich wachte am nächsten Morgen mit noch schlimmeren Depressionen und Ängsten auf,hatte wieder Erinnerungslücken, fühlte mich körperlich und psyschich so elend, Scham- und Schuldgefühle überkamen mich, die ganze Palette halt.
Die Mitglieder im geschlossenen Bereich haben mich sehr gut aufgefangen und somit konnte ich wieder aufhören.

Ich bin natürlich geknickt, dass ich es nicht geschafft habe, abstinent zu bleiben, aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen, sondern werde jetzt noch mehr auf mich achten und nicht mehr die gleichen Fehler, wie in den letzten drei Monaten begehen. Ich bin dankbar, dass ich nicht weitergesoffen und den Absprung geschafft habe, sonst könnte ich hier gerade nicht nüchtern schreiben, sondern würde betäubt und unzurechnungsfähig dahinvegetieren. Ich wünsche mir so sehr, dass ich trocken werde. Die Alkoholkrankheit zerstört einfach alles. Ich muss sie endgültig stoppen. Also beginne ich nun wieder von vorne.

Penta
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Re: Noch lange nicht trocken.

Beitrag von Penta » 09.06.2020, 07:08

Hallo Carmen,

es ist wirklich gut, dass du deinen Rückfall stoppen konntest.
So, wie du es auch berichtest, bin ich der Meinung, dass sich bei mir ein Rückfall über einen längeren Zeitraum aufbauen würde, was er bisher bei mir aber nicht tat.
Die Alkoholkrankheit zerstört einfach alles. Ich muss sie endgültig stoppen.
Das hört sich für mich sehr nach Druck und Kampf an. In früheren Posts von dir las ich auch davon, dass du kämpfen willst.
Das ist grundsätzlich gar nicht verkehrt und bei dem einen oder anderen führt es vielleicht auch in eine lange Trockenheit. Für mich waren jedoch Druck und Kampf keine Optionen, denn ich wusste aus Erfahrung, dass mir gerade in Drucksituationen oft die Puste ausging.
Mein Rezept war, mir immer wieder die Vorzüge eines trockenen Lebens bewusst zu machen und vor allem echte Veränderungen in meinem Alltag herbeizuführen.
Die Grundbausteine besagen nicht nur, dass man nicht trinken darf. Es gibt Punkte, die das ganz normale Leben betreffen, wie z.B. ein trockenes soziales Umfeld und trockene Freizeitbeschäftigungen, vollkommen unabhängig von den Problemen, die tatsächlich auch mal Urlaub machen dürfen.
Ich bin jetzt schon ne ganze Weile trocken. Viele dieser neuen trockenen Beschäftigungen sind mir bis heute geblieben, weil sie sich vom reinen Trocknungswerkzeug hin zu einem Hobby für mich entwickelt haben. Die Probleme, die auch ich zahlreich hatte, klärten sich. Manches dauerte Jahre. Jahre, in denen ich parallel zu ihrer Klärung jedoch auch viele angenehme Dinge kennenlernte und erlebte.
Ich wünsche dir, dass du trocken bleibst und dabei nicht die Freude am Leben außer Acht lässt, denn ich glaube fest daran, dass eine Grundzufriedenheit eine sehr gute Basis für Trockenheit ist.
Viele Grüße, Penta

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