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Unsicher...

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

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Jessica
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Unsicher...

Beitrag von Jessica » 17.04.2020, 13:45

Ich eröffne dann auch mal ein eigenes Thema...

Irgendwie bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, ob ich hier richtig bin.
Oder ob ich mich eigentlich nur anstelle. :?:
Weil ich rein objektiv betrachtet zwar schon viel getrunken habe, und auch regelmässig, aber eben noch nicht süchtig war. Ich hatte auch keinen körperlichen Entzug und hatte schon öfter Phasen, in denen ich nichts getrunken habe...

Aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass es so eben nicht weiterging.
Es war zu regelmässig, fast jeden Abend, dann auch zu viel (statt 1 Glas halt schon 2-3). Manchmal auch noch mehr, wenn es mir schlecht ging. :oops:
Und ich kenne andere Leute mit Suchtproblematik, daher wollte ich da eben nie hin.

Nun bin ich bei Tag 22.
Und was mich am meisten besorgt ist, dass es mir nicht leicht fällt, zu verzichten. :shock:
Tagsüber kein Thema, aber abends. Da war halt der Wein normal. Und er ist es für meinen Partner immer noch...
Und er hat mir halt auch geschmeckt.

Vielleicht ist es auch, weil ich mir nicht sicher bin, was ich machen soll. 40 Tage ohne? Das ist denke ich zu wenig, weil ich da den positiven Effekt noch nicht merken würde.
100 Tage ohne? Das ist eigentlich mein Ziel.
1 Jahr? Das ist mir fast ein zu langer Zeitraum...
Nie mehr? Daran darf ich gar nicht denken...
Ich habe echt Angst vor dem Versagen, wenn ich mir ein zu hohes Ziel setze.

Ich sag ja, ich stelle mich einfach an... :oops:

Carmen
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Re: Unsicher...

Beitrag von Carmen » 17.04.2020, 15:12

Hallo Jessica,

ich hatte dir schon vorhin im Vorstellungsbereich geschrieben; weiß nicht ob du den Beitrag schon gelesen hast.

Du schreibst:
Jessica hat geschrieben:
17.04.2020, 13:45
Ich hatte auch keinen körperlichen Entzug und hatte schon öfter Phasen, in denen ich nichts getrunken habe...
Es gibt sehr viele Alkoholiker, die nicht körperlich abhängig sind oder nur phasenweise trinken. Ich habe auch sehr viele Jahre nur phasenweise getrunken und war trotzdem schon sehr süchtig.

Ob du süchtig bist, kann dir natürlich hier keiner sagen, aber ich denke,dass sobald man sein Trinkverhalten hinterfragt, ist man zumindest schon stark gefährdet, in eine Abhängigkeit zu geraten.

LG
Carmen

marianee
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Re: Unsicher...

Beitrag von marianee » 17.04.2020, 19:04

[/1 Jahr? Das ist mir fast ein zu langer Zeitraum...]

Ich hatte mal vor einigen Jahren an einer Studie einer Uniklinik teilgenommen. Kontrolliertes Trinken.
Die gingen davon aus, dass ein Alkohliker durchaus an der Konsequenz, nie wieder trinken zu dürfen, zerbrechen kann.
Psychisch nicht vertretbar.
Ich glaube wir waren so 10-12 Probanten.
Alle zu diesem Zeitpunkt trockene Alkoholiker.
Jeder dachte, das kann ein Weg zurück zum "Genuss" sein.
Exaktes Trinktagebuch. Montag ein Bier, Dienstag keins, Mittwoch ein Bier. Donnerstag und Freitag lassen wir aus. Samstag sogar mal 3 Bier.
Nach der 2. Sitzung fehlten schon 3.
Ich weiß nicht mehr. Ich denke, nach der 5. Sitzung hatte ich meine Trockenheit verloren und saß ganz leicht bedattert im Sumpf.
Dachte so, die Herren Professoren lassen sich tolle Sachen einfallen.
Ja, sie wollten uns angeblich den psychischen Druck nehmen; Nie wieder Alkohol, oh je.
Schuss in den Ofen.
Ich weiß im Prinzip schon sehr lange, es gibt keinen Weg, als die Nüchternheit. Ich, nur ich kann diesen Weg beschreiten. Hilfe eingeschlossen. Aber durch die Leute, die etwas davon verstehen. und nicht durch Scharlatane, die eine merkwürdige Wissenschaft entwickeln wollen.
Und selbst wenn ich, du, oder weiß Gott wer mit psychologischen Problemen zu kämpfen hat, da kann auch nur derjenige diese verjagen. Indem er sich damit abfindet, dass es nun mal so ist.

Zitieren klappt bei mir gar nicht. Na ja.

Jessica
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Re: Unsicher...

Beitrag von Jessica » 17.04.2020, 19:57

Carmen hat geschrieben:
17.04.2020, 15:12
Hallo Jessica,

ich hatte dir schon vorhin im Vorstellungsbereich geschrieben; weiß nicht ob du den Beitrag schon gelesen hast

LG
Carmen
Liebe Carmen, doch vielen Dank für beide Antworten!

Du hast geschrieben, dass du nach 5 Wochen erst einen Effekt bemerkt hast. Dann hoffe ich mal, dass das bei mir dann auch kommt.

Wie ich Stress abbaue, weiss ich schon. Es war einfach in den letzten Monaten zu viel...
Und jetzt dauert es halt, bis ich wieder runterkomme, auch weiss, was ich noch alles ändern will und kann in meinem Leben...
Und bis es mir wieder besser geht.

Mein Partner trinkt eigentlich nicht wirklich zu viel... es passt noch zur empfohlenen Menge der WHO.
Im Moment ist es bisschen mehr als sonst. Vielleicht kompensiert er meine Menge mit? : :D
Ich habe oft mehr als er getrunken, und das, obwohl ich als Frau nur die Hälfte trinken dürfte... :oops:

Lieber Marianee

Danke auch dir für die Erfahrung!
Ich weiss auch nicht, ob es sich lohnt, überhaupt wieder was zu trinken...
Momentan trinke ich einfach nichts...


Es ist nur schade, dass es so schwer ist... ich hatte mir das leichter vorgestellt.

Carmen
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Re: Unsicher...

Beitrag von Carmen » 17.04.2020, 21:20

Ja, das stimmt. Einfach ist es nicht.
Aber es hilft dir bestimmt hier die Erfahrungsberichte von Alkoholikern zu lesen.
Vielleicht kannst du dann auch besser einschätzen, wo du genau stehst.

Carmen
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Re: Unsicher...

Beitrag von Carmen » 17.04.2020, 21:41

Ich wollte dir noch was schreiben. Ich trinke nun seit fast 7 Wochen nicht mehr und habe immer noch mit Stimmungsschwankungen und leichten Depressionen zu kämpfen. Aber es wird ganz langsam besser. Der Alkohol hilft vielleicht ganz kurzfristig, aber langfristig verstärken sich die psychischen Probleme massiv durch den Konsum und ein Teufelskreis entsteht. Ich habe meinen Partner , der sich aus Alkohol garnichts macht ( er trinkt vielleicht ein oder zweimal im Jahr ein Glas) mal vor kurzem gefragt, ob es schlimm für ihn wäre, nie wieder Alkohol trinken zu dürfen. Er hat mich dann ganz verwundert angeschaut und meinte, dass es ihm völlig egal sei. Nicht süchtige Menschen beschäftigen sich nämlich weder mit ihrem Trinkverhalten noch interessiert es sie, ob, wann und wieviel sie trinken dürfen.

Cadda
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Re: Unsicher...

Beitrag von Cadda » 18.04.2020, 07:40

Guten Morgen Jessica,

ich denk nun schon ne Weile nach über Deine Geschichte. Als ich an dem Zeitpunkt war, wie Du jetzt, hab ich alles als noch „nicht schlimm“ empfunden und weiter gemacht. Wo es geendet hat, hätte es nie enden dürfen. Aber im Nachhinein betrachtet, war es an dem Zeitpunkt, an dem Du jetzt stehst, bereits vorprogrammiert.

Ob das nun bei Dir so ist, das weiß ich natürlich nicht, aber ich bin ganz ehrlich... allein die Tatsache, dass Du Dich hier angemeldet hast und dass es Dir schwer fällt, auf Alkohol zu verzichten, sagt ja eigentlich alles aus. Ich halte normalerweise nichts von Ferndiagnosen und Einschätzungen, aber bei Dir kreist mir immer wieder im Kopf, dass Du vermutlich am Anfang einer psychischen Abhängigkeit stehst und bis einen die voll im Griff hat, geht’s schnell. Eine körperliche Abhängigkeit ist dann ebenfalls schnell erreicht.
Aber diese Gedanken, dass man trinken möchte, um zu entspannen, um gut drauf zu sein oder was auch immer... die sind halt gefährlich im Alltag.

Das was Carmen da gesagt hat, stimmt. Einem nicht süchtigen Menschen ist Alkohol völlig egal.

Leider gibt es davon in der heutigen Zeit nur noch so wenige Menschen, dass einem die eigene Abhängigkeit zu spät bewusst wird. Alle Anderen trinken ja auch und das geht schon im Jugendalter los. Bei vielen normalisiert sich das Trinkverhalten, wenn die Partyzeit zu Ende ist und manche kommen nicht wieder raus, so war es bei mir.

Für mich ist es akut, wenn der Alkohol zum Alltag gehört. Als ich anfing, mir zu Hause -außerhalb einer Party oder einem Treffen mit Freunden- meinen Wein zu genehmigen, war das mein Untergang.

Es ist gut, dass Du hier bist. Sein stolz und dankbar, dass Du bereits zu diesem Zeitpunkt Dich selbst reflektierst und handelst. Dir kann dadurch eine ganz widerliche Zeit erspart bleiben, durch die Du Dir in ein paar Jahren wünschen würdest, Du hättest früher gehandelt. Nämlich an dem Zeitpunkt an dem Du jetzt bist. Glaub mir...!

Ganz liebe Grüße
Cadda

marianee
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Re: Unsicher...

Beitrag von marianee » 18.04.2020, 08:06

Liebe Jessica,

ich möchte mich hier Cadda anschließen.
Alkohol ist die gefährlichste Droge überhaupt. Wenn du in ihr hängst, geht ab einem Zeitpunkt gar nichts mehr.
Sie übernimmt für dich die "Verantwortung". Dieser Punkt kommt schleichend, dann geht es plötzlich rasend schnell.
Du verlierst nicht nur die Kontrolle, du wirst alles andere dem Alkohol unterordnen. Soziale Kontakte, dein normales Denken, du beginst zu lügen, du verlierst evtl. deinen Job, du findest die falschen Freunde und, und, und...
Wenn du jetzt die Möglichkeit hast, die Kurve zu kriegen, nutze sie.
Lass die anderen trinken und achte nur auf dich.
Selbst wenn du jetzt denkst, ein Glas....oh, es werden mehr werden.
Ich selber bin ein Gegener des kontrollierten Trinkens, zumindest für die, die ihre schmerzliche Erfahrung gemacht haben und sich mühsam aus der Sucht befreit haben. Das funktioniert nicht.
Es ist allemal besser, jetzt, wo du am Anfang stehst, nicht auf die Zielgerade einzubiegen. Denn dieses Ziel ist nicht das, was du erreichen willst.
Glaub mir bitte!

LG, marianee

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