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Unsicher...

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Jessica
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Re: Unsicher...

Beitrag von Jessica » 09.05.2020, 19:46

Hallo Doro

Mit der Aufklärung hast du schon recht. Alkohol wird immer als normal hingestellt. Das macht es so schwer, ihn nicht zu konsumieren... Je nachdem wird man damit zum Aussenseiter.

Das mit den Pausen stimmt. Habe ich diese Woche auch öfter gemacht. Gerade zuhause ist das ja problemlos möglich, sich mal auszuklinken... und es ging dann wirklich meistens besser.

Liebe Grüsse

dorothea
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Re: Unsicher...

Beitrag von dorothea » 09.05.2020, 23:02

hallo jessica

ja die blöden sprüche wenn man nicht mitsaufen will. die kennt hier jeder der länger abstinent ist nur zur genüge. kein fleisch, ok, keine zigaretten ok, keine laktose gluten und und und ok. aber alk.. wiiieso denn das nicht? das zeigt wie gaga unsere gesellschaft im grunde ist.

ich hab da so zwei strategien, je nachdem wer mir gegenüber steht. sind es menschen die ich mag, mit denen ich in zukunft viel zu tun haben werde nehme ich kein blatt vor den mund und sage das ich alkoholikerin bin. sind es irgend welche leute denen ich wahrscheinlich nur grade eben begegne oder die ich schlicht unsympathisch finde und daher sicher keinen näheren austausch möchte, sage ich dann meistens, jo und ich rauche nicht und gebratene zwiebeln mag ich auch nicht. damit ist das thema dann für mich durch.

sowas passiert mir allerdings doch selten weil ich nicht in kneipen gehe, eben nur lokale zum essen und das auch mit freunden die eh bescheid wissen. und selbst im freundeskreis sind die feiern zunehmend alkoholfreier geworden. meine freunde haben einfach gesehen wie ich ohne alkohol lebe und wie gut es mir damit geht, das die gespräche gehaltvoller sind wenn keiner dicht ist, was nicht heißt das wir nicht lachen, oft dauern partys sogar länger als vorher wo nach ner weile alle irgendwie wegdämmerten. das es keine probleme mit brandflecken, verstopften toiletten und all den netten nebenwirkungen die besoffene gäste so mit sich bringen gibt gefällt halt auch.

das hat mit der zeit tatsächlich schule gemacht. sie verzichten zwar nicht komplett, aber ein glas wein reicht am abend hin, und damit komm ich klar und meine freunde eben auch. betrunken ist da tatsächlich kaum mal einer und was alle am tollsten finden, sie können mit dem eigenen auto wieder nach hause fahren. auch wenn ich das nie beabsichtigt habe, so habe ich doch diese wirkung auf meine freunde gehabt.

doro

Carl Friedrich
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Re: Unsicher...

Beitrag von Carl Friedrich » 09.05.2020, 23:16

Hallo!

Ich bin nicht zum Außenseiter geworden, nur weil ich keinen Alkohol mehr trinke.

Und blöde Fragen habe ich in meiner ganzen Zeit so selten zu hören bekommen, an die letzte kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern, so lange ist es her.

Es kommt auch immer auf die jeweiligen Kreise an, in denen man verkehrt. Zechfreudige Herrschaften gehören nicht (mehr) zu meinem Umgang.

Falls mich mal jemand fragt, erkläre ich, dass ich den Stoff nicht vertrage, er mir nicht bekommt und ich ohne ihn wesentlich besser klar komme. Und damit ist das Thema für mich erledigt. Mich fragt dann niemand mehr. Und was der- oder diejenige sich dann womöglich zusammenreimt, das interessiert mich überhaupt nicht. Ich bin ich, ich weiß was ich kann, wer ich bin, wo ich herkomme und wo ich nicht wieder hin will.

Es gibt Herrschaften, die scheinen recht großzügig damit umgehen, wen sie alles einweihen. Ich habe den Kreis bewusst eng gezogen und bin damit bislang hervorragend gefahren.

Und die sog. Bekannten geht es schon mal gar nichts an, genau so wenig wie die so "netten" Arbeitskollegen.

So meine Meinung zu dem Thema "Outing".

Gruß
Carl Friedrich

dorothea
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Re: Unsicher...

Beitrag von dorothea » 10.05.2020, 09:03

hallo carl friedrich

ist natürlich auch eine strategie, und wenn du nur "nette" arbeitskollegen hast durchaus verständlich. ich hab durch meine mittelaltermärkte jede menge menschen um mich und die meisten sind tatsächlich total nett und lieb. da kommt es öfter vor das mal irgend wer einfach nen kuchen mitbringt den wir nach dem marktaufbau gemeinsam verdrücken. da die meisten wissen das ich trocken bin kriege ich dann nen kleinen für mich allein wenn im großen zb eierlikör oder rumaroma oder was es sonst noch so gibt ist.

ich hab auch noch nie erlebt das sich jemand von mir distanziert hat nachdem er von meiner sucht erfahren hat, ganz im gegenteil, die meisten zollen mir respekt. ich hatte in den vielen jahren noch nicht einmal grund meine offenheit zu bereuen. denn mal ganz ehrlich, wer darüber die nase rümpft entlarvt sich als engstirnig und kommt dann für weitere kommunikation eh nicht in frage.

ich bin ich, mit all meinen ecken und kannten, nur nullen haben keine.

doro

Carmen
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Re: Unsicher...

Beitrag von Carmen » 10.05.2020, 10:26

Hallo,

ich denke, dass die Reaktion der Leute auch stark davon abhängt, wie klar und deutlich man seinen Standpunkt, keinen Alkohol zu trinken, vertritt. In meinen früheren Trinkpausen habe ich nämlich meistens noch rumgeiert und nicht mit völliger Überzeugung ausgesprochen, dass ich keinen Alkohol trinke. Da wurde dann immer nachgehakt; ,, Wie, Du trinkst keinen Alkohol, warum denn nicht, ein Glas macht doch nichts". Ich hatte das Glas dann schneller vor mir stehen, als ich blicken konnte.

Vertrat ich meinen Standpunkt aber mit voller Überzeugung und Selbstsicherheit, was seltener vorkam, kamen keine Fragen oder Überredungskünste mehr. Ab und an habe ich dann auch gesagt, dass ich alkoholabhängig bin und habe damit nur positive Erfahrungen gemacht und bin noch nie auf Ablehnung gestoßen. Ich würde aber nicht auf die Idee kommen, jedem X-Beliebigen von meiner Krankheit zu erzählen - es hängt immer von der Situation ab.

LG
Carmen

Carl Friedrich
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Re: Unsicher...

Beitrag von Carl Friedrich » 10.05.2020, 11:17

Carmen hat geschrieben:
10.05.2020, 10:26

ich denke, dass die Reaktion der Leute auch stark davon abhängt, wie klar und deutlich man seinen Standpunkt, keinen Alkohol zu trinken, vertritt.


Vertrat ich meinen Standpunkt aber mit voller Überzeugung und Selbstsicherheit, was seltener vorkam, kamen keine Fragen oder Überredungskünste mehr.
Hallo Carmen!

Da, das stimmt. Betrifft aber nicht nur das Thema Alkohol, sondern alle möglichen menschlichen Bereiche, sich nicht drängen oder etwas aufschwätzen zu lassen.

Und zum Thema Arbeitskollegen und Vorgesetzte: Wer auf der Arbeit nicht als Trinker aufgefallen ist, der sollte sich gut überlegen, ob er dort schlafende Hunde weckt. Es gibt durchaus Bereiche und Kreise, in denen eine Suchterkrankung gleich mit dem Stempel "Ende der Karriere" versehen wird, da der- oder diejenige halt, wie es so schön heißt, "ein Problem hat" und somit als nicht uneingeschränkt belastbar gilt (Rückfallgefahr).

Vordergündig wird gerne "Verständnis geheuchelt" und hinten herum abgelästert, in der Erwartung, einem möglichen Konkurrenten zu schaden oder seitens der Vorgesetzten, den Erfolg eines Projekts möglichst nicht zu gefährden, indem Nicht-Vorgeschädigte mit leitenden Aufgaben betraut werden.

Aber wie gesagt, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und sollte seine eigene Vorgehensweise behutsam Schritt für Schritt entwickeln.

ich bin mit mir und meiner Vorgehensweise, die ich mit meinen Therapeuten abgestimmt habe, im Reinen und fahre ausgesprochen gut damit.

Gruß
Carl Friedrich

dorothea
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Re: Unsicher...

Beitrag von dorothea » 10.05.2020, 11:31

hallo carl friedrich

thema arbeit. da haste natürlich vollkommen recht, daran hab ich grade gar nicht gedacht weil ich selbstständig bin und mich mit solchen menschlichen abgründen nicht befassen muß, gott sei dank. diesen nette aspekt unserer tollen gesellschaft hatte ich gar nicht auf dem schirm.

doro

Sunshine_33
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Re: Unsicher...

Beitrag von Sunshine_33 » 10.05.2020, 12:12

CF schrieb:
Und zum Thema Arbeitskollegen und Vorgesetzte: Wer auf der Arbeit nicht als Trinker aufgefallen ist, der sollte sich gut überlegen, ob er dort schlafende Hunde weckt. Es gibt durchaus Bereiche und Kreise, in denen eine Suchterkrankung gleich mit dem Stempel "Ende der Karriere" versehen wird, da der- oder diejenige halt, wie es so schön heißt, "ein Problem hat" und somit als nicht uneingeschränkt belastbar gilt (Rückfallgefahr).

Vordergündig wird gerne "Verständnis geheuchelt" und hinten herum abgelästert, in der Erwartung, einem möglichen Konkurrenten zu schaden oder seitens der Vorgesetzten, den Erfolg eines Projekts möglichst nicht zu gefährden, indem Nicht-Vorgeschädigte mit leitenden Aufgaben betraut werden.
Diese Argumente sind nicht von der Hand zu weisen, ich sehe das TEILWEISE auch so.
Aber Ausnahmen gibt es eben auch, lieber CF. :wink:
Darum muss man die persönliche Situation auch selbst abwägen und eine eigene Entscheidung treffen, wie man damit umgehen will.

Bei mir war es übrigens nicht so wie von Dir beschrieben :wink:
Als ich noch soff, machte ich zwar meinen Job, aber viel mehr auch nicht :oops:
Durch meine schwere Entgiftung fehlte ich ja dann 4 Monate und mein Mann hatte mich bei meinem Chef krank gemeldet und auch den Grund genannt.
Der wusste also eh Bescheid, aber er hatte auch vorher schon so eine Ahnung, was los ist.
Denn glaub mal nicht, das die Kollegen nix merken :wink: auch wenn man sich das gern einredet.
Bei meinem Chef speziell war es aber so, das sein Bruder ebenfalls an Alkoholismus erkrankt ist und es leider nicht schaffte, trocken zu werden.
Mein Chef kannte also die ganze Problematik aus der eigenen Familie und verstand von daher auch viel, wie die Krankheit so ist.
Ich merkte, wie sehr es ihm am Herzen lag, das wenigstens ich es schaffe, nicht wieder trinken zu müssen.
Da war die erste Zeit sicher auch eine Art Misstrauen, denn er kannte ja auch die ganze Rückfall-Problematik.
Aber er merkte dann, das ich es völlig ernst meine und das ich auch meine Arbeit wieder viel besser machte.
Außerdem schickte er mich zu Fortbildungen und nach ca. einem halben Jahr übertrug er mir ein eigenes Sachgebiet, was ich ab dann selbstständig führte.
Mein Chef hatte also nach anfänglichem Misstrauen durch seine persönlchen Erfahrungen dieses überwunden und mich nicht irgendwie degradiert, sondern das Gegenteil getan.
Auch sowas gibts :wink:

Später wechselte ich Firma und dort erzählte ich nichts von meiner Krankheit, aus den Gründen, die Du auch nanntest. Ich konnte die Leute dort nicht gut genug einschätzen, also unterließ ich das.
Ich mache auch nix, was mir persönliche Nachteile einhandeln könnte, warum auch? :roll:
Nach einiger Zeit wurden aber aus zwei Kollegen auch Freunde...und man verbrachte auch Freizeit miteinander. Ab dann sah es wieder anders aus bei mir, denen erzählte ich es dann mal bei passender Gelegenheit.
Das war dann mal für 10 Minuten Thema, und damit dann aber auch schon durch. Ich habe auch nie eine Verhaltensänderung bei ihnen festgestellt aufgrund meiner Erkrankung. Das war für sie gar nicht wichtig.
BTW stellte ich zusätzlich bei späterer Gelegenheit fest, das sie auch nix davon weiter erzählt hatten...was mich dann echt erstaunte.
Denn Klatsch und Tratsch unter Kollegen gibt es ja durchaus. Aber ich denke, es war ihnen einfach nicht wichtig genug, um es überhaupt jemanden weiter zu erzählen :lol:
Aber das ist wahrscheinlich nun wirklich die Ausnahmen, man sollte bei entsprechender Offenheit dann auch damit rechnen, das es weiter getratscht wird.
Mir ist sowas eher egal... aber damit kann eben nicht jeder mit fertig werden, darum gibt es eben auch keinen verbindlichen Ratschlag, der für alle gilt.

So hat eben jeder seine eigenen Geschichte, und man muss selbst entscheiden, wie man in bestimmten Fällen handelt. Und zwar so, das es einem nicht schadet, denn sowas muss ja nu echt nich sein.

Was ich aber gar nicht mag, das ist die Unterstellung, man gehe mit seiner Krankheit "hausieren" und binde sie jedem auf die Nase.
Offentheit und Hausieren gehen ist für mich nämlich noch ein himmelweiter Unterschied. :wink:

LG Sunshine

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