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bei mir ist alles anders

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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marianee
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Re: bei mir ist alles anders

Beitrag von marianee » 20.04.2020, 08:57

Beispiel:

Wir hatten einen ...

- edit, Linde
Bitte nichts aus realen Selbsthilfegruppen hier ins Forum stellen, danke.
Das sind ja persönliche Lebensgeschichten, die ihr im vertrauensvollen Rahmen einer realen SHG-Sitzung erfahren habt. Sowas sollte dann auch vertrauensvoll behandelt werden. -

Lia
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Re: bei mir ist alles anders

Beitrag von Lia » 20.04.2020, 20:19

Hallo marianee,

Danke für deine aufmunternden Worte im offenen Bereich an mich.

Ich hab gerade deine Rückfallgeschichte gelesen.
Das muss ich erst mal verdauen, allerdings hilft es mir auch, ich dachte schon mein letzter Rückfall sei nicht mehr zu überbieten mit Peinlichkeit und voll bescheuerten Aktionen.
Aber im Grunde spielt es im Nachhinein auch gar keine Rolle, wer was macht.
Wichtig ist nur eins, aufstehen und die Hoffnung auf ein trockenes Leben niemals aufgeben.

Lg Lia

marianee
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Re: bei mir ist alles anders

Beitrag von marianee » 22.04.2020, 05:17

Liebes Forum,


hatte grad ne lange Geschichte geschrieben, jetzt ist sie weg.
Von vorne.
Tag 14, nach dem letzten Schluck.
Ich fühle mich wohl. Der Alk hat mich nicht vollständig greifen können. Ich bin zunächst raus aus der Show.
Seit einigen Tagen kommen die Süssigkeitsattacken und Appetit auf Espresso.
Nehm ich so hin. Immer noch besser, als ne Flasche Bier zu stöpseln.
Eines fällt mir auf. Sehr deutlich.
Die Starre im Land, kommt mir persönlich gelegen.
Weil die Ruhe, die scheinbare Ausgeglichenheit der Menschen, mir entgegenkommt.
Gestern war ich einkaufen. Alles kam mir so diszipliniert vor. Auch hatte ich den Eindruck, dass mehr Freundlichkeit existiert.
Ich sehe meine letzten drei Rückfälle inzwischen auch von einer ganz anderen Seite her betrachtet.
Sie assoziieren mir, dass es eine Art Warnschuss gewesen ist.
So als Aufforderung, etwas in meinem Leben zu ändern.
Ich habe den Verdacht, dass sich mein Körper nur über eine Droge artikulieren konnte, da ich meine persönliche Logik sonst nicht abgeschalten hätte.
2 Sachen erkenne ich in diesen Rückfällen.
"Du musst etwas machen, um deinem beruflichen Stress zu entfliehen. Ich als Alkohol bin der schlechteste Ratgeber, aber ich treibe dich in die Verzweiflung, bis du begreiffst, es muss eine neue Ausgangssituation geschaffen werden. Dann kannst auch du mich verdammen. Schlag zwei Fliegen mit einer Klappe. Neubeginn, Alkohol dadurch passé."
Wie komme ich dazu?
In den letzten Jahren (trocken) baute sich ein kaum auszuhaltender Druck in mir auf. Nicht nur extern aufgeheizt, auch mein persönlicher Ehrgeiz hat mich getrieben. Beruflich. Noch bessere Ergebnisse zu erzielen, noch mehr Umsatz.
Als das Unternehmen, für welches ich tätig war, im Jahr 2018 das beste Betriebsergebnis aller Zeiten hatte, hieß es: "Na, da muss doch mehr drin sein, so um die 10% Steigerung für 2019."
Kein Wort der Anerkennung, kein Lob, nichts.
Ich hab die Worte für mich persönlich interpretiert und dachte. Klar, es muss mehr kommen.
Es kam aber nicht mehr, es wurde weniger. Da erst wieder.
Die Ruhe im Land! Mir tut sie gut.
Ich hab innerhalb von 2 Wochen so einiges meines selbstaufgebauten Drucks abgespült. Ich merke, wie mich eine innere Zufriedenheit erreicht.
Hat der Alkohol dazu begetragen. Indem er mir einen Warnschuss gab?
Es ist klar, ich muss achtsam sein.Ich darf ihn jetzt nicht vergöttern.
Komisch ist, dass ich die letzten Jahre unter Zukunftsängsten gelitten habe. Obwohl ich keine hätte brauchen müssen. Der Job war gut dotiert. War ich unglücklich? Ja und nochmals ja.
Jetzt, wo ich keinen Job habe und normalerweise Zukunftsängste haben müsste, habe ich keine.
Und ich bin zufrieden mit mir. Zum ersten Mal seit Jahren, fühle ich mich frei und finde ein inneres Gleichgewicht.
Da sind paar zusammenfassende Gedanken der Rückkehr in ein anderes Leben.
Natürlich weiß ich, dass solche Situationen schnell ins Gegenteil kippen.
Es ist aber keine Euphorie, die sich dahinter versteckt. Es ist ein neues Lebensgefühl, dies ahne ich.
Solche Eindrücke verblassen natürlich mit der Zeit. Also heißt die Devise, Achtsamkeit und besonnene Herangehensweise. An alle kommenden Dinge des Lebens.
Ich werde z. B. den Alkohol nie ausblenden. Ich möchte aber den Rest meines Lebens auf ihn verzichten.
Ich will mich nicht jeden Tag mit ihm beschäftigen. Aber er ist allgegenwärtig und ich werde es auch wieder so zur Kenntnis nehmen. Er ist eben da, nur für mich nicht.

LG, marianee

Rattenschwanz
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Re: bei mir ist alles anders

Beitrag von Rattenschwanz » 22.04.2020, 06:19

marianee hat geschrieben:
22.04.2020, 05:17

Es ist aber keine Euphorie, die sich dahinter versteckt. Es ist ein neues Lebensgefühl, dies ahne ich.
Du ahnst es nicht, du hättest das gerne so - meine Meinung.
marianee hat geschrieben:
22.04.2020, 05:17

Ich werde z. B. den Alkohol nie ausblenden. ...
Ich will mich nicht jeden Tag mit ihm beschäftigen. Aber er ist allgegenwärtig ...
Für mich war wichtig, mir klar zu machen, dass ich dem Alk mein ganzes Leben lang auf Schritt und Tritt begnen werde. Deshalb hab ich nicht versucht, ihm aus dem Weg zu gehen.

Ich bin weiterhin im Supermarkt an den Alkregalen vorbei gelaufen, an Weihnachtsmärkten, Biergärten, Jahrmärkten ...
Ich hab ihn nicht gesucht, bin ihm aber auch nie bewusst aus dem Weg gegangen

Im Hinterkopf immer den Gedanken:
Irgendwann würde ich eh wieder auf Alk treffen und dann ist es doch besser, darauf vorbereitet zu sein, dass er überall zu finden ist, als plötzllich vor einer Situation zu stehen, in der ich unvorbereitet bin.

Das kann natürlich jeder machen, wie er will ...

marianee
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Re: bei mir ist alles anders

Beitrag von marianee » 24.04.2020, 13:02

Ich habe die Threads und die Diskussion über alkoholfreies Bier mit Interesse verfolgt.

Auch mir geht es so, dass ich darin ne ganz große Gefahr zu einem übergangslosen Rückfall sehe.
Wie bereits festgestellt, gibt es Ausnahmen. Allerdings ist da noch nicht aller Tage Abend.
Diese Entscheidung kann und muss natürlich jeder für sich selbst treffen. Es gibt genügend Gegenbeweise, wo es klappt.

Aber es gibt auch genügend Alternativen.
Rattenschwanz schreibt von exotischen Getränken.
Wir haben uns jetzt einen für mich sündhaft teuren Mixer gekauft. Einen sogenannten Horizontal Entsafter.
Wenn ich mal ausrechne, was mich der Wodka von 3 Wochen gekostet hat, relativiert sich das Ganze Preisgefüge schon wieder.
Wir machen uns seitdem jeden Abend einen Drink aus den verschiedensten Obst- und Gemüsesorten.
Da vergeht einem die Lust auf Alkohol.
Ich sehe darin die echte Alternative. Nicht, dass ich ein Gesundheitsapostel bin, aber die Getränke sind nicht nur sehr schmackhaft, sondern tun der Gesundheit richtig gut.

Das ist z. B. für mich ein neuer Abschnitt, ein neues Geschmackserlebnis, auf welches ich nicht mehr verzichten werde.
Zwar ein kleiner Schritt in ein neues Leben, jedoch kommt man auch mit kleinen Schritten voran.

Mark1971
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Re: bei mir ist alles anders

Beitrag von Mark1971 » 26.04.2020, 15:13

Hi Marianee,

also ich halte alkoholfreies Bier (auch das mit 0,0) für gefährlich. Zugegebenermaßen habe ich das auch zwischendurch mal probiert, aber für mich war das vom Gefühl her wie früher. Also ähnliches Setting, gleiche Situationen etc. Ich habe daraufhin zwar nicht sofort Lust auf "richtiges" Bier gehabt, aber das Gefühl rundherum war mir zu unheimlich. Ist echt schwer zu erklären.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe mir gesagt, dass man es ja nicht herausfordern muss. Inzwischen halte ich mich ausschließlich an Getränke, die nicht im Entferntesten an das erinnern, was ich früher so konsumiert habe, also auch keine "virgin" Cocktails ohne Alkohol. Damit fahre ich eigentlich sehr gut.

Du schriebst von Gemüsesäften. Irgendwelche Tipps für spezielle Kombinationen? Ich habe von meiner Oma nen Entsafter geebrt, der fast nur in der Ecke steht.

LG
Mark

Carl Friedrich
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Re: bei mir ist alles anders

Beitrag von Carl Friedrich » 26.04.2020, 18:18

Hallo!

Da kann ich Mark nur beipflichten.

Mein ehemaliger Therapeut riet: "Finger weg von allem, was aussieht wie Alkohol, riecht wie Alkohol und irgendwie schmeckt wie Alkohol."

marianee
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Re: bei mir ist alles anders

Beitrag von marianee » 26.04.2020, 19:18

Du schriebst von Gemüsesäften. Irgendwelche Tipps für spezielle Kombinationen? Ich habe von meiner Oma nen Entsafter geebrt, der fast nur in der Ecke steht.
Es kommt natürlich darauf an, was es für ein Entsafter ist.
Wir haben einen, der mit sehr niedriger Drehzahl läuft, 90 U/min.
Darin wird nur frisches Obst und Gemüse verarbeitet, du hast zahlreiche Möglichkeiten und kannst letztendlich alles kombinieren.
Der lädt auch dazu ein, nach eigener Phantasie Drinks zu entwickeln.
Zu dem Entsafter gab es ein tolles Rezeptbuch, allerdings findest du auch eine riesige Menge von Rezepten bei google.
Ich weiß ja nicht, wenn deiner von der Oma ist, ob du da vielleicht die Früchte etc. kochen musst. Gibt es ja auch.
Da sind allerdings die Vitamine futsch.
Das einzigste ist, dass man etwas Arbeit reinstecken muss. Heißt, Orangen, Möhren, Zitronen etc schälen. Und hinterher das Ding sauber machen.
Aber der Aufwand lohnt sich.
Vor allem wenn man bedenkt, welche Energie man aufgebracht hat, um sich alkoholischen Nachschub zu besorgen, da ist das ein Kinderspiel.

Wir hatten heute Besuch von unseren beiden Töchtern, nebst ihren Freunden. Zum Mittagessen gab es für jeden ein großen Glas Saft.
Wenn man dann hört:" Or, schmeckt geil...." auch das ist eine Freude, die mich im Suff nichtmal im entferntesten tangiert hätte. Auch wieder ne neue Erfahrung.

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