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Suchtberatung und Widerstand der Sucht

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Lavendelfuchs
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Suchtberatung und Widerstand der Sucht

Beitrag von Lavendelfuchs » 27.06.2020, 16:59

Hallo Leute,

ich habe mich heute hier im Forum angemeldet und auch schon eine Vorstellung geschrieben, die ein bisschen Aufschluss über meine momentane Situation zulässt. Nochmal kurz der aktuelle Stand: jetzt seit knapp 4 Wochen ohne Stoff unterwegs, vorher so 4-6 Bier (fast) täglich, klappt bis jetzt ganz gut. Ich habe mir "nur den Alk weglassen reicht nicht" zu Herzen genommen und vor 2 Tagen bei der Suchtberatung angerufen und werde nächste Woche Dienstag oder Mittag zurückgerufen für ein erstes Gespräch (Corona bedingt darf ich nicht vorbei kommen).

Und jetzt Folgendes; Ich finde das total komisch: Nachdem das Telefonat mit der Suchtberatung zu Ende war dachte ich mir "So und jetzt saufe ich!" :shock:
Ich war selbst vollkommen überrascht von diesem Gedanken. Klar das ist Saufdruck, denke ich. Aber ich dachte mir auch, dass ich jetzt trinken MUSS damit mein Problem akut ist und ich quasi "dazu gehöre" bzw. behandlungsbedürftig bin?! Habe Angst, dass wenn ich denen erzähle, dass ich 4 Wochen ohne Hilfe über die Runden gekommen bin akutere Fälle oder gefährdetere Leute mir vorgezogen werden. Ich brauche aber ganz dringend Hilfe! Versteht das jemand?
Eine weitere Sache die bestimmt auch zu diesem idiotischen Gedankengang geführt hat, war auch dass ich plötzlich sehr betroffen war, als die gute Frau an Telefon als "Klientin" von mir gesprochen hat. Ich habe selbst jahrelang in der Drogenhilfe gearbeitet (kann da bei meinem eigenen Suchtverhalten nur mit dem Kopf schütteln, wie ich "meinen" Klienten schön was vorgespielt hab :roll: ) Jetzt zu realisieren auf der anderen Seite des Netzwerks zu stehen ist erschreckend.
Nachdem ich mich heute hier angemeldet hatte, hatte ich genau den selben Gedankengang, so nach dem Motto "jetzt ist es raus, jetzt kann ich mich dem Alkohol ganz offen hingeben". Natürlich ist das Quatsch, aber kennt das jemand? Einen Schritt vorzugehen, aber 3 Schritte zurück zu wollen?

Lieb grüsst die Füchsin

Dhyana
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Re: Suchtberatung und Widerstand der Sucht

Beitrag von Dhyana » 27.06.2020, 23:24

Hallo Füchsin
Also ich kenne das von mir ... das mich outen vor andere erzeugte Stress, Emotionen gehen hoch (bei dir dann auch noch vor Berufskollegen heisst noch mehr Stress) Wenn ich Stress hatte, habe ich mich runtergetrunken ... daher der Trinkdruck. Drum heisst es ja, man muss neu lernen mit Stress Situationen umzugehen. Jedes Mal wenn du nicht trinkst in so einer Situation gewinnt die Nüchternheit und du wirst stärker. Daher halte durch, es lohnt sich !
Ich bin sicher die helfen dir natürlich auch wenn du aktuell nicht trinkst und gerade, weil du schon viel Willen und Durchhaltevermögen zeigst. Würdest du doch auch machen ...
Ich hatte nach AA Treffen, nach Beratungsterminen sehr häufig Trinkdruck und bin leider oft eingeknickt :cry:

Gute Nacht Grüsse
Dana

Lavendelfuchs
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Re: Suchtberatung und Widerstand der Sucht

Beitrag von Lavendelfuchs » 28.06.2020, 00:26

Hallo Dana, danke für deine Erfahrung.
Ja, ich denke bei mir spielt sich da was ähnliches ab, zumal ich mich nicht als sonderlich resilient, also stress-belastbar halte und in Konfliktsituationen oft zur Flasche griff. Dazu kommt, dass ich mir einbilde dieses Bedürfnis zu trinken als Rebellion meiner Sucht zu verstehen, die sich dagegen wehrt trocken gelegt zu werden.
Ich habe weder heute noch nach dem Telefonat getrunken und den Trinkdruck mit einem lauten "Nein, halt die Klappe!" in die Schranken gewiesen. Auf Dauer wird das nicht wohl nicht ausreichen, aber erstmal funktionierts bis ich die nächsten Schritte machen kann. Glaube auch, dass meine Angst da ein wenig irrational ist (gleichzeitig kenne ich das Suchthilfesystem und weiß was das teilweise für ein Saustall ist) und hoffe das Beste!

Gute Nacht Grüsse aus dem Fuchsbau :)

Linde66
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Re: Suchtberatung und Widerstand der Sucht

Beitrag von Linde66 » 28.06.2020, 16:01

Hallo Lavendelfuchs,
ich bin keine Alkoholikerin, aber habe andere Baustellen. Mit einer dieser Baustellen (Eßsucht) war ich vor bald 20 Jahren in einer realen SHG. Mir die Geschichten der anderen Menschen anhören zu "müssen", hat mich dermaßen runtergezogen, durcheinandergebracht, belastet, getriggert..., daß ich jedesmal danach Eßanfälle hatte. Damit war das Thema Selbsthilfegruppe für mich erledigt. Ich wollte ja nicht, daß es mir nach den Terminen schlechter geht als vorher.

2008 entdeckte ich das Internet (Spätzünder :lol: ) und bald danach das Forum. Ich bin EK (erwachsendes Kind einer alkoholkranken Mutter) und habe schnell gemerkt, daß mir das online lesen und schreiben leichter fällt als reale SHG-Aktivitäten. Hier kann ich triggernde Tagebücher außen vor lassen, hier kann ich zu jeder Tageszeit reinkommen, hier lenken mich keine Dialekte, Kleidung, Frisuren usw. ab. (Wobei das ja auch alles zu einer Person dazugehört.).

Viele Leute hier nutzen reale und online - SHG parallel. Ich finde es gut, wenn man sich jegliche Hilfe mit ins Boot nimmt, um aus der Suchtspirale rauszukommen. Aber man muß halt schauen, womit man am besten klarkommt und da dann tiefer einsteigen und an sich arbeiten. Für den einen ist das online, den anderen reale und für den nächsten ist es eine Kombi aus online und realer SHG bzw. Beratungsstelle. Das kann sich im Laufe der Zeit auch mal ändern.


Vielleicht habe ich jetzt bissel am Thema vorbeigeschrieben... :oops: :lol:
Aber wenn dich jegliches Telefonat zum Saufdruck führt, dann würde ich mich jetzt nicht fragen, warum das so ist, sondern erst mal eine Weile aufhören zu telefonieren. Vielleicht kannst du mit der Beratungsstelle emails schreiben? Schau daß es dir gut geht, stabilisiere dich.
LG, Linde

Lavendelfuchs
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Re: Suchtberatung und Widerstand der Sucht

Beitrag von Lavendelfuchs » 02.07.2020, 10:44

Liebe Linde, danke für deine Offenheit.
Am Dienstag habe ich mit der Beratungsstelle telefoniert. Wobei es ein bisschen Heck-Meck gab, weil ich den ersten Anruf verpasst habe und dann über 2 Stunden immer wieder zurückrufen musste, aber dauerhaft besetzt war. Da ich eh ein großes Problem damit habe "offizielle" Telefonate zu führen (also bei Ärzten, Behörden usw. anzurufen) hat mich das schon viel Kraft gekostet. Am Ende hats geklappt und ich kann am Montag zu einem face-to-face Gespräch vorbei kommen. Saufdruck hatte ich hinterher zum Glück nicht.
Ich glaube es ist wirklich dieser "Widerstand der Sucht", also diese Stimme in meinem Kopf, die sich mit Händen und Füßen gegen Hilfe wehrt und gerne alles so beibehalten würde wie es ist.
Eine SHG, bzw mehrere schaue ich mir auf jeden Fall an, auch wenn ich mit meiner Sozialphobie ein bisschen Bammel davor habe. Ob es das Richtige für mich ist weiß ich noch nicht. Aber es wäre dumm von mir nicht jede Tür raus aus der Sucht zumindest mal aufzumachen.

LG Füchsin

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Re: Suchtberatung und Widerstand der Sucht

Beitrag von woko » 09.08.2020, 16:56

Du bekommst auch Hilfe bei einer SHG in deiner Umgebung. Dort kannst du dich auch aus tauschen mit anderen Betroffenen. Es wäre eine zusätzliche Hilfe zu dem Forum. Auch bringst du Zeit herum, wo du nicht weißt was du tun sollst.
In unserer Blau Kreuz Gruppe kam man auch kommen wenn jemand Alkohol getrunken hat.
Vielleicht tut dir der dierekte Kontakt mit Betroffenen gut.

Viel Glück auf deinem Weg, Fuechsin

Barthell
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Re: Suchtberatung und Widerstand der Sucht

Beitrag von Barthell » 10.08.2020, 13:12

Hallo Lavendelfuchs,

Ich war auch schon fast 4 Monate glaube ich nüchtern evtl mehr. als ich bei der Suchtberatung angerufen habe, das mit dem "zurückrufen" ist glaube ich normal um zu testen ob es jemand ernst meint....

Die ganzen andern Baustellen um dich herum werden denke ich auch kleiner wenn du mit deiner Sucht für dich umgehen kannst.

Die Empfehlung "einfach" mal vorbei zu gehen bei einer SHG halte ich auch für gut die meisten Gruppen die ich kenne sind recht klein, aktuell sowieso und im Zweifel kannst du jederzeit aufstehen und gehen und sagen dass es dir zuviel ist.
eine Alternative die mir grade einfällt: Die meisten Suchtkliniken haben so "Vorstellungsrunden" von den SHG's der Gegend da kann man oft auch als Externer hingehen wenn man weiss dass sie stattfinden und wäre dann nicht direkt in der Gruppe sondern erstmal nur bei 1-2 Vorstellern ....

Grüße und ganz viel Kraft,

Barthell

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