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Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Marian
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Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Marian » 09.01.2021, 16:19

Grüß Gott mitanand

Da ja die Rückfallgefahr im Alkoholismus recht ausgeprägt ist, stellt sich mir die Frage , inwieweit sich Abhängige gegenseitig in eine Abwärtsspirale mitreissen (können).

Habt ihr Erfahrungen?
Gab es gar gemeinsame Rückfälle in Selbsthilfegruppen , "wo man sich dort getroffen hat, auf einer Welle schwimmt, könne man dies doch nach getaner Arbeit gebührend begiessen" ?

Ist nur eine Überlegung und interessiert mich mal im Zuge der Rückfallgefahr & Prophylaxe.

Schöne Grüße
M.

Barthell
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Barthell » 09.01.2021, 17:30

Hallo Marian,

Ich denke, dass es durchaus mitreißende Rückfälle gibt, wenn auch weniger in Selbsthilfegruppen.

Grüße

Barthell

Cadda
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Cadda » 09.01.2021, 19:28

Hallo Marian,

ich habe außerhalb der Gruppe den Kontakt nicht gepflegt. In der Gruppe ist man ja, um trocken zu bleiben.

Wenn man sich mitreißen lassen würde, dann hat man offensichtlich selbst das Problem, eh schon kurz vor einem Rückfall zu stehen. Dann wäre der Rückfall des Freundes oder Bekannten wohl nur der Auslöser, mitzuziehen.

Es gibt selbst hier im Forum Menschen, die mit überaus sympathisch sind. Es tut mir dann leid, wenn sie auf einen Rückfall zusteuern oder ihn hatten. Aber mir persönlich würden nie Gedanken wie „ich würd auch am liebsten gerade alles hinwerfen“ kommen. Man sollte sich immer noch abgrenzen können.

Schwieriger finde ich die Konstellation trocken zu sein und einen saufenden Partner zu haben. Das ist meiner Meinung nach nicht möglich, da ein Abgrenzen vom eigenen Partner nicht dauerhaft möglich ist.

LG Cadda

Marian
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Marian » 10.01.2021, 10:30

Lieber Barthel

Kurz & bündig.
Also heißt es nach wie vor "Auf der Hut sein."
Und du wurdest zwischenzeitig zum Moderator gekürt. Super.

Für viele ist es sicher ein Verlust, das Correns nicht mehr schreibt.
Gibt es bestimmt eine längere, interne Vorgeschichte.

Liebe Cadda

Die verschiedenen Gedankenansätze sind sehr interessant.
Wie ist es, wenn aktiv Betrunkene einer Selbsthilfegruppe inne sind. Inwieweit triggert das unbewusst.
Ist ja nicht immer offensichtlich, gerade ohne "face to face" Begegnung.(virtuelle SHG)

Du grenzt dich innerlich ab und äußerlich auch ?

Stimmt die Gefahr bei einem (abhängig) trinkenden Partner rückfällig oder coabhängig (?) zu werden ist größer.

Viele Grüße

Carmen
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Carmen » 10.01.2021, 11:01

Hallo Marian,

ich habe mich vor einigen Jahren mit einem Mitglied meiner damaligen Selbsthilfegruppe angefreundet - zu diesem Zeitpunkt waren wir beide frisch abstinent und hoch motiviert in ein trockenes Leben zu starten. Einige Wochen später wurde meine Bekanntschaft dann rückfällig, ich wollte ihm helfen, überschätzte die Situation total und vergaß dabei völlig, dass ich noch viel zu instabil war, um einen Rückfälligen zu stützen. Wenige Tage später wurde ich dann auch rückfällig, weil mich das Ganze zu stark triggerte und runterzog.

Ich lernte dann auch noch einige Zeit später eine Frau in der Entgiftung kennen, mit der ich auch nach dem Klinikaufenthalt in Kontakt blieb. Es dauerte nicht lange bis auch sie rückfällig wurde und mich nachts betrunken anrief. Ich bat sie mehrmals das unterlassen, erklärte ihr, dass mich ihre Anrufe und Nachrichten triggern, doch da sie nicht aufhörte, musste ich sie letztendlich überall blockieren - ich hatte dazugelernt.

Ich denke, dass es für jemanden, der noch keine stabile Trockenheit erreicht hat, ziemlich gefährlich sein kann, zu intensiven Kontakt zu anderen frisch Abstinenten zu halten. So zumindest meine Erfahrung. Vieles triggert einen nämlich auch unbewusst und man überschätzt sich doch noch sehr häufig. Bei Selbsthilfegruppen-Mitgliedern, die mir nicht nahe stehen, kann und konnte ich mich allerdings immer gut abgrenzen.

LG
Carmen

Pellebär
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Pellebär » 10.01.2021, 12:47

Moin Marian,

ich halte deine Überlegungen für gefährlich. Warum denkst du darüber nach? Suchst du nach Hintertüren? Als ich nach meinem trockenen Weg suchte, habe ich mich auf die Erfahrungen der Leute konzentriert, die optimistisch mit ihrer Trockenheit umgingen, denn da wollte ich hin und da bleiben.

Pass auf dich auf.

LG PB

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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Marian » 10.01.2021, 20:48

Grüß dich Carmen

Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht.
Das tut mir leid, daß du das so erlebt hast und gut das du die notwendigen Konsequenzen gezogen hast.
Das war bestimmt nicht immer einfach.

und hallo Pellebär...

Vorab:
Denke das Risiko rückfällig zu werden ist immer da.
Wie Cadda es schrieb, wäre die permanente Gegenwart eines abhängig trinkenden Partners ein größeres Hindernis, da es schwieriger ist, sich diesem zu entziehen.

Pellebär , Hintertür? Nein, es geht auch vorne rum :

Hab beruflich mit Menschen zu tun, da spielt süchtiges Verhalten und die glasigen und/oder vernebelten Augen "am nächsten Morgen" ab und an eine Rolle.
Ob darin nun eine Gefahr liegt, das kann gut sein. Zumal wir ja Zeit miteinander verbringen.
(Stellenangebote bitte per PN :lol: )

Wie ist es bei dir, hältst du dich von "konsumierenden" Menschen inmer fern? Geht das?

Vielleicht hast du recht, bin ja nicht grundlos hier und hab gehört,es ist wichtig sich mit dem Thema immer wieder zu beschäftigen.
Und der aktive Austausch hier (im Offenen) scheint etwas begrenzt zu sein.

Optimisten, herzlich Willkommen ! 8)

Cadda
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Cadda » 11.01.2021, 03:28

Hallo Marian,

Kontakt zu Süchtigen halte ich definitiv für gefährlich, es sei denn, sie sind stabil trocken. Ich bin jetzt von Mitmenschen z.B. aus einer Selbsthilfegruppe ausgegangen. Wenn dort jemand auf einen Rückfall zusteuert, wäre es für mich ja nicht hilfreich mit demjenigen privat Zeit zu verbringen. Auf die Gruppe beschränkt würde die Person wohl eher als abschreckendes Beispiel dienen. Privat würden sich einige Menschen sicherlich mit runterziehen lassen.

Freunde die ab und zu mal etwas trinken, was man am Rande mitbekommt, ist eine Sache. Süchtige, für die das Trinken in den Alltag gehört und wo ich mit betroffen wäre, weil ich quasi dabei wäre, find ich ebenfalls gefährlich und würde für mich auch keinen Sinn machen.

Cadda

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