Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

Marian
neuer Teilnehmer
Beiträge: 11
Registriert: 03.01.2021, 11:10
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholiker

Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Marian » 11.01.2021, 09:43

Weißt du Cadda,

mir ist wieder einmal aufgefallen , wieviel Leid der Alkohol mit sich bringt.
Das Leben ist nicht unendlich, der Alkohol nicht Schuld an allem.
Ohne einige dieser ausgeprägten Aspekte (Leid etc)wären wir nicht in dem Desaster, wo wir jetzt sind , meiner Meinung.
Es könnte anders sein oder hätte anders sein können.

Befürchte daher, es ist sinnlos "auf Teufel komm raus" einen Zustand "vor der Krise" herstellen zu wollen.
Schweife ab, zurück zum Thema:

Bin ja nicht umgeben von Volltrunkenen, habe aber gemerkt , daß der Umgang mit Menschen (beruflich bedingt), in denen der Alkohol stark präsent ist , dazu führte das mir die Abstinenz im 4. Jahr etwas schwerer fiel.
Vermute , daß es daher kommt und arbeite an einer Lösung.

Am Rande : Habe festgestellt, daß sich Emotionen nicht unnötig aufbauschen ohne den Alkohol und in ihrer Daseinsberechtigung auch keine schattigen Monster werden 😉, WENN sie "einfach" sein dürfen.

Wünsch dir was
Wie geht es dir zur Zeit mit dem Thema Alkohol, fühlst du dich stabil ?

Gruß M.

Cadda
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1952
Registriert: 04.09.2017, 20:53

Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Cadda » 11.01.2021, 10:04

Hallo Marian,

ich finde es gut, dass Du offensichtlich auf Dich aufpasst. Ich kann mir schon vorstellen, dass es einen triggern kann, wenn man ungewollt mit solchen Situationen konfrontiert wird. Manche Situationen kann man vermeiden oder ändern (welcher Umgang im Privaten, eventueller Jobwechsel) andere wiederum nicht (Alkohol in Einkaufsläden, TV Werbung usw). Man muss schauen, wie man damit umgeht.

Ich selbst fühle mich stabil. Ich setze mich allerdings bewusst viel mit dem Thema auseinander. Reflektiere mich selbst und meine innerlichen Gefühle zu bestimmten Situationen. Ich würde sagen, dass ich mich nicht als gefährdet sehe, bleibe aber dennoch am Ball, damit das auch so bleibt.

LG Cadda

Pellebär
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2230
Registriert: 21.11.2012, 17:00
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Pellebär » 11.01.2021, 14:11

Moin Marian,

ich denke, es ist eine Frage des Umgangs mit der Sucht. Das größte Geschenk, meiner Trockenheit ist die Freiheit, die sie mir gebracht hat. Ich kann kommen und gehen wann ich will, wohin ich will und mit wem ich das will. Mein Umfeld hat sich kaum geändert, aber meine Haltung. Ich lass mich vom Alkohol in keiner Weise mehr einschränken. Es gibt ihn, er begegnet mir überall, ich akzeptiere, dass es ihn gibt, nur ich brauche ihn nicht mehr. In meiner Trockenheit fühle ich mich absolut sicher, sie ist bedingungslos und nicht verhandelbar.

Trotzdem oder gerade deshalb setze ich mich mit ihr immer wieder auseinander.

LG PB

Dante
Moderator
Moderator
Beiträge: 3585
Registriert: 05.08.2006, 19:56
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Dante » 12.01.2021, 13:09

Nicht umsonst wird bei teilstationären Therapien ausdrücklich davor gewarnt, rückfällig gewordenen Mitklienten in Eigenregie helfen zu wollen, weil allzu oft die helfende Person in einen Rückfall gerät.

Auch gilt in jeder Selbsthilfegruppe: Eigenschutz zuerst! Wer sich in einer Situation im Rahmen der Suchtselbsthilfe getriggert fühlt, muss diese Situation verlassen. Es hilft nicht, andere Leute aus dem Sumpf ziehen zu wollen, aber dadurch selbst hinein zu fallen.

Die Situation aus deinem Berufsleben ist etwas anders gelagert. Du bist da passives Element, das Trinkverhalten der anderen ist nicht dein Thema. Wenn doch, hast du entweder noch nicht die notwendige Distanz zum Suchtstoff oder aber die Gesellschaft ist primär aufs trinken fixiert & dein Platz eh nicht in dieser.

Mich stört es nicht, wenn man in meiner Anwesenheit Alkohol trinkt. Mich stört es aber sehr wohl, wenn sich in meiner Anwesenheit das Trinken zum zentralen Bestandteil des Zusammentreffens entwickelt.

Das war übrigens schon zu meiner Trinkzeit ähnlich. Von der Spätschicht zum Gewerkschaftsstammtisch anzureisen machte keinen Sinn, weil beim Eintreffen die versammelte Mannschaft schon 2 - 3 Stunden Trinkvorsprung hatte. Da fühlt man sich fehlplaziert.

(Als Alkoholiker machte ich dann allerdings den üblichen "Fehler": Ich versuchte, nachzuholen & soff entsprechend mehr Schnaps, was zur Folge hatte, dass ich fast immer sturzbesoffen als letzter die Kneipe verließ. So sind Alkies eben. :roll: )

Antworten