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Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Marian
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Marian » 11.01.2021, 09:43

Weißt du Cadda,

mir ist wieder einmal aufgefallen , wieviel Leid der Alkohol mit sich bringt.
Das Leben ist nicht unendlich, der Alkohol nicht Schuld an allem.
Ohne einige dieser ausgeprägten Aspekte (Leid etc)wären wir nicht in dem Desaster, wo wir jetzt sind , meiner Meinung.
Es könnte anders sein oder hätte anders sein können.

Befürchte daher, es ist sinnlos "auf Teufel komm raus" einen Zustand "vor der Krise" herstellen zu wollen.
Schweife ab, zurück zum Thema:

Bin ja nicht umgeben von Volltrunkenen, habe aber gemerkt , daß der Umgang mit Menschen (beruflich bedingt), in denen der Alkohol stark präsent ist , dazu führte das mir die Abstinenz im 4. Jahr etwas schwerer fiel.
Vermute , daß es daher kommt und arbeite an einer Lösung.

Am Rande : Habe festgestellt, daß sich Emotionen nicht unnötig aufbauschen ohne den Alkohol und in ihrer Daseinsberechtigung auch keine schattigen Monster werden 😉, WENN sie "einfach" sein dürfen.

Wünsch dir was
Wie geht es dir zur Zeit mit dem Thema Alkohol, fühlst du dich stabil ?

Gruß M.

Cadda
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Cadda » 11.01.2021, 10:04

Hallo Marian,

ich finde es gut, dass Du offensichtlich auf Dich aufpasst. Ich kann mir schon vorstellen, dass es einen triggern kann, wenn man ungewollt mit solchen Situationen konfrontiert wird. Manche Situationen kann man vermeiden oder ändern (welcher Umgang im Privaten, eventueller Jobwechsel) andere wiederum nicht (Alkohol in Einkaufsläden, TV Werbung usw). Man muss schauen, wie man damit umgeht.

Ich selbst fühle mich stabil. Ich setze mich allerdings bewusst viel mit dem Thema auseinander. Reflektiere mich selbst und meine innerlichen Gefühle zu bestimmten Situationen. Ich würde sagen, dass ich mich nicht als gefährdet sehe, bleibe aber dennoch am Ball, damit das auch so bleibt.

LG Cadda

Pellebär
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Pellebär » 11.01.2021, 14:11

Moin Marian,

ich denke, es ist eine Frage des Umgangs mit der Sucht. Das größte Geschenk, meiner Trockenheit ist die Freiheit, die sie mir gebracht hat. Ich kann kommen und gehen wann ich will, wohin ich will und mit wem ich das will. Mein Umfeld hat sich kaum geändert, aber meine Haltung. Ich lass mich vom Alkohol in keiner Weise mehr einschränken. Es gibt ihn, er begegnet mir überall, ich akzeptiere, dass es ihn gibt, nur ich brauche ihn nicht mehr. In meiner Trockenheit fühle ich mich absolut sicher, sie ist bedingungslos und nicht verhandelbar.

Trotzdem oder gerade deshalb setze ich mich mit ihr immer wieder auseinander.

LG PB

Dante
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Dante » 12.01.2021, 13:09

Nicht umsonst wird bei teilstationären Therapien ausdrücklich davor gewarnt, rückfällig gewordenen Mitklienten in Eigenregie helfen zu wollen, weil allzu oft die helfende Person in einen Rückfall gerät.

Auch gilt in jeder Selbsthilfegruppe: Eigenschutz zuerst! Wer sich in einer Situation im Rahmen der Suchtselbsthilfe getriggert fühlt, muss diese Situation verlassen. Es hilft nicht, andere Leute aus dem Sumpf ziehen zu wollen, aber dadurch selbst hinein zu fallen.

Die Situation aus deinem Berufsleben ist etwas anders gelagert. Du bist da passives Element, das Trinkverhalten der anderen ist nicht dein Thema. Wenn doch, hast du entweder noch nicht die notwendige Distanz zum Suchtstoff oder aber die Gesellschaft ist primär aufs trinken fixiert & dein Platz eh nicht in dieser.

Mich stört es nicht, wenn man in meiner Anwesenheit Alkohol trinkt. Mich stört es aber sehr wohl, wenn sich in meiner Anwesenheit das Trinken zum zentralen Bestandteil des Zusammentreffens entwickelt.

Das war übrigens schon zu meiner Trinkzeit ähnlich. Von der Spätschicht zum Gewerkschaftsstammtisch anzureisen machte keinen Sinn, weil beim Eintreffen die versammelte Mannschaft schon 2 - 3 Stunden Trinkvorsprung hatte. Da fühlt man sich fehlplaziert.

(Als Alkoholiker machte ich dann allerdings den üblichen "Fehler": Ich versuchte, nachzuholen & soff entsprechend mehr Schnaps, was zur Folge hatte, dass ich fast immer sturzbesoffen als letzter die Kneipe verließ. So sind Alkies eben. :roll: )

Marian
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Marian » 06.02.2021, 15:27

Hey Pellebär

Freut mich, das du ohne den Alkohol zu mehr Freiheit gelangt bist.
Hast du noch weitere Ziele bezüglich der Freiheit?


Hallo Dante
Dante hat geschrieben:
12.01.2021, 13:09
Nicht umsonst wird bei teilstationären Therapien ausdrücklich davor gewarnt, rückfällig gewordenen Mitklienten in Eigenregie helfen zu wollen, weil allzu oft die helfende Person in einen Rückfall gerät.

Auch gilt in jeder Selbsthilfegruppe: Eigenschutz zuerst!
... ist ja im Grunde logisch, aber das konkret davor gewarnt wird, war mir noch nicht bekannt.
Nicht das man dann im weiteren Sinne noch wegen unterlassener Hilfeleistung drann ist...

Na warte mal Dante ...
Das im Berufsleben und überhaupt außerhalb der eigenen vier Wände , das Trinkverhalten anderer nicht zum eigenen Thema wird , ist so einfach nicht zu sagen.

Es beeinträchtigt und tut nicht gut.
Das ist doch nun wirklich kein Geheimnis.

Auch angepöbelt o.ä. zu werden lässt sich nicht immer vermeiden - zumal aktuelle und wer weiß was wohl noch für Krisen IMMER noch einen Grund liefern mehr trinken zu müssen. :roll:

Dante
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Dante » 08.02.2021, 12:25

Selbstgefährdung ist stets ein ausreichender Grund, Hilfe für andere zu unterlassen.
Im Rückfall bei Suchterkrankung greift das mit der unterlassenen Hilfeleistung überhaupt nicht. Das hieße in letzter Konsequenz, andere beliebig für das eigene Fehlverhalten verantwortlich machen zu können. Zudem ist ein Rückfall nicht zwangsläufig lebensbedrohlich.

Die Regel "Eigenschutz zuerst" gilt genau genommen für alle Situationen, unabhängig von der Suchtfrage.
Du musst niemanden aus dem Wasser ziehen, wenn du selbst nicht schwimmen kannst.


Was das Trinkverhalten anderer außerhalb der eigenen vier Wände betrifft:
Das ist etwas, was man im Laufe seines Trockenwerdens erlernen sollte. Das Trinkverhalten anderer sollte kein Maßstab (mehr) sein für einen Trockenen. Wenn man angepöbelt wird, weil man nicht mittrinkt, ist man ganz sicher in schlechter Gesellschaft. Du kannst dich als Trockener nicht mehr unter der Linde vorm Edeka treffen zum Weintetrapackumtrunk. Da bist du falsch, & du wirst auch kaum jemanden aus solcher Gesellschaft "umpolen" können - das stört nur den versoffenen Gruppenfrieden.

Das gilt auch für Treffen mit beruflichen Background. Nicht wenige orientieren sich wegen solcher Arbeitsplatzsituation neu.

Die gegenwärtige seuchenbedingte Krise ist kein Grund zum saufen.
Wenn ein dir naher Mensch stirbt & dich das völlig mitnimmt ist das kein Grund zum saufen.
Dein Gedanke zeigt bloß auf, dass saufen immer noch eine gewisse Akzeptanz bei dir hat. Daran würde ich an deiner Stelle arbeiten, denn so lange das nämlich der Fall ist, bleibt deine Trockenheit labil.

Pellebär
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Pellebär » 08.02.2021, 12:55

Moin Marian,

Meine gewonnene Freiheit war und ist kein Ziel, sie ist das Ergebnis meiner Nüchternheit. Diese ist bedingungslos und nicht verhandelbar.

Gründe zu trinken findest du immer, wenn du sie denn finden willst, genauso viele Gründe findest du aber auch nicht zu trinken, wenn du es denn willst.

Es hat mich nicht weiter gebracht danach zu suchen. Ich habe mich auf mich und mein Leben konzentriert.

LG PB

Marian
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Re: Kollektive Rückfallgefahr (in Selbsthilfegruppen)

Beitrag von Marian » 08.02.2021, 20:02

Hallo Dante

Irgendwie kommunizieren wir aneinander vorbei?
Halte mich natürlich in meiner Freizeit nicht in einem trinkenden Umfeld auf.
Das wäre wirklich widersinnig.

Begegne in meinem regen Alltag Betrunkenen oder Konsumierenden und habe den Eindruck "seit Corona" wird mehr getrunken - muß ja nicht stimmen.(äußeres Umfeld,Fremde)

Mein Gedanke ging in Richtung derer, die sich und andere im betrunkenen Zustand gefährden ,wenn quasi durch einen Betrunkenen verursachender, abzusehender Folgeschaden verhindert werden kann.
Es ging darum sich als Trockener mit Betrunkenen zu beschäftigen(oder eben nicht,äußeres Umfeld,Fremde).


Habe dich verstanden, wir müssen es nicht weiter erötern.

Wie würdest du dich denn gegenüber eines Volktrunkenen verhalten, dem es offensichtlich schlecht geht , evtl der derzeitigen Kälte ausgesetzt ist.
Ignorieren ?
Das Beispiel ohne Schwimmen zu können niemanden aus dem Wasser zu ziehen ist sehr gut.
Gelegentlich eröffnen sich dort Grauzonen vom Nicht können zum können hin.

Bist du stolz auf dich/deine Trockenheit ?

Jede Krise lässt sich ohne Alkohol besser bewerkstelligen.
Alkohol ist in der Gesellschaft breit gefächert vorhanden.
Meine Akzeptanz spielt da weder eine Rolle, noch wird hier (in den 4 Wänden) Alkohol konsumiert, außer in Form der Schönheitspflege.
Ob andere Trinken liegt in ihrer Eigenverantwortung und ist natürlich nicht mein Problem.
Bekannter Weise handelt es sich bei Alkoholismus jedoch um eine anerkannte Krankheit oder von welcher Akzeptanz schreibste hier ?

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