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Dann fang ich mal an..

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

Thena
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Dann fang ich mal an..

Beitrag von Thena » 18.01.2021, 21:05

Hallo ihr,

ich bin neu hier. Ich dachte ich packs jetzt einfach mal an und schreibe meinen eigenen Beitrag. War bisschen unsicher, weil kompletter Neuling aber ich fang einfach mal an...das haben ja so viele vor mir schon gemacht.

Ich kopiere hier erstmal meinen Vorstellungstext rein...

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Hallo an alle,
Ich möchte mich hiermit gern vorstellen.
Ich weiß gleich gar nicht wie ich anfangen soll.

Ich weiß nicht genau was ich im Moment fühle, weil ich tatsächlich das erste mal in meinem Leben WIRKLCH realisiert habe, erkannt habe, dass ich Alkoholikerin bin. Ich trinke regelmäßig seid ca. 9 Jahren. Immer Abend. Immer der gleiche Wein. Bier, Schnaps oder andere Sachen hab ich so gut wie nie angefasst. Der Weißwein isses. Die Flasche Weißwein. Jeden. Verdammten. Abend.
Ich habe zwischenzeitlich auch Phasen gehabt in denen ich nicht getrunken haben. Dann Phasen in denen ich sehr wenig getrunken habe, aber ich bin dennoch wieder in alte Muster gefallen.
Ich habe nicht zum 1.mal den Gedanke das ich ein Problem haben könnte. Allerdings ist diese Krankheit so heimtückisch, dass jedes mal, wenn das Herz meinte: "Mädel, das ist kein normaler Konsum mehr." das Hirn erwiderte: "Ach, die Flasche macht dich nicht gleich zum Alki. Soooo viel ist das nun auch nicht. Und immerhin kein Vodka!" Jedes mal bin ich reingefallen. Jedes mal hab ichs mir schön geredet.
Ich bin in einem Berufsfeld tätig in dem Alkoholismus oder Drogensucht im allgemeinen keine Seltenheit ist. Ich hatte ein ziemlich hartes Jahr, wie viele natürlich, aufgrund von Corona. Keine Aufträge mehr, die ganze Zeit zu Hause. Und dann kam die Langeweile. Und der Griff zur Flasche wurde noch normaler. Es ging dann alles so schnell. Ich fing plötzlich manchmal schon mittags an ein Glas zu trinken. Ich verband selbst Wäsche waschen im Waschsalon mit Alkohol. Die 50min Waschzeit wurden genutzt um in den nahe gelegenen Supermarkt zu gehen und dort 2 kleine Dosen Prosecco zu kaufen. Zurück in den Salon und die restliche Wartezeit mit meinen Dosen verbracht. Furchtbar.

Ganz furchtbar fühlt sich es auch gerade für mich an diese Zeilen zu schreiben. Womit wir wieder beim Beginn meines 4. Satzes oben wären... Ich weiß nicht was ich fühle... Ich bin beschämt, wütend, mache mir immense Vorwürfe.
Ich bin jetzt seit 6 Tagen abstinent. Ich habe bisher mit niemandem darüber gesprochen, außer mit meinem Partner. Wir leben zusammen.
Ich habe mir vor 3 Tagen eingestanden das ich Alkoholkrank bin. Habe immens viel im Internet gelesen und bin dann auf dieses Forum gestoßen und habe mir einige Beiträge bis spät in die Nacht durchgelesen. Ich bin unfassbar dankbar für all die offenen Austausche hier. Wahnsinn wie mir das Hoffnung gegeben hat bisher.

Mir geht es so lala. Ich habe keine körperlichen Entzugserscheinungen aber heftiges verlangen nach Alk. Vor 2 Tagen war der Höhepunkt. Da wurde ich sehr unruhig und ich dachte ich flippe gleich aus. Man man man. Was ein Giftzeug das doch ist.

Was ich nicht ganz einzuschätzen vermag ist, dass ich gestern eine Form von Euphorie bemerkt habe. Ich rede mit meinem Partner plötzlich sehr sehr viel. Manchmal steigere ich mich regelrecht rein in das Thema.
Sollte ich mir da Sorgen machen? Ich hatte dazu auch hier im Forum gesucht aber bin nicht fündig geworden.

So ich glaube das reicht erstmal.
Puh... Was ein Schritt das jetzt tatsächlich abzuschicken so das andere Einblick in diesen Teil meines Lebens haben.

Ganz liebst,
Thena

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Mittlerweile bin ich bei Tag 9. Arzttermin habe ich am 29.01. Mir geht es soweit gut. Der Saufdruck ist noch da aber wird weniger. Ich genieße gerade jede freie Minute ohne das Gift. > übrigens sage und schreibe ich im Moment viel das Wort Gift anstatt Alk o.ä. mir hilft es noch mehr zu realisieren und noch mehr Abstand zu gewinnen.

Ich habe mir außerdem 2 Bücher bestellt. "ALK" und "Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein: Frei und glücklich - ein Leben ohne Alkohol". Die kommen morgen an - freue mich schon sehr drauf die zu verschlingen.

Morgen dann mehr von mir...ich arbeite noch ein bisschen weiter. (Auch etwas was ich in Suffzeiten null zustande gebracht habe...einfach am Abend noch ein bisschen arbeiten UND Spaß dran zu haben)

Grüßelis

Carmen
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Re: Dann fang ich mal an..

Beitrag von Carmen » 19.01.2021, 17:20

Hallo Thena,

das klingt doch alles schon wirklich gut und zuversichtlich. Ich hab am Anfang auch einige Bücher, unter anderem auch Alk, gelesen - hat mir gut getan.

Der Arzttermin wird Dich auch noch mal einen Schritt weiterbringen - mich hatte die Aussprache damals total entlastet und ich war erstaunt, wie gut und verständnisvoll mein Arzt reagierte.

Ich wünsche Dir weiterhin eine gute Stabilisierung.

LG
Carmen

Cadda
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Re: Dann fang ich mal an..

Beitrag von Cadda » 19.01.2021, 17:57

Hallo Thena,

schön, dass Du hier bist :-) Das Buch ALK ist großartig. Ich habe es erst vor einiger Zeit als Hörbuch gehört und war so begeistert, dass ich meine engsten Vertrauten, das heißt meine Schwester und besten Freundin gebeten, es mal bei Gelegenheit zu hören. Einfach, weil es so toll erklärt ist, dass auch Nicht-Süchtige etwas damit anfangen können.

Diese Anfangseuphorie ist doch gut, denk später immer mal wieder dran zurück, das hilft. Wobei... ich habe jetzt nach guten 3 Jahren immer noch Momente, wo ich vor Freude in die Luft springen könnte, darüber, dass ich nun trocken bin.

LG Cadda

Thena
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Re: Dann fang ich mal an..

Beitrag von Thena » 19.01.2021, 19:32

Nabend alle miteinander :)

danke liebe Carmen und liebe Cadda für eure Antworten!

Ich kriege das mit dem zitieren noch nicht auf die Reihe...es verwirrt mich ganz schlimm. Haha. Muss mir das mal in Ruhe anschauen. :D

@Carmen Ja, auf den Termin beim Arzt freue ich mich mittlerweile sehr. Ich war auch maßlos stolz auf mich, nachdem ich den Termin gemacht habe. Ich hoffe, meine Freude bleibt bestehen. Und ich hoffe auch sehr das mein Arzt ein Guter ist.

@Cadda ich bin mega gespannt auf das Buch ALK. Habe schon viele positive Berichte über das Buch gelesen. Ich muss am Donnerstag beruflich in eine andere Stadt und Zugfahren habe ich in der Vergangenheit auch oft genutzt um zu trinken. Anstatt dem Gift , ist das Buch im Gepäck.
Meine herzlichen Glückwünsche zu 3 Jahren! Es ist schön zu lesen, dass du noch immer Momente der Freude darüber hast. Da will ich auch hin!

Seit Tagen ist das Lesen im Forum meine Morgen - und Abendlektüre. Sehr sehr spannend, lehrreich und hilfreich ist es sich hier durchzulesen. Ich fühle mich nicht mehr allein. Das mag äußerst makaber klingen aber ich bin froh, dass es so viele gibt die die gleiche harte Zeit durchmachen oder gemacht haben. Ich fühlte mich so lang als Sonderling und gefangen. Ich kann endlich aufatmen und mal durchatmen.
Heute möchte ich etwas mehr zu meiner Person schreiben, nicht zu viel, das möchte ich dann lieber in den geschlossenen Gruppen tun.

Es war einmal....
Spaß. Entschuldigt bitte - ich habe heute Hummeln im A**** - liegt daran, dass mir mein Partner heute morgen nach dem aufstehen ein tolles Kompliment gemacht hat, dass mich noch immer strahlen lässt und mich mit guter Laune durch den Tag trägt. (ich neige außerdem zum albern sein und bekomme gern mal meine 5min in denen ich ohne erdenklichen Grund heulend vor lachen auf dem Boden liege...aber das nur mal am Rande)

"Es ist wunderschön anzusehen wie entspannt du aussiehst."

Das hat mich zum weinen gebracht. Ich glaube, ich muss nicht mal genauer erläutern warum mich das im ersten Moment zum weinen brachte. Ich denke, ihr versteht selbst.

Ich bin, w, bald 30 und gebürtige Sächsin. Darauf bin ich ganz stolz - ich liebe mein Erzgebirge. Wohne aber mittlerweile seit bald 6 Jahren in einem anderen Bundesland.
Ich hatte im Alter von 15 einen 1. heftigen Schicksalsschlag, im Alter von 18 dann den nächsten, dieser hat mein Leben komplett verändert und heftige Nachbeben mit sich gezogen - und dieser war es der mich langsam aber stetig dem Gift entgegenbrachte. Ich habe, bis ich 19 war, zwar mal getrunken auf Partys. Aber nie ausfällig. Wusste wann genug ist und kam auch sofort wieder los davon.
Ich erinnere mich noch haargenau an diesen 1. Abend an dem ich mir eine Flasche Wein öffnete und zum ersten mal alleine ein Glas Wein trank. Wie entspannt ich mich gefühlt habe und plötzlich sorgenfreier. Es blieb bei dem einen Glas, ich war damals nämlich schon nach diesem Glas beschwipst. Und auch blieb es vorerst bei diesem einen Abend. Bis mein Leben so heftige Wendungen nahm, das ich öfter zum Glas griff. Zur Ablenkung, wollte wieder das sorgenfreie Gefühl, mich fallen lassen, vergessen, dem Schmerz und dem Kummer entfliehen. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich auf dem Weg bin Alkoholikerin zu werden, hätte ich vermutlich angefangen zu lachen oder mich gefragt ob die Person einen an der Waffel hat. Ich doch nicht. Alkis sind die vorm Hauptbahnhof. Die die komisch riechen. Keine Zähne mehr haben. Keine Arbeit. Die Penner halt. So dachte ich wirklich damals, ich war jung und bin in einem Umfeld groß geworden in dem es gang und gäbe war sich abfällig über Obdachlose zu äußern. "Die sind ja selbst schuld" so meine Freunde und deren Eltern und so auch meine Eltern. Später wusste ich das das so ganz und gar nicht der Fall ist. Und sich kein Mensch absichtlich das Leben verbaut oder sich selbst zerstören will. Da rutscht man rein.Aber doch um Himmels willen nicht vorsätzlich. Und das kann durchaus schnell gehen...Entschuldigt... Ich schweife ab...
Ich habe mich nach dem Alles-verändernden-Schicksalsschlag zwar aufraffen können und mein Leben wieder in die Hand genommen - und das bis heute auch durchaus erfolgreich, ich habe mich hochgearbeitet und mir einen Name gemacht - aber das Gift war mein ständiger Begleiter. Und über die Jahre wurde es anstatt einem Glas Wein die ganze Flasche am Abend.
Vor paar Tagen fiel mir auf, dass ich geschickt meine Alkoholabhängigkeit verbergen konnte. Ich habe ja schließlich nur alleine gesoffen. Ich bin kein Partymensch und selbst wenn ich unter Gesellschaft war, habe ich mich gezügelt. Dafür dann aber schon auf dem Heimweg alleine gebechert oder eben zu Hause weiter gesoffen. (Ich schlug mir gerade die Hand vor den Kopf nachdem ich den Satz beendet habe)
Warum? Frag ich mich ganz oft. Und Gott sei Dank kommt immer öfter das Herz anstatt das nasse Hirn und sagt: "Weil du krank bist, liebes."

Fortsetzung folgt...
Muss zu Abend essen, der Mann hat Pelmeni gemacht.

Grüßelis

Thalia1913
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Re: Dann fang ich mal an..

Beitrag von Thalia1913 » 19.01.2021, 21:59

Hallo Thena,

schön, dass du „mal anfängst“. :) Damit geht‘s doch los.

Ich kann deine Gefühle gut nachvollziehen:
Ich fühle mich nicht mehr allein. Das mag äußerst makaber klingen aber ich bin froh, dass es so viele gibt die die gleiche harte Zeit durchmachen oder gemacht haben. Ich fühlte mich so lang als Sonderling und gefangen. Ich kann endlich aufatmen und mal durchatmen.
So ging es mir auch, als ich in meiner anfänglichen Abstinenz dieses Forum fand, und so ähnlich geht es mir noch immer, weil ich es nicht mehr so weit kommen lasse, dass ich mich so alleine und gefangen fühle wie damals in der nassen Zeit.

Ich finde es auch ganz super, dass du deinem liebevollen Herzen eine Stimme gibst. Diese Selbstfürsorge ist in meiner Erfahrung unglaublich wichtig.

Ich wünsche dir hier einen weiterhin guten Austausch.

Herzlich,
Thalia

Thena
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Re: Dann fang ich mal an..

Beitrag von Thena » 22.01.2021, 10:04

Hallö zusammen,

@Thalia ja, es ist immens was ein gemeinsamer Austausch bewirken kann. Und wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Sehr wertvoll das.

Mir geht es immer noch sehr gut. Ich hatte die vergangenen Tage heftig viel zu tun und etwas Stress. Beobachten konnte ich, dass ich nach nem harten Tag am Abend Gelüste habe was zu trinken um mich zu belohnen. Aber auch nur kurz und es kam die vergangenen Tage auch nicht zu diesem Druck. War eher so ein kurzes aufflammen, dem ich mich aber nicht hingegeben habe.
Ich hatte gestern (oder vorgestern?) meinen ersten Alptraum. Ich habe geträumt mir wird ein Bier (warum Bier, das mochte ich nie wirklich) in die Hand gedrückt was ich ohne nachzudenken getrunken habe. Erst als die Flasche leer war hab ich realisiert was ich eigentlich mache und mich heftig erschrocken im Traum. Und dann bin ich wach geworden. Und musste echt erstmal klarkommen. Hab ich WIRKLICH was getrunken?? Ich hab ne Weile gebraucht um wieder einzuschlafen. Zeigt mir wie tief das Thema sitzt.

Mein Partner geht heute Abend die Eltern besuchen. Ich bleib brav zu Hause. Hatte zuerst überlegt ob ich mitkomme aber das funktioniert noch nicht. Ich will mich einfach nicht in solche Situationen bringen. Und ich bin auch noch nicht soweit mich zu öffnen. Aber das ist ok. Ich gebe mir Zeit und habe Geduld mit mir selbst.

Meine Zugfahrt wurde übrigens verlegt auf Sonntag - deshalb kein Bericht darüber wie es mir im Zug so erging.

Ah... Und heute ist Tag 13. Die Zahlen werden größer und ich immer glücklicher. :)

Einen schönen Tag euch allen!

Cadda
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Re: Dann fang ich mal an..

Beitrag von Cadda » 22.01.2021, 20:23

Hallo Thena,

ich möchte Dir wirklich mal ein Lob aussprechen. Ich finde, Du gehst es sehr gut an und ich finde es super, dass Du auf Dich aufpasst!!

Das mit den Träumen kenne ich so sehr!! Genau solche Träume hatte ich am Anfang ohne Ende und ich hab hier mehrfach gelesen, dass das mehreren Leuten so ging. Ich habe das immer noch, aber nur sehr selten. Ich bin dann immer sowas von erleichtert, dass es nur ein Traum war. Ich versuche es positiv zu sehen: Ab und zu erinnere ich mich bewusst daran, wie schlecht es mir im Traum ging, wenn ich trinke. Genau so würde es mir in der Wirklichkeit gehen. Wenn Du Lust aufs Trinken bekommst, denk an die Gefühle zurück, die Du im Traum hast. Die willst Du schließlich nicht in echt.

Gedanken zu Ende denken, hilft mir auch immer. Wie geht es nach dem ersten Glas mit euphorischer Stimmung weiter? Wann endet es? Wie endet es? Da vergeht einem die Lust aufs erste Glas...

Es ist übrigens ok, wenn Du ein wenig Zeit dafür brauchst, aber ich kann Dir eines sagen: Mir hat es sooooo sehr geholfen, mit offenen Karten zu spielen. Es wurde dermaßen positiv aufgenommen und ich habe ganz viel Rückhalt bekommen und eine Menge Leute sind richtig stolz auf mich, das hat mir gut getan.

Ein Tip: Je normaler Du das erzählst, umso normaler die Reaktionen. Am Anfang war ich selbst noch so erschüttert über mich selbst, dass ich mich regelrecht erklärt und gerechtfertigt habe. Inzwischen völlig anders. Ich erzähle, dass ich in die Sucht gerutscht bin, als wäre es das Normalsge der Welt. So fällt es dann dem Gegenüber auch leichter, darauf normal zu reagieren. Unsicherheit vermittelt beim Gegenüber auch Unsicherheit und dann kommt Mitleid oder was auch immer. Das braucht man nicht.
Du musst ja auch nicht jedem Hans und Franz etwas erklären. Wenn ich neue Leute kennenlerne sage ich erstmal nur, dass ich grundsätzlich kein Alkohol trinke und fertig. Wenn nach dem Warum gefragt wird (was übrigens nur von Leuten kommt, die ebenfalls gern trinken), dann sag ich „Ich hab in meinem Leben genug getrunken, das ist vorbei“. Ach, das kommt auch auf die Situation an.
Aber das Alles kommt mit der Zeit von selbst.

Ich wünsch Dir ein schönes Wochenende :-)

LG Cadda

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Re: Dann fang ich mal an..

Beitrag von Thena » 24.01.2021, 11:39

ich möchte Dir wirklich mal ein Lob aussprechen. Ich finde, Du gehst es sehr gut an und ich finde es super, dass Du auf Dich aufpasst!!
Danke Liebe Cadda!
Es ist übrigens ok, wenn Du ein wenig Zeit dafür brauchst, aber ich kann Dir eines sagen: Mir hat es sooooo sehr geholfen, mit offenen Karten zu spielen. Es wurde dermaßen positiv aufgenommen und ich habe ganz viel Rückhalt bekommen und eine Menge Leute sind richtig stolz auf mich, das hat mir gut getan.
Wie lang hast du dafür gebraucht? Wann hast du den Entschluss gefasst es offen zu legen, war das noch recht am Anfang?
Deinen Tipp beherzige ich definitiv! Danke dafür!

Ich sitze gerade im Zug.
Ich hatte folgenden Gedanke den ich gern mit euch teilen möchte.
Ich bin (eigentlich) ein sehr lebensfroher Mensch. Ich lache gern und viel. Ich finde in allem immer etwas positives. Das macht einen großen Teil meiner Persönlichkeit aus. Diese Vitalität und die ich in mir trage erleichtert es mir, mich auf neue Umgebungen, Menschen und Situationen einzulassen. Das soll kein Lobgesang auf mich werden. Es ist einfach nur ein Teil meiner Persönlichkeit. Und mir ist gestern bewusst geworden, dass dieser Teil zwar noch immer in mir loderte, aber ich - mit jedem Schluck den ich trank- immer einen Schritt näher kam dieses Feuer in mir zu löschen.

Mein Freitag Abend alleine war wohl seit langem der schönste Abend den ich alleine verbracht habe. Ich bin schon immer gern mal alleine gewesen. Nur leider war ich es in der Vergangenheit ja nicht WIRKLICH. Nicht in mir, nicht wirklich da. Und genießen konnte ich es auch nicht.
Die Abende mit Flasche würde ich so beschreiben:
Neblig, hässlich, garstig.
Taub, leer.
Egozentrisch.
Ekel.
Deprimiert. Hoffnungslos gefangen. Ausweglos. Müde. Verdammt müde.

Am Freitag habe ich zum ersten mal seit einer gefühlten Ewigkeit Zeit mit mir selbst genießen können. Ich habe mir Zeit für mich genommen. Mir etwas gutes getan. Beauty Session, ausgiebiges Bad. Für mich gekocht. Für mich Kerzen angezündet. Es mir gemütlich gemacht.
Am nächsten Morgen bin ich mit einem ganz ganz speziellen Gefühl aufgewacht, dass ich aus meiner Zeit ohne Alk kenne und aus meiner Kindheit, was ich aber so lang nicht mehr fühlte. Diese rundum-Zufriedenheit, diese Vorfreude und Neugierde auf den Tag. Selbstliebe.
Ich fühle endlich mein inneres Kind wieder. Gott, hab ich es vermisst. Mir war gar nicht bewusst wie sehr eigentlich.
Wie unfassbar verändert hat mich nur der Alk. Wieviel er mir genommen hat...und ich dachte er gibt mir so viel.

Ach mIst,
ich muss aussteigen. War noch gar nicht fertig..aber werde wohl heute nicht mehr dazu kommen mehr zu schreiben.

Habt einen wundervollen Sonntag!

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