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Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Roselia
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Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Roselia » 22.01.2021, 15:13

Heute ist Tag 11

Ich bezeichne mich als NÜCHTERN! Das ist mir wichtig. Ich kann mich mit der Bezeichnung „Trockene Alkoholikerin“ nicht identifizieren. Das war vielleicht auch immer ein Grund mit, warum ich es Jahrelang hinausgezögert und schön geredet habe. Dass ich ein Problem mit Alk habe, weiß ich leider schon viel zu lange.

Der Gedanke, es zuzugeben verband ich immer mit den AA. Ein Alptraum dort mal zu sitzen. Hier im Forum ist mein erster Schritt zuzugeben, dass ich psychisch abhängig bin.

Ich möchte hier ein Teil von mir preisgeben, meine spontanen Gedanken festhalten und anderen zuhören, mit begleiten und von ihnen lernen.


Warum jetzt???

Manchmal braucht es so einen kleinen Moment im Leben.

Abends switche ich so im TV rum. Bei Talk-Runen bleich ich ja gerne mal hängen. Zu Gast war edit Karsten und ich horcht auf, als sie dort über Ihre Sucht erzählte. Sofort fand ich sie super sympathisch und Ihre Aussage.. sie mag den Ausdruck TROCKEN nicht, sie wäre ja kein Baby!!!

Und sie sagt: Versuche erstmal 1 Tag aufzuhören, wenn das nicht geht, dann sag dir..für die nächsten Stunden, wenn das nicht geht, dann sag dir nur für 1 Stunde, wenn das nicht geht, dann sage dir dann.… JETZT.. und JETZT…. und JETZT!

PÄNG.. geile Aussage!! Ich hörte noch so zu – sehr spannend… tolle Frau.

Am nächsten Morgen ging mir edit Karsten nicht aus dem Kopf…Da ich da schon 2 Tag nichts getrunken hatte, wollte ich dabei bleiben. Unbedingt! Ich hatte schon 2 wertvolle Tage geschafft. Ich fing sofort an und hörte ihre Podcast. Ich liebe Podcast, bin aber nie auf die Idee gekommen, diese auch mal zu einem Thema zu hören, wo ich ernsthaft ein Problem mit habe.
Der Podcast als Gehirnwäsche, und sich all das wieder ins Gedächtnis zu rufen, was ich schon vor langer Zeit gelesen hatte (das Buch „Endlich ohne Alkohol“, „Alk“, „Nüchtern“)

edit Karsten

Lieben Gruss
Roselia

Roselia
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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Roselia » 23.01.2021, 10:17

Finde den Fehler

Nikotin Abhängigkeit - Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
Alkoholkrank - die Abhängigkeit von der psychotropen Substanz Ethanol


Was war meine Nikotin Sucht? Nur eine psychische Verhaltensstörung? Warum konnte ich sie erfolgreich bekämpfen. Wieso war es so wahnsinnig schwer? Was ist der Unterschied zum Alk?

Als ich mit 29 Jahren beschloss endlich aufzuhören mit dem Rauchen war das ein richtig harter Kampf. Ich verschenkte von heute auf morgen alle (noch gerade frisch gekauften) Zigarettenstangen. Und fing an zu kämpfen.
Ich wollte unbedingt, wirklich unbedingt aufhören. Ich war körperlich nicht mehr in der Lage die Wäsche aus dem Keller zu holen, ohne 2x Pause zu machen. Der Entschluss stand, aber es war vom ersten Tag an verdammt schwer.
Die Zigarette nach dem Aufstehen bei einer Tasse Kaffee. Auf der Arbeit! Ganz krass die vielen Raucherpausen mit den Kollegen. Die Zigarette nach dem Essen. Die nach der Arbeit, die vielen Zigaretten aus Langweile oder zur Belohnung. Die mega vielen Zigaretten auf Party und zum Alkohol.
Ich hatte den Glimmstängel 24 Stunde im Kopf. Ich fühle mich schrecklich und unausstehlich, aber jeder Tag war ein Mini Schritt zur Freiheit.

Ich ging wochenlang nicht mehr auf Party oder raus. Ich ging um 20 Uhr ins Bett, weil ich es oft nicht mehr aushielt. Ich lass meine Heilige Fibel (Endlich Nichtrauer, Carr) hoch und runter. Ich legte mir das Buch unters Kopfkissen. (noch heute dieses Buch mir wichtig, obwohl ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr an Zigaretten denke) – Es ist mein Andenken, an etwas, woraus ich mächtig stolz bin.

Ich „rauchte“ aus Verzweiflung aus leeren Kugelschreiber Hüllen, oder schnitt mir von einer Zigarette die Filter ab um damit das Rauchen zu simulieren. Ich atmete bewusst frische Luft und zog mir es mir tief in die Lungen. Ich träume anfangs viel, das ich wieder rauche. (Noch heute kommt es durch.) es war KRASS!

Es war ein täglicher schwerer Kampf, aber ich hatte meinen Plan. Einen Zeitplan, wo drauf stand, das sich nach soundwoviele Tagen dies oder das Verbessert… Mein Ziel.. nach 10 Jahr ist die Lunge ähnlich die eines Nichtrauchers. Heute bin ich immer noch Nichtraucher, auch wenn es leider mal 2 kleine Phasen gab wo ich mal 2 – 3 Wochen rauchte, um dann festzustellen, Stopp.. es fängt wieder an. Denn auch ein kontrolliertes Rauchen kam für mich NIE in Frage. Das kann ich einfach nicht. Das ist mir zu anstrengend.

Ganz oder Gar nicht, das war mein Grundsatz an dem ich immer festhielt.

Genauso will ich es jetzt mit dem Alk aufnehmen. Weniger trinken kann ich einfach nicht!

ABER… dieser Alk verhält sich anders. Warum?

Mir geht es gut, ich bin seit 12 Tagen nüchtern und ich fühle mich sicher. Aber ich habe Angst, warte auf die Falle. Ich bin sicher, sie werden kommen.


Selbst gestern, (ein FREITAG!!) wo spontan Besuch kam und Wein verlangte. (Ich hatte ja noch Wein im Keller) saß ich ruhig daneben. Ich konnte mich nicht outen. Ich hatte mir ja zu Recht gelegt, das ich das mal 30 Tage mache wg. Gewichtsreduzierung. (Nachdem was ich sonst saufe glaubt mir das sowieso keiner..haha)

Es fiel mir relativ „leicht“. (Mein Wille ist noch stark und frisch) Unangenehmer waren mir eher die Aufforderungen mitzutrinken. Und ein Glas kannst du doch trinken.

WHAT… 1 Glas !!!! (Im Kopf macht es BÄNG) Und ich sage frei heraus, nee, dann sauf ich wieder die ganze Falsche leer. (was mächtig untertrieben ist)

Komischerweise war es leichter dieses 1 Glas nicht zu trinken, als der Gedanken weiter trinken zu müssen und die Angst nicht genug im Haus zu haben. Der Morgen danach, schlechter Schlaf, der Kater, meine wertvollen nüchterne Tage zu opfern, das Forum, meine Alk-App, meine Podcast Sessions… usw.

Ein Mauer, die ich schon mal angefangen habe zu bauen. Aber ich weiß, sie muss noch viel höher werden.

Danke für Lesen
Lieben Gruss
Roselia

edit Karsten

Carmen
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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Carmen » 23.01.2021, 10:21

Hallo Roselia,
Roselia hat geschrieben:
22.01.2021, 15:13
Ich kann mich mit der Bezeichnung „Trockene Alkoholikerin“ nicht identifizieren
Ich habe einige Jahre gebraucht, um ansprechen zu können, dass ich Alkoholikerin bin. Ich fand diese Bezeichnung auch lange Zeit ganz furchtbar und erniedrigend. Ich erinnere mich noch gut, als ich vor Jahren zum ersten mal verzweifelt bei den AAs saß und den Satz ,, Ich bin Alkoholikerin " einfach nicht über die Lippen brachte.
Mittlerweile kann ich das und es fühlt sich gar nicht mehr verkehrt an. Erst gestern war ich bei einem neuen Arzt und teilte ihm mit, dass ich trockene Alkoholikerin und medikamentenäbhängig bin. Mittlerweile fühlt sich das sogar gut an, denn ich stehe dazu und bin stolz auf mich abstinent zu sein. Aber wie gesagt: Das ging auch nicht von heut auf morgen bei mir.

LG
Carmen

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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Carmen » 23.01.2021, 10:22

Carmen hat geschrieben:
23.01.2021, 10:21
um ansprechen zu können,
,,Aussprechen"" meinte ich natürlich.

Carl Friedrich
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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Carl Friedrich » 23.01.2021, 10:33

Hallo!

Auch mir gefällt der Begriff trockener Alkoholiker nicht und verwende ihn nicht. Ich lebe abstinent.

Mit der Zeit habe ich mir so meine Gedanken gemacht, welche Ausdrücke ich für mich persönlich unpassend und kontraproduktiv halte. Der trockene Alkoholiker gehört dazu.

Gruß
Carl Friedrich

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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Roselia » 23.01.2021, 10:50

Liebe Carmen,

danke für deinen Beitrag. Aber kann man heute nicht andere Begriffe oder Wörter benutzen? Warum kann man eine Volkskrankheit, die auch immer mehr junge Menschen betrifft nicht auch anders beschreiben oder benennen?

Schrecken diese "alte" Bezeichnungen (trocken/nass) Alkoholiger/in vielleicht auch ab?

Ich bekenne mich als psychisch Abhängig (Süchtig)- Sagt das was anderes aus?

Darf oder soll ich nicht sagen, das ich nüchtern bin und nüchtern bleiben möchte?

Muss ich ein Leben lang für alle die "trockene Alkoholkerin" sein?

NEIN!! Will ich nicht.. ich will "einfach" nüchtern bleiben. (Das ich Alkoholkrank bin weiß ich auch so.) :)

Lieben Gruss
Roselia

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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Roselia » 23.01.2021, 10:58

Auf einer Party, man steht an einem Stehtisch, alle sind gut drauf und dann folgender Dialog:

Hey, möchtest du ne Zigarette? … „Nein Danke, ich bin Nichtraucher“. .. Ah.. ohh.. wie toll, wäre ich auch gerne. Schei** Zigaretten! „Stimmt, deshalb habe ich auf aufgehört, geiles Gefühl nicht mehr abhängig zu sein!


Hey, soll ich dir ein Bier oder Wein mitbringen? „Nein Danke, ich bin Nichttrinker.“ … Ah.. Hä! Wie jetzt? Bist du ex Alki? Du arme Sau! Ich geh dann mal.

Carl Friedrich
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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Carl Friedrich » 23.01.2021, 11:04

Roselia hat geschrieben:
23.01.2021, 10:58
Hey, soll ich dir ein Bier oder Wein mitbringen? „Nein Danke, ich bin Nichttrinker.“ … Ah.. Hä! Wie jetzt? Bist du ex Alki? Du arme Sau! Ich geh dann mal.
So eine Szene habe ich in den ganzen Jahren noch nicht erlebt.

Auf die eingangs gestellte Frage hätte ich geantwortet: "Nein, ein Wasser, 'ne Schorle oder ne O-Cola bitte."

Und soziale Vereinsamung habe ich auch nicht zu süpren bekommen. :wink:

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