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Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Cadda
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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Cadda » 23.01.2021, 19:02

Hallo Rosalie und auch an die anderen Mitschreiber :-)

Mir persönlich ist völlig Wurst, wie man es nennt. Ein schönerer Begriff lässt mich nicht weniger süchtig/alkoholkrank sein.

Ich habe auch noch nie eine negative Reaktion erhalten, wenn ich sage, dass ich abhängig war und daher nichts trinkt. Komplett das Gegenteil ist der Fall. Es geht mir da auch ähnlich, wie Carmen. Ich bin sogar stolz, wenn es sich ergibt, dass ich es sage. Ich binde es nicht jedem dahergelaufenen Menschen auf die Nase. Aber wenn es sich ergibt, bzw. wenn ich es möchte, sage ich, wie es ist.

Für mich war es aber auch noch nie ein Horror, bei den Alkoholikern in einer Gruppe zu sitzen. Am Anfang habe ich allerdings auch gern erwähnt, dass ich psychisch abhängig bin. Überflüssig... als ob körperlich abhängig schlimmer wäre... Abhängig ist abhängig, alles gleich. Bisschen schwanger geht ja auch nicht :-D

Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Wem sage ich was. Fakt ist aber, dass es gefährlich ist, zwischen Trinkenden zu sitzen, die nicht die Wahrheit kennen. Ich selbst war auch auf Veranstaltungen, an Tagen, wo mir danach war und mir die Situation nichts ausmachte. Hätte ich aber gesagt, ich verzichte nur ne Zeit aufs Trinken, hätte man mich versucht, zu überreden und ich hätte vielleicht eher doch im schwachen Moment zugegriffen und gedacht „ach, nur ein wenig und dann fang ich Montag neu an“. Nee, das wäre für mich nicht in Frage gekommen, mich solch einer Situation auszusetzen, deshalb wusste mein engstes Umgeld direkt Bescheid. Dass ich die richtigen Menschen um mich herum habe, wurde mir schnell bewiesen, denn alle fanden meine Entscheidung toll. Ich habe ähnliche Erfahrungen hier schon öfter gelesen.

Ich finde es gut, dass Du es als Freiheit betrachtest, das Nüchtern-sein. Denn das ist der richtige Weg und die Wahrheit noch dazu :-)

LG Cadda

Sunshine_33
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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Sunshine_33 » 23.01.2021, 23:25

Hallo Rosalie,
Willkommen hier im Forum.

Also ich bin trockene Alkoholikerin und habe kein Problem damit.
Ich gehe ehrlich mit meiner Alkoholerkrankung um und bin bisher, also ca. 19 trockene Jahre, damit gut gefahren.
Ich erhoffe mir Ehrlichkeit von den mir wichtigen Menschen in meinem Leben und Umfeld und bin bereit, das gleiche zu bieten.
Hausieren gehe ich mit meiner Krankheit auch nicht, aber ich lüge nicht (mehr) für sie, ich laviere auch nicht rum, ich spreche eine deutliche Sprache und nenne die Dinge beim Namen.
Das Herumreden um den heißen Brei liegt mir nicht.
Ebenso wenig das Schönreden der Krankheit, die wir haben.
Meiner Meinung nach tust Du nämlich genau das. Willst die Dinge nicht beim Namen nennen.
Für mich akzeptiert erst jemand vollkommen seine ALkoholerkrankung, der sie auch beim Namen nennen kann.
Ohne sich dabei zu schämen.
Aber es ist ein Weg dahin, das geschieht nicht von heute auf morgen... und das ist auch völlig okay so.
Vielleicht siehst Du auch schon bald die Dinge etwas anders und kannst Deine/unsere Krankheit benennen.
Es ist eine Entwicklung...meiner Meinung nach.

Ich lese hier öfters heraus, das Alkoholiker/innen ihre/unsere Krankheit (noch) peinlich ist.
Besonders am Anfang ihres trockenen Lebens.
Das finde ich schade, denn genau mit so einer Einstellung und dem daraus resultierenden Verhalten (Heimlichtuerei/Drumherumrederei) bleibt sie eine "Schmuddelkrankheit" und somit auch in ihrer Schmuddelecke.
Und wir tragen dann auch dazu bei.
Dann brauchen wir aber auch nicht drüber zu jammern, nicht wahr? :wink:
Aber das nur mal am Rande...

Wie gesagt, vieles ist auch eine Entwicklung, und ich könnte mir sehr gut vorstellen, das sich auch an Deiner Meinung zur Benennung unserer Krankheit noch was ändert.
Vielleicht nicht heute und nicht morgen...Hauptsache Du kannst erstmal TROCKEN bleiben. Das ist das einzige, was erstmal wichtig wäre.
Du schriebst Carl-Friedrich:
Deine Einstellung zum Thema "trocken" find ich super. Ein Verbündeter
Brauchst Du "Verbündete"?
Das hier ist keine Kampfarena, wo man sich mit Verbündeten besser durchschlagen kann.
Es ist ein Forum für ALKOHOLIKER/INNEN, die sich mit anderen ALKOHOLIKER/INNEN austauschen wollen, sich ihrer Krankheit stellen und sich mit ihr auseinander setzen wollen.
Und Hilfe und Unterstützung in ihrem trockenen Leben brauchen. Denn ohne Hilfe von außen schafft es kaum jemand.
(Ich habe das übrigens auch nur so geschafft. Allein war ich machtlos gegen meine Erkrankung. Ich wusste das nur lange nicht.)

Oder suchst Du Leute, die Dir nach dem Mund reden und alles toll finden, was Du schreibst oder meinst?
Denn über längerfristige Erfahrungen bezüglich eines trockenen Lebens verfügst Du ja noch nicht, oder?
Meinen oder Reden kann man viel, wenn der Tach lang is... aber Tun kommt von Tun :wink:

In diesem Sinne viel Erfolg auf Deinem weiteren Weg und noch viele neue Erkenntnisse!
Und vor allem wünsche ich Dir Trockenheit.
Ich verwende die Worte, die Du so wenig magst, natürlich absichtlich, wie Du sicher schon bemerkt hast 8)
Zum schon-mal-dran-gewöhnen oder so :P
Schönes WE wünscht
Sunshine

Sunshine_33
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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Sunshine_33 » 23.01.2021, 23:28

Sorry, ich habe mich bei Deinem Nick verschrieben, Roselia.

Sunshine_33
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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Sunshine_33 » 24.01.2021, 02:01

Ach, das hier fiel mir auch noch ins Auge:
Alkohol ist die einzige Droge, bei der man als krank gilt, sobald man damit aufgehört hat.
Nein, das ist nicht so! Auch nass gilt man als alkoholkrank, wenn man es ist.
Spreche doch mal mit einem Arzt darüber... der verklickert Dir das dann schon, wenn er Ahnung von der Materie hat. :wink:

Roselia, wir haben eine Krankheit, die nicht einfach wieder weg geht, der Zug ist für uns längst abgefahren!
Es gibt auch keine Heilung in dem Sinne.
Aber... wir haben die Möglichkeit, eine chronische Erkrankung (die ungestoppt tödlich verläuft) zum Stillstand zu bringen.
Davon können andere chronisch kranke Menschen nur träumen!

C-F schrieb:
Nikotinsucht ist auch eine Sucht. Wie werden ehemalige Raucher bezeichnet? Nichtraucher.
Und ehemalige Trinker? Trockene (=nicht in die Hose machende) Alkoholiker. Der Unterschied ist kolossal.
Das mag ja DEINE Interpretation sein, ich für meinen Teil denke bei "Trockenen" nicht an Leute, die sich NICHT In die Hose machen.
Jedem das seine...
Aber Du hast ja immer, solange Du hier schreibst, Probleme mit gewissen Begrifflichkeiten gehabt.
Sind Dir zu "primitiv" etc.
Mein lieber Scholli... bei so einer Überheblichkeit stehen selbst mir mitunter die Nackenhaare zu Berge.
Dabei will ich es mal belassen, obwohl mir dazu noch so einiges einfällt, aber meine Höflichkeit verbietet es mir, ausführlicher zu werden :P
Der Begriff trockener Alki soll m.e. nur die Leute nur bei der Stange halten.
Fühlen sie sich plötzlich als gesund, kommen sie womöglich auf die Idee, wieder Alk konsumieren zu können.
Ich verstehe gut, was Du damit meinst, Carl-Friedrich. Und ich sehe es teilweise auch ähnlich, aber es ist mir andererseits auch wieder zu einfach gestrickt....sozusagen nur eine Seite der Medaille.
Es sollen sicher die Menschen in den SHG "bei der Stange gehalten werden", weil die sonst nicht funktionieren würden...ohne regelmäßige Teilnehmer.
Dabei geht es außerdem auch um Zuschüsse von der Stadt (die es nur für nachweislich erfolgreiche Gruppen gibt) bei unabhängigen Gruppen und ähnliches, das ist mir auch bekannt. Denn ich war in so einer Gruppe. :wink:
Ich halte es auch für falsch, zu kommunizieren, das es gefährlich ist, nicht mehr zur Gruppe zu kommen und demzufolge sogar mit voraussichtlichen Rückfällen zu drohen.
Da steckt mir auch zu viel Druck und Manipulation und ungute Einflussnahme dahinter.
Mir wäre es viel lieber, wenn da ehrlicher kommuniziert werden würde, so nach dem Motto:
"Leute, kommt bitte auch weiterhin, auch wenn ihr Euch für mega-stabil haltet, denn wir brauchen Euch! Wir brauchen Eure kleine Spende bei den Treffen, und auch Eure Erfahrung als LZT, und Eure Arbeit als ehrenamtliche Gruppenleiter, sonst können wir nämlich dicht machen."

Und Carl-Friedrich, wenn sich Alkoholiker wieder für gesund halten, ist die Rückfallgefahr wirklich immens hoch.
Wir werden aber nicht wieder gesund! Auch wenn Dir persönlich das nicht in den Kram passt, ist es trotzdem so. :P
Und das weißt Du auch.
Vielleicht haben Männer auch größere Probleme mit Krankheit...bzw. ist das nicht nur ne Vermutung, sondern auch bekannt.
Dann tut man sich ja per se schon schwerer damit, rein geschlechtsbedingt.

Was mir auch nicht gefällt, ist, aufgrund meiner Krankheit fortan nun in Sacke und Asche gehen zu sollen nach Meinung anderer.
Das fiele mir ja im Traum nicht ein! Soweit kommts grad noch... :roll:
Ich bin alkoholkrank, JA. Aber ansonsten ein ziemlich normaler Mensch, der genau so fühlt und denkt und lebt wie viele andere.
Denn ich brauche keine Alleinstellungsmerkmale, es ist alles gut so wie es ist.
Vielleicht führe ich in den Augen anderer sogar ein langweiliges Leben, zumindest ein sehr "normales" Leben, aber genau DAS habe ich mir über alles gewünscht, als ich noch gesoffen habe!

Auch war ich mal in einer AA-Gruppe, wo ich den Eindruck hatte, das wir uns schuldig fühlen sollen für unsere Krankheit, und es gibt meines Wissens bei denen auch ein Procedere, wo man sich bei seinen Angehörigen entschuldigen soll.
Auch sowas lehne ich ab!
Wenn ich mich irgendwo entschuldigen möchte, werde ich das VON MIR AUS tun und nicht aufgrund eines Gruppenzwanges.
Wie gesagt, ich werde nicht in einer Büßerkutte den Rest meines Lebens rumlaufen, davon bin ich echt gaaaanz weit entfernt.
Und ich lasse mich auch nicht unter Druck und Drohungen in einer Gruppe halten, sondern viel eher durch eine ehrliche Kommunikation.
Wohl gemerkt: Es handelt sich um einen Begriff, den viele halt benutzen, was sie gerne so machen und beibehalten können, ich verwende ihn jedenfalls nicht und komme damit prima klar.
Dann ist ja alles gut.
Das muss man aber deshalb nicht anderen auch so überstülpen. Besonders nicht Frischlingen, die noch über keinerlei eigene Erfahrungen im trockenen Leben verfügen.
Roselia nahm Deine Worte gern an, ich vermute aber, der Grund dafür ist die eigene Scheu vor Unbequemlichkeiten und auch Scham.
Darum wird sich einiges schön geredet und dann kommen Worte wie Deine dem auch SEHR gelegen.
Das ist in meinen Augen auch eine Art Manipulation.
Rede jemanden nach dem Mund, schreib was er gern lesen will...und schon ist alles easy.
Ist es aber nicht.
Denn nur nicht mehr trinken wird nicht reichen!
Und das ist nicht nur meine Erfahrung, sondern im Grunde die aller Forenteilnehmer, die ich hier im Laufe der Jahre so kennengelernt habe und die am Ball geblieben sind, sprich trocken (und zwar nicht nur in der Hose) :P

LG Sunshine

Carl Friedrich
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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Carl Friedrich » 24.01.2021, 12:22

Hallo!

Das war mal wieder ein herrlich erfrischender Beitrag von Sunshine, die ich im Übrigen seit Jahren sehr schätze, auch wenn wir nicht in allen Punkten auf einer Wellenlänge liegen. Übrigens: Das schaffe ich ja nicht mal mit meiner Frau :wink:

Roselia, Du steckst noch in der Startphase in dein abstinentes Leben. Mach dir jetzt in den ersten Monaten nicht zu viele Gedanken über Begrifflichkeiten und akzeptiere sie erst mal so wie sie sind, um deinen Weg aus der aktiven Phase der Sucht zu finden.

Du hast die ersten Bücher gelesen, das ist schon mal 'ne prima Sache. Ich kann noch empfehlen: "Lieber schlau als blau" von Lindenmeyer.

Ich bin anfangs gut mit der 1-Tages-Methode gefahren: Morgens nach dem Wachwerden habe ich mir autosuggestiv geschworen: "Heute trinke ich nichts." So kommt dann ein Schritt zum nächsten. Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt, den Du bereits gemacht hast.

Über Sinn, Zweck und Richtigkeit von gewissen, ich sag mal "sonderbaren" Ausdrücken, mit denen Alkoholkranke gerne belegt werden, kannst Du dir Gedanken machen und sie mal kritisch hinterfragen und beleuchten, wenn Du stabil abstinent bist. Das dauert aber eine ganze Weile, bei mir mehr als 1 Jahr. Aus heutiger Sicht meine ich sogar, dass meine Stabilität so richtig erst nach 2-3 Jahren einsetzte.

Deine ganze Denke im Oberstübchen wird sich verändern, ebenso der Blickwinkel auf dich selbst, deine Fehler, deine positiven Eigenschaften, deinen Job, dein Umfeld..... Gib dir die Zeit, zu dir selbst zu finden, um wie Pellebär es absolut richtig herausgestellt hat, dich selbst zu akzeptieren und zwar so wie Du bist.

Wenn Du diese Stabilität erreicht hast, ich nehme sie für mich in Anspruch, hast Du immer noch genug Zeit und Muße, mal über gewisse Begriffe zu sinnieren.

Von daher waren meine Ausführungen von gestern, zu denen ich inhaltlich stehe, für dich momentan zu früh. Damit solltest Du deinen Kopf in dieser Anfangsphase der Abstinenz nicht belasten. Du bist alkoholkrank. Daran gibt es nichts zu rütteln. Und allein Du trägst die Verantwortung, ob Du so weiter lebst wie zuvor oder dich, wie es hier schon viele geschafft haben, aus dem Klammergriff des Alkohols lösen kannst. Gute und wirklich brauchbare Ratschläge findest Du hier in Hülle und Fülle.

Für mich war es sehr wichtig zu erkennen, dass es kein zurück in eine frühere Phase vor dem Abgleiten in die Sucht geben kann. Sehr hilfreich waren mir in diesem Zusammenhang die Ausführungen von Rückfälligen in meiner ambulanten Therapie, die mir eindrucksvoll schilderten, ich habe ihre Gesichter auch heute noch nach mehr als 5 Jahren vor meinen Augen, wie schnell sie wieder bei alten Schlagzahlen oder darüber landeten.

Auch kann ich dir den Mehrteiler "Der Trocken Doc" ans Herz legen." Google mal, in irgendeiner mediathek wird sie sicherlich noch von zu finden sein.

In den ersten Wochen meiner Abstinenz hatte ich noch irgendwo im Hirn den Gedanken rumspuken, irgendwann geht doch noch mal was mit dem Alkohol. So lange der Gedanke noch vorhanden ist, wird es schwer mit einer dauerhaften Abstinenz. Ich musste lernen, dass dieser Gedanke, der ja nur Ausdruck eines diffusen Gefühls ist, letztlich ein Trugschluss ist. Anschließend lief es bei mir leichter und besser.

Alles Gute
wünscht Carl Friedrich

Sunshine_33
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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Sunshine_33 » 24.01.2021, 15:36

Hallo Carl Friedrich,
ich schätze auch Deine Anwesenheit hier, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind.
Das ist auch gar nicht nötig. Allerdings...so weit auseinander sind wir auch wieder nicht, denke ich mitunter :wink:
Von daher waren meine Ausführungen von gestern, zu denen ich inhaltlich stehe, für dich momentan zu früh. Damit solltest Du deinen Kopf in dieser Anfangsphase der Abstinenz nicht belasten. Du bist alkoholkrank. Daran gibt es nichts zu rütteln. Und allein Du trägst die Verantwortung, ob Du so weiter lebst wie zuvor oder dich, wie es hier schon viele geschafft haben, aus dem Klammergriff des Alkohols lösen kannst. Gute und wirklich brauchbare Ratschläge findest Du hier in Hülle und Fülle.
Das sehe ich auch so. Es ging mir auch gar nicht so sehr um das Inhaltliche, sondern darum, das es für Frischlinge für manches einfach noch zu früh ist.
Weil eben noch keinerlei Stabilisierung da ist. Weil die Birne noch total nass tickt...etc.pp.
Es ist hier im Forum ja oft die Rede davon, das man jemanden dort abholen soll, wo er/sie gerade steht. Das ist sicher auch richtig so.
Gelingt mir aber auch nicht immer, meine bisherigen Beiträge hier bei Roselia beschränkten sich ja erstmal auch nur auf ein "dazwischen-hauen" :wink:
Wird aber noch nachgebessert von mir ! :)
So wie Du es mit Deinem letzten Beitrag insgesamt auch nochmal sehr gut gemacht hast.

Mir ist auch klar, das es einige Wege nach Rom gibt, aber meiner Meinung nach nicht unendlich viele.
Dein Weg war ja bisher auch erfolgreich, das sehe ich ja auch und erkenne das auch an... alles okay so.
DU musst am Ende mit Deinem Weg zufrieden sein und gut umgehen können, für DICH muss er passen.
Und Du bist ja Deinen Weg auch nicht völlig allein gegangen, ausgehend ausschließlich von Deiner eigenen Meinung, die schon richtig sein und zum Ziel führen wird.
Du hast Dir ebenso Hilfe von Außen geholt, nachdem Du Deine Krankheit als solche anerkannt und angenommen hast.
Du hast also nicht nur schlau daher geredet, sondern bist aktiv geworden und hast Dich auch ausgetauscht, unter anderen mit Therapeuten, auch in einer realen SHG, wenn ich mich recht erinnere...und auch hier.
Und Deine Frau weiß ja auch Bescheid, sicher gab es auch da ausreichend Gespräche.
Du hast die Sache also auch nicht in geheimen durchgezogen oder durchziehen wollen, und ich glaube auch, heimlich trocken werden wollen funzt auch einfach nicht.
Und das muss auch überhaupt nicht sein.
Meist ist ja auch das Gegenteil der Fall, es erleichtert, wenn man sich jemanden offenbart, jemanden an seine Seite holt, sich auch professionelle Hilfe holt, man muss es sich ja nicht selbst unnötig schwer machen.
Und für mich wäre es auch unakzeptabel gewesen, nicht offen mit meinem Mann über alles zu sprechen.
Er ist ja einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben, und ich würde es auch nicht okay finden, wenn er eine schwerwiegende Erkrankung vor mir verheimlichen würde oder es auch nur versuchen würde.
Ich halte sowas auch für einen groben Vertrauensbruch.
Und auch der Arzt/Zahnarzt etc. sollte natürlich Bescheid wissen, damit er einem mal nix mit Alk verschreibt oder Alkohol zur Behandlung verwendet, um mal ganz praktischen Gründe zu nennen.
Auch muss ein(e) Therapeut(in) wissen, was los ist, wie soll er/sie denn sonst gezielt weiter helfen können?
Wem man es sonst noch erzählen möchte, bleibt einem ja selbst überlassen, das muss am Ende jeder echt für sich selbst entscheiden.

Was ich allerdings nicht mag, das sind so "Unterstellungen", das man mit seiner Krankheit hausieren ginge, wenn man offen damit umgeht.
Offenheit und Hausieren-gehen sind meiner Meinung nach zwei unterschiedliche Paar Schuhe, das eine hat nicht zwangsweise mit dem anderen zu tun!
Ich gehe auch nicht mit meiner Krankheit hausieren, ich komme auch nicht auf irgendeine Feier, Veranstaltung oder sonstige Treffen und rufe: Leute, alle mal herhören, ich bin trockene Alkoholikerin!
Wie käme ich auch dazu? Ich will mich weder irgendwie "wichtig" tun damit noch irgendeine Art merkwürdiges Mitleid erregen oder whatever, das alles liegt mir überhaupt nicht.
Wenn mir jemand Alkohol anbietet, sage ich auch erstmal ganz schlicht "ich trinke keinen Alkohol" und in den allermeisten Fällen kamen da auch kaum mal weitere Nachfragen. Soooo interessant ist man damit nu auch wieder nich...(aber dazu noch an anderer Stelle)
Aber man denkt es vielleicht...und stellt sich Szenarien vor, die im realen Leben so überhaupt nicht statt finden.
Hier ist dann eher die eigene Denke etwas schräg (die vielleicht sogar auf eigenen dummen Vorurteilen beruht?), und nicht das wirkliche Verhalten anderer Menschen.

Dann noch kurz eine eigene Erfahrung zum Thema Begrifflichkeiten, an die ich mich heute noch sehr genau erinnere...
Ich war am Anfang meiner Trockenheit in enger ärztlicher Betreuung und Nachsorge bei meiner Hausärztin, einer Internistin, die ich mir nach meiner Entgiftung gesucht hatte.
Sie ist ziemlich damenhaft, mit Perlen-Ohrsteckern, schicken Klamotten und Schühchen und immer perfekt dezent geschmimkt und ich mag sie auch sehr, so wie sie ist.
Sie fragte mich am Beginn meiner Trockenheit bei einem Termin, ob ich unter "Saufdruck" leiden würde, ob ich damit zu kämpfen hätte?
Ich fand in dem Moment diese Formulierung etwas "asi", um ehrlich zu sein :lol: und es passte für mich erstmal so gar nicht zu ihr.
Später habe ich diese Meinung revidiert, und heute finde ich es gut, wenn man die Dinge so beim Namen nennt, das sie auch das Gegenüber sehr wahrscheinlich versteht.
Verstanden habe ich nämlich die Frage sofort :D
Auch im KH nach meiner Entgiftung wurden mit mir sehr offene Worte gesprochen, auch die Dinge beim Namen genannt.
Klar ist das in dem Moment nicht sooo besonders angenehm...aber die Wahrheit zu verleugnen oder schön zu reden hätte mir doch auch kein Stück weiter geholfen.
Für mich war es wichtig, das Menschen mit Fachwissen auch offen mit mir reden und die Dinge beim Namen nennen, denn das kam dann auch echt bei mir an.
Und ich habe mir diese Worte auch zu Herzen genommen, aber letztendlich im positiven Sinn.
Auch das hat mich trocken gehalten, ganz besonders am Anfang meiner Abstinenz.

Ich finde auch Deine Buchtipps gut, Carl Friedrich.
Auch das Lesen von Fachliteratur, oder Erfahrungen anderer...oder... oder... kann weiter helfen.
Auch Dinge mal anders zu sehen, von einer anderen Warte aus zu betrachten etc...auch dabei kann das Lesen von Fachliteratur behilflich sein.
Ich habe beispielsweise sehr gern "Alk" von Borowiak gelesen, weil ich diese Art der Schreibe gern mag. Ich musste öfters mal lachen, auch weil ich ich selbst beim Lesen ertappt fühlte :lol:
Andere Bücher in Lebensratgeber-Form liegen mir persönlich eher nicht, weil ich dann beim Lesen schon denke: "Hä, was soll das Geschreibsel da, das weiß ich doch allein aufgrund meines gesunden Menschenverstandes". :roll: :lol:
Einem anderen helfen aber vielleicht gerade diese Bücher wieder gut weiter, das muss jeder selbst rausfinden.
Und dann gäbe es ja auch noch den Austausch in diesem Forum :wink:

Lieben Gruß und noch einen schönen Sonntag für Dich, CF !
Sunshine

Sunshine_33
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Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Sunshine_33 » 24.01.2021, 16:23

Hallo Roselia, wie geht es Dir denn heute so?
Konntest Du übers WE trocken bleiben? Und wie läuft es sonst so bei Dir?

Das hier las ich in einem Deiner Beiträge:
Auf einer Party, man steht an einem Stehtisch, alle sind gut drauf und dann folgender Dialog:

Hey, möchtest du ne Zigarette? … „Nein Danke, ich bin Nichtraucher“. .. Ah.. ohh.. wie toll, wäre ich auch gerne. Schei** Zigaretten! „Stimmt, deshalb habe ich auf aufgehört, geiles Gefühl nicht mehr abhängig zu sein!

Hey, soll ich dir ein Bier oder Wein mitbringen? „Nein Danke, ich bin Nichttrinker.“ … Ah.. Hä! Wie jetzt? Bist du ex Alki? Du arme Sau! Ich geh dann mal.
Roselia, um Dich mal da abzuholen, wo Du momentan stehst ... :wink:

Erstmal, meiner Meinung nach hast Du als frisch Abstinente nix auf einer Party zu suchen, das mal vorne weg. Die meisten hier raten von so etwas ebenso ab, weil die Rückfallgefahr gerade am Beginn der Abstinenz sehr hoch ist, und da sollte man sich nicht solchen uneinschätzbaren Gefahren aussetzen.
(Ich selbst bin übrigens die ca. ersten 1,5-2 Jahre auf keinerlei Feiern gegangen, wo auch nur evtl. Alkohol hätte getrunken werden können, das war mir viel zu heikel, und das es nicht gut für mich sein kann, hat mir schon allein mein gesunder Menschenverstand gesagt, dazu brauchte ich nicht mal ne SHG :wink: )

Und Nein, sich von Veranstaltungen fern zu halten, die vorranging dem Alkoholkonsum dienen, führt nicht zu Einsamkeit, falls das jetzt als Gegenargument kommt :wink:
Es ist unwahr, das alle Menschen Alkohol trinken und man sich dem ja kaum entziehen kann.
Sowas ist nur nasse Denke...und wenn der Freundeskreis tatsächlich fast nur aus Menschen besteht, die ohne Alk nicht können, sollte man sich schnell von diesen verabschieden.
Sind meist auch keine wirklichen Freunde, sondern eher Saufkumpanen. Und die kannst Du in Deinem trockenen Leben so rein gar nicht gebrauchen.
Menschen, die in Deiner Gegenwart nicht auf Alkohol verzichten können, haben meist selbst ein Alkoholproblem.
Menschen, denen es nicht wichtig ist, Alk zu konsumieren, fühlen sich überhaupt nicht eingeschränkt, wenn Du sie bittest, in Deiner Gegenwart nicht zu trinken.
Weil es für sie ganz schlicht und ergreifend einfach unwichtig ist.

Nun aber mal zu Deinem oben beschriebenen Szenario:
Das habe ich so bisher genau NULL x so erlebt in den 19 Jahren meiner Trockenheit !
Es hat sich noch nie jemand in einem Gespräch oder überhaupt von mir irgendwie abgewandt, nur weil ich alkoholkrank bin.
Wenn, dann hatte das ganz andere Gründe und mit meiner Alkoholkrankheit rein gar nix zu tun.
Ich bin auch kein "ex Alki", sondern für mein restliches Leben lang Alkoholikerin, hoffentlich eine trockene.
Und ich denke auch nicht, das jemand mich als "arme Sau" betrachtet :lol:
Denn das bin ich ja gar nicht, und das strahle ich auch kein bisschen so aus. :wink:

Weißt Du, was ich denke, wenn jemand so ein Szenario ausmalt?
Das es auf der EIGENEN DENKE beruht, sich sowas überhaupt in dieser Art vorzustellen. Vielleicht sogar auf eigenen Vorurteilen gegenüber Abhängigen? 8)
In der Realität läuft sowas meiner Erfahrung nach eher ganz anders ab.
Erstens ist man weitaus weniger interessant mit seiner Alkoholerkrankung, als man das selbst denkt. :wink:
Von daher reicht meist eine einfach Erklärung aus, das man grundsätzlich keinen Alk trinkt und es kommen gar keine weiteren Nachfragen.
Und wenn doch, dann sage ich auch, warum ich keinen Alk trinke. Ich muss dann nicht rumlügen oder so, sondern bleibe bei der Wahrheit.
Selbst dann ist man längst noch nicht so interessant wie man vielleicht denkt.
Denn die meisten Menschen interessieren sich am allermeisten nun mal für sich selbst.

Ab und zu kam es aber auch bei mir zu weiteren Gesprächen, weil wirkliches Interesse vorhanden war. Meistens hatte aber auch das dann wieder persönliche Hintergründe, weil der Fragende als Angehöriger oder guter Freund oder was auch immer selbst betroffen ist, aber auch wenig über die Krankheit weiß.
Das mal so aus meiner Erfahrung heraus...
Muss ich ein Leben lang für alle die "trockene Alkoholkerin" sein?
Also ich definiere mich weder über meine Krankheit noch tun das die Menschen in meinem Umfeld. :wink:
Ich bin doch nicht nur meine Krankheit!
Ich bin ebenso ein Mensch mit einer eigenen Persönlichkeit, die Krankheit ist nur ein Teil von mir, aber ich bin doch viel mehr. :D
Auch unterscheidet sich mein Leben nicht groß vom Leben anderer, ich trinke nur keinen Alkohol und achte auf bestimmte Dinge. Mehr ist es aber nicht, ansonsten bin ich ein "Normalo" und das bin ich auch GERN. Weil ich mir das sehr gewünscht habe in meiner nassen Phase der Krankheit.

Ich habe auch nie das Gefühl, das andere da überhaupt groß drüber nachdenken, das ich trockene Alkoholikerin bin. Die schonen mich nicht, weil ich sonst vielleicht wieder saufen könnte, die haben auch kein besonderes Mitleid mit mir oder sonstwas.
Ich glaube, die haben das längst irgendwie wieder vergessen... so wichtig ist das für meine Liebesten und Freunde offenbar gar nicht.
Hier bewertet man einfach die eigene Krankheit über, das ist für andere gar nicht so wichtig wie man vielleicht selbst denkt.

Überhaupt finde ich es auch unfair, die eigenen Gedankengänge auf andere zu übertragen und sogar schlußfolgern zu wollen, wie andere Menschen ticken und sich zukünftig einem gegenüber verhalten werden.
Ich finde das sogar recht frech und auch unangemessen, alle anderen Menschen über einen Kamm zu scheren und sie für zu dumm zu halten, eine Krankheit zu begreifen und damit umgehen zu können.
Denn das können die meisten ziemlich problemlos. :wink:

Das mal so als meiner Sicht und meinen Erfahrungen zu den paar herausgepickten Punkten.

LG Sunshine

Carl Friedrich
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Registriert: 06.07.2015, 22:47

Re: Frau Roselia sucht das Glück (Tagebuch- Auf den Weg zur Unabhängigkeit)

Beitrag von Carl Friedrich » 24.01.2021, 16:38

@Sunshine: Den Ausdruck mit dem Hausieren habe ich mal vor mehreren Jahren ( 2015 oder 2016) gebraucht und er war unsachlich und überzogen. Das Du das immer noch auf dem Schirm hast :wink:

Heute führe ich richtigerweise -ich bin ja lern- und entwicklungsfähig- aus: Wen mal alles einweiht, das entscheidet der Proband ganz alleine, die einen ziehen den Kreis sehr weit, andere -wie ich- halten sehr überschaubar. Und das muss ein jeder für sich austesten, was ihm am besten hilft. Da gibt es keine allgemein gültige Regel.

Und zu den sonderbaren Ausdrücken, ich habe noch ein paar auf Lager :) werde ich mal zu gegebener Zeit in meinem thread was schreiben. Das ist halt eher eine Art Wortspiel, da ich nun mal ein Zeitgenosse bin, der gerne mal hinter die Kulissen schaut und Dinge kritisch hinterfragt. Und nicht jeder Ausdruck im Zusammenhang mit unserem Thema ist so gewählt, dass er mich überzeugt. Aber das ist eher was für Leute, die schon ein paar Jahre am Ball sind.

Gruß
Carl Friedrich

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