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Schritt für Schritt und Tag für Tag

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

Mari
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Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Mari » 03.02.2021, 10:34

Hallo zusammen,

nun möchte ich hier auch meinen eigenen Thread eröffnen, damit ich am Ball bleibe und regelmäßig meine Gedanken und Gefühle sortiere :idea:

Über einen Monat bin ich jetzt trocken und komme bisher ganz gut zurecht, auch dank dieses Forums. Herzlichen Dank an alle, die hier aktiv sind und ihre Erfahrungen teilen, das ist für einen Neuling wie mich auf dem Weg in eine alkoholfreie Zukunft unglaublich hilfreich.

"Heute bleibe ich nüchtern." Das ist mein Ziel. Und ich werde dem bescheuerten Alkohol auf die Schliche kommen und warum er so eine große Rolle in meinem Leben eingenommen hat.

Es wird ein Marathon, kein Sprint. Aber jede Veränderung fängt mit dem ersten Schritt an: Schritt für Schritt und Tag für Tag, ich gehe es an.

Viele Grüße

Mari

Mari
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Mari » 05.02.2021, 12:28

Heute ist Tag 40.

War heute bei meinem Arzt wegen noch einer anderen gesundheitlichen Sache. Hab das Thema Alkohol aber wieder bewusst angesprochen und ihm von meiner Abstinenz berichtet. Er hat mir gratuliert, dass ich die ersten Wochen geschafft habe. Das hat mich im ersten Moment erstaunt und sogar ein bisschen irritiert (bin da eher introvertiert :oops: ). Aber dann wurde mir bewusst, dass das ja wirklich ein besonderer Grund zur Freude ist, und man das ruhig mal aussprechen darf :!:

Ich habe den Absprung geschafft, jetzt heißt es, weiterhin achtsam bleiben.

Nala
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Nala » 05.02.2021, 12:48

Hallo Mari!

Das klingt sehr gut! Und es ist auf jeden Fall ein Grund zur Freude!

Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft!

Liebe Grüße!

Thalia1913
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Thalia1913 » 05.02.2021, 16:04

Hallo Mari,

auch von mir herzlichen Glückwunsch. :) Und schön, dass du hier schreiben willst.

Ich bin w, Anfang fünfzig und seit ein paar Jahren zufrieden trocken, und ich erinnere mich an eine ganz ähnliche Situation, als ich mich damals bei meiner Hausärztin „outete“. Sie beglückwünschte mich auch, stand richtig auf und gab mir die Hand, und das hat sich bei mir tief eingeprägt und war einer der kleinen Momente, die mich getragen haben.

Dir weiterhin alles Gute, und einen schönen Start ins Wochenende.

Thalia

Mari
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Mari » 06.02.2021, 11:14

Guten Morgen :)
Nala hat geschrieben:
05.02.2021, 12:48
Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft!
Liebe Nala, ich danke dir! Das wünsche ich dir auch.

Ich habe heut lange und echt gut geschlafen, das ist schon mal wichtig für die körperliche Kraft. Und mental natürlich auch, wenn man entspannt aufwacht. Und außerdem: Wer schläft, trinkt nicht :idea: :mrgreen:
Thalia1913 hat geschrieben:
05.02.2021, 16:04
Sie beglückwünschte mich auch, stand richtig auf und gab mir die Hand, und das hat sich bei mir tief eingeprägt und war einer der kleinen Momente, die mich getragen haben.
Jaaaa, das war irgendwie ein ganz besonderer Schlüsselmoment, Thalia, vor allem hatte ich mit so einer Reaktion überhaupt nicht gerechnet :oops:
Wenn man die zurückliegenden Monate und Jahre durch den Suff nur negative Gedanken über sich ansammelt und die Perspektive immer Richtung weiter abwärts geht, dann erscheint einem so ein Moment fast surreal. Werde mich daran auch noch ganz lange zurückerinnern und davon zehren.
Thalia1913 hat geschrieben:
05.02.2021, 16:04
Dir weiterhin alles Gute, und einen schönen Start ins Wochenende.
Dankeschön, das wünsche ich dir auch :)

LG Mari

Mari
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Mari » 08.02.2021, 19:06

Heute ist nicht mein Tag. Ich bin gerade mit mir selbst überfordert.

Normalerweise kann ich nur sehr schlecht die Kontrolle abgeben, habe ich doch als EKA schon als Kind gelernt, dass ich mich am besten auf mich selbst verlasse und vor allem niemanden mit mir belaste. Aufgrund meiner momentanen gesundheitlichen Situation (OP) geht das gerade nicht und ich bin auf die Hilfe meines Partners und meiner Familie angewiesen. So gesehen ist es wohl ganz gut, das gerade durchzumachen, nämlich, dass bei mir jetzt mal so gar nichts geht und ich derzeit diejenige bin, die Hilfe braucht, nicht umgekehrt.

Aber es fällt mir gerade sehr schwer loszulassen und zu akzeptieren, dass ich "schwach" sein darf.

Heute habe ich erkannt, dass der Alkohol eine Form von "Urlaub" für mich war, wenn ich mich mal wieder im Job und auch privat verausgabt habe. Eine Flucht aus dem anstrengenden Alltag, alle Last von den Schultern abschütteln, wenigstens für ein paar Stunden abschalten, niemanden hören, niemanden sehen, nur mit mir.

Ich habe große Angst, wieder in dieses "Hamsterrad" aus Überforderung und Stress zu geraten, denn dann wird der Drang, Alkohol zu trinken, stärker werden. Und ich will nicht mehr trinken ... nie wieder. Ich brauche Strategien, damit es nie wieder so weit kommt.

Heute ist Tag 43.

Carl Friedrich
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Carl Friedrich » 08.02.2021, 19:58

Mari hat geschrieben:
08.02.2021, 19:06
Ich habe große Angst, wieder in dieses "Hamsterrad" aus Überforderung und Stress zu geraten, denn dann wird der Drang, Alkohol zu trinken, stärker werden. Und ich will nicht mehr trinken ... nie wieder. Ich brauche Strategien, damit es nie wieder so weit kommt.
Hallo Mari!

Eine für alle gültige Strategie, nicht mehr zu trinken, kenne ich nicht. Es dürfte sie auch nicht geben, da wir alle nun mal unterschiedlich sind. Wer bei Stress gerne zur Flasche griff, um sich zu beruhigen, der sollte andere Rituale zum Runterkommen finden, z.B sich mal besinnen, was einem wirklich Freude bereitet und Ablenkung und Zerstreuung bietet.

Mir hat es bei Stress immer geholfen, die Natur aufzusuchen. Da gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. :wink: Zu Beginn meiner Abstinenz habe ich mir gerne meine Fahrrad geschnappt und bin 'ne Stunde kräftig gestrampelt. Oder aber regelmäßig zum Training gehen. Ein paar Übungen lassen sich auch daheim erledigen und dann 'ne große Runde durch die Gegend drehen (nur nicht in Richtung der nächsten Tränke, an der man sich früher eingedeckt hat). Mich bringt das immer runter.

Ein kluger Kopf hat mal zutreffend formuliert: "Sorgen Sie dafür, dass es Ihnen gut geht." Da steckt alles drin, auch für dich Mari.

Gruß
Carl Friedrich

Thalia1913
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Thalia1913 » 08.02.2021, 20:37

Hallo Mari,

was du schreibst, kann ich gut nachvollziehen. Ich habe das Trinken in ähnlicher Funktion genutzt - gegen Stress und (eigene!) hohe Anforderungen. Auch ich bin in einem coabhöngigen Familiensystem groß geworden und habe auch von Anfang an gelernt, dass ich auf die Bedürfnisse der anderen immer achten muss und dass diese immer wichtiger sind als die eigenen. Das aufrecht zu erhalten half mir der Alkohol. Wenn ich trank, ließ die innere Anspannung nach. Und dieses extreme Gefühl, für alles verantwortlich zu sein.

Nachdem ich den Alkohol weggelassen habe, hat mir geholfen, wenn ich mich in solchen Situationen quasi von außen beobachte: was macht mein Atem, mahlt mein Kiefer wieder; und ich habe mich an die ersten Worte einer Therapeutin bei der progressiven Muskelentspannung erinnert: „Einfach einmal fallen lassen.“ Die Schultern, die Hände, den Kopf sinken lassen und tief ausatmen.

Ich hab jetzt nicht präsent, ob du eine Therapie machst oder beantragt hast.
Nachdem ich trocken war, fand (und finde) ich ganz erstaunlich, welch positiven Entwicklungen jetzt auch durch eine Psychotherapie möglich sind. In all den Jahren zuvor verhinderte das Trinken, dass ich mit mir selbst weiterkam.

Ja, und alles Gute für deine OP (Post-OP?) wünsche ich dir auch noch. Da sei mal ganz besonders gut zu dir!

Viele Grüße
Thalia

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