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Los geht's...

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

Nala
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Los geht's...

Beitrag von Nala » 05.02.2021, 12:22

Hallo zusammen!

Ich bin neu hier, habe im Vorstellungsbereich schon bisschen was von mir erzählt. Dazu vielleicht noch als Nachtrag: ich bin 37.
Hatte auch schon öfter angesetzt, ein eigenes Thema zu eröffnen oder auf einen Beitrag zu antworten, aber irgendwie fühle ich mich im Moment "sprachlos" und weiß nicht, was und wie ich formulieren soll, obwohl mir das normalerweise nicht schwer fällt...

Seit 04.01. trinke ich nun keinen Alkohol mehr. Es tut gut, ohne Kater aufzuwachen und den Tag "klarer" zu erleben.
Trotzdem braucht der Körper natürlich Zeit, sich zu erholen, das geht nicht von jetzt auf gleich und meine Depressionen sind auch nicht mit einem Schlag weg. Ich schlafe nicht gut, träume immer wirre und anstrengende Sachen und bin tagsüber ziemlich müde. Das war allerdings vorher auch schon so.
Ich hangele mich von einem Tag zum nächsten, immer nach der Devise "HEUTE trinke ich nichts", denke aber viel über das Thema nach, gefühlt die ganze Zeit. Und es ist krass, was für einen Automatismus es gibt in Bezug auf Alkohol: ich fühle mich z.B. in einem Moment gut und befreit und schwupps kommt aus dem nichts der Gedanke "und heute Abend schön gemütlich ein Glas Wein..." (Vor allem eins, hahaha... )
So geht es halt von einem Tag zum anderen. Und ich hoffe einfach, dass es irgendwann so ist, dass es "normal" ist, ohne Alkohol zu leben.
Ich habe immer allein zuhause getrunken abends, der Situation versuche ich jetzt aus dem Weg zu gehen, indem ich abends bei meinem Partner bin. Wenn ich dann heimkomme, nehme ich eine Tablette gegen die innere Anspannung und zum Schlafen (ein Neuroleptikum, die nehme ich schon einige Jahre auf Bedarf wegen der Depressionen), lese noch ein paar Seiten und dann kann ich auch halbwegs gut einschlafen.

Allgemein bin ich aktuell froh, dass ich nicht mehr trinken "muss" (Geht mir übrigens auch mit dem Rauchen immer so, das hab ich vor ca. 7 Jahren aufgehört). Es war ja wirklich so, dass ich mir abends den Wein eingeschenkt habe, wie ich mir die Zähne putze: Automatisch, ohne drüber nachzudenken... :roll:

Wie ist es euch ergangen, nachdem ihr das Trinken eingestellt hattet? Ging es euch gleich super, wart ihr euphorisch und voller Tatendrang oder eher so auf Sparflamme unterwegs wie ich?

Würde mich freuen, wenn ihr von euren Erfahrungen berichtet und vielleicht auch Ratschläge habt.

Viele Grüße

Nala

Mari
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Re: Los geht's...

Beitrag von Mari » 05.02.2021, 13:23

Hallo Nala,
Nala hat geschrieben:
05.02.2021, 12:22
Und es ist krass, was für einen Automatismus es gibt in Bezug auf Alkohol: ich fühle mich z.B. in einem Moment gut und befreit und schwupps kommt aus dem nichts der Gedanke "und heute Abend schön gemütlich ein Glas Wein..." (Vor allem eins, hahaha... )
Ich ertappe mich auch bei so Gedanken wie: "Heute Abend zum Essen Wein" oder "Ah, Wochenende, Weinzeit" :roll: Ich fand ja immer einen Anlass und einen Grund, warum ich was runterkippen konnte. Und die Gedanken gehen nicht einfach weg durch das Trockensein. Das Gehirn hat sich an diese Routinen und Rituale ja schon ganz gut gewöhnt. Ich beobachte bei mir aber, dass diese "Ritualgedanken" etwas weniger werden.
Nala hat geschrieben:
05.02.2021, 12:22
Wie ist es euch ergangen, nachdem ihr das Trinken eingestellt hattet? Ging es euch gleich super, wart ihr euphorisch und voller Tatendrang oder eher so auf Sparflamme unterwegs wie ich?


Sparflamme würde ich es bei mir auch beschreiben. Ich schlafe viel und sonst läuft bei mir auch alles langsamer ab. Finde das eigentlich ganz gut für mich, da ich sonst oft eher gestresst war und mich überfordert habe. Bin auch ganz froh, dass ich nicht euphorisch bin, da ich von früher weiß, dass auch das bei mir oft ein Grund zum Trinken war. Ich würde sagen, es geht mir momentan gut. Ein solides und dankbares "gut", was mir momentan allemal lieber ist als ein aufgekratztes, überdrehtes "super" :mrgreen:

Alles Gute dir weiterhin.

Mari

Thalia1913
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Re: Los geht's...

Beitrag von Thalia1913 » 06.02.2021, 18:10

Hallo Nala,

Willkommen auch noch von mir und Glückwunsch zu deiner Entscheidung, ein trockenes Leben zu beginnen.

Bei mir ist es einige Jahre her, und ich kann mich nicht mehr total genau daran erinnern, wie es mir in den ersten Wochen ging, außer, dass ich immer eine Flasche Sprudelwasser mit mir herumgeschleppt habe, weil ich gemerkt habe, dass das Wasser und die leichte Säure gut gegen Suchtdruck geholfen haben, oder eigentlich gegen die innere Unruhe, das Gefühl des Gehetztseins, das ich vorher immer mit Wein „wegmachen“ wollte. Innehalten, tief durchatmen, Wasser trinken.

Und ganz wichtig war mir anfangs (und ist es noch), dass ich alles andere infrage stellen kann, nur nicht (mehr) meine Abstinenz. Das ist erstmal beängstigend, aber auch unglaublich befreiend. So eine klare erste Priorität zu haben hat sehr geholfen, gute Entscheidungen zu treffen. Wenn ich merkte, dass mich eine Situation so (über)forderte, dass ich glaubte, das nicht (ohne Wein) zu schaffen, dann habe ich mich dagegen entschieden, und somit für meine Abstinenz.

Ich darf jetzt nicht nur (besser) auf mich achten, sondern ich mache es mir zur Pflicht. Ich verpflichte mich mir selbst gegenüber. Auch zur Ehrlichkeit, übrigens. Das war eine der größten Baustellen, mich selbst wieder achten zu lernen. Nach all den Lügen und der Scham. Aber das hat länger als ein paar Monate gedauert.

Was ich aber feststellte war, dass Veränderung stattfand, dass „es“ besser wurde, und heute bezeichne ich mich als glücklichen Menschen, immer noch mit Baustellen, (auch noch in Therapie), aber auf eine Weise glücklich, wie ich es in den Jahren meiner Trinkzeit nie für möglich gehalten hätte.

Ich wünsche dir Geduld mit dir und freue mich, hier weiter von dir zu lesen, wenn du den Austausch hier nutzen möchtest.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende.
Thalia
W, 51, trockene Alkoholikerin

Cadda
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Re: Los geht's...

Beitrag von Cadda » 09.02.2021, 08:16

Hallo Nala,

ich war auch euphorisch und ich bin es nach 3,5 Jahren immer noch :-D
Ich habe Momente, indem ich einfach nur glücklich bin, dass ich nicht mehr trinke und die koste ich auch total aus!

Wie geht es Dir jetzt gerade? Ist ja ein paar Tage her, Dein Beitrag. Ich war länger noch so aktiv hier.

LG Cadda

Nala
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Re: Los geht's...

Beitrag von Nala » 09.02.2021, 23:24

Hallo!

Vielen Dank für eure guten Wünsche zu meinem Entschluss und eure Antworten! Sie haben mir auf jeden Fall weiter geholfen!
Ich lese jeden Tag hier im Forum, aber es fällt mir -warum auch immer- nach wie vor schwer, meine Gedanken in Worte und hier wieder einen Beitrag zu verfassen. Bin aber allgemein aktuell wenig kommunikativ, auch bei Freunden.

@Mari
Beruhigt mich irgendwie, dass du diese automatischen Gedanken auch kennst. :wink:
Und das mit dem lieber etwas ruhiger und dafür hoffentlich langfristig als jetzt euphorisch und dann doch wieder der Druck zu Trinken sehe ich doch auch so, nachdem ich drüber nachgedacht habe.

@Thalia
Was du schreibst, kenne ich gut von mir. Diese innere Unruhe und Anspannung, die man durch Alkohol loswerden möchte...
Und natürlich die Scham und die Lügen.
Ich merke gerade auch, wie wenig ich für mich gesorgt habe in den letzten Jahren und es ist ein gutes Gefühl, es jetzt endlich zu tun.
Ich sage mir auch, egal was passiert, du kannst alles Mögliche machen, aber Trinken gibt es nicht mehr.
Das mit dem Wasser habe ich jetzt schon öfter gehört. Ich habe eigtl schon immer überall Wasser dabei und trinke auch recht viel davon. Für den "Geschmack",irgendwann hab ich Wasser auch mal über, hab ich mir Säfte und Ginger Ale besorgt. Und mein Freund hat immer Spezi für mich auf Lager. :)
Ich baue auch darauf, dass es mit der Zeit etwas leichter und selbstverständlicher wird, ohne Alkohol zu leben.

@Cadda
Das klingt toll und freut mich total für dich, dass du es so erlebst! So ist halt doch jeder anders...

Mir geht es gut so weit. Letzte Woche war etwas anstrengend mit 3 Vorstellungsgesprächen, aber ich hab gestern die Zusage für einen der Jobs bekommen! :D
Hätte ich bestimmt verkatert nicht ansatzweise so gut hinbekommen. Ich merke auch, wie ich so langsam wieder etwas wie Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein bekomme und mich nicht mehr ständig innerlich fertigmache. Mein Schlaf ist leider immer noch wenig erholsam, ständig anstrengende Träume. :roll:
Aber das wird hoffentlich auch noch besser. Und ich gestehe es mir jetzt auch einfach mal zu, weniger erledigt zu bekommen, wenn ich kaputt bin. Wie ich hier im Forum es schon gelesen habe: Die Nüchternheit hat absolute Priorität! Wenn andere Dinge da jetzt etwas kürzer kommen, ist es halt so. Langfristig zahlt es sich ohnehin aus!

Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich bisher so wenig aktiv war mit meinen Beiträgen. Scheinbar hab ich doch einiges mit mir auszumachen, bevor ich es formulieren kann.
Ich freue mich weiterhin über eure Antworten und Tips und wünsche Euch viel Kraft und gute Gefühle!

Liebe Grüße!

Mari
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Re: Los geht's...

Beitrag von Mari » 10.02.2021, 11:39

Liebe Nala,

erst einmal möchte ich mich für deinen Beitrag in meinem Thread bedanken, der mir sehr geholfen hat.

Und dann
Nala hat geschrieben:
09.02.2021, 23:24
Mir geht es gut so weit. Letzte Woche war etwas anstrengend mit 3 Vorstellungsgesprächen, aber ich hab gestern die Zusage für einen der Jobs bekommen!
sage ich mal ganz herzlichen Glückwunsch!!! Das ist klasse, ich freue mich sehr für dich!!
Nala hat geschrieben:
09.02.2021, 23:24
Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich bisher so wenig aktiv war mit meinen Beiträgen. Scheinbar hab ich doch einiges mit mir auszumachen, bevor ich es formulieren kann.
Alles gut, mir geht das auch so! Mach dir da bitte keinen Druck. Manchmal ist einfach nur die Zeit zum Mitlesen und Gedankensortieren, man nimmt ja hier viel auf. Du bist da, das alleine zählt :wink:

Alles Gute dir!

Mari

Aurora
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Re: Los geht's...

Beitrag von Aurora » 10.02.2021, 15:32

Hey Nala,
Letzte Woche war etwas anstrengend mit 3 Vorstellungsgesprächen, aber ich hab gestern die Zusage für einen der Jobs bekommen!
:D Suuupi !

Es geht ganz vielen Leuten so, dass sie zuerst mal alles innerlich für sich sortieren müssen und erst dann was bei raus kommt. Lass dir Zeit! Trockenwerden ist ein Prozess und der dauert und ist auch anstrengend.

Liebe Grüße
Aurora

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Re: Los geht's...

Beitrag von Nala » 22.02.2021, 18:52

Hallo!

Irgendwie habe ich jetzt erst wieder das Gefühl, hier was in Worte fassen zu können...

Erstmal: vielen Dank für eure Glückwünsche zu meinem neuen Job! Am Montag geht's los, ich bin gespannt und freue mich drauf!

Leider muss ich berichten, dass ich letzte Woche an einem Abend wieder was getrunken habe. Ich schäme mich sehr, dass ich schwach geworden bin und ärgere mich! Wie es dazu kam? Mir ging es ja eigtl ganz gut, aber an dem Tag hatte ich so eine innere Anspannung und als hätte ich mich noch nie mit der Thematik Alkoholabhängigkeit auseinandergesetzt, kam das hoch, was zu trinken. Als wäre mein Verstand nicht mehr da. Ich wusste, dass es absoluter Mist ist und habs trotzdem gemacht...
Seitdem habe ich nichts getrunken.
Ich hätte einfach hier was schreiben sollen, bevor es so weit kommt. Aber warum auch immer ist in mir alles noch so wirr und ich weiß manchmal gar nicht, was ich tatsächlich fühle und denke.
Ich habe z.B. auch echt Schwierigkeiten damit, Alkoholabhängigkeit als Krankheit zu sehen. Ich denke eher, es hat mich ja nie jemand gezwungen, Alkohol zu trinken, also selber Schuld und jetzt muss ich halt die Konsequenzen tragen und mich da mühsam wieder raus schaffen.
Außerdem freue ich mich, dass ich nichts mehr trinken muss und wenn ich hier im Forum lese, bin ich total motiviert. Mein "Problem" ist, dass mir dann irgendwie das "machen" fehlt. Ich kann schlecht erklären, was ich meine. Wenn man z.B. abnehmen will, stellt man seine Ernährung um und macht Sport. Das ist was Greifbares. Wenn ich vom Alkohol wegkommen will, muss ich das trinken sein lassen. Aber das aktiv was tun geht mir irgendwie ab. Ich weiß, ich könnte noch SHGs besuchen, eine Therapie machen.... Aber das ist auch wieder "nur" Reden.
Vermutlich möchte ich halt eine gewisse Leere auffüllen und was tun, das meine Nüchternheit unterstützt.
Ich bin kein Typ für Yoga oder sowas, das habe ich schon mehrfach versucht. Mir hilft eher Aktivität. Es ist allerdings auch nicht so, dass ich nur rumhänge. Ich mache jeden Tag Sport und bin draußen.

Keine Ahnung, ob jemand mit diesem Text was anfangen kann, aber ich glaube, ich bekomme es heute nicht anders hin.
Vielleicht schaffen wir es gemeinsam, etwas Ordnung in mein inneres Chaos zu bringen.

Viele Grüße

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