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Grillen macht auch ohne Alkohol Spaß!

Liste von alkoholhaltigen Lebensmitteln und alle Themen um Lebensmittel, kochen, backen und alkoholfreien Getränken

Moderator: Moderatoren

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hoppegarten
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Beitrag von hoppegarten » 05.05.2010, 14:12

dorothea hat geschrieben:so einfach ist das für mich mittlerweile. denn es geht ja um nichts weiter als mein leben.
Ich lese bei dir sehr oft, dass es einfach für dich zu sein scheint.
Dies ist auch schön --- jedenfalls für dich.

Allerdings kann das so doch nicht pauschal gesagt werden.

Der erste Punkt ist wahrscheinlich dein Alter, ohne dir zu nahe treten zu wollen.
Befindet man sich allerdings in den Zwanzigern, ist es doch schon deutlich schwieriger, Leute zu finden, die es zur Regel machen, vollkommen ohne Alkohol einen Grillabend oder Ähnliches zu verbringen. Für viele jüngere Leute gehört Alk definitiv dazu. Schade, aber es ist so.

Der zweite Punkt ist, dass du anscheinend über ein vielfältiges und gutes soziales Umfeld verfügst. Deine Freunde akzeptieren deine Krankheit und verbringen dir zuliebe auch gerne mal einen gemeinschaftlichen Abend ohne Alkohol.

Was passiert aber, wenn diese positiven Umstände, in denen du verweilst, nicht zutreffen?
Was passiert demzufolge, wenn keine Freunde vorhanden sind, die auf Alkohol verzichten wollen?

Klar, man erkennt, dass es keine richtigen Freunde sind ...
Aber vor allem passiert dies:

Es muss der Tatsache ins Auge gesehen werden, dass nur zwei Möglichkeiten bestehen.
Entweder man setzt sich der Gefahr aus und besucht diverse Feste und Veranstaltungen, oder man tut dies nicht, mit der Folge, den sozialen Anschluss zu verlieren beziehungsweise mit Einsamkeit klarkommen zu müssen.

Ich spreche für mich: Ich komme mit dieser "Einsamkeit" relativ gut zurecht.
Ich kenne aber einige Mitstreiter, die mit dieser Einsamkeit nicht klargekommen sind, die dann eben wieder auf ein Dorffest oder auf einen großen Geburtstag gegangen sind und jetzt wieder ordentlich trinken.

Ich finde es irgendwie unpassend, Leuten mit voller Überzeugung zu vermitteln, dass das Meiden sozialer Zusammenkünfte vollkommen einfach sei. Dies kann nur jemand sagen, der den entsprechenden Support hat, nämlich einen guten und verständnisvollen Freundeskreis beziehungsweise eine intakte und unterstützende Familie.
Spricht man allerdings ehrlich über diese Problematik, dann muss auch gesagt werden, dass Trockenheit mit Einsamkeit verbunden ist, jedenfalls in der Anfangsphase, wenn noch kein neuer und trockender Freundeskreis geschaffen worden ist.

Und diese Einsamkeit beziehungsweise das Unvermögen, diese Einsamkeit zu ertragen, führt viele zurück zum Trinken.


Besten Gruß

silberkralle
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Beitrag von silberkralle » 05.05.2010, 15:08

glück auf hoppegarten
hoppegarten hat geschrieben: Klar, man erkennt, dass es keine richtigen Freunde sind ...
genau das is der knackpunkt ^ wer sich nich aus seinem allten / süchtigmachenden umfeld lösen kann oder will wird sowieso kaum trocken werden/bleiben - als basis fürn aufbau eines verständnisvollen umfeldes is ne shg zu empfehlen - selbst wenn da nur alte leute sitzen haben die kinder die sich mit der krankheit auskennen < die bieten dir keinen alk an

es is genau so einfach wies die doro schreibt!
wenn ich mich nich sehr irre is eins deiner lieblingszitate hier ausm forum : wer will findet wege wer nich will findet ausreden

trockenen nachmittag

:D
matthias

Martin

Beitrag von Martin » 05.05.2010, 16:38

Hallo hoppegarten,
Der erste Punkt ist wahrscheinlich dein Alter, ohne dir zu nahe treten zu wollen.
Befindet man sich allerdings in den Zwanzigern, ist es doch schon deutlich schwieriger,Leute zu finden, die es zur Regel machen, vollkommen ohne Alkohol einen Grillabend oder Ähnliches zu verbringen.
mit 40+ ist es auch nicht leichter Menschen zu finden die ohne Alk feiern.

Ich hab 20 Jahre gesoffen, da kennt man ja keine alkfreien Feiern mehr, was wollte ich auch dort ?
Entweder man setzt sich der Gefahr aus und besucht diverse Feste und Veranstaltungen, oder man tut dies nicht, mit der Folge, den sozialen Anschluss zu verlieren beziehungsweise mit Einsamkeit klarkommen zu müssen.
Um meinen sozialen Anschluss nicht zu verlieren brauche ich keine Feste oder Feiern. Es gibt auch Vereine in denen nicht getrunken wird.

Ich würde mich als "junger Hüpfer" nicht der Gefahr aussetzen sondern erst mal abwarten wie sich alles entwickelt.

Zufrieden trocken werden und einen neuen Bekanntenkreis aufbauen ist nun mal nicht über Nacht möglich.

LG Martin

dorothea
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Beitrag von dorothea » 05.05.2010, 18:06

hallo hoppegarten

klar kenn ich die einsamkeit der ersten jahre, mir ging es da kein stück anders als anderen. von meiner familie ist genau genommen meine kinder, meine mutter und mein onkel übrig. der rest hat sich in luft aufgelöst. ein preis den ich bereit war zu zahlen, denn ich wollte leben.

wie gesagt, ich habe mir neue freunde gesucht, und wir sind hier kein rentnerkaffee. du würdest dich bei uns sau wohl fühlen, meine sind nämlich in der regel alle zwischen 25 und 35 :shock: :shock: :shock: 8) es gibt genug leute in deinem alter die mit unserer krankheit klar kommen, meist sogar besser als die in meinem alter. man muß nur den mut haben die klappe auf zu machen. bei unseren partys hier wackelt so manches mal die hütte, und zwar völlig ohne alk. man braucht den nicht um gut drauf zu sein, um witze zu reißen, um spaß zu haben. dazu braucht man selbstvertrauen und das kann man sich ohne das zeug erarbeiten. ich habe nie behauptet das es einfach ist, aber ich weiß das es geht und mehr habe ich nie gesagt.

doro

hoppegarten
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Beitrag von hoppegarten » 05.05.2010, 21:37

Hallo zusammen.

Ok, ihr seid gute Beispiele, dass es funktioniert.
Aber das geht nur, wie du schon sagst, wenn man ein gesundes Selbstbewusstsein hat, das aber oftmals, auch bei mir, neu aufgebaut werden muss bzw. erst wieder neu erkannt werden muss.
Wenn dieses nämlich über Jahre hinweg immer nur mit Alk gedoped wurde, muss es erst mal wieder neutral erlebt werden.

Ich wollte Dir auch nichts unterstellen, Doro.

Aber niemand von den "Frischlingen" soll zu blauäugig an die Sache herangehen.
Ist man nämlich ein Mensch, der von einer anderen Person abhängig ist (Ehepartner etc.) und nicht in der Lage ist, allein klar zu kommen, wird es verdammt schwer bzw. ist es an sich unmöglich, voll und ganz mit dem Alk zu brechen.
Das geht denke ich nur, wenn man sich selbst wertschätzt und die erwähnte Einsamkeit auch selbst verarbeiten kann.
Auch geht es nur, wenn man in verpassten Feiern und Festen keinen Verzicht sieht, was schwer ist, wenn Menschen dabei sind, die man liebt bzw. sehr mag.

Deswegen auch meine Andeutung bezüglich des Alters. Ältere Menschen sind oftmals autonomer und emotional nicht mehr so sehr an das Elternhaus und bestimmte Menschen gebunden. Und ältere Menschen haben vielleicht auch nicht mehr so das Interesse, in der Disse herum zu hüpfen oder während der WM die Spiele im Rahmen einer Public Viewing Veranstaltung zu sehen.
Spaß ist dann eben auch bei einer Spielerunde mit 5 Leuten oder bei einer Fußball-Übetragung am TV gegeben.
Ich gehe in solchen kleinen sozialen Gemeinschaften nicht auf und mich ödet und nervt sowas momentan nur an, komme aber damit klar, so "isoliert" zu leben wie ich lebe.

Andere kommen damit aber sicher nicht klar, gehen zu einer öffentlichen Veranstaltung oder zu einem Fest und trinken wieder.

Der absolut harmonische Übergang von der nassen Zeit in die trockene Zeit ohne das Gefühl der Einsamkeit und der Isolation ist selten gegeben.
Wenn in der Zeit der Einsamkeit erkannt wird, dass man an sich immer einsam war, der Alkohol dieses Gefühl aber verfälscht hat und Trost gegeben hat, dann stumpft man entweder ab, zerbricht und wird rückfällig oder man findet sich selbst und beginnt ein neues Leben mit neuen sozialen Werten.

Die Zeit wird es zeigen.

Grüße

dorothea
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Beitrag von dorothea » 05.05.2010, 22:32

hallo hoppegarten

ich glaube ich muß dich mal zu ner gothikparty bei mir einladen :wink: 5 leute karten spielen tztztz 8)

weißt du, du erlebst mich jetzt, nach 8 1/2 jahren als selbstbewußten gradlinigen menschen. meinst du ich war vor 9 jahren so viel anders als du jetzt. ich hatte überhaupt kein selbstwertgefühl, bin immer mit gesenktem blick rumgelaufen das ja keiner auf die idee kam mich anzusprechen. ich war von meinem mann vollkommen abhängig, ich hatte keinen willen, keine pläne, keine perspektive, kein leben. dafür aber 4 kinder die eine trennung unmöglich erscheinen ließen. bis ich mich fragte, soll es das gewesen sein.

die ersten 2 jahre waren die schwersten, von der hölle des alkohol in die hölle der einsamkeit. ich habe langsam und mühevoll gelernt mich selbst zu lieben, mir werte zu schaffen, freunde zu finden. mir ein leben ohne meinen mann aufzubauen, der säuft übrigens heute noch. es hat gedauert bis ich gelernt habe mit problemen, verletzungen und zurückweisungen anders um zu gehen als sie zu ertränken. ich habe so oft zuhause gesessen und geflennt. ich habe mich so oft so richtig besch... gefühlt. aber ich habe nicht aufgegeben. egal was kam, egal wie schwer es war. ich wollte leben.

das ist eben auch der grund warum ich immer noch hier bin, um menschen, die so wie du am anfang stehen und sich oft fragen, wofür denn das alles, zu sagen: schau her es geht, es lohnt sich. bleib am ball und du wirst auch so dastehen wie ich und dann den frischlingen mut zusprechen. wenn man laufen lernt geht das nicht ohne beulen ab, aber irgendwann kann man sogar rennen.

auch wenn du eben den wald vor lauter bäumen nicht siehst, es gibt einen weg, wende deinen blick vom alkohol weg, dann siehst du ihn. du kennst eben nur menschen die mehr oder weniger trinken, das war bisher dein leben, deswegen kennst du eben die nicht die ohne klar kommen. es gibt sie aber, es gibt menschen denen du wichtig bist, es gibt menschen die die pulle beiseite stellen werden um in deiner gesellschaft sein zu können, weil du ihnen wichtiger bist als die flasche. schau nicht nach den flaschen, sondern nach den menschen. es ist am anfang schwer und oft verwirrend das habe ich nie vergessen.

doro

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 05.05.2010, 23:06

Hallo

größere Grillfeste verbinde ich immer noch mit Saufen und meide sie. Ich hatte mich da auch meist selbst in die Isolation gesoffen und war unter den Menschen einsamer, als wenn ich allein gewesen wäre.

Isolation und Einsamkeit mache ich auch nicht daran fest , das ich da nicht teilnehmen "könnte" , sondern an meiner Grundeinstellung und eventueller mangelnder "Ersatzideen". Grillen ohne Alkohol im kleinen von mir "überwachten" Rahmen macht sicherlich Spaß und das kann ich mir vorstellen.

Gruß Hartmut


Hallo Hoppengarten.

Überprüfe doch mal ob du dich nicht schon immer , einsam oder isoliert gefühlt hast, unabhängig von deiner Nassen Zeit. Und ob die folgende Nasse Zeit das Gefühl verstärkt hatte. Wäre auch ein extra Thread wert . :-)

Gruß Hartmut

hoppegarten
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Beitrag von hoppegarten » 06.05.2010, 12:41

@ Doro

Danke für die offenen Worte. Es hat mich zum Nachdenken angeregt und mir neue Energie gegeben.

@ Hartmut

Da liegst du sicher richtig. Ein Gefühl der Einsamkeit war irgendwie immer vorhanden, was wohl auch einer der Gründe für das Trinken war.
Diese Einsamkeit würde ich aber nicht im klassischen Sinn beschreiben, also das absolute Alleinsein und keine Leute kennen, sondern als eine innere und verborgene Einsamkeit.
Leute kannte ich genug und Möglichkeiten hatte ich auch genug.

In der nassen Zeit habe ich dann meinen Trost im Trinken gefunden, sodass sich der Alk zu meinem richtigen und einzigen Freund entwickelt hat.
Aber irgendwann wandelte sich dieser Freund zum Feind und schädigte mich mehr als er mir half.

Im Endeffekt hat der Alk meine innere Einsamkeit behoben bzw. betäubt, später aber, als die Sucht mich hatte, definitiv verstärkt, vor allem am Tag nach Besäufnissen.

Jetzt, nach einer längeren Zeit ohne Alk, merke ich schon, dass ich emotional gleichgültiger, härter und abgestumpfter geworden bin.
Dinge, über die sich viele Menschen amüsieren, nerven mich an und Menschen nerven mich zum Teil.
So hat sich meine ehemals empfundene innere Einsamkeit (die ja keiner erkennen konnte, da ich mich durch den Alk gut anpassen konnte) zu einer Einsamkeit im klassischen Sinn entwickelt.
Viele meiner alten Kollegen sind weggefallen, weil ich den Kontakt relativ kalt aufgegeben habe und übrig sind nur noch sehr wenige Bezugspersonen, unter anderem der innere Kern meiner Familie.

Da ich mit dieser Einsamkeit, wie ich schon sagte, relativ gut zurecht komme, bin ich nicht traurig oder gebrochen wie Menschen, die unbedingt immer Leute um sich haben müssen und allein verkümmern würden, aber ich merke auch, dass ich mich zwingen muss, meine Einstellung Menschen gegenüber ein wenig zu ändern, um nicht vollkommen den Anschluss zu verlieren bzw. um die Leute, die letztendlich noch übrig sind, nicht auch noch aus meinem Leben ziehen zu lassen.

Wie Doro schon sagte, handelt es sich wahrscheinlich um einen normalen Übergangsprozess, da der Geist sich erstmal wieder neu orientieren muss, der vorher über Jahre hinweg nur an den Alkohol gekoppelt war.

Am Ende ist zu sagen, dass die Wesensveränderung schon extrem ist.
Ich bin sehr ernst und kalt geworden, sodass mich Leute teilweise nicht wiedererkennen und fragen, was passiert sei.
Vielleicht aber bin ich so und habe mir in den letzten Jahren nur etwas vorgemacht, mich durch den Alk der gesellschaftlichen "Freuden" angepasst und mein Selbst manipuliert.
Vielleicht war ich immer ein ernster Mensch und jetzt erkenne ich mich.
Ich werde sehen, wie es sich entwickeln wird.

Grüße

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