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Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
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Manfred
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Beitrag von Manfred » 28.06.2012, 14:26

Hallo MaryLou,
danke für Deine ausführliche Schilderung.
Schön, dass Du das Alles jetzt so empfinden und erleben kannst. :D

Ich befinde mich gerade in einem Prozess, in dem ich „lerne“, ohne viele der von Dir beschriebenen „Dinge“, mein Leben als Geschenk zu betrachten kann.
Es gibt sogar Momente, in denen es mir schon gelingt. :D

LG Manfred

silberkralle
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Beitrag von silberkralle » 28.06.2012, 15:09

glück auf manfred
Manfred hat geschrieben: mein Leben als Geschenk zu betrachten ... Es gibt sogar Momente, in denen es mir schon gelingt. :D
auf!, dass diese momente öfter sind und länger dauern.

viel spass beim üben.

:D
matthias

Manfred
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Beitrag von Manfred » 05.07.2012, 19:54

Danke Matthias. :D

In meinem ersten Beitrag habe ich etwas über Bedürfnisse und Gefühle geschrieben.
„Etwas“ fehlt noch: der Ort, an dem alles fühlbar wird: mein Körper.

Uwe schrieb kürzlich etwas (im Zusammenhang mit dem Rückfall von sogenannten „Langzeittrockenen“) über die „veränderten Lebenssituationen im Alter“, und über „Vereinsamung“ und „körperliche Schwächen“.

Ich nehme das mal zum Anlass um über meinen Umgang mit den o.g. Begriffen zu schreiben.

Vor über 30 Jahren brach ich mir den linken Oberschenkel. Ich bin damals im betrunkenen Zustand eine Treppe runtergerutscht, dann nach hinten übergefallen, und mit dem linken Bein auf ein weiteres Treppengeländer gefallen. Ich hatte dabei noch Glück, denn ich hätte mir auch das Genick brechen können.

Mit den Folgen dieses Sturzes habe ich noch heute zu tun.
Auf die vielen Behandlungsansätze in den letzten Jahren will ich an dieser Stelle nicht im Einzelnen eingehen.
Der Status quo ist: die Wirbelsäule ist stark „verbogen“; die Muskulatur ist aufgrund der jahrelangen Fehlhaltung unter ständigen Anspannung; das Iliosakralgelenk ist häufig blockiert; der gesamte Beckenbereich ist unter ständiger starker Anspannung. Auf die einzelnen Symptome möchte ich nicht im Einzelnen eingehen.
Die Beschwerden haben sich im Laufe der Jahre verstärkt, sind aber nicht so stark, dass ich Schmerzmittel nehmen muss.
Soviel zu den rein körperlichen Auswirkungen.

Zu den geschilderten körperlichen Anspannungen kommen psychisch bedingte Anspannungen hinzu.
Im Wesentlichen haben Anspannungen ja immer etwas mit Angst zu tun.
Jetzt ist das Eingeständnis „Angst zu haben“ ja nicht besonders populär. Es fällt mir auch leichter zu sagen, dass ich perfektionistisch veranlagt bin, obwohl das ja nichts anderes ist als Angst zu haben Fehler zu machen.
Wie ich es letztlich nenne, dass ist meinem Körper egal. Er reagiert bei Angst mit Anspannung. Der ist da unbestechlich.
Ein guter Indikator ist auch meine Atmung. Auch daran kann ich mittlerweile meine aktuelle Gefühlslage recht gut „ablesen“.
Ich nutze beispielsweise jetzt häufiger Situationen in denen ich warten muss um meine Atmung zu regulieren. Tiefes, bewusstes Atmen hilft mir um mich zu ent-spannen.
So kann ich beispielsweise das Warten an langen Schlangen an der Supermarktkasse gut für mich nutzen. Wenn ich will, dann kann ich mir ja auch lange Schlangen bewusst aussuchen ;-)

Für mich ist wichtig, dass ich alle diese körperlichen Signale ernst nehme und sie auch benenne. Erst dann habe ich die Möglichkeit sie auch bewusst zu verändern.

Bei mir gibt es „alte“ und aktuelle Ängste. Manchmal vermischen sie sich auch. Ich bin gerade in einem Prozess, in dem ich das sortiere.

Angstfreiheit ist ein starkes Bedürfnis von mir.

Welcher Anteil an meiner dauerhaften Muskelspannung nun seelisch (Psyche) oder körperlich (Soma) ist, dass kann ich im Einzelnen kann nicht genau sagen, aber ich weiß, dass ich in beiden Bereich ansetzen kann.

Ich kann mir vorstellen, dass das Alles für Einige viel zu differenziert ist. Ich habe mich damit in den letzten 20 Jahren auch nicht beschäftigt.
Aber jetzt ist offensichtlich für mich der richtige Zeitpunkt.

Und das hat sicher auch mit meinen aktuellen Lebensumständen zu tun:
1. Das deutlichere Spüren von körperlichen „Schwächen“ und Langzeitfolgen vergangener Fehlhaltungen.
2. Die Ungewissheit bezüglich meiner Einkommenssituation aufgrund schon länger andauernder Erwerbslosigkeit.
3. Die Ungewissheit bezüglich meines „sozialen Eingebundenseins“.

Trotz allem freue ich mich immer noch über mein „trocken sein“, und den vielen „kleinen“ Momenten, die ich dadurch bisher erleben durfte und noch erleben werde.

Morgen fahre ich mit meinem Vater zum Verkauf eines Grundstücks in den Osten der Republik.
Dieses Grundstück (mein Vater ist dort aufgewachsen, und ich hatte dort einige schöne Kindheitserlebnisse) wird nach 20 Jahren Auseinandersetzung innerhalb der Erbengemeinschaft nun endlich verkauft.
In den letzten 6 Monaten habe ich mich intensiv um den Klärungsprozess der zum Teil Jahrzehnte andauernden Konflikte gekümmert.
Selbstverständlich konnte ich die Konflikte nicht lösen, aber immerhin ist es mir gelungen, auf der formalen Ebene eine Einigung zu erzielen.
Ich glaube, dass ist mir deshalb gelungen, weil ich mich einerseits mit dem „inneren Kind“ der Beteiligten verbunden habe und andererseits den Einigungsprozess auf der rationalen Ebene voran getrieben habe.
Manchmal kann eine differenzierte Herangehensweise durchaus sinnvoll sein. :D

Ich wünsche uns allen einen möglichst ent-spannten Abend!

LG Manfred

silberkralle
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Beitrag von silberkralle » 06.07.2012, 08:21

glück auf manfred
Manfred hat geschrieben: Ich bin gerade in einem Prozess, in dem ich das sortiere.
in diesem zusammenhang interessiert mich, wie der alk (bzw. dessen weglassen) deine körperlichen und seelischen beschwerten beeinflusst hat und jetzt noch beeinflusst?

schöne zeit

:D
matthias

uwe.rothaemel
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Beitrag von uwe.rothaemel » 07.07.2012, 20:36

Hallo Manfred
Zitat: „Angstfreiheit ist ein starkes Bedürfnis von mir“

Das Begehren kenne ich. Doch ich denke, eine Erreichbarkeit wird sich als Illusion entpuppen. Zum anderen: Lebe ich noch ein tatsächliches, authentisches Leben, wenn ich frei von Angst wäre. Verfälscht mir das nicht meine Wirklichkeit und damit meine Persönlichkeit.
Ich glaube, dass vor jeder Ersterfahrung, jeder Begegnung mit etwas Neuem, die Angst gesetzt ist. (Schule, Beruf, Alter, Tod…)
Vielleicht reichen mir ein paar Gegenstrategien wie: Mut, Vertrauen, Demut.
Doch so manche irrationale Furcht, die mich immer wieder im Alltag behindert, würde ich gerne loswerden.

Ein unbenanntes Erschrecken, wenn das Telefon klingelt (der Klingelton ist es nicht!).
Das Zögern und Zaudern, beim formulieren oder gar durchsetzen einfacher Forderungen an andere.
Wenn eine Person (völlig fremd, auch beim Fernsehen) vorgeführt wird – zum weglaufen.
Die Aufzählung könnte ich fortführen (jedoch nicht ohne Peinlichkeiten).

Möglich allerdings, dass ich diese Sachen hinzunehmen habe. Sie sind Teil meiner Anlagen, durch die Umfeld(welt)bedingungen meiner Kindheit und einigen Gebräuchen der Gesellschaft, in die ich hineingeboren wurde.
Sicher haben die obigen Beispiele noch eine Geschichte hinter der Geschichte. Ich werde es vielleicht mal auflösen können, vielleicht auch nicht. Solange es keine lebensbedrohlichen Ausmaße annimmt, kann ich aber ganz gut damit leben.
Viel Erfolg beim Verkauf und schönes Wochenende – Uwe.

perla54
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Beitrag von perla54 » 08.07.2012, 10:01

hallo manfred

hier bist du also gelandet :D
hab deine zeilen schon vermisst.......

nein, im ersnst......angst ist bekanntlich evolotionstechnisch bedingt und gut
völlige angstfreiheit wäre gefährlich......nicht wegen dem tiger der auf uns lauert....
nein,es gibt ja andere hürden
die strategieen werden besser, um mit angst adäquat umzugehen
irrationale ängste hingegen sind unnütz, sie lähmen, blockieren

also,wenn ich tgl. denken würde
oh oh oh.....hoffentlich bekomm ich keine krankheit
hoffentlich werd ich nicht rückfällig
hoffentlich fällt mir kein sten aufn kopp
usw....das wäre fatal

ungeklärte lebenssituationen hingegen, machen angst
ich seh das bei mir z.zt.
job????? ungeklärt
gesundheit???? ungeklärt
existenz???? ungeklärt

ich bin mir dennoch sicher, das da wo türen geschlossen werden, sich neue öffnen
solange du reflektierst, dich bewegst.....geistig und körperlich
wird etwas passieren.....und das ist es :D

lieben gruss und einen schönen sonntag
petra

Manfred
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Beitrag von Manfred » 08.07.2012, 10:49

Hallo Matthias und Uwe,
vielen Dank für Euer Interesse und Eure Anregungen. :D

Ich arbeite gerade an einer Antwort.
Das kann noch etwas dauern, da ich beim Formulieren merke, wieviele Aspekte und Themen da bei mir angesprochen werden.

Ich möchte das gerne Alles in Ruhe auf mich wirken lassen und sortieren.

Ich wünsche uns allen einen schönen Sonntag!

LG Manfred

Manfred
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Beitrag von Manfred » 08.07.2012, 10:56

Hallo Petra,
Deinen Beitrag habe ich erst jetzt gelesen.
Das hat sich wohl mit dem Schreiben meines Beitrages überschnitten.

Vielen Dank auch für Deine Rückmeldung. :D

Ich werde auch Deine Anregungen bei meiner ausführlichen Antwort mit einbeziehen.

Auch Dir einen schönen Sonntag!

LG Manfred

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