HeuteEinfachLeben

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.
Gesperrt
Manfred
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1389
Registriert: 15.12.2009, 19:25

Beitrag von Manfred » 14.07.2012, 11:37

Hallo MaryLou,
Schön, dass es dich gibt.
Dankeschön. :D

Hallo Matthias,
ich neige dazu meine Einsamkeit/ Leere mit irgendetwas zu füllen.
Das erfüllt mich aber nicht wirklich.

Mein Gefühl sagt mir, dass es für mich erfüllender ist, wenn ich mich nicht von außen fülle, sondern von innen.

Diesem inneren Erfüllungsprozess möchte ich weiter Raum und Gestalt(ung) geben.

Es hat etwas damit zu tun (so meine Ahnung und Intuition) mich von innen heraus anzunehmen.
Das lässt mich unabhängiger werden von äußeren Umständen und Einflüssen, die ich ja ohnehin nur sehr bedingt beeinflussen kann.

************************

Gestern habe ich meinen Vater den ganzen Tag bei einem Krankenhaustermin begleitet.
In vielen Untersuchungen und Gesprächen haben sich viele Dinge zum Positiven klären lassen.
Zwischendurch haben wir auch immer wieder mal zusammen gelacht.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass zwischen uns ein gewisser Rollentausch stattfindet.
Ich bin gern ein fürsorglicher „Vater“ für meinen Vater.


Ich wünsche uns allen ein möglichst erfülltes Wochenende.
LG Manfred

zerfreila
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 10652
Registriert: 01.01.2009, 20:41

Beitrag von zerfreila » 14.07.2012, 12:40

Manfred hat geschrieben:
Zwischendurch haben wir auch immer wieder mal zusammen gelacht.

Hallo Manfred,

ich finde beides wichtig, die Erfüllung von innen wie von außen, wobei die Efüllung ja schon ein großes Wort ist. Davor ist vielleicht das Wohlbefinden, die Freude...

Eine Wanderung, ein Spaziergang, eine Beobachtung, eine Betrachtung, eine Begegnung, ein gutes Gespräch, eine Umarmung...

Erfüllung kann ich auch in einem einzigen Moment nur finden.

Im Kleinen kann das sein. Unaufgeregt und still.

Für mich allein, aber auch gemeinsam. Mit einem lieben Menschen oder in einer Gruppe.

Beispielsweise das gemeinsame Lachen mit Deinem Vater finde ich einfach schön. Ist dies nicht auch ein Moment der Erfüllung gewesen.

Ich denke bei Erfüllung auch nicht unbedingt an etwas Dauerhaftes, bei Glück sehe ich es ähnlich.

Erfüllung hat ganz viel zu tun mit einem guten Gefühl, auch mit Wohlbefinden, Erfüllung kann ich finden in meinem Tun, in meinen Aktivitäten, durch eine Aufgabe, wenn ich unterwegs bin. Auch durch Gedanken und still in meiner Stube, natürlich.

Erfüllung ist ein hohes Gut und oft nur in Momenten zu finden, aber auch auf Dauer wohl möglich.

Auch das Einfache und Erfüllung zeigt sich mir als Thema.

Das ist ein interessantes Thema und ich könnte jetzt noch schreiben und schreiben, etwas unsortiert wie in meinem Beitrag hier, doch ich gehe gleich wohl mal raus und im Regen spazieren.

Danke für Deinen Beitrag und Dir auch ein schönes Wochenende. Liebe Grüße, zerfreila

Manfred
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1389
Registriert: 15.12.2009, 19:25

Beitrag von Manfred » 14.07.2012, 14:39

Hallo zerfreila,
mein Ausgangspunkt war ja, dass ich dazu neige meine Einsamkeit/Leere mit irgendetwas zu füllen.

Und über den Begriff „füllen“ bin ich dann zu den weiteren Überlegungen gekommen.

Mir geht es dabei nicht um Erfüllung im Sinne von alltäglicher Glückseligkeit o.ä.

Mich interessiert die Frage:
Was bleibt von mir übrig, ohne Haus, Hof, Auto, Beruf, soziales Umfeld, etc.?
Wie gehe ich damit um, wenn ich ein „Nein“ höre?
Bin ich dann verlassen und verloren? Oder gibt es da ein inneres, tragendes Fundament?

Vielleicht hätte ich statt „Erfüllungsprozess“ besser schreiben sollen:
innerer Nachreifeprozess.


Schönes Wochenende und viel Spaß bei Deinem Regenspaziergang.

LG Manfred

silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 7189
Registriert: 04.12.2009, 13:40

Beitrag von silberkralle » 14.07.2012, 21:27

glück auf manfred

nachreife passt zu deiner "geschichte"
gibts n andern menschen in deinem leben (außer deinem vater)?

viel erfolg

:D
matthias

MaryLou

Beitrag von MaryLou » 14.07.2012, 22:10

Hallo Manfred,

heute fühle ich mich trotz Haus, Hof, Auto, Kinder ( Mega Geburtstagsparty sogar ;) ), Besitz, Freunden, Zuneigung und all dem was von aussen kommt sehr "alleine".

Aber das ist nicht schlimm, es fühlt sich zwar traurig an, aber ich lasse das gerne zu, weil diese Traurigkeit mir zeigt, dass es nichts gibt und wohl auch jemals geben wird, was mich anhaltend von aussen erfüllen kann.

Aber:

Dieses "Wissen" oder eher dieses Gefühl macht mich unabhängig.

Und darum bin ich trotz dieser Traurigkeit glücklich.

:)

Marion

Manfred
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1389
Registriert: 15.12.2009, 19:25

Beitrag von Manfred » 15.07.2012, 14:23

Hallo Matthias,
ich habe ein wenig den Eindruck, dass Du Dir Sorgen um mich machst. Das brauchst Du nicht (vielleicht brauchst Du es für Dich, aber das weiß ich selbstverständlich nicht).

Ich wollte noch nie „gerettet“ werden, weder im nassen Zustand noch jetzt.

Ich kenne dieses Retter- bzw. Helfersyndrom ganz gut von mir.
Bei mir war es (und ist es gelegentlich auch heute) so, dass ich ein Gegenüber zum „retten“ brauchte, um mir damit ein gutes Gefühl zu verschaffen.
Ich habe für mich festgestellt, dass es ein schmaler Grad ist, zwischen Unterstützen und Begleiten auf der einen Seite, und auf der anderen Seite jemanden zu brauchen, dem ich meine Hilfe anbieten kann.

Wenn ich hier beispielsweise über mein allein sein und meine Einsamkeit schreibe, dann mache ich das, um es für mich zu reflektieren und zu sortieren.

Gern lese ich davon, ob andere Menschen diese Gefühle von Einsamkeit, Verlassen sein/werden, Verlust auch kennen, und wie sie damit umgehen.

OF schrieb beispielsweise bei Naomi:
"Ich nehme das Leben wie es kommt.
Ich habe gelernt "hinter" den verschiedendsten
Ereignissen, die das Leben hervorbringt "zu sein"."


Und Uwe schrieb gerade etwas bei TwoTimes von dem Faktor Zeit im Zusammenhang mit der Einstellung bzw. dem Umgang mit neuen Lebenssituationen.

Ich bin in der Verarbeitung von Verlust und Trennung offensichtlich ziemlich langsam bzw. habe mir für die Verarbeitung meiner frühen Ängste des Verlassenwerdens bisher nicht ausreichend Zeit genommen.

Durch heutige Situationen des Verlassenwerdens (und ähnliche Situationen in denen ich ein „Nein“ höre) wird offensichtlich die alte Wunde immer wieder „angesprochen“.

Seid mir das bewusst ist, kann ich besser damit umgehen, aber der alte Schmerz schwingt immer noch nach.

Hallo Marion,
"Und darum bin ich trotz dieser Traurigkeit glücklich."

Das klingt schön. Danke.

Einen schönen Restsonntag an alle Leser.

LG Manfred

Melinak
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 5166
Registriert: 10.12.2008, 18:48

Beitrag von Melinak » 15.07.2012, 20:35

hallo,

ich möcht ganz unabhängig von dem was ihr vor mir geschrieben hat darauf eingehen wie der titel "heuteeinfachleben" in mir auslöst.

einfach ist es nie. es gibt zeiten, ja, da lebte ich nach aufarbeitung meiner ganzen geschichte sicherlich erleichterter. freudiger. zufriedenenr. sicher wars positiv das mal durch zu gehen und an zu schauen. das gehört für mich inzwischen zur alltäglichen achtsamkeit dazu.

meine erwartungen habe ich inzwischen soweit, das ich sagen kann, einfach leben ist nicht. es gehören so viele dinge dazu, die einfluss auf mich nehmen. ich selbst , das umfeld, die gemeinschaft.um micht rum kann ich nicht ausblenden. ich kann versuchen damit um zu gehen, so das ich eine gewisse gelassenheit dabei spüre. gelingt mir das nicht gehört das allerdings genau so dazu wie alles andere.das bin dann auch ich und damit lebe ich. ich muss nicht zwanghaft versuchen alles beschönigen, glauben, das leben ist einfach nur so leben. es gehören einsamkeit leere unerfülltheit genauso dazu wie das glück wie auch die innere zufriedenheit. ich glaube schon lang nicht mehr daran das es das erfüllte friedvolle leben gibt in dem alles rund läuft und ich nur noch zufrieden bin. das ist illussion, traum, das hat mit realität und leben kein bischen zu tun. sämtliche versuche das so zu leben scheiterten erfahrungsgemäss bei mir immer wieder an den vielen faktoren die das leben einfach so mit sich bringen. weils leben ist,dazu gehört, sich nicht verhindern lässt, passiert ob ich will oder nicht. massgeblich für meine innere zufriedenheit ist , das ich darazu vertraue das es weiter geht. das leid und schmerz sowohl auch freude und glück zum leben gehört und eine einheit bildet die zusammen gehört.das ich weiss ich kann damit umgehen, kann dieses annehmen in dem moment wo es da ist und zerbreche nicht daran, weil ich hilflos bin. nein ich bin nicht hilflos dem leben ausgeliefert. ich kann was tun. kann handeln. handeln so, das bestimmte lebenssituationen lebbar sind. mit lebbar meine ich, kompromisse ein zu gehen und mir selbst zu sagen, damit kann ich leben.das leben so nehmen wie es kommt. genau. es kommt, auf jeden fall und ich bin in der lage genau das an zu nehmen wie es ist. das ist nicht einfach. nicht einfach leben. das ist heute leben.so wie ich es kann.damit nehme ich mich selbst an wie ich bin und das ist gut so.

gruß
melanie

uwe.rothaemel
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 540
Registriert: 26.05.2010, 16:15

Beitrag von uwe.rothaemel » 15.07.2012, 23:51

Hallo Manfred
Dein letzter Beitrag klingt nach erfolgreicher Selbstanalyse. Vielleicht heißt es auch besser: die „Selbsterziehung eines Erwachsenen“. Kritisch, die alten Prägungen hinterfragend.
Ich habe das für mich mal hier zu Beginn „Inventur aus skeptischer Distanz“ genannt.
Beruhigend ist mittlerweile: nicht alles war oder wird schmerzlich sein – es gibt immens viele amüsante Aspekte dabei.
Wichtig ist mir, dass es ein „Hätte ich damals doch schon…!“ nicht mehr gibt.
Ein „Damals war mir dies und jenes noch nicht möglich. Was hindert mich denn heute daran?“, macht mir einiges entspannter. Das gelingt mit erinnerten Gefühlen ebenso wie mit dem agieren. Na gut! Gelingt mir, gelingt mir nicht, gelingt mir…! Ich hab ja Zeit zum üben.
Gruß – Uwe.

Gesperrt